Sabine Thillaye

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Sabine Thillaye in der Nationalversammlung

Sabine Thillaye, (geborene Fuchs, * 18. Mai 1959 in Remscheid) ist eine deutsch-französische Unternehmerin und Politikerin. Als Mitglied der Partei La Republique en Marche (LREM) ist sie seit den Parlamentswahlen von 2017 Abgeordnete des fünften Wahlkreises des Departements Indre-et-Loire[1] in der französischen Nationalversammlung.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Jura-Studium machte sich Thillaye mit einer Kommunikationsagentur selbstständig, die sie von 1987 bis 2017 leitete.[2] Daneben war sie von 2006 bis 2007 Vorsitzende der Abteilung für Pressearbeit des Unternehmerverbandes MEDEF der Provinz Touraine. Von 2016 bis 2017 war Thillaye darüber hinaus Mitglied des Verwaltungsrats des MEDEF.

Gleichzeitig lehrte Thillaye an der Universität François Rabelais in Tours.

Bereits vor ihrem politischen Engagement engagierte Thillaye sich für das europäische Einigungsprojekt. So ist sie unter anderem Gründungsmitglied des Vereins Europe Val de Loire, dessen Vorsitz sie zwischenzeitlich innehatte[3]. Zudem war sie stellvertretende Vorsitzende des deutsch-französischen Kulturzentrums der Touraine.[4]

Im Juni 2016 entschied sich Thillaye, für die Liste der En Marche!-Bewegung Emmanuel Macrons bei den Parlamentswahlen 2017 zu kandidieren. In der zweiten Runde der Wahlen setzte sie sich gegen Fabrice Boigard, Kandidat der Partei Les Républicains (LR), durch. Vor Ihrer Wahl in die Nationalversammlung hatte Thillaye nie ein politisches Mandat inne.[2]

Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2018 wurde Thillaye zur Präsidentin des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union gewählt.[5] Dessen Mitglieder üben im Namen der französischen Nationalversammlung eine Informations- und Kontrollfunktion mit Bezug auf die Europapolitik aus. Der Ausschuss wacht darüber hinaus über die Einhaltung des Subsidaritätsprinzipes.

Seit ihrer Wahl an die Spitze des Ausschusses setzt sich Thillaye für die Ausweitung seiner Kompetenzen ein. Als Präsidentin des Ausschusses entscheidet sie über die Nominierungen der Refenten, die im Austausch mit den anderen Ausschüssen der Nationalversammlung stehen.[6] Gemeinsam mit Richard Ferrand, Präsident der Fraktion La Republique en Marche in der Nationalversammlung, brachte Thillaye zudem eine Beschlussvorlage zur Förderung der Symbole der Europäischen Union ein,[7] die am 27. November 2017 angenommen wurde.

Am 28. Juni 2018 brachte Thillaye als Präsidentin des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union einen Bericht zur „Rolle der nationalen Parlamente im europäischen Entscheidungsprozess“ ein.[8] Der Bericht empfiehlt unter anderem, den Status des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union aufzuwerten, das Gremium zu einem permanenten Ausschuss zu machen und ihm damit die Möglichkeit zu geben, in den Gesetzgebungsprozess einzugreifen. Zusätzlich formuliert der Bericht mehrere Vorschläge zur Stärkung der Beziehungen zwischen nationalen Parlamenten und europäischen Institutionen.

Verteidigungsausschuss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thillaye ist Mitglied des Verteidigungsausschusses, eines der acht permanenten Ausschüsse der Nationalversammlung. Hier kümmert sie sich vor allem um Fragen der europäischen Verteidigung und die deutsch-französische Zusammenarbeit auf diesem Gebiet.[9]

Deutsch-französische parlamentarische Arbeitsgruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsam mit dem deutschen Bundestagsabgeordneten Andreas Jung und ihrem französischen Kollegen Christophe Arend war Thillaye bis März 2019 Co-Vorsitzende der deutsch-französischen parlamentarischen Arbeitsgruppe. Die Arbeitsgruppe wurde am 22. Januar 2018 anlässlich des 55. Jubiläums des Élysée-Vertrags gegründet und setzte sich aus sechs französischen und neun deutschen Vertretern des gesamten Parteienspektrums zusammen.

Die Arbeitsgruppe machte im Rahmen des Projekts eines neuen Élysée-Vertrags Vorschläge und war maßgeblich an der Ausarbeitung des am 22. Januar 2019 unterzeichneten Aachener Vertrags beteiligt. Sie war zudem federführend in die Verhandlungen um das deutsch-französischen Parlamentsabkommen zwischen Bundestag und Nationalversammlung eingebunden. Dieses wurde am 25. März 2019 in Paris unterzeichnet.[10]

Zusammen mit dem deutschen Abgeordneten Andreas Jung ist Thillaye seit 2019 Vorsitzende der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ministère de l'Intérieur: Élections législatives 2017. 18. Juni 2017. Abgerufen am 19. Mai 2018..
  2. a b Agence OCT (fr-fr) OTC. 2016. Abgerufen am 14. Januar 2019.
  3. Administrator: Europe Val de Loire (fr-fr) Abgerufen am 26. Oktober 2018.
  4. Accueil - Centre Franco-Allemand de Touraine (fr-FR) Abgerufen am 26. Oktober 2018.
  5. Assemblée Nationale: Commission des affaires européennes - Assemblée nationale (fr-FR) Abgerufen am 26. Oktober 2018.
  6. Assemblée Nationale: Référents des commissions permanentes - Assemblée nationale (fr-FR) Abgerufen am 26. Oktober 2018.
  7. Assemblée nationale: Proposition de résolution de M. Richard Ferrand visant à promouvoir les symboles de l'Union européenne. 3. November 2017, abgerufen am 11. Januar 2019 (französisch).
  8. Sabine Thillaye: Rapport d'information sur le rôle des parlements nationaux dans le processus décisionnel européen. In: Assemblée nationale. Assemblée nationale, 28. Juni 2018, abgerufen am 11. Januar 2019 (französisch).
  9. Commission de la défense nationale et des forces armées - Composition (fr-FR) 14. Januar 2019. Abgerufen am 14. Januar 2019.
  10. Bundestag: Deutsch-Französisches Parlamentsabkommen in Paris unterzeichnet Abgerufen am 14. Mai 2019.
  11. Gregor Mayntz: Erstes Treffen: Deutsch-französisches Parlament will Merkel und Macron kontrollieren. Abgerufen am 14. Mai 2019.