Ruth Kraft

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Ruth Kraft auf dem 7. Schriftstellerkongress, Berlin 1973

Ruth Kraft (Pseudonym für Ruth Bussenius; * 3. Februar 1920 in Schildau, Kreis Torgau; † 8. Juli 2015 in Berlin) war eine deutsche Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten]

Ruth Kraft wurde als Tochter eines Kaufmanns in der preußischen Provinz Sachsen (heute Freistaat Sachsen) geboren. Bereits ihre Großeltern, später dann ihre Eltern führten einen Eisen- und Kolonialwarenladen. Der Großvater war Mitbegründer der Sparkasse in Schildau.[1] Nach dem Besuch des Katharina-von-Bora-Lyzeums Torgau absolvierte sie eine kaufmännische Lehre, arbeitete anschließend als Buchhalterin und sollte das elterliche Geschäft übernehmen. Im Jahr 1938 trat sie der NSDAP bei.[2]

Nach ihrer Dienstverpflichtung 1940 arbeitete sie als technische Rechnerin in der Aerodynamischen Abteilung der Heeresversuchsanstalt Peenemünde. 1943 wechselte sie in den sozialen Bereich und wurde zivile Angestellte des Wehrkreiskommandos Stettin. Mit dem Vorrücken der Ostfront wurde auch sie weiter in den Westen Deutschlands verlegt und landete im Mai 1945 in Rendsburg.[3]

Nach Kriegsende schlug sich Ruth Kraft zunächst nach Hause durch, begann mit Schreibversuchen und war seit Frühjahr 1946 Mitarbeiterin des Jugendfunks des Senders Leipzig des Mitteldeutschen Rundfunks. Hier bekam sie ihre ersten literarischen Aufträge für Jugend-, Schulfunk- und Kindersendungen. Neben der Arbeit für mehrere Rundfunkanstalten (Sender Halle, Sonntagskinder-Berlin) entstanden von 1946 bis 1953 eine ganze Reihe von Kinderbüchern.

Ruth Kraft heiratete 1949 den Rundfunkregisseur und Schauspieler Hans Bussenius, mit dem sie 1951 einen Sohn und 1955 eine Tochter hatte.[3] Nach dessen Berufung als Lektor in die Dramaturgie der DEFA zog die Familie 1953 nach Potsdam-Babelsberg. Später lebte sie über 40 Jahre bis 2008 in Zeuthen.[4][5]

Krafts Werk umfasst Romane, Bilder- (z. B. illustriert von Fritz Baumgarten), Kinder- und Jugendbücher, Drehbücher und Hörspiele. In ihrem Roman „Insel ohne Leuchtfeuer“ verarbeitete sie ihre Erfahrungen aus der Peenemünder Zeit; seit den Siebzigerjahren schrieb sie vorwiegend über Gegenwartsthemen. Im Jahre 2000 wurde sie zu einer Lesung an die University of Alabama, Huntsville, USA, eingeladen.

1946 wurde sie Mitglied der Liberaldemokratischen Partei (LDPD) der Sowjetischen Besatzungszone; ab 1963 gehörte sie dem Zentralvorstand dieser Partei an. Ab 1974 war sie Mitglied des DDR-Friedensrates. Kraft war Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR und gehörte dessen Vorstand an. Sie erhielt u. a. folgende Auszeichnungen: 1967 den Theodor-Fontane-Preis des Bezirkes Potsdam, 1969 den Vaterländischen Verdienstorden in Bronze, 1974 den Vaterländischen Verdienstorden in Silber sowie 1985 den Literaturpreis des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands und den Orden Stern der Völkerfreundschaft in Silber.

Ruth Kraft wurde von ihrer Geburtsstadt Schildau zur Ehrenbürgerin ernannt.[3] Sie starb am Morgen des 8. Juli 2015 im Alter von 95 Jahren in Berlin, wo sie zuletzt gelebt hatte.[6]

Werke[Bearbeiten]

  • Rüben, Säfte und Kristalle, Halle (Saale) 1950
  • Lutz und Frosch und wie sie alle heißen, Berlin 1952
  • Das Schildbürgerbuch von 1598, Rostock 1953
  • Allerlei Tiere, Leipzig 1954 (zusammen mit Fritz Baumgarten)
  • Janni vor dem Mikrofon, Berlin 1954
  • Tiere aus Wald und Feld, Leipzig 1954 (zusammen mit Fritz Baumgarten)
  • Tipps und Tapps, Leipzig 1956 (zusammen mit Fritz Baumgarten)
  • Meine Tierlieblinge, Leipzig 1957 (zusammen mit Fritz Baumgarten)
  • Flick und Flock, Leipzig 1958 (zusammen mit Fritz Baumgarten)
  • Tiere der Heimat, Leipzig 1958 (zusammen mit Fritz Baumgarten)
  • Insel ohne Leuchtfeuer, Berlin 1959
  • Usch und Thomas an der See, Leipzig 1960 (zusammen mit Albrecht Ehnert)
  • Usch und Thomas im Ferienlager, Leipzig 1961 (zusammen mit Albrecht Ehnert)
  • Im Stall und auf der Weide, Leipzig 1961 (zusammen mit Renate Zürner)
  • Am Teich und auf der Wiese, Leipzig 1963 (zusammen mit Renate Zürner)
  • Usch und Thomas im Spielzeugland, Leipzig 1963 (zusammen mit Albrecht Ehnert)
  • Menschen im Gegenwind, Berlin 1965
  • Gestundete Liebe, Berlin 1970
  • Träume im Gepäck, Berlin 1972
  • Solo für Martina, Berlin 1978
  • Unruhiger Sommer, Berlin 1979
  • Die Kunst, Damen zu empfangen, Berlin 1983
  • Aufbruch zur Quelle, Berlin 1995 (zusammen mit Marianne Motz)
  • Leben – von der Pike auf, Autobiographie. Vision, Berlin 2000, ISBN 3-928787-18-7.

Herausgeberschaft[Bearbeiten]

  • Schnick-schnack-Dudelsack, Leipzig 1954

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerd Tiedke: Abschied von „PEE“: eine Momentaufnahme aus dem Leben der Schriftstellerin Ruth Kraft. Engelsdorfer, Leipzig / Berlin / Usedom 2011, ISBN 978-3-86268-293-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ruth Kraft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Winand von Petersdorff: Inflation und andere Schocke : Ruth Kraft-Bussenius ist 91 Jahre alt. In ihrem langen Leben hat sie sechs Währungen mitgemacht. So jemanden kann die Euro-Krise nicht mehr schrecken, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25. Dezember 2011, Seite 34-35
  2. Harry Waibel: Diener vieler Herren : Ehemalige NS-Funktionäre in der SBZ/DDR. Lang, Frankfurt am Main 2011 ISBN 978-3-631-63542-1 S. 181f
  3. a b c Biographie beim Förderverein Peenemünde
  4. Kommentar in „Am Zeuthener See“, Zeuthen, 2. Mai 2010
  5. „Grande Dame ja, Königin nein“, Märkische Allgemeine, 2. Oktober 2010
  6. Gerd Tiedke: Schriftstellerin Ruth Kraft in Berlin verstorben, Torgauer Zeitung, 8. Juli 2015