Schönberg-Höhlensystem

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Schönberg-Höhlensystem

Die Feuertal-Eishöhle ist ein Zugang zum Höhlensystem

Die Feuertal-Eishöhle ist ein Zugang zum Höhlensystem

Lage: zwischen Oberösterreich und Steiermark
Geographische
Lage:
47° 43′ 3,9″ N, 13° 47′ 14,8″ OKoordinaten: 47° 43′ 3,9″ N, 13° 47′ 14,8″ O
Schönberg-Höhlensystem (Steiermark)
Schönberg-Höhlensystem
Katasternummer: 1626/300
Geologie: Dachsteinkalk
Schauhöhle seit: Nein
Gesamtlänge: 149.123 m
Niveaudifferenz: 1061 m
Besonderheiten: Längste Höhle der EU, viertlängste Höhle Europas
Website: www.hoehlenforschung.at

Das Schönberg-Höhlensystem im Toten Gebirge ist mit einer derzeit bekannten Länge von 149 km[1] die längste Höhle Österreichs und der Europäischen Union. Es erhielt seinen Namen, nachdem 2007 der Zusammenhang des ungefähr 33 km langen Feuertal-Höhlensystems mit der rund 86 km langen Raucherkarhöhle entdeckt wurde. Der darüber liegende Schönberg (2093 m) gab dem System seinen Namen.

Die weitverzweigte Höhle mit 34 Eingängen liegt bei Bad Ischl im Grenzgebiet zwischen Oberösterreich und der Steiermark. Das Gebiet um das Schönberg-Höhlensystem wird vom Landesverein für Höhlenkunde Oberösterreich erforscht, vermessen und kartographiert. Das Schönberg-Höhlensystem liegt an Platz 14 der Liste der längsten Höhlen der Welt.[2] Innerhalb Europas befinden sich auf dem Gebiet der Ukraine (Optymistytschna Petschera) und der Schweiz (Hölloch, Siebenhengste-Hohgant-Höhle) längere Systeme.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schönberg-Höhlensystem liegt im Gebiet des Schönbergs (2093 m) im westlichen Toten Gebirge. Die Gipfel des Vorderen (1786 m) und Hinteren Raucher (1734 m) sind die Hauptgipfel über dem südlichen Teil (Raucherkarhöhle). Die meisten Eingänge befinden sich am Raucherplateau westlich der Rauchergipfel bzw. im nördlich davon gelegenen Raucherkar, das auch namensgebend für die Höhle ist. Die zentralen Teile liegen unter dem Gipfel des Schönbergs. Die nördlichsten Ausläufer unterlagern das Feuertal und reichen bis zum Hangenden Kogel (1895 m), unter dem sich auch die Endhalle („Another Day In Paradise“) befindet.

Einer der bekanntesten Einstiege ins Schönberg-Höhlensystem ist die Feuertal-Eishöhle, die vom Ebenseer Hochkogelhaus aus leicht zu erreichen ist. Diese Eishöhle ist ein beliebtes Ausflugsziel. Über einen steilen Firnkegel gelangt man in die erste große, noch vom Tag erhellte Halle mit zwei Tagesschloten. Am südlichen Ende dieser Halle befindet sich die Fortsetzung in eine weitere Halle, an deren Ende das eigentliche Höhlensystem mit einem tiefen Schacht beginnt. Meist ist diese Fortsetzung komplett zugeeist, sodass oft tagelang auf ein Schmelzen gewartet werden muss, das nur im Sommer auftritt. Taut der „Verschluss“ jedoch auf, so gelangt man in die so genannte „Gustave-Abel-Halle“ und anschließend ins Hauptsystem, welches von der Eishöhle aus jedoch schwierig zu befahren ist.

Ein anderer, völlig neu entdeckter Eingang ist der so genannte „Separatistenschacht“. Damit können nun auch vorher abgelegene Teile der Höhle relativ leicht befahren werden.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schönberg-Höhlensystem liegt in einem großen Block des Dachsteinkalks der Nördlichen Kalkalpen. Diese wurden bei der alpidischen Gebirgsbildung in mehreren tektonischen Teildecken nach Norden über die Gesteine des europäischen Kontinentalrandes überschoben. Die Gesteine wurden dabei stark beansprucht, zum Teil gefaltet und geklüftet. Entlang dieser Klüftung drang Niederschlagswasser in das Gestein und führte zur Ausbildung von Höhlen als typische Karsterscheinungen. Die bevorzugte Orientierung der Klüftung im Gestein verläuft von Südwesten nach Nordosten, so dass auch die entstehenden Höhlensysteme diese Orientierung aufweisen.[3]

Erforschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feuertal-System[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entdeckt wurde das Feuertal-System 1976 durch französische Höhlenforscher. Sie entdeckten die ersten tiefen Schächte und das erste von drei riesigen Horizontalsystemen. Kurze Zeit später erreichte man auch den anfangs tiefsten Punkt der Höhle (913 m unter dem Eingang), zu welchem man dann jahrzehntelang nicht mehr zurückkehrte. Anfangs wurden die Entdeckungen nur sehr mangelhaft dokumentiert, die Höhle hatte zu diesem Zeitpunkt „nur“ eine Länge von rund 6 km. Früh wurde bemerkt, dass ein Hauptgang der Höhle in Richtung Raucherkarhöhle führte, der Zusammenschluss wurde aber erst viel später entdeckt. Vor der Erforschung dieses Zusammenhangs wurde der Zusammenschluss mit der Altarkögerl-Höhle entdeckt, ebenfalls einer Eishöhle am Schönberg selbst. Weitere Forschungen bis 1990 ließen die Höhle schnell auf eine Gesamtlänge von etwa 20 km anwachsen. 2006 erfolgte dann eine Expedition zum tiefsten und damit tagfernsten Punkt der Höhle, auf 1.061 m unter dem Eingang.

Zusammenschluss von Raucherkarhöhle und Feuertal-System[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alljährlich etwa in der ersten Augustwoche findet auf der Ischler Hütte eine Forschungswoche statt. Im Rahmen der Forschungswoche 2007 gelang es den teilnehmenden Höhlenforschern, den lange gesuchten Durchgang zwischen den beiden Höhlensystemen zu finden.

Diesen Zusammenschluss der beiden Höhlensysteme machten einige vorangegangene Touren möglich. So führten mehrere zwei- bis dreitägige Biwaktouren im Feuertal-Höhlensystem in ein neues System, das parallel zum großen Horizontalgang immer näher an die Raucherkarhöhle führte. In drei großen Touren wurden 1.500, 1.800 und 2.300 m vermessen und die Überdeckung, also der Abstand zwischen Fels und Oberfläche, immer geringer.

Während der gesamten Forschungswoche wurden Versuche gestartet, die Verbindung zu finden, jedoch stellten sich die meisten Gänge in Richtung Raucherkar als Sackgassen heraus. Am vorletzten Tag wurde noch ein vielversprechender Gang („Feuchter Tropfsteingang“) gefunden und vermessen. Am 3. August 2007 wurde noch einmal ein letzter Versuch in diesem Gang unternommen, um die zwei unerforschten Gänge noch zu untersuchen. Der erste Gang stellte sich wiederum als Sackgasse heraus. Der zweite, ein 20 m tiefer Schacht, führte durch ein eng verzweigtes Gangsystem („Konstante Inhumanität“) direkt Richtung Raucherkarhöhle, wo schließlich der Zusammenschluss durch die Höhlenforscher Gerhard Wimmer, Clemens Tenreiter und Gabriel Wimmer stattfand.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harald Zeitlhofer, Gerald Knobloch: Die Raucherkarhöhle (1626/55) als Teil des Schönberg-Höhlensystems. In: Die Höhle. Zeitschrift für Karst- und Höhlenkunde. Band 59. Verband Österreichischer Höhlenforscher, Wien 2008 (PDF auf ZOBODAT [abgerufen am 11. Juni 2020]).
  • Wolfgang Jansky, Clemens Tenreiter, Ludwig Pürmayr: Das Feuertal-Höhlensystem als Teil des Schönberg-Höhlensystems (1626/300). In: Die Höhle. Zeitschrift für Karst- und Höhlenkunde. Band 59. Verband Österreichischer Höhlenforscher, Wien 2008 (PDF auf ZOBODAT [abgerufen am 11. Juni 2020]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Theo Pfarr, Robert Seebacher, Lukas Plan: Die längsten Höhlen Österreichs. (PDF; 42 kB) In: hoehle.org. Verband Österreichischer Höhlenforscher, abgerufen am 11. Juni 2020.
  2. Bob Gulden: Worlds longest caves. In: GEO2 Committee on long and deep caves. NSS, 7. April 2019, abgerufen am 1. Juli 2019 (englisch).
  3. Schönberg-Höhlensystem. Landesverein für Höhlenkunde Oberösterreich