Thales Group

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Thales S.A.

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Rechtsform Société Anonyme
ISIN FR0000121329
Gründung 6. Dezember 2000
Sitz La Défense, FrankreichFrankreich Frankreich
Leitung Patrice Caine und Henri Proglio
Mitarbeiterzahl 83.000[1]
Umsatz 17 Mrd. EUR (2020)[1]
Branche Verteidigung und Sicherheit, Transport, Luft- und Raumfahrt, Cybersicherheit
Website thalesgroup.com
Stand: 4. März 2021

Die Thales Group mit Sitz in Paris ist ein börsennotierter Rüstungskonzern mit Aktivitäten in Militärtechnik, Luft- und Raumfahrt sowie Sicherheit und Transport. Vor dem Jahr 2000 war das Unternehmen als Thomson-CSF bekannt.

Konzern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweit beschäftigt der französische Konzern rund 83.000 Mitarbeiter in 68 Ländern und hatte 2020 einen Umsatz von 17 Milliarden Euro.[2][3]

Mehr als die Hälfte seiner Mitarbeiter arbeiten außerhalb Frankreichs. Seit Dezember 2014 ist Patrice Caine CEO, unterstützt von Henri Proglio als Chairman.[4]

Im Jahr 2017 ist Thales der achtgrößte Rüstungslieferant der Welt.[5] Im Jahr 2020 verteilt sich das Geschäft des Konzerns zu 53 % auf zivile Kunden und zu 47 % auf militärische Kunden (55 % bzw. 45 % im Jahr 2019).[3]

Anteilseigner zum 30. Jun. 2018:[6]

Der Konzern ist maßgeblich beteiligt an internationalen Technologieprogrammen wie dem europäischen Satellitenprogramm Galileo und dem Luftfahrtprogramm SESAR. Thales ist ebenfalls Mitglied der Initiative Global Compact der Vereinten Nationen.

Die Hälfte des Jahresumsatzes von 2016 (8,2 Milliarden US-Dollar) entfiel auf Rüstungsgüter. Gemessen am Umsatz war Thales damit das zehntgrößte Rüstungsunternehmen der Welt.[7]

Thales in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptsitz in Ditzingen

Thales Deutschland mit Hauptsitz in Ditzingen gehört zu den größten Landesgesellschaften im Thales-Konzern und hat rund 3.900 Beschäftigte an insgesamt zehn Standorten mit eigener Produktion und Entwicklung. Im Jahr 2020 erzielte Thales Deutschland einen Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro (Gemäß International Accounting Standards (IAS) exkl. Joint Ventures). Erhebliche Umsätze generiert Thales Deutschland darüber hinaus über seine Joint-Venture-Beteiligungen.[8]

Thales Deutschland bietet seinen Kunden im In- und Ausland modernste, hochsichere und -verfügbare Kommunikations-, Informations- und Steuerungssysteme sowie Dienstleistungen für einen sicheren Land-, Luft- und Seeverkehr sowie für zivile und militärische Sicherheits- und Schutzanforderungen. Darüber hinaus verfügt Thales Deutschland über ein umfassendes Portfolio von IT-Lösungen für Cybersecurity. An seinem Standort Ulm fertigt und entwickelt das Unternehmen zudem Satellitenkomponenten.[8]

Im Jahr 2020 konnte Thales Deutschland einige große Aufträge für sich entscheiden: so wird das Unternehmen die Leit- und Sicherungstechnik der Deutschen Bahn in Stuttgart im Rahmen der Bausteine 1 und 2 des Digitalen Knoten Stuttgarts digitalisieren[9] oder das Führungs- und Waffeneinsatzsystem für die neuen Fregatten vom Typ F126 liefern und integrieren[10].

Seit Januar 2021 ist Oliver Dörre Vorsitzender der Geschäftsführung von Thales Deutschland.[11][12]

Thales in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thales Austria hat seinen Firmensitz in Wien und beschäftigt unter Hannes Boyer mehr als 400 Mitarbeiter in den Feldern Raumfahrt, Verteidigung, Sicherheit und Transportation.[13]

Thales in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Thales Suisse SA in Zürich ist mit rund 220 Mitarbeitern im Bereich der Bahnsicherungstechnik sowie im Bereich der militärischen und zivilen Sicherheit tätig.[14] Über die Unternehmenstochter Thales Alenia Space (in Zürich, etwa 75 Mitarbeiter) ist sie außerdem im Weltraumgeschäft aktiv.[15][16]

Thales in den Niederlanden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thales Hengelo

Zur Umgehung der in Deutschland nach Ende des Ersten Weltkriegs im Friedensvertrag von Versailles weitgehend verbotenen Rüstungsgüterproduktion hatte Siemens & Halske in Den Haag die Tarnfirma Internationale Patenthandel (IPATH) gegründet. Diese gründete 1922 gemeinsam mit dem niederländischen Schaltkastenhersteller Floris Hazemeyer in Hengelo die – wirtschaftlich von den Deutschen kontrollierte und auch hauptsächlich von Deutschen geleitete – Hazemeyer's Fabriek van Signaalapparaten. Zweck war die Herstellung von Geschützlafetten mit optomechanischen Feuerleitanlagen für Kriegsschiffe der niederländischen Marine.[17][18] Nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlicht als Hollandse Signaalapparaten (kurz Signaal oder HSA).[19] Später wieder privatisiert, 1956 erlangte der niederländische Konzern Philips die Anteilsmehrheit. 1990 wurde HSA an Thomson-CSF verkauft und umbenannt in Thomson-CSF Signaal. Nachdem Thomson-CSF im Jahr 2000 zu Thales umfirmiert wurde, erhielt das Unternehmen die Bezeichnung Thales Nederland.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1998 wurden die Rüstungssparten von Alcatel, Dassault Électronique und Thomson-CSF zu einem neuen Unternehmen zusammengelegt, wobei Frankreich die Mehrheitsanteile an diesem Unternehmen hielt. Von 1998 bis 2000 verringerte der französische Staat seine Anteile. Im Juni 2000 übernahm Thomson-CSF das britische Unternehmen Racal, einen der größten englischen Elektronikkonzerne. Schließlich nannte sich Ende 2000 Thomson-CSF in Thales um. 2002 gründen die Thales Group und der französische Schiffbau-Betrieb DCN das Schiffbau-Joint Venture Armaris. 2003 gewann Thales UK gemeinsam mit BAE Systems die Ausschreibung zum Bau der neuen Flugzeugträger der Queen-Elizabeth-Klasse für die britische Royal Navy.

Durch den Zukauf einiger Technologiesparten von AEG, Siemens, ABB, Bombardier und anderen Unternehmen ist der Konzern mittlerweile ein Weltkonzern geworden.

In den Jahren 2006/2007, im Zuge der Übernahme des US-amerikanischen Kommunikationskonzerns Lucent durch Alcatel, hat Thales von Alcatel bzw. Alcatel-Lucent die französische Beteiligung an Alcatel Alenia Space (67 %) und Telespazio (33 %) sowie den Bereich der Leit- und Sicherungstechnik für den Schienenverkehr übernommen.[20] Da die Übernahmen durch Aktienanteile finanziert wurden, stieg damit die Beteiligung von Alcatel-Lucent an Thales von 9,46 auf 20,95 Prozent. Im Jahr 2009 übernahm Dassault Aviation diesen Anteil von Alcatel-Lucent.[21] Dassault machte seinen Einfluss geltend und ließ im Mai 2009 den CEO & Chairman des Thales-Konzerns Denis Ranque durch seinen Wunschkandidaten Luc Vigneron, vormals CEO des französischen Technologieunternehmens Nexter, ablösen.[22][23] Im Dezember 2012 gab Luc Vigneron seinen Posten ab, da ihm der Rückhalt der beiden Hauptanteilseigner fehlte.[24] Ihm folgte der Franzose Jean-Bernard Lévy, ehemaliger Konzernchef von Vivendi.[25]

Die Ende 2017 angekündigte Übernahme des Chipkartenherstellers Gemalto durch die Thales Group wurde am 2. April 2019 abgeschlossen.[26]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Thales Group – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b 2017 Full-Year results. (PDF; 706KB) Thales Group, abgerufen am 9. August 2018 (englisch).
  2. Thales 2020 full year result. Thales Group, abgerufen am 4. März 2021.
  3. a b Consolidated financial statement at 31 December 2020. Thales Group, abgerufen am 4. März 2021.
  4. Statement from Thales Board of Directors. Thales Group, 23. Dezember 2014, abgerufen am 9. August 2018 (englisch).
  5. THE SIPRI TOP 100 ARMS‑PRODUCING AND MILITARY SERVICES COMPANIES, 2017. Stockholm International Peace Research Institute, abgerufen am 4. März 2021.
  6. Shareholding. Thales Group, abgerufen am 8. August 2018 (englisch).
  7. Das sind die größten Waffenhersteller der Welt. In: Handelsblatt. 11. Dezember 2017, abgerufen am 9. August 2018.
  8. a b Thales Deutschland Website. Thales, abgerufen am 4. März 2021.
  9. Thales wird die Signaltechnik der Deutschen Bahn in Stuttgart digitalisieren, um Kapazität, Pünktlichkeit und Komfort deutlich zu verbessern. Thales, abgerufen am 4. März 2021.
  10. BAAINBw und DAMEN unterzeichnen Vertrag über „MKS 180“. Thales, abgerufen am 4. März 2021.
  11. Änderung in Aufsichtsrat und Geschäftsführung der Thales Deutschland. Thales, abgerufen am 4. März 2021.
  12. Oliver Dörre. Thales, abgerufen am 12. Februar 2021.
  13. Thales Austria. Thales, abgerufen am 9. August 2018.
  14. Thales Schweiz | Thales Group. Abgerufen am 1. April 2019.
  15. Dominik Feldges: Weltraum-Wissen aus Zürich | NZZ. 4. Mai 2017, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 28. April 2019]).
  16. Thales Alenia Space Switzerland is born | Thales Group. Abgerufen am 28. April 2019.
  17. https://www.thalesgroup.com/de/europe/deutschland/140-years-technology-tradition-germany/1920
  18. Siehe auch: S. J. de Groot: Ein Wolf im Schafspelz. Verdeckte deutsch-niederländische Rüstungsproduktion und die Firma IvS 1922-1945. Schriften zur Marinegeschichte, Band 2, Verlag Ferdinand Schöningh 2021, ISBN 9783657704446 [1]
  19. Näheres zur Unternehmensgeschichte siehe nl:Hollandse Signaalapparaten
  20. Andreas Wilkens: Alcatel-Lucent verdoppelt Anteil an Thales. In: Heise Online. 5. Januar 2007, abgerufen am 9. August 2018.
  21. Andreas Wilkens: Dassault kauft Alcatel-Lucent 20,8 Prozent von Thales ab. In: Heise Online. 19. Dezember 2008, abgerufen am 9. August 2018.
  22. Holger Alich: Vigneron übernimmt Thales. In: Handelsblatt. 18. Mai 2009, abgerufen am 9. August 2018.
  23. Pierre Briancon: Ein Akt der Selbstzerstörung. In: Handelsblatt. 17. Mai 2009, abgerufen am 9. August 2018.
  24. Cyril Altmeyer, Tim Hepher: Former Vivendi boss to run France's Thales. In: Reuters. 19. Dezember 2012, abgerufen am 9. August 2018 (englisch).
  25. Jean-Bernard Lévy, Chairman and CEO of Thales. (PDF; 37KB) In: ThalesGroup.com. Thales, 20. Dezember 2012, abgerufen am 9. August 2018.
  26. Thales übernimmt Gemalto. In: report.at. 7. April 2019, abgerufen am 18. Mai 2021.