Saal-Eisenbahn-Gesellschaft
Die Saal-Eisenbahn-Gesellschaft war ein 1871 gegründetes deutsches Verkehrsunternehmen, das im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, den Herzogtümern Sachsen-Altenburg und Sachsen-Meiningen sowie dem Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt die Bahnstrecke Großheringen–Saalfeld (Saalbahn), die Bahnstrecke Orlamünde–Oppurg sowie die Bahnstrecke Schwarza–Blankenburg erbaute und betrieb. Der preußische Staat kaufte die in finanziellen Schwierigkeiten steckende Gesellschaft 1895 auf.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Langwierige Vorgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits Mitte der 1830er Jahre gab es ein erste Projekt für eine Eisenbahn durch das Tal der Saale. Insbesondere die Stadt Jena setzte sich fortan für den Bahnstreckenbau ein.[1.1] Größtes Hindernis beim Bau war die Zersplitterung der anliegenden Kleinstaaten. Sowohl der Deutsche Krieg von 1866 als auch die Zusagen der Staaten Preußen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Meiningen, Reuß jüngere Linie und Schwarzburg-Rudolstadt im Jahr 1867 zur Thüringischen Eisenbahn-Gesellschaft für den Bau der Verbindung Gera–Eichicht behinderten die Gründung einer Bahngesellschaft. Ein wesentlicher Streitpunkt war die genaue Streckenführung, Sachsen-Meiningen wollte die Bahnstrecke über das Orlatal Richtung Pößneck bauen, um keine Konkurrenz zur Bahn Gera–Eichicht zuzulassen. Schwarzburg-Rudolstadt bestand dagegen auf eine Streckenführung über Rudolstadt.[1.2] Erst nach weiteren langwierigen Verhandlungen schlossen die betroffenen Staaten Sachsen-Altenburg, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Weimar-Eisenach und Schwarzburg-Rudolstadt am 8. Oktober 1870 einen Staatsvertrag. In ihm wurde festgehalten, dass eine zu gründende Aktiengesellschaft eine Konzession für den Bahnbau erhalten solle, sofern diese 100.000 Taler Kaution aufbringen könne.
Gründung und Bau der Bahnstrecken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Saal-Eisenbahn-Gesellschaft wurde am 14. Februar 1871 in das Handelsregister eingetragen und erhielt am 3. April 1871 die Konzession für den Bau und Betrieb einer Bahnstrecke Großheringen–Camburg–Jena–Rudolstadt–Saalfeld. Eine entsprechende Konzession wurde am 3. April 1871 vergeben.[1.3] Die eingleisige Strecke sollte in Normalspur gebaut werden und spätestens 30 Monate nach Konzessionserteilung fertig sein. Die ebenfalls geforderte Verbindungsbahn zwischen Orlamünde und Pößneck sollte nach maximal fünf Jahren eröffnet werden.[2]
Der erste Spatenstich fand am 23. Oktober 1871 bei Rothenstein statt. Neben größeren Felsabtragungen bei Cronburg und Rothenstein war insbesondere die Saale selber das größte Bauhindernis. Zwar sollte die Strecke westlich des Flusses entlangführen, um nur eine Brücke über die Saale bei Saalfeld bauen zu müssen, dennoch war es nötig, den Fluss auf insgesamt rund vier Kilometer zu verlegen. Da die Gesellschaft durch den Gründerkrach 1873/1874 finanzielle Probleme bekam, wurde sie von den vier Staaten finanziell unterstützt. Am 30. April 1874 wurde die komplette Saalbahn feierlich eröffnet.[3]
Die Baukosten fielen aber wesentlich höher aus als erwartet. Obwohl sich vor allem der Personenverkehr gut entwickelte, hatte die Gesellschaft während ihres ganzen Bestehens immer Finanzschwierigkeiten. So wurde auch der 1870 vertraglich geforderte Bau der Orlabahn von Orlamünde nach Pößneck verschoben. Zunächst plante man eine Strecke von Schwarza nach Schwarzburg oder Ohrdruf, um die Einnahmen zu erhöhen. Allerdings kam nur der Abschnitt von Schwarza bis Blankenburg zur Ausführung, der am 1. August 1884 eröffnet wurde. Mit dem Bau der Orlabahn wurde erst 1887 begonnen, der Abschnitt Orlamünde–Jüdewein wurde am 1. Oktober 1889, die Fortsetzung bis nach Oppurg am 15. Oktober 1892 dem Verkehr übergeben.[4]
Die drei Strecken dienten vor allem dem lokalen Verkehr.[1.4] Auch die Preispolitik der preußischen Staatsbahn sorgte für weitere Probleme. Wenn möglich, zog die Staatsbahn durch extrem günstige Tarife Verkehr von den Privatbahnen ab, um diese dann möglichst preiswert aufzukaufen. Durch die 1882/1886 verstaatliche Verbindung Weißenfels–Gera–Saalfeld war es möglich, die Saalbahn zu umgehen.
Verstaatlichung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die finanzielle Lage hatte sich indessen nicht verbessert, durch ein Hochwasser der Saale und der Schwarza waren der Gesellschaft im November 1890 beträchtliche Schäden entstanden. Bis Dezember 1890 waren die Schäden für Die Lage der Saal-Eisenbahn-Gesellschaft verschärfte sich immer mehr, die Aktionäre stimmten daher am 9. Juni 1891 dem Verkauf der Gesellschaft zu. Die Verhandlungen mit Preußen zogen sich aber hin, da diese mit weiteren im Bau befindlichen Streckeneröffnungen (unter anderem der Bahnstrecken Arnstadt–Saalfeld und Zeitz–Camburg) die Aktiengesellschaft langsam in den Ruin treiben konnten, was den Kaufpreis weiter gesenkt hätte. Da sich nun aber auch Sachsen für den Kauf der Gesellschaft interessierte, gab Preußen am 21. Februar 1895 ein Kaufangebot ab. Das Angebot wurde am 26. April 1895 angenommen, noch notwendige Verträge mit den vier thüringischen Staaten wurden im Juli 1895 abgeschlossen. Preußen erwarb die Gesellschaft für nur rund 16,5 Millionen Mark, allein die Baukosten für die Strecke waren circa 2,3 Millionen Mark höher. Übernommen wurde die Gesellschaft am 1. Oktober 1895, die Strecken gehörten fortan zur Königlichen Eisenbahn-Direktion Erfurt.[5][1.5]
Spätere Entwicklung der Strecken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach der Verstaatlichung verlagerte sich der Nord-Süd-Verkehr schon nach wenigen Jahren von der Strecke über Gera auf die kürzere Hauptstrecke der ehemaligen Saal-Eisenbahn-Gesellschaft über Jena.[1.6] Bis zur Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke von Bayern nach Erfurt im Jahr 2017 war die Bahnstrecke Großheringen–Saalfeld ein wichtiges Teilstück der Linie Berlin–München. Die beiden anderen Strecken nach Bad Blankenburg und Oppurg dienten aber ausschließlich dem lokalen Verkehr, heute wird davon nur noch der Abschnitt von Orlamünde nach Pößneck betrieben, die restlichen Teilstücke sind stillgelegt.
Lokomotiven und Wagen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die sieben Lokomotiven der Erstausstattung wurden von Krauss & Co 1873/74 geliefert. Weitere Maschinen wurden 1875, 1886, 1889 und 1890 nachbestellt, diesmal produziert bei Krauss & Co und Vulcan. So waren bei der Übernahme durch Preußen 20 Lokomotiven vorhanden. Ein Teil der Lokomotiven wurde nach Orten entlang der Strecken sowie den drei Flüssen Ilm, Saale und Schwarza benannt, der Rest erhielt nur Nummern.[1.7]
Die Firma Klett & Co lieferte 1874 mindestens 22 Personenwagen, bis 1891 wurden von Breslau, Gebrüder Gastell, Görlitz und Klett & Co mindestens 29 Wagen beschafft. Alle Güterwagen kamen ebenfalls von Klett & Co, 1874 waren 108 Wagen vorhanden, beim Verkauf 1895 dann insgesamt 177 Güterwagen.[1.8]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Werner Drescher: Die Saal-Eisenbahn und ihre Anschlußbahnen. Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1987, ISBN 3-344-00109-4.
- Werner Drescher: Die Saalbahn – Die Geschichte der Eisenbahn zwischen Großheringen, Jena und Saalfeld. EK-Verlag, Freiburg 2004, ISBN 3-88255-586-6.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Werner Drescher: Die Saalbahn – Die Geschichte der Eisenbahn zwischen Großheringen, Jena und Saalfeld. EK-Verlag, Freiburg 2004, ISBN 3-88255-586-6.
- ↑ Werner Drescher: Die Saal-Eisenbahn und ihre Anschlußbahnen. S. 13 f.
- ↑ Werner Drescher: Die Saal-Eisenbahn und ihre Anschlußbahnen. S. 15 ff.
- ↑ Werner Drescher: Die Saal-Eisenbahn und ihre Anschlußbahnen. S. 16 f.
- ↑ Werner Drescher: Die Saal-Eisenbahn und ihre Anschlußbahnen. S. 18 ff.