Sachenbach (Jachenau)

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Sachenbach
Gemeinde Jachenau
Koordinaten: 47° 36′ 28″ N, 11° 22′ 14″ O
Höhe: 805 m
Einwohner: 14 (25. Mai 1987)
Postleitzahl: 83676
Vorwahl: 08851
Sachenbach am Ostufer des Walchensees um 1900 mit dem „Seppenbauer“ links und dem „Irglbauer“ rechts, im Hintergrund Fahrenberg, Martinskopf und Herzogstand
Sachenbach am Ostufer des Walchensees um 1900 mit dem „Seppenbauer“ links und dem „Irglbauer“ rechts, im Hintergrund Fahrenberg, Martinskopf und Herzogstand
„Seppenbauer“ 2011

Sachenbach – Bach mit dem hohen Gras oder Rohrgras[1] – an der Sachenbacher Bucht nördlich der Halbinsel Hirschhörnl am Ostufer des Walchensees besteht aus zwei Bauernhöfen und ist einer der 27 Ortsteile der nach Einwohnern kleinsten Gemeinde Bayerns mit eigener Verwaltung, der Jachenau.

Zum Stand der Volkszählung am 25. Mai 1987 wurden 14 Einwohner in fünf Gebäuden mit Wohnraum nachgewiesen. Damit wurde der Ort als Weiler typisiert.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit um 1185 begann das Kloster Benediktbeuern den bisher menschenleeren Raum ostwärts des Walchensees zu roden und zu besiedeln. Nach Karl Meichelbeck, Archivar und Chronist des Klosters, wurde die Rodungstätigkeit in Sachenbach begonnen[3]. Im Salbuch des Klosters wird „Saherbach“ 1294 erstmals genannt.[4] Zu dieser Zeit war es nur ein Hof, der dem Kloster jährlich 100 Käse zu steuern hatte. 1597 wurde der Hof unter den beiden Brüdern Georg und Melchior Sachenbacher geteilt und per Los entschieden, wem welcher Teil zugesprochen wurde.[5] Dem Georg fiel der nördlich des namensgebenden Baches gelegene Hof zu, der heutige „Irglbauer“, Hausnummer 1 der Jachenau. Melchior übernahm den südlichen Hof, den heutigen „Seppenbauer“ mit der Hausnummer 2.

Die Sachenbacher hatten nie ein Fischrecht auf dem Walchensee, hatten aber von jeher die Jagdaufsicht über die klösterlichen Waldungen.[6]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachenbach ist mit dem Kfz nur über die Staatsstraße 2072 (Urfeld – Jachenau) erreichbar. Die Staatsstraße 2072 ist jedoch ab der Abzweigung „Zwerchweg“ 1,5 km westlich der Jachenau für den öffentlichen Verkehr gesperrt; Anlieger in Sachenbach und Einwohner der Jachenau besitzen eine Sondergenehmigung.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachenbach (mit Kiosk) ist beliebtes Ziel der landschaftlich reizvollen Wanderungen entlang des Seeufers von Urfeld im Norden und Niedernach im Süden sowie über die Fieberkapelle von Jachenau. Zudem ist es Zwischenziel der Bergtour KesselbergJochberg – Jochbergalm – Sachenbach – Urfeld am Walchensee – Kesselberg.

3. Mai 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weilerkapelle von Sachenbach
Marterl zur Erinnerung an den Tod von Elisabeth und Ruth Schwink am 3. Mai 1945 oberhalb Sachenbach

An der Staatsstraße 2072, ca. 600 m oberhalb Sachenbach in Richtung Jachenau erinnert ein Marterl an das tragische Geschehen vom 3. Mai 1945. Elisabeth Schwink und ihre Tochter Ruth verlebten die letzten Kriegsjahre in der relativ geschützten Jachenau. Am 3. Mai wanderten Elisabeth Schwink, ihre 14-jährige Tochter Ruth und deren Freundin Johanna Pfund, Tochter des Bauern Peter Pfund, über Berg und Fieberkapelle nach Sachenbach. Auf dem Sattel trafen sie auf Baumsperren und junge, alkoholisierte SS-Soldaten. Frau Schwink versuchte, die fanatischen Soldaten zu beschwichtigen und riet ihnen heimzugehen, da die Situation hier nicht mehr gut enden würde. Die Frauen überstiegen die Sperren und zogen weiter nach Sachenbach, wo die Mädchen beim „Irglbauer“ verblieben, während Frau Schwink weiter Richtung Urfeld ging und dort Verbindung mit den heranrückenden Amerikanern aufnahm, um die Jachenau und deren Bevölkerung vor Schäden zu bewahren. Im Laufe des Nachmittages kam es zu einem kurzen Gefecht zwischen den Amerikanern und den SS-Soldaten oberhalb Sachenbach. Die Amerikaner zogen sich zurück, und es kehrte wieder Ruhe ein. Die drei Frauen machten sich auf den Heimweg. Als sie auf freiem Feld in Schussentfernung der SS-Gefechtsvorposten waren, wurden sie von deren Feuer überfallen. Elisabeth und Ruth Schwink wurden tödlich getroffen, Johanna Pfund mit drei Schüssen schwerst verletzt. Dennoch raffte sie sich auf, lief zurück nach Sachenbach und brach vor dem Hof des Irglbauern zusammen. Dieser und amerikanische Sanitäter kümmerten sich um die Erstversorgung und den Transport nach Walchensee, wo Johanna von den Ärzten einer Genesendenkompanie bei Kerzenlicht erfolgreich operiert wurde. Das Marterl wurde vom Ehemann und Vater Otto Schwink errichtet.[7]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drehort für „Wickie und die starken Männer“

Evi Sachenbacher-Stehle aus Reit im Winkl, deutsche Skilangläuferin und Biathletin der Nationalmannschaft, hat ihre genealogischen Wurzeln beim „Seppenbauer“ in Sachenbach. In der Reihe ihrer Vorfahren war es Kaspar Sachenbacher von Urfeld am Walchensee, der 1751 als Jäger nach „Reut im Winkl“ ging.[8]

Die Sachenbacher Bucht am Walchensee diente bereits 1959 für einen Film mit historischer Thematik als Drehort der Serie Tales of the Vikings mit Christopher Lee. Im Sommer 2008 drehte der Regisseur Michael Herbig in der Sachenbacher Bucht die Realverfilmung von Wickie und die starken Männer. Zu diesem Zwecke wurde dort ein Wikingerdorf mit weiterer Ausstattung errichtet. Nach eingehender europaweiter Suche hatte man diesen Drehort erwählt.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sachenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. Andreas Schmeller: Bayerisches Wörterbuch. 2. Band. 2. mit des Verfassers Nachträgen vermehrte Ausgabe. Bearbeitet von G. Karl Frommann. Oldenbourg, München 1877, S. 244 (Nachdruck: ebenda 1996, ISBN 3-486-52602-2).
  2. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987, München, 1991, Seite 68
  3. BSB, Meichelbeckiana Nr. 7.
  4. BHStA KL Benediktbeuern 32 fol. 21.
  5. BHStA Briefprotokolle Tölz Nr. 564, S. 31.
  6. Jost Gudelius: Die Jachenau. Unter Einbeziehung der Chronik von Johannes Nar von 1933 einschließlich des familiengeschichtlichen Beitrags von Josef Demleitner von 1933 und des geologischen Beitrags von Kurt Kment von 2004. Gemeinde Jachenau, Jachenau 2008, ISBN 978-3-939751-97-7, S. 79–80 und 183–184
  7. Jost Gudelius: Die Jachenau. Unter Einbeziehung der Chronik von Johannes Nar von 1933 einschließlich des familiengeschichtlichen Beitrags von Josef Demleitner von 1933 und des geologischen Beitrags von Kurt Kment von 2004. Gemeinde Jachenau, Jachenau 2008, ISBN 978-3-939751-97-7, S. 183–184
  8. Demleitner, Josef, Abwanderungen aus dem Bereich des Klosters Benediktbeuern
  9. Tölzer Kurier, 29. August 2008, S. 4.