Sarah Rabinowitz

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Dieser Artikel behandelt die Politikerin Sarah Rabinowitz. Für die Volkswirtin mit ähnlicher Schreibweise siehe Sara Rabinowitsch.

Sarah Sonja Rabinowitz, verheiratete Sarah Sonja Lerch,[1] (* 3. Mai 1882 in Warschau; † 30. März[2] 1918 in München) war eine deutsche Politikerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tochter des Schriftstellers Saul Pinchas Rabbinowicz besuchte das Mädchengymnasium in Warschau und bestand 1899 die Lehrerinnenprüfung. Von 1905 bis 1907 unterrichtete sie an Schulen in Warschau und Odessa. 1908 siedelte sie mit ihrer Familie nach Frankfurt am Main um, wo sich Rabinowitz beim „Bund“ und der SPD engagierte und auf deutsch, russisch und jiddisch publizierte.

Ab 1908 belegte sie ein Studium in Gießen und Zürich, die Promotion erfolgte 1913 in Gießen zum Thema Zur Entwicklung der Arbeiterbewegung in Russland bis zur großen Revolution von 1905. Es folgte die Heirat mit dem Romanisten Eugen Lerch in München. Während des Ersten Weltkriegs war Rabinowitz Pazifistin und Mitbegründerin der Münchener USPD. Gemeinsam mit Kurt Eisner organisierte sie im Januar 1918 einen Streik von Münchner Munitionsfabrikarbeitern und wurde verhaftet. Lerch wollte sich daraufhin „aus patriotischen Gründen“ von ihr scheiden lassen und veröffentlichte eine entsprechende Zeitungsanzeige. Zutiefst erschüttert von dem Vorgehen ihres Mannes sowie von der Kriegspolitik der SPD, beging Rabinowitz im Gefängnis München-Stadelheim Selbstmord.

Der Schriftsteller Ernst Toller behandelte ihr Schicksal in seinem Drama Masse Mensch, das 1920 uraufgeführt wurde.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zur Entwicklung der Arbeiterbewegung in Rußland bis zur großen Revolution von 1905. Springer, Berlin 1913 Gießen, Phil. Diss. Digitalisat beim Internet Archive.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rabinowitz. In: Jüdisches Lexikon (Lebenslauf; Dissertation)
  • Rabinowich. In: Encyclopaedia Judaica, 2. Auflage (in diesem Eintrag werden Sarah Rabinowitz und Sara Rabinowitsch verwechselt und Informationen über beide Frauen vermischt);
  • Jacob Scholem Hertz (Hrsg.): Doires Bundistn Bd. 3. Unser Zeit, New York 1956–1968, S. 189–191
  • Matrikelverzeichnis der Universität Zürich. Zu Eugen Lerch siehe Charles Bruneau, Peter Schon (Hrsg.): Studia Romanica: Gedenkschrift für Eugen Lerch. Port, Stuttgart 1955.
  • Albert Earle Gurganus: Sarah Sonja Lerch, née Rabinowitz: The Sonja Irene L. of Toller’s „Masse-Mensch“. In: German Studies Review, Jg. 28, 3, Okt. 2005, S. 607–620

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Albert Earle Gurganus: Sarah Sonja Lerch, née Rabinowitz: The Sonja Irene L. of Toller’s „Masse-Mensch“. German Studies Association, 2005
  2. Streikbewegung in München, Jan. 1918. Bundesarchiv RY 19/ II 143/ 3; enthält: Briefe und Zeitungsausschnitte über den Selbstmord Sonja Rabinowitsch-Lerchs im Untersuchungsgefängnis München-Stadelheim am 30. März 1918