Dies ist ein als exzellent ausgezeichneter Artikel.
Dieser Artikel existiert auch als Audiodatei.

Walchensee

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den See namens Walchensee, für den gleichnamigen Ort siehe Walchensee (Kochel am See)
Walchensee
Walchensee.JPG
Geographische Lage Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
Zuflüsse Obernachkanal, Altlach, Rißbachstollen, Silbertsgraben, Deiningbach, Hammersbach, Sachenbach
Abfluss Walchenseekraftwerk (Stollen), Jachen (Osten)
Inseln Sassau, ehem. Katzeninsel
Orte in der Nähe Kochel am See
Daten
Koordinaten 47° 35′ 38″ N, 11° 20′ 46″ OKoordinaten: 47° 35′ 38″ N, 11° 20′ 46″ O
Walchensee (Bayern)
Walchensee
Höhe über Meeresspiegel 800,8 m ü. NN
Fläche 16,27 km²[1]
Länge 6,69 km[1]
Breite 4,925 km[1]
Volumen 1,2997 km³[1]
Umfang 27 km[2]
Maximale Tiefe 190 m[2]
Mittlere Tiefe 80,8 m[1]
pH-Wert 8,1
Einzugsgebiet 783 km²[3]

Besonderheiten

Abfluss in ein Kraftwerk.

Walchensee und Kochelsee.png
Karte: Walchensee und Kochelsee
Walchensee und Kochelsee (NASA-Satellitenbild)
Karte des Adrian von Riedl (1806)
Norden ist links
Der Kesselberg als Senke zwischen Herzogstand und Jochberg

Der Walchensee ist einer der tiefsten (maximale Tiefe: 190 m)[4] und zugleich mit 16,40 km² auch einer der größten Alpenseen Deutschlands. Der See liegt 75 km südlich von München inmitten der Bayerischen Voralpen. Er gehört mit seiner gesamten Fläche einschließlich der Insel Sassau zur Gemeinde Kochel am See. Im Osten und Süden grenzt er mit seinem Ufer an die Gemeinde Jachenau. Grundeigentümer von See- und Inselfläche sind die Bayerischen Staatsforsten.[5][6] Damit unterliegt der See im Unterschied zu den meisten anderen größeren Seen Bayerns nicht der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung Walchen kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet ursprünglich „Fremde“. So waren alle romanischen Völker (auch die z. T. romanisierte Bevölkerung der Alpen) südlich von Bayern für die Einheimischen Welsche oder eben Walche. Die gleiche Etymologie trifft auch auf den Schweizer Walensee, den Tiroler Walchsee und den Salzburger Wallersee zu. Eine andere Interpretation geht vom lateinischen Lacus vallensis aus, was so viel heißt wie „ein im Tal gelegener See“. Auf Landkarten des 16. Jahrhunderts wurde der See auch als Italico dicto (nach Italien führend) bezeichnet, was seinen Ursprung vermutlich darin hat, dass durch das Walchenseetal ein Reiseweg über Mittenwald und Innsbruck nach Italien führte.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Walchensee füllt eine tektonisch bedingte Senke, die einen Teil der Bayerischen Synkline darstellt und aus den Gesteinen der oberen, alpinen Trias besteht (Hauptdolomit, Plattenkalke, Kössener Schichten). Dieser tektonischen Entstehung verdankt der See seine ungewöhnliche Tiefe von über 190 m. Das nordwestliche Felsenufer zeigt deutlich die sehr steile Lagerung der Gesteinsschichten hin zum See. Die Entstehung durch gebirgsbildende Kräfte lässt den Schluss zu, dass der Walchensee zu den ältesten Seen Deutschlands zählt. Während der Eiszeiten wurde die Morphologie des Gebiets und damit auch des Walchensees mehrfach von Gletschern des Isar-Loisach-Gletschers geprägt.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Geographen Alois Geistbeck (1885) wird der Walchensee von Süden nach Norden in drei unterschiedlich große Becken bzw. Seeteile gegliedert:[7]

  • Obersee oder Altlacher See
  • Weitsee (auch Tiefsee genannt)
  • Urfeldersee (Untersee, heute ist die Bezeichnung Urfelder Bucht geläufiger)

Das Walchenseebecken stellt nicht wie das des Königssees, Plansees und Achensees eine einheitliche Terrainsenke, eine regelmässige Thalwanne dar; vielmehr gliedert sich dasselbe in drei, an Größe, Tiefe und Bodenbeschaffenheit sehr verschieden beanlagte Depressionen, die durch stark markirte Bodenanschwellungen von einander geschieden und theilweise in fast selbständigen Formen ausgebildet sind. Das südlichste Stück, das wir Obersee oder Altlacher See nennen wollen, sinkt in seiner bedeutendsten Tiefenregion auf 100 bis 120 m nieder und dacht von dem Obernacher und Niedernacher Winkel, den beiden ausgeschweiften Südenden des Sees, in wenig geneigten Gehängen zur centralen Senke ab. Steiler fällt der See von Süden her ein, wo namentlich an dem stumpfen, halbinselartigen Vorsprung zwischen Altlach und Niedernach die sogenannte Seeleite in Winkeln von 20 bis 25° abfällt, um dann in eine verhältnissmässige Ausebnung des Grundes überzugehen. Die Nordgrenze dieser in ungefähr 1 km Breite dem Südrand des Sees parallel sich hinziehenden Vertiefung bildet eine Linie von dem Weiler Zwergern bis zur Insel Sassau. An der Südwestseite schieb sich nämlich eine kuppige Halbinsel, der Katzenkopf, mehr als 2 km in den See vor, und ostwärts streckt sich derselben die Insel Sassau, die nur durch eine Untiefe von 15 bis 23 m vom Hinterland geschieden ist, entgegen. Inmitten des Beckens endlich taucht aus Tiefen von 130 bis 140 m eine Bodenschwelle bis zu 80 m senkrechtem Abstand vom Seespiegel, also in einer relativen höhe von 40 bis 50 m auf, gleichsam das Bindeglied zwischen den angedeuteten Ufervorsprüngen bildend. Der Umstand, dass die Lage dieser drei Punkte eine so auffallende Uebereinstimmung verräth, legt den Gedanken nahe, dass wir hier die Ueberreste eines massiven Querdammens vor uns haben, der ehedem das Seebecken in seiner vollen Breite durchmaass, später aber durch eine nivellirende Kraft wieder zerstückt worden ist.

Noch interessanter gestaltet sich die Beschaffenheit der Tiefseezone dieses Sees, des sogenannten Weitsees. Wo der Kirchleskopf, ein Ausläufer des Herzogstands, hart an den See herantritt, zwischen Urfeld und Walchensee, bricht der Seeboden fast unvermittelt zur grössten Tiefe von 196 m nieder, und dieser scharfe, einen weiten Bogen bis Sachenbach beschreibende Absturz kann als die eigentliche Nordgrenze des bezeichneten Seeraumes betrachtet werden. Durchmisst man den See etwa von Urfeld aus in nordsüdlicher Richtung, so genügt in der erwähnten Uebergangszone eine Strecke von 100 m, um das Loth aus einer Tiefe von 15 m in eine solche von 100 bis 130 m hinabsinken zu lassen, und weitere 300 m südwärts führen uns bereits in die pelagiale Zone mit 190 bis 196 m. Dieselbe umfasst nicht weniger als 1½ qkm Areal und zeichnet sich durch fast vollkommene Horizontalität aus. Ihre Umrandung aber gestaltet sich sehr verschiedenartig. Während — wie bereits erwähnt — diese ungeheure Senke im Nordwesten vo jähen unterirdischen Abstürzen umgürtet ist, hebt sie sich südwärts ganz allmälig in einer sanft ansteigenden Ebene von 4 bis 5 ° bis auf 100 m und 86 m. Auch von Osten und Südwesten her geschieht die Abdachung mit mässigen Neigungsgraden (10 bis 15°), indem die Litoralzone beiderseits in einer für einen Gebirtssee geradezu abnormen Weise — man denke an die Steilränder des Königs- und Hallstätter-Sees — sich ausbreitet, dort etwa 1 km, hier, vom Walchenseer Winkel aus, fast 3 km gegen Nordosten vordringend. Dieses letzterwähnte, ausgedehnte unterseeische Plateau, das nahezu das westliche Drittel des Sees einnimmt und ganz allmölig von 30 m auf 50 m gegen die Seemitte absinkt, wird durch einen markanten Terrassenabsturz von der centralen Depression geschieden, die Terrassenstufen der Ostgehänge dagegen fallen wie im südlichen Becken mehr vermittelt ab.

Der unterste, spitzverlaufende Theil des Walchensees, der Urfelder See, ist nach Art eines seichten Randbeckens gleich den Seebuchten von Obernach, Niedernach und Walchensee dem Hauptbecken angegliedert, unterscheidet sich aber nach seiner Bodenconfiguration nicht unwesentlich von den übrigen Theilen der reichgeformten Randzone. Hier neigt sich überall der breite Grund entschieden der Hauptsenke zu, dort schiebt sich die bedeutendste Vertiefung (60 m) mehr gegen die Nordspitze, und südwärts hebt sich der Beckenrand um volle 30 bis 45 m und verleibt dem auch nach seinen äusseren Umrisslinien mehr selbständig heraustretenden Randsee noch grössere Abgeschlossenheit. Am nördlichen Ende bei Urfeld, wo eine schmale Strasse hart am See entlang in die Jachenau führt, fallen die Ausläufer der Hocheralpe sofort in Tiefen von 50 bis 60 m ab und nur von dem sog. Desseleck zieht sich eine schmalrückige Gesteinsbank, gleichsam deren unterseeische Fortsetzung bildend, als Querschranke zwischen Tiefsee und Urfeldersee fort, an einer Stelle bis zu 10 m unter dem Wasserspiegel heraufdringend.

Alois Geistbeck (1885)

Die Grenze zwischen der seichten Urfelder Bucht und dem tiefen Weitsee bildet die von 15 auf 180 Meter Tiefe steil abfallende Desselwand[8] bzw. die nördlich und oberhalb davon liegende, von Geistbeck beschriebene schmalrückige Gesteinsbank, deren bis zu 10 m unter dem Wasserspiegel heraufdringende Stelle der Urfelder Berg ist (47° 36′ 34″ N, 11° 20′ 53″ O) und die im Osten am Desseleck beginnt. [9]

Die Grenze zwischen dem Weitsee und dem Obersee (Altlacher See) bildet im Osten die Insel Sassau und ihre Verlängerung bis zum 210 Meter entfernten Ostufer des Sees Am Steineck. Die Wassertiefe dazwischen beträgt nur 15 bis 23 Meter, weshalb die Insel schon mit einer Halbinsel verglichen worden ist.[10] Sassau und das Steineck bilden die südliche Begrenzung der Breiten Bucht, die sich im Norden bis zu der kleinen Halbinsel Buchenort erstreckt.[11]

Neben der großen Halbinsel Zwergern gibt es noch mehrere kleine Halbinseln, darunter Hirschhörnl (zwischen der Sachenbacher Bucht im Norden und dem Stillen Winkel im Süden) und Buchenort (im Norden durch den Stillen Winkel und im Süden durch die Breite Bucht begrenzt) am Ostufer und Breitort (zwischen Niedernacher Bucht im Osten und Altlacher Tal im Westen) am Südufer. Im Obernacher Winkel nahe dem Südufer gab es früher die sehr kleine Katzeninsel, die heute jedoch mit dem Festland verbunden und nur bei Höchstwasserständen von diesem getrennt ist.

Der tiefste Punkt des Walchensees liegt auf 47° 36′ 6″ N, 11° 20′ 46″ O gut einen Kilometer ostsüdöstlich des namensgebenden Felssporns Kirchel oberhalb der Uferstraße (B 11) beim nördlichen Eingang des Kirchelwandtunnels und oberhalb des steilen nordwestlichen Felsufers.[11] Am steilsten fällt der Seegrund vom Seeufer beim Kirchel ab, wo es auf einer Horizontaldistanz von 180 Metern auch 180 Meter in die Tiefe geht, was einer Neigung von 45° entspricht. Der Schweb innerhalb der Tiefenlinie von 190 Metern ist unter dem Namen Kirchel Grund bekannt. Er hat einer Fläche von knapp einem Quadratkilometer und ist tischeben, mit Schwankungen von nur zwei Metern.[12].

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing

Lage und angrenzende Ortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund 27 km Ufer umranden den Gebirgssee, der ein durchschnittliches Wasservolumen von 1,3 km³ hat. Die Jachen, als natürlicher Abfluss des Sees, entwässert nach Osten durch das Tal der Jachenau zur Isar hin. Den größten natürlichen Zufluss bildet die Obernach, die im Südwesten in den See mündet. Zusammen mit dem künstlichen Zufluss (siehe Kapitel Besonderheiten) erschließt sich auf diese Weise ein Einzugsgebiet von rund 780 km².

Der See liegt auf einer Höhe von 802 m ü. NN und wird von bewaldeten Bergen umrahmt. So im Nordwesten von der Herzogstand-Heimgartengruppe (1.731 m und 1.790 m), daran anschließend westlich vom See das Tal der Eschenlaine, auf dessen Südseite der Simetsberg (1.836 m) als erster Ausläufer des Estergebirges anschließt. Im Süden des Sees trennt der lange Rücken des Altlachberges mit dem Altlacher Hochkopf (1.326 m) als höchste Erhebung den Walchensee vom Tal der Isar. Am östlichen Ufer beginnt die Jachenau, ein lang gezogenes Tal, das Richtung Lenggries führt. Im Nordosten schließt der Jochberg (1.565 m) den Talkessel. Zwischen Jochberg und Herzogstand liegt der Pass Kesselberg, der den Walchensee vom 200 Meter tiefer gelegenen Kochelsee trennt.

Der Walchensee ist kein See des Freistaats Bayern. Das Eigentumsrecht teilen sich Gemeinden, Unternehmen und Privatpersonen.

Direkt am Westufer liegt der kleine Luftkurort Walchensee mit ca. 600 Einwohnern. Wie die anderen noch kleineren Ortschaften Urfeld (an der Nordspitze), Zwergern (Westufer) und die am orographisch linken Ufer der Obernach gelegenen Häuser von Einsiedl am Walchensee (im äußersten Südwesten) gehört Walchensee zur Gemeinde Kochel am See. Die auf dem rechten Ufer der Obernach gelegenen Häuser in Einsiedl sowie Altlach am Südufer, Sachenbach am Ostufer und Niedernach im äußersten Südosten dagegen gehören zur Gemeinde Jachenau. Zwischen den Orten Walchensee und Einsiedl ragt die 140 Hektar große Halbinsel Zwergern mit dem gleichnamigen Weiler zwei Kilometer in den See.

Die Oberfläche des Sees hat annähernd die Form eines nach Norden gerichteten Dreiecks mit der Basis am Südufer von Einsiedl bis Niedernach mit 6,9 km und einer Höhe von Breitort bis Urfeld mit 4,9 km.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund seiner Lage im Talkessel ist der See größtenteils vor nördlichen und östlichen Windströmungen geschützt. Die relativ niedrige Bergkette, die unmittelbar am Südufer beginnt, lässt eine optimale Sonneneinstrahlung zu, so dass das Klima insgesamt milder ist, als es im Gebirge zu erwarten wäre. Während der Sommermonate entsteht bei sonnigem Wetter über den aufgeheizten Südhängen des Herzogstands und des Jochbergs eine ausgeprägte Thermik. Die stabilen Thermikwinde wehen in der Regel in Richtung Südwest. Vereinigen sich die so in die Höhe transportierten feuchten Luftmassen des Walchensees mit denen des nördlich gelegenen Kochelsees durch einen leichten, vorherrschenden Hauptwind aus Nordost, können besonders heftige Gewitter entstehen.

Bei Föhn weht dagegen ein warmer Fallwind aus Richtung Süd; die damit einhergehende trockene Luft sorgt für eine sehr gute Fernsicht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon seit vorhistorischer Zeit fühlte sich die einheimische Bevölkerung vermutlich eng mit dem See verbunden. So war es zum Beispiel bis in das 18. Jahrhundert üblich, geweihte Goldmünzen an der tiefsten Stelle des Sees zu versenken.

Der Fischreichtum des Sees führte dazu, dass die Klöster Benediktbeuern und Schlehdorf schon 740 n. Chr. erste Besitzansprüche stellten. Bis zur Säkularisation 1803 war dieser im Besitz der beiden Klöster, wobei das Kloster Benediktbeuern über die größeren Rechte verfügte.

Um 1130 ließ Abt Konrad von Benediktbeuern nach Absprache mit Bischof Heinrich I. von Freising, dem das am Walchensee beteiligte Kloster Schlehdorf unterstand, am Westufer des Sees roden und machte mit einem ersten Haus für Fischer den Anfang der dortigen Besiedelung.[13] Um 1160 begann die Besiedelung der Halbinsel Zwergern durch das Kloster Schlehdorf.

Um 1900 wurde in München die Idee geboren, das Gefälle zwischen dem Walchensee und dem fast 200 Meter tiefer gelegenen Kochelsee zur Stromerzeugung in dem Kraftwerk Walchensee zu nutzen. Dazu wurden bereits 1903 Tauchversuche zur Erkundung des Seeuntergrundes durchgeführt. Treibende Kraft war Oskar von Miller, der auch das Deutsche Museum 1903 gegründet hat. Das wasserpolizeiliche Genehmigungsverfahren zog sich bis 1918 hin. Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Bauarbeiten begonnen. Am 24. Januar 1924 trieb zum ersten Mal Walchenseewasser eine Turbine am Ufer des Kochelsees an.

Im ehem. Forsthaus Einsiedl wurden die letzten Reserven der Deutschen Reichsbank zwischengelagert

Im Lauf des Zweiten Weltkriegs versuchten mindestens zwei Flugzeuge auf dem See eine Notlandung durchzuführen, beide versanken anschließend. Am 24. April 1945 wurde von der Wehrmacht und Beamten der Reichsbank zumindest ein Teil der letzten Reserven der Deutschen Reichsbank nach Einsiedl, einer kleinen Siedlung am Südwestufer gebracht. Anschließend wurde das Vermögen an einem unbekannten Ort auf dem Steinriegel (oberhalb des heutigen Obernachkraftwerkes) vergraben. Es handelte sich dabei um 365 Säcke mit je zwei Goldbarren, 9 Briefumschläge mit den Dokumenten zu dem Gold, 4 Kisten mit Gold, 2 Säcke mit Goldmünzen, 6 Kisten mit dänischen Münzen sowie 94 Säcke mit anderen Fremdwährungen. Bei der ausländischen Währung handelte es sich vor allem um US-Dollar und Schweizer Franken. Am 6. Juni 1945 wurde das Vermögen an die Alliierten übergeben. Es fehlten jedoch 100 Goldbarren sowie sämtliche Schweizer Franken und Dollarnoten. Möglicherweise gab es noch andere Depots, an denen Wertgegenstände, wie zum Beispiel weitere Devisen und/oder Juwelen, versteckt wurden. Bis heute wird über deren Existenz und ihre genaue Lage spekuliert.

Der Walchensee wurde spätestens ab den 1930er Jahren zu einem beliebten Ziel für Ausflügler aus München und anderen oberbayerischen Städten sowie Urlaubern. Heute lebt die einheimische Bevölkerung in erster Linie vom Fremdenverkehr.

Biologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insel Sassau

Das klare Gewässer mit einer durchschnittlichen Sichttiefe von 8 bis 10 m verdankt seine türkis-grüne Färbung dem relativ hohen Anteil an Kalziumkarbonat. Wohl auch aufgrund des Motorbootverbots entspricht das Wasser des Walchensees der Gewässergüteklasse I (=unbelastet). Die Wassertemperaturen sind, wie für einen Bergsee typisch, relativ niedrig. Sie bewegen sich im Sommer zwischen 17 und 22 °C und im Frühling/Herbst um die 10 bis 16 °C. Die Nährstoffbelastung des ohnehin oligotrophen (nährstoffarmen) Walchensees ist seit Mitte der 1980er Jahre durch die Verbesserung der Abwasserreinigung zwischen Seefeld und Wallgau weiter zurückgegangen.

Der Walchensee einschließlich der Uferstreifen ist Landschaftsschutzgebiet. Von der Gesamtlänge des Südufers von 7 km sind ca. 2,5 km für Erholungszwecke, z. B. als Badestrand, nutzbar. Das übrige Ufer besteht zum großen Teil aus Steilufer. Das Seeufer selbst ist bis auf wenige Ausnahmen im Westen nicht bebaut.

Die Insel Sassau (2,9 ha) steht unter Naturschutz, d. h. das Betreten der Insel ist ganzjährig verboten. Die Insel ist 367 m lang und im Westen bis 93 m breit (im Osten nur halb so breit). Sie erhebt sich bis zu 12 m über den Wasserspiegel.

Fauna und Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits vor über 500 Jahren wurden neue Fischarten im Walchensee eingebürgert. 1480 wurden Renken aus dem nahe gelegenen Kochelsee eingesetzt und etwas später auch Saiblinge aus dem Tegernsee. Der See lässt sich in eine Uferzone sowie in eine Boden- und Freiwasserzone einteilen. In der nebenstehenden Tabelle sind alle Fischarten nach diesen Lebensräumen aufgelistet.

  Uferzone   Bodenzone     Freiwasserzone  
Aal Große Bodenrenke Zander
Döbel Kleine Bodenrenke Seeforelle
Brachse Quappe Seesaibling
Elritze Perlfisch Regenbogenforelle
Güster Nase Mairenke
Hasel Barbe Renke
Hecht Barsch  
Ukelei Kaulbarsch  
Nerfling Karausche  
Rotauge Schmerle  
Rotfeder Koppe  
Schied    
Schleie    
Spiegelkarpfen    
Wels    
Zährte    

Über 50 % der dort lebenden Fische sind in Bayern in ihrem Bestand bedroht oder zumindest gefährdet, wie z. B. der Wels oder der Perlfisch. Die Große Teichmuschel steht ebenfalls auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen und Tiere.

Eine Quappe im Walchensee

2003 wurde vom Bezirk Oberbayern ein Projekt gestartet, um den Edelkrebs (Astacus astacus) wieder anzusiedeln. 2.000 Krebse wurden zu diesem Zweck im Eibsee eingefangen und im Walchensee ausgesetzt.[14]

Für viele Vogelarten bieten das Seeufer sowie die Insel Sassau hervorragende Brutmöglichkeiten und für Zugvögel ein sicheres Winter- oder Durchzugsquartier. Neben Rothals- und Schwarzhalstaucher sowie Stockenten und Blesshühner kommen hier auch Gänsesäger und Eistaucher vor.

Nahe der Uferzonen wachsen direkt unter der Wasseroberfläche in einigen Buchten Flutender Wasserhahnenfuß und das Ähriges Tausendblatt. Kiesel- und Grünalgen kommen dagegen als pflanzliches Plankton zusammen mit tierischem Plankton (Wasserflöhe, Hüpferling) in praktisch allen Bereichen des Sees vor. Ebenfalls in der Uferzone wachsen das heimische Schilfrohr und Teichbinsen. Seerosen und Teichrosen bieten nicht nur Ringelnattern zuverlässigen Schutz.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf den Fahrenbergkopf fährt bis kurz unterhalb des Gipfels vom Frühjahr bis Herbst eine Seilbahn (Herzogstandbahn). Von dort erreicht man vorbei am Herzogstandhaus in 30 bis 45 Minuten Gehzeit den Gipfel des Herzogstands.

Windsurfer in der Nähe des Westufers

Vergleichbar mit den anderen großen Seen, z. B. dem Tegernsee, spielt auch der Walchensee eine große Rolle für den Fremdenverkehr in der Region. Die klare Sicht unter Wasser mit einer Sichtweite von bis zu 40 Meter und einer ganzen Reihe von Auto-, Boots- und sogar Flugzeugwracks ist für Taucher besonders interessant. Zusätzlich zu den sonst üblichen Aktivitäten wie Baden oder Spazierengehen können Erholungssuchende hier auch in den umgebenden Bergen wandern oder in den Wintermonaten mit Tourenski die Berge erkunden.

Für den Tourismus am Walchensee spielt auch der Wind eine große Rolle. Aufgrund der Lage ist der Walchensee ein thermisches Revier und bietet für Windsurfer, Kitesurfer und Segler hervorragende Bedingungen um den jeweiligen Sport auszuüben. Der thermische Wind entsteht bei schönem Wetter meist gegen 12 Uhr in Urfeld und zieht dann langsam über den ganzen See. An normalen Sommertagen erreicht der Wind eine Stärke von 3 bis 4. Die besten Windtage sind die nach Durchzug einer Kaltfront, wenn die Luft thermisch noch am aktivsten ist. Einfluss auf guten Wind am Walchensee hat dabei die Grundwindrichtung, die möglichst aus Nord bis Ost wehen sollte. Kommt der Wind aus südlichen Richtungen, sind die Chancen auf guten Wind eher schlecht. Auch eine wichtige Rolle spielt der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht, wobei 5 °C in der Nacht und 20 °C am Tag besser ist als 15 °C in der Nacht und 30 °C am Tag.

Wenn im Herbst und im Frühjahr im Voralpenland Nebel steht, in den Bergen aber die Sonne scheint, kommt es gelegentlich zu einer besonderen Situation. Im Laufe eines solchen Tages kann es dazu kommen, dass sich die Basis des Nebels hebt und dieser über den Kesselberg und den Walchensee zieht. Dabei kann der dann recht kalte Wind mit Stärke 6 bis 7 über den Walchensee wehen.

Am Walchensee gibt es aber nicht nur Wind aus nordöstlichen Richtungen. Hat es in den Alpen Föhn, kann dieser auch am Walchensee wehen. Der Föhn bläst aus südlichen Richtungen und ist auch am Walchensee meist sehr böig. Die Windstärke bei Föhn ist sehr unterschiedlich und variiert zwischen 1 und 10.[15]

Der See als Drehort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufbau des Wikingerdorfs am Walchensee, 2008

Aufgrund seines reizvollen Aussehens diente der Walchensee bereits mehrmals als Drehort, vor allem für Filme mit historischen Themen. So wurde dort unter anderem 1959 die Serie Tales of the Vikings mit Christopher Lee gedreht. Ein Jahr später war der See Schauplatz in dem Drama Bis dass das Geld Euch scheidet… mit Luise Ullrich und Gert Fröbe. 2008 drehte Regisseur Michael Herbig dort in der Sachenbacher Bucht die Realverfilmung von Wickie und die starken Männer. Zu diesem Zwecke wurde dort das Wikingerdorf Flake und weitere Ausstattung errichtet. Nach eingehender europaweiter Suche war dieser Drehort gewählt worden.[16] Vom Wikingerdorf sind nach Ende der Dreharbeiten sechs der Hütten am See verblieben, sie dienen nach ihrer Verlagerung in den Ort Walchensee als touristischer Anziehungspunkt für Familien mit Kindern. Vier der Hütten wurden abgebaut und auf dem Gelände der Bavaria Filmstadt bei München wieder errichtet.[17]

Comedy-Star Michael „Bully“ Herbig nahm 2009 als Lockvogel für die Sendung Verstehen Sie Spaß? die Einwohner des oberbayerischen Ortes Walchensee auf den Arm: er gab vor, die Gemeinde als Wickieland vermarkten zu wollen.[18]

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftwerk Walchensee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Walchenseekraftwerk

Geländeschnitt von Süden nach Norden (5-fach überhöhte Darstellung)

Bereits 1924 wurde das Speicherkraftwerk Walchensee am Südufer des Kochelsees vom Bayernwerk in Betrieb genommen. Sechs Rohre leiten seitdem das Wasser des Walchensees zu den ca. 200 Meter tiefer gelegenen Turbinen des Wasserkraftwerks. Um die Verfügbarkeit von Wasser für das Kraftwerk zu erhöhen, werden durch einen 7 km langen Stollen der Rißbach aus dem Karwendel sowie ein Teil des Wassers der Isar dem See zugeführt. Insgesamt verfügt der Walchensee über ein durchschnittliches Volumen von 1,3 Mrd. m³. Zwei kleinere Wasserkraftwerke wurden auch direkt am Walchensee erbaut: am Ende des Stollens bei Niedernach im Südosten sowie das Kraftwerk Obernach im Südwesten des Sees.

Nur während der Wintermonate wird dem See in großem Umfang Wasser entnommen, um den Fremdenverkehr während der Hauptsaison nicht zu beeinträchtigen. In den Wintern 1963 und 1980 war der See vollständig zugefroren.

  • Höchststau: 802 m ü. NN
  • Normalstau: 801,5 m ü. NN
  • Mindeststau: 795 m ü. NN
Ein alter VW Käfer

Wracks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Seegrund befinden sich mehrere Wracks, unter anderem auch die von drei Flugzeugen. Aus dem Zweiten Weltkrieg stammen eine Messerschmitt Bf 109 sowie ein britischer Bomber vom Typ Avro Lancaster. Bei den gefundenen Trümmern eines weiteren Flugzeugs handelt es sich um die Reste einer Aero Commander 680W. Der zweimotorige Hochdecker mit dem Kennzeichen D-IMON stürzte am 27. Dezember 1978 in den See, nachdem das Leitwerk abgebrochen war. Das Flugzeug lag im flachen Wasser und wurde unmittelbar nach dem Absturz mitsamt der Besatzung geborgen.

Bei Tauchern als Erkundungsziel beliebt sind die Wracks zweier Autos, eines VW Käfers und eines Ford, die ebenfalls auf dem Seegrund nahe dem Ufer liegen.

Landschaftsmalerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walchensee-Panorama, Blick von der Kanzel (1924)

Im Jahre 1834 verewigte der Maler Lorenzo Quaglio den Walchensee in einem Ölgemälde, das er schlicht „Der Walchensee“ nannte und heute im Münchner Stadtmuseum hängt.

Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb der Künstler Lovis Corinth in Urfeld am Walchensee ein Grundstück, auf dem ihm seine Frau Charlotte Berend-Corinth ein Haus baute. Von 1919 bis zu seinem Lebensende 1925 verbrachte der Impressionist zusammen mit seiner Frau die Sommermonate am See. Sein Erfolg als Landschaftsmaler beruhte schon zu seinen Lebzeiten vor allem auf seinen Bildern mit dem bekannten Walchensee-Motiv, das sich auf insgesamt über 60 seiner Bilder findet. Ca. 100 graphische Werke von Lovis Corinth sind im Walchensee-Museum in Urfeld ausgestellt.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Walchensee – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Walchensee – Reiseführer

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Dokumentation von Zustand und Entwicklung der wichtigsten Seen Deutschlands: Teil 11 Bayern (PDF; 1,7 MB)
  2. a b Infoblatt des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim (PDF; 59 kB)
  3. Dokumentation von Zustand und Entwicklung der wichtigsten Seen Deutschlands: Vorwort (PDF; 471 KB)
  4. Landesamt für Umwelt: Seen in Bayern
  5. Telefonische Aussage des Geschäftsstellenleiters der Gemeinde Kochel am See am 11. März 2015 gegenüber dem Geschäftsstellenleiter der Gemeinde Jachenau, dass bei der Flurnummer 3.300 als Eigentümer die Bayerischen Staatsforsten AöR eingetragen sind
  6. http://www.baysf.de/fileadmin/user_upload/GIS/RevSitz.html
  7. Alois Geistbeck: Die südbairischen und nordtirolischen Seen. In: Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1885, Band XVI, S. 334-354, hier S. 341-343
  8. Karte mit Desselwand
  9. Die Landspitze Desseleck ist auf der aktuellen amtlichen topographischen Karte nicht verzeichnet, wohl aber auf der historischen Flurkarte, dort in der Schreibweise Deſsel⸗Eck mit einem langem s und Trennung durch Doppelbindestrich. Auf Adrian von Riedls Karte des Walchensees und des Kochelsees von 1806 findet sich der Eintrag Deſslek mit ausgelassenem e. Dieser Eintrag ist allerdings nicht an der Landspitze platziert, sondern in der Nähe des Desselkopfs.
  10. Alois Geistbeck: Die südbairischen und nordtirolischen Seen. In: Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1885, Band XVI, S. 334-354, hier S. 342
  11. a b Edwin Fels: Tiefenkarte des Walchensees (1928)
  12. Edwin Fels: Neuauslotung des Walchensees. Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, 1922, S. 145-147 (Kleine Mitteilungen)
  13. Birk, Hildegard,Karl Meichelbecks Kurze Freisingsche Chronik, Freising 2008, S. 174, ISBN 978-3-927067-38-7
  14. Bezirk Oberbayern: Edelkrebse für den Walchensee. 16. September 2003
  15. Windsurfen am Walchensee
  16. Tölzer Kurier, 29. August 2008, Seite 4
  17. Tölzer Kurier, 26. September 2008, Seite 5
  18. SWR Presseservice vom 21. September 2009


Gesprochene Wikipedia Der Artikel Walchensee ist als Audiodatei verfügbar:
Speichern | Informationen | 28:24 min (12,0 MB) Text der gesprochenen Version (20. Oktober 2014)
Mehr Informationen zur gesprochenen Wikipedia
Dieser Artikel wurde am 10. Februar 2005 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.