Saadi

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Dieser Artikel behandelt den Dichter Saadi, zu anderen Bedeutungen siehe Saadi (Begriffsklärung). Zum Vornamen Sa’di siehe Şadi.
Saadis Grabmal in Schiraz
Andere Ansicht von Saadis Grabmal

Saadi (persisch سعدی, DMG Saʿdī; * um 1210; † um 1292[1] ebenda), eigentlich Muscharraf ad-Din Abdullah, war ein herausragender persischer Dichter und Mystiker. Er ist der volkstümlichste Poet seines Landes und erhielt in seiner Geburtsstadt (ebenso wie etwas später Hafis) ein vielbesuchtes Mausoleum in einem Garten (genannt Saadiye).

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Literatur- und Islamstudien an der Universität Bagdad wandte Saadi sich der Mystik zu. Neben lehrhaften Schriften ist er der Autor des Bustan („Frucht- oder Obstgarten“, gemeint ist ein auch mit „Lustgarten“ bezeichneter Nutzgarten, 1257) und des Golestan („Rosengarten“, gemeint ist ein Ziergarten, 1258), ebenso einer Sammlung von mit Versen durchsetzten Prosa-Erzählungen (meist „Diwan“ genannt).

Die erstgenannten Werke enthalten Kurzgeschichten und Gedichte über seine vielen Reisen, die ihn für fast 30 Jahre in den Hedschas und den Jemen, nach Syrien und Palästina führten, aber auch ins Sultanat der Rum-Seldschuken (Anatolien), nach Ägypten und Indien. Erst als älterer Mann kehrte Saadi nach Schiraz zurück, wo er (den Bustan wie den Golestan) für die Salghuriden schrieb. Von Muzaffar ad-Din Saad II. (reg. 1260), einem dieser Atabegs von Fars, leitet sich auch sein Tachallus ab. Der osmanische Hofdichter Hayâlî wurde in seiner Jugend stark von den Gedichten Saadis beeinflusst.

In Europa wurde Saadi erstmals durch André du Ryers französische Übersetzung des Golestan (1634) bekannt. Ins Deutsche wurde er u. a. 1846 durch Karl Heinrich Graf übersetzt.

Werkübersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Bustan“ (Duftgarten)
  • „Golestan“ (Rosengarten)
  • „persische und arabische Qasiden“ (Elegien)
  • „Ghazaliat“ (lyrische Gedichte), das in vier Bände unterteilt ist
  • „Tardschi'band“ (Gedichte bestehend aus zwei reimenden Halbversen)
  • „Qata'at“ (Stücke von Gedichten)
  • „Roba'iat“ (Roba’i, Vierzeiler)
  • „Mofradat“ (Einzelvers bestehend aus zwei Halbversen)
  • „Suknameh“ (Trauergedicht)
  • „Molamma'at wa Mosallasat“ (zweisprachige arabisch-persische Gedichte)

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn einer in dem Volke töricht handelt,
So fällt Verachtung gleich auf groß und klein.
Oft kann ein einz’ger Ochse auf der Weide
Verderber einer ganzen Herde sein.[2]

Zuwider ist mir ganz der Freunde Umgang,
Die mir mein Schlechtes stets als Gutes zeigen,
Im Fehler nur Verdienst und Vorzug sehen,
Den Dorn als Jasmin und als Rose zeigen.
Weit lieber unverschämte freche Feinde,
Die mir ganz offen meine Fehler zeigen.[3]

Das folgende Gedicht ist in der Halle des Gebäudes der Vereinten Nationen zu New York angebracht:

بنــى آدم اعـضـاى يكديگرند
كه در آفرينــش ز يك گوهرند
چو عضوى بدرد آورد روزگار
دگر عضـو هـا را نمـانـد قرار
تو كز محنت ديگران بى غمى
نـشــايد كه نامت نهـند آدمى

banī ādam a‘żā-ye yek-dīgar-and
ke dar āfarīneš ze yek gauhar-and
čo ‘ożwī be-dard āwarad rūzegār
degar ‘ożw-hā-rā na-mānad qarār
to kaz meḥnat-e dīgarān bī ġammī
na-šāyad ke nāmat nahand ādamī[4]

Adams Kinder sind als Glieder fest miteinander verbunden,
Da sie der Schöpfung aus einer einzigen Perle entstunden.
Fügt schon ein einziges Glied Leid hinzu der Welt,
Die anderen Glieder solches Tun in Aufruhr hält.
Dir, der dich Not und Pein der anderen nicht berührt,
Geziemt es nicht, dass dir der Name »Mensch« gebührt.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel „Saʿdī“ in Encyclopædia Iranica
  2. Von den Gesinnungen der Derwische
  3. Von den Vorteilen des Stillschweigens
  4. Transkription nach DMG.
  5. Aus dem »Rosengarten«, 1. Kapitel, Über den Weg der Könige, 10. Erzählung. Moḥammad ‘Alī Forūġī (Hrsg.): Gesamtwerk des Sa‘dī, Ǧāwīdān-Verlag, pers., Teheran o. Jahresangabe (in den 1970er-Jahren erworben).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Saʿdī: Hundertundeine Geschichte aus dem Rosengarten. Ein Brevier orientalischer Lebenskunst. Piper, München, Zürich 2004, ISBN 3-492-24334-7.
  • Saʿdī: Saʿdi der Weise. Die Lieder und Sprüche des Saʿdi. Yinyang-Media-Verlag, Kelkheim 2001, ISBN 3-9806799-6-9.
  • Saʿdī: Saadi’s Bostan. Biblio-Verlag, Osnabrück 1990, ISBN 3-7648-0592-7.
  • Saʿdī: Aus dem Diwan. Hrsg.: Annemarie Schimmel. Reclam, Stuttgart 1981, ISBN 3-15-007944-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Saadi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Saadi – Zitate

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]