Bahnstrecke Rudolstadt-Schwarza–Bad Blankenburg

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Rudolstadt-Schwarza–Bad Blankenburg
Strecke der Bahnstrecke Rudolstadt-Schwarza–Bad Blankenburg
Streckennummer (DB): 6685
Kursbuchstrecke: 188d (1944)
Streckenlänge: 4,28 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 20 
Minimaler Radius: 250 m
Strecke – geradeaus
von Großheringen
Bahnhof, Station
0,00 Rudolstadt-Schwarza
   
nach Saalfeld (Saale)
   
Schwarza
   
B 88
   
1,23 Rudolstadt-Schwarza West
   
B 88
   
von Saalfeld (Saale)
Bahnhof, Station
4,28 Bad Blankenburg (Thüringerw)
Strecke – geradeaus
nach Arnstadt Hbf

Die Bahnstrecke Rudolstadt-Schwarza–Bad Blankenburg war eine eingleisige Nebenbahn im heutigen Thüringen. Sie verband die Bahnhöfe Rudolstadt-Schwarza und Bad Blankenburg mit nur einem Zwischenhalt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Saal-Eisenbahn-Gesellschaft wurde 1871 gegründet, die noch im selben Jahr mit den Bauarbeiten an der Saalbahn begann. Schon zu dieser Zeit entstanden erste Projekte eine Stichbahn von Rudolstadt oder Schwarza über Schwarzburg bis nach Eisfeld. Ebenfalls wurde über eine Verbindung von Schwarza über Ilmenau und Ohrdruf nach Gotha nachgedacht. Der Betrieb auf der Saalbahn wurde 1874 aufgenommen, da der Bau der Strecke aber teurer als geplant ausfiel, befand sich die Gesellschaft in ständigen finanziellen Schwierigkeiten. So plante man noch 1874 eine Stichbahn Richtung Thüringer Wald, um durch die Vergrößerung des Einzugsgebiets die Einnahmen zu erhöhen. Am 19. Dezember 1876 wurde vom Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, dem Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha und den Fürstentümern Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen ein Staatsvertrag abgeschlossen, damit sollte ein Bahnbau Schwarza−Ohrdruf einheitlich gefördert werden (Ohrdruf war mittlerweile mit der Bahnstrecke Gotha−Ohrdruf ans Bahnnetz angeschlossen wurden). Insbesondere Schwarzburg-Rudolstadt unterstützte den Bahnbau ganz erheblich.[1]

Der Saal-Eisenbahn-Gesellschaft wurde am 26. September durch einen Staatsvertrag zwischen dem Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, den Herzogtümern Sachsen-Altenburg und Sachsen-Meiningen sowie dem Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt mit dem Bahnbau Schwarza−Blankenburg beauftragt. Am 21. Dezember 1883 erhielt die Bahngesellschaft die Konzession für die Strecke, eine Verlängerung war darin bereits vorgesehen. Ebenso könnte eine andere Gesellschaft die Streckenverlängerung bauen, dann müsste die Saal-Eisenbahn-Gesellschaft ihren Streckenteil Schwarza−Blankenburg zum Baukostenpreis verkaufen.[2]

Mit dem Streckenbau wurde am 6. März 1884 begonnen, als Fertigstellungstermin war in der Konzession der 1. Juni 1885 vorgesehen. Da bis auf die Schwarzabrücke keine nennenswerten Schwierigkeiten bestanden, wurde die Stichbahn nach einer Bauzeit von nicht einmal einem halben Jahr am 1. August 1884 eröffnet. Insgesamt wurde die Strecke recht einfach gehalten, so wurden noch brauchbare Schienen der Saalbahn eingebaut. Auch die Gebäude wurden von anderen Station der Saalbahn umgesetzt, so ein Lokschuppen und ein Güterschuppen aus Saalfeld und ein Empfangsgebäude aus Rothenstein.[2]

Die Saal-Eisenbahngesellschaft wurde 1895 von der preußischen Staatsbahn aufgekauft. Veränderungen der Verkehrsströme fanden erst 1895 mit der Eröffnung der Bahnstrecke Arnstadt–Saalfeld und 1905 mit der Schwarzatalbahn statt. Fortan begannen alle Züge im Normalfall in Rudolstadt und führten auf der Schwarzatalbahn bis Katzhütte.[3]

Die Strecke hatte ihre Bedeutung im Berufs- und Ausflugsverkehr, auch der tägliche D-Zug KatzhütteDresden fuhr bis 1991 über diese Strecke.

Die Strecke führte im Schwarzatal auch durch die Ortslage, was wegen der Straßenkreuzungen zunehmend als problematisch angesehen wurde.

Wegen Oberbaumängel wurde am 28. Mai 2000 der SPNV eingestellt. Die Genehmigung zur Stilllegung der Strecke durch das Eisenbahn-Bundesamt erfolgte am 28. November 2000, umgesetzt wurde die Stilllegung am 21. Dezember 2000.[4]

Streckenbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 4,26 km lange Strecke verließ den Bahnhof Schwarza in westlicher Richtung, querte die Schwarza um dann entlang des Flusses bis zum Bahnhof Blankenburg zu verlaufen. Etwa 1,5 km der Strecke befand sich in der Horizontalen, die restlichen rund 2,8 km in einer Steigung von bis zu 20 ‰. Der minimale Radius betrug 250 m, insgesamt lagen circa 1,7 km Strecke im Gleisbogen.[2]

Betriebsstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Rudolstadt-Schwarza

Der Bahnhof Schwarza (seit 15. Mai 1953 Rudolstadt-Schwarza[5]) wurde mit der Saalbahn 1874 eröffnet, obwohl zuerst hier noch gar keine Station vorgesehen war. Die sparsam ausgestattete Station wurde mit dem Streckenbau nach Blankenburg erweitert. Auch wurden hier eine Drehscheibe und ein Lokschuppen – beides in Saalfeld ausgebaut  – errichtet, da aber fast alle Züge bald in Rudolstadt begannen und endeten wurden die Anlagen um 1905 wieder abgerissen. Die schon 1880 gegründete Zellstofffabrik erhielt 1914 ein eigenes Anschlussgleis. Aus dem Komplex entwickelte sich später ein Chemiefaserwerk.[6] Auch heute werden noch mehrere Betriebe über Anschlussgleise bedient.

Haltepunkt Rudolstadt-Schwarza West

Der Haltepunkt Schwarza West wurde am 1. Februar 1928 auf Bestreben von Schwarza eröffnet.[3] Er erschloss die südlich der Schwarza liegenden Ortsteile.

Bahnhof Bad Blankenburg (Thüringerw)

Bereits mit der Eröffnung der Bahnstrecke Arnstadt–Saalfeld musste der Bahnhof Bad Blankenburg umgebaut werden. So zweigte die Strecke nach Schwarza noch vor den Güteranlagen aus dem Bahnhof aus. In den folgenden Jahrzehnten steigerte sich der Verkehr immer weiter, sodass auch mehrere Anschlussbahnen zu verschiedenen Industriebetrieben verlegt wurden.

Nach der Wende 1989/90 sank die Bedeutung des Bahnhofs rapide, die Anschlussbahnen werden nicht mehr bedient und Teile der ausgedehnten Gleisanlagen sind mittlerweile abgebaut.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Drescher: Die Saal-Eisenbahn und ihre Anschlußbahnen, Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1987, ISBN 3-344-00109-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Werner Drescher: Die Saal-Eisenbahn und ihre Anschlußbahnen, S. 101 f.
  2. a b c Werner Drescher: Die Saal-Eisenbahn und ihre Anschlußbahnen, S. 102
  3. a b Werner Drescher: Die Saal-Eisenbahn und ihre Anschlußbahnen, S. 103
  4. www.eba.bund.de Liste der seit 1994 stillgelegten bundeseigenen Strecken im Land Thüringen (xls-Dokument; 24 kB)
  5. www.bahnstatistik.de Königliche Eisenbahndirektion zu Erfurt (abgerufen am 23. Juni 2013)
  6. Werner Drescher: Die Saal-Eisenbahn und ihre Anschlußbahnen, S. 55