Sapad 2017

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Das Banner der Sapad 2017 zeigt Soldaten der weißrussischen und der russischen Streitkräfte

Sapad 2017 (russisch Запад-2017 Sapad-2017, englisch Zapad 2017, weißrussisch Захад-2017 Sachad 2017, übersetzt ‚Westen 2017‘) war ein gemeinsames strategisches Militärmanöver der Streitkräfte Russlands und Weißrusslands im September 2017.

Das Manöver „Sapad 2017“ fand vom 14. bis 20. September 2017 statt. Nach russischen Angaben nahmen 12.700 Soldaten an dem Manöver teil.[1] Ab einer Truppenstärke von 13.000 Soldaten müssen entsprechend den Regelungen des Wiener Dokuments der Verhandlungen über vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ausländische Beobachter zugelassen werden.[2]

Allgemeine Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die russischen Streitkräfte führten 1999 und 2013 ein „Sapad“-Manöver durch.[3] Ein Manöver namens „Sapad 81“ fand 1981 statt, in einer Hochphase des Kalten Krieges.[4] Die vorletzte Übung „Sapad 1999“ fand in Weißrussland statt. Das letzte Manöver vor „Sapad 2017“ war Sapad 2013 im November 2013.

Als Zweck der militärischen Übungen wird die Prüfung der Fähigkeit genannt, ob Russland und Weißrussland die Sicherheit des Unionsstaates gewährleisten können. Das Zusammenspiel der Militärbehörden, der Ausbildungsstand von Feld- und Lufteinheiten soll verbessert werden.

Entsprechend war das Szenario der Übung, einen Versuch einer westlichen Macht abzuwehren, die Regierung von Weißrussland zu stürzen.[5]

Im gleichen Zeitraum wie Sapad 17 führte Schweden das Manöver Aurora 17 unter Beteiligung anderer, darunter auch NATO-Kräfte mit insgesamt 19.500 Mann, durch.[6]

Beobachter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internationale Beobachter vor einem Ablaufplan der Übung „Sapad 2017“.

Zu dem Manöver „Sapad 2017“ sind internationale Beobachter aus der OVKS, EAWU, GUS und NATO[7] eingeladen. Auch im Rahmen der Sitzung der Parlamentarischen Versammlung der OSZE in Minsk haben die Vertreter der OSZE-Delegationen aus den USA die Einladung erhalten.[8]

Am 12. Juli führte der stellvertretende Chef des Generalstabs der Streitkräfte von Weißrussland Pavel Muraveyko im Rahmen des OSZE-Forums für Sicherheitskooperation in Österreich das Briefing über „Sapad 2017“ durch. Am 13. Juli bei der Sitzung des NATO-Russland-Rates führten Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums ein entsprechender Briefing durch und informierten über „Sapad 2017“. Man machte Angaben über die zu erfüllenden Aufgaben, benutzte Truppenübungsplätze, beteiligte Kräfte und Mittel, die Zahl des Personalbestandes, Hauptwaffensysteme und Material. Unmittelbar vor dem Manöver war ein erweitertes Briefing in Moskau angesetzt.[9]

Kräfte und Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei T-14-Kampfpanzer und ein BMPT-Kampfunterstützer beziehen während „Sapad 2017“ Feuerstellung auf einem Schießplatz des Übungsplatzes Luschski bei Luga.

„Sapad 2017“ fand in zwei Stufen auf dem Territorium von Russland und Weißrussland statt. Auf dem Territorium Weißrusslands wurden nach russischen Angaben etwa dreitausend Soldaten der Streitkräfte der Russischen Föderation stationiert.[10]

An dem Militärmanöver nahm der Teil von Kräften und Mitteln des Vereinigten Strategischen Kommandos West teil. Die Unterstützung für Bodeneinheiten wurde mit mehr als 25 Flugzeugen der Luft- und Weltraumkräften Russlands, mit der Luftwaffe und Luftabwehr Weißrusslands versorgt. Am Militärmanöver waren 680 Kampffahrzeuge beteiligt.

„Sapad 2017“ wurde nach diesen Angaben in Weißrussland auf sechs Truppenübungsplätzen durchgeführt:

  • dem Truppenübungsplatz Lepel (Лепельский бригадный полигон nahe Lepel),
  • dem Truppenübungsplatz Borissowka (Борисовский полигон nahe Borissowka),
  • dem Truppenübungsplatz Loswido (Полигон "Лосвидо" nahe Haradok),
  • dem Truppenübungsplatz Ossipowitschi bzw. Assipowitschy (Осиповичский полигон nahe Assipowitschy),
  • dem Truppenübungsplatz Ruschani (Ружанский полигон nahe der Siedlung Ruschani im Rajon Pruschany),
  • dem Truppenübungsplatz Domanowo bzw. Damanawa (Домановский полигон nahe dem Dorf Damanawa)
  • und in einem Standort in der Nähe des Dorfes Dretun.[10]

In Russland wurde das Militärmanöver auf drei Truppenübungsplätzen durchgeführt: Luschski, Strugi Krasnyje und Prawdinsk.

Vorfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu einem Vorfall ist es am 19. September im Rahmen der Großübung gekommen, als ein Kampfhubschrauber auf ein, mit Beobachtern, besetzten Parkplatz schoss.[11]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen wertete die Übung als „Fähigkeits- und Machtdemonstration der Russen“ und äußert Zweifel an den offiziellen Angaben. Sie schätzt die Zahl der teilnehmenden Soldaten und Zivilpersonen auf 100.000.[3] Auch der am Royal United Services Institute tätige Atomphysiker Igor Sutjagin kam basierend auf russischen Angaben zu dem eingesetztem Gerät auf 70.000 Mann.[3] Nach russischen Angaben seien die zu den 12.700 Soldaten des Manövers zusätzlichen Truppenmobilisierungen entlang der NATO-Grenze separate Übungen.[12]

Bewertungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Forscher des Institutes für Friedensforschung in Oslo schloss, dass die Übung den Erwartungen entsprechend verlaufen sei. Die neu aufgestellten russischen Divisionen hätten jedoch keine schnelle Einsatzbereitschaft demonstriert, so dass es möglich sei, dass sie von einer vollen Kampfbereitschaft noch recht weit entfernt seien. Auch leide die russische Luftwaffe offenbar unter dem Dauereinsatz im Syrischen Bürgerkrieg was sich zuerst in Wartungsmängeln niederschlage. Zwei größe Unfälle während der Übung betrafen einen Ka-52 Kampfhubschrauber, der mit einer fehlgestarteten Rakete eine Gruppe Beobachter traf, und einen TU-22M Bomber, der bei der Landung über die Bahn hinausgeriet.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sapad 2017 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pressebericht
  2. Wiener Dokument 2011 (PDF; 210 KB), Wiener Dokument vom 30. November 2011, Seite 27; abgerufen am 15. September 2017.
  3. a b c Militärmanöver Bericht der Tagesschau (ARD) vom 14. September 2017.
  4. Information über die während der Manöver "Sapad-81" vorgeführten Komplexe der strategischen Angriffskräfte der UdSSR, Brief des DDR-Verteidigungsministers Heinz Hoffmann an Erich Honecker, Geheime Kommandosache, GKdos-Nr.: A 465 671 (bereitgestellt im Rahmen des 'Parallel History Project on NATO and the Warsaw Pact' (PHP) der ETH Zürich)
  5. a b Michael Birnbaum und David Filipov: "Russia held a big military exercise this week. Here’s why the U.S. is paying attention." Washington Post vom 23. September 2017
  6. Frankfurter Rundschau: Militärmanöver in der Ostsee: Schweden übt den Krieg. In: Frankfurter Rundschau. (fr.de [abgerufen am 16. September 2017]).
  7. ERR: Belarus invites Estonia to observe Zapad military exercise (en). In: ERR, 28. Juli 2017. 
  8. Лукашенко пригласил американскую делегацию ОБСЕ на учения «Запад-2017» (ru-RU). In: Белновости, 10. Juli 2017. 
  9. Грушко: Россия будет пресекать спекуляции НАТО по поводу учений «Запад-2017» (ru). 
  10. a b Глава Минобороны Белоруссии: учение "Запад-2017" не направлено против третьих стран (ru). In: ТАСС. 
  11. Militärmanöver: Russischer Helikopter schießt versehentlich auf Parkplatz. In: Spiegel Online. 19. September 2017 (spiegel.de [abgerufen am 19. September 2017]).
  12. Christina Hebel, Matthias Gebauer: Großmanöver von Moskau und Minsk: Nervenkrieg an der Nato-Grenze. In: Spiegel Online. 14. September 2017, abgerufen am 15. September 2017.