Schlacht bei Stresow

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Schlacht bei Stresow
Anlandung der Truppen bei Groß Stresow
Anlandung der Truppen bei Groß Stresow
Datum Landung: 15. November 1715
Gefecht: 16. November 1715
zwischen 3 und 4 Uhr morgens
Ort Groß Stresow, heute Ortsteil von Putbus, Insel Rügen
Ausgang Sieg der Preußen, Dänen und Sachsen
Konfliktparteien

Schweden 1650Schweden Schweden

Preussen KonigreichKönigreich Preußen Preußen
DanemarkDänemark Dänemark
Kurfürstentum SachsenKurfürstentum Sachsen Sachsen

Befehlshaber

Schweden 1650Schweden Karl XII.

Preussen KonigreichKönigreich Preußen Leopold I.

Truppenstärke
750 (Infanterie)[1]
2.200 (Kavallerie)[1]
8 Artillerie Geschütze[1]
19.500 (Infanterie)[2]
3.500 (Kavallerie)[2]
26 Artilleriegeschütze[2]
Davon angelandet: 15.000[1]
Verluste

400 Tote[1]
100 Verwundete[2]

180 Tote und Verwundete[2]

Die Schlacht von Stresow im Zuge des Pommernfeldzugs von 1715/1716 im Großen Nordischen Krieg fand in den Morgenstunden des 16. November 1715 in der Nähe von Groß Stresow bei Putbus auf der Insel Rügen statt. In der Geschichtsschreibung wird dieses Gefecht sowohl als Gefecht bei Stresow als auch Gefecht bei Groß Stresow beschrieben.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlacht bei Stresow (Mecklenburg-Vorpommern)
Schlacht bei Stresow
Schlacht bei Stresow
Lage des Schlachtfeldes

Bereits 1711 und 1712 versuchten die dänischen und sächsischen Truppen die Festung von Stralsund einzunehmen. Diese Belagerung misslang, weil die Festung von der Insel Rügen aus vom schwedischen Mutterland mit Nachschub und Truppen versorgt werden konnte. Außerdem hatte die schwedische Marine noch immer die Hoheit über den Bodden vor Stralsund und den Gewässern rund um Rügen.

Im Frühsommer 1715 begannen preußische, dänische, sächsische und kurhannoversche Truppen, Stralsund erneut zu belagern. Der Schwedenkönig übernahm persönlich die Verteidigung der Stadt und Festung.[3] Auch bei dieser Belagerung wurden die Truppen von Rügen aus beschossen. So entschloss man sich, zuerst die Insel Rügen einzunehmen und dann von zwei Seiten auf Stralsund vorzurücken. Notwendige Voraussetzung für eine Landungsunternehmung war die Beherrschung der Gewässer um Rügen. Nach der Seeschlacht bei Jasmund (1715), der Erstürmung der Peenemünder Schanze und den Seegefechten im Greifswalder Bodden hatten die Alliierten die Schweden in die Defensive gedrängt. Sie konnten nun gefahrlos die Transportflotte bei Rügen anlanden. Am 15. November 1715 landete unter dem Oberbefehl von Leopold I. (Anhalt-Dessau) eine etwa 19.500 Mann starke Armee aus preußischen, dänischen und sächsischen Truppen an einem Strand in der Nähe von Groß Stresow. Die Schweden hatten eine Garnison von 4500 Männern auf der Insel stationiert, angeführt von König Karl XII. Sie bestand aus zwölf Kavallerieschwadronen und fünf Infanteriebataillonen. Zusätzlich verfügten die Schweden über zwölf Kanonen.

Die Alliierten sicherten die Landungszone nach allen Seiten mit aufgeworfenen Verschanzungen und Spanischen Reitern.[4] Des Weiteren wurden Nachtwachen aufgestellt und die Truppen in Kampfbereitschaft gesetzt.

Der Angriff der Schweden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl XII. hatte von der Landung der Truppen bei Groß Stresow erfahren und machte sich sofort auf den Weg, um die Angreifer noch am Strand zu stellen. Im Dunkel der Nacht schiffte er sich mit einigen seiner engsten Offiziere in ein Fischerboot ein und verließ Stralsund Richtung Rügen.[5] Er informierte sich nur unzureichend über die Stärke der Verbündeten Truppen und marschierte nur mit einer kleinen, schnell aufgestellten Streitmacht Richtung Stresow.

In den frühen Morgenstunden des 16. November erreichte die schwedische Armee den Strand von Groß Stresow, bei Alte Fähr. Die angelandeten Truppen hatten sich bereits in Schlachtformation hinter ihren Barrikaden aufgestellt und erwarteten den Angriff der Schweden.[5] Der schwedische König griff sofort nach dem Eintreffen mit seiner Reiterei den Gegner an. Dieser Angriff wurde schnell abgebrochen, denn die Verschanzungen, über die Karl XII. sehr erstaunt war, verhinderten das Eindringen der Reiterei.

Der zweite Angriff wurde von der Infanterie geführt. Aber auch diese hatte Probleme, die Truppen des Fürsten Leopold I. hinter ihren Verschanzungen zu treffen. Das Pferd auf dem Karl XII. in die Schlacht ritt wurde bei den Kämpfen erschossen.[3] Nachdem sich Karl mit seinen Truppen unter schweren Verlusten in die Verteidigungslinie der Dänen gekämpft hatte, wurde er von einem Streifschuss an der Schulter verwundet.[6] Die Attacke traf das dänische Jyske-Regiment mit solch einer Heftigkeit, dass es für einen Moment wankte. Doch es erholte sich schnell und eröffnete ein heftiges Gegenfeuer. Sehr bald erhielten die Dänen weitere Truppenunterstützung. So konnten die Schweden zurückgeworfen werden.

15 Minuten nachdem die Schlacht begonnen hatte, befahl Fürst Leopold von Anhalt-Dessau General Dewitz einen Angriff mit den fünf preußischen und sächsischen Kavallerieschwadronen auf die schwedische Flanke. Die Attacke wurde jedoch durch die schwedische Kavallerie abgewehrt. Der blutige Kampf ging weiter, entwickelte sich mit der Zeit aber zu einer Rückzugsschlacht der gesamten schwedischen Streitmacht aufgrund des intensiven Gegendrucks. Der König selbst lag verwundet unter seinem Pferd, getroffen von einer Musketenkugel in seiner Brust. Nur mit Schwierigkeiten konnte er im letzten Moment geborgen werden.

Die Schweden verloren ihre gesamte Artillerie, die Infanterie war praktisch vernichtet. Vier Generäle waren tot beziehungsweise tödlich verwundet. Die Schweden hatten insgesamt 500–600 Tote und Verwundete zu beklagen, während bei den Dänen, die in dem Infanteriegefecht die Hauptlast der Kämpfe zu tragen hatten, 93 Soldaten tot oder verwundet waren. Die Sachsen zählten im Kavalleriegefecht 36 Tote und Verwundete, die Preußen 49 Tote und Verwundete.

Die Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gescheiterte Angriff der Schweden schwächte die Besatzung der Insel Rügen massiv. Der König floh auf dem Rücken des dänischen Offizierspferdes zurück zur Anlegestelle des Fischerbootes.[6] Das Gros der geschlagenen schwedischen Armee zog sich in die Festung Stralsund zurück. Die Insel Rügen wurde fast ohne Gegenwehr besetzt und die Festung Stralsund von den Preußen, Dänen und Sachsen ab Ende November von zwei Seiten belagert.

Karl XII. verlor bei diesem Gefecht einige seiner treuesten Gefährten, darunter den Obersten Düring und den Kavalleriegeneral Christian Albrecht von Grothusen. Beide waren mit dem Schwedenkönig gemeinsam im Exil im Osmanischen Reich in Bender. Düring zu Ehren wurde am Strand ein Kreuz aufgestellt, welches die Stelle markierte, an der er die tödliche Wunde erhielt.

Erinnerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1855 erinnerte eine der beiden Preußensäulen an das Gefecht (54° 21′ 25″ N, 13° 34′ 19″ O). Die Säulen sind zwei über 15 m hohe Denkmäler, die in den Jahren 1854 und 1855 im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. bei Neukamp und Groß Stresow errichtet wurden. Das Denkmal bei Neukamp wurde am 15. Oktober 1854, das bei Groß Stresow genau ein Jahr später, am 60. Geburtstag Friedrich Wilhelms IV., eingeweiht. Nach dem Abbau aus Sicherheitsgründen 1991 und jahrelanger Lagerung konnte die Stresower Säule zum 300. Jahrestag der Schlacht von Stresow im November 2015 restauriert werden. Sie erhielt eine neue Statue Friedrich Wilhelms I., die der Dresdner Steinmetz und Bildhauer Sven Schubert (* 1965)[7] anfertigte.[8]

Militärische Einheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königreich Preußen:

  • Infanterie-Regiment Nr. 2[9]
  • Infanterie-Regiment Nr. 11[10]
  • Infanterie-Regiment Nr. 14[11]
  • Kürassier-Regiment Nr. 3[12]
  • Dragoner-Regiment Nr. 3[13]

Sachsen-Polen:

  • Regiment Weißenfels
  • Regiment Königin
  • Regiment Prinz Albrecht
  • Regiment von Friesen[14]

Königreich Dänemark-Norwegen:

  • Regiment Ludland
  • Regiment P`Carl
  • Regiment Civignon

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sundine: Unterhaltungsblatt für Neu-Vorpommern und Rügen, Band 8, Stralsund, Ausgabe 1834
  • Leopold von Zedlitz-Neukirch: Die Staatskräfte der Preussischen Monarchie unter Friedrich Wilhelm III, Band 1, Berlin 1828
  • Nürnberger Zeitung, Bände 7–12 Ausgabe vom 25. Oktober 1841
  • Knut Lundblad: Geschichte Karl des Zwölften, Königs von Schweden Band 2, Hamburg 1840
  • Günther Gieraths: Die Kampfhandlungen der brandenburgisch-preußischen Armee Band 8, Hrsg. Walter de Gruyter & Co. 1964
  • Philipp Albert Aufschläger, Johannes Anton Larrass: Das Königlich Sächsische 6. Infanterie-Regiment Nr. 105 und seine Stammtruppen, Verlag Höckner, 1891
  • Hermann Voges: Beiträge zur Geschichte des Feldzuges von 1715, Teil 1 in: Baltische Studien NF 9 (1905), S. 185 - 209 [Digitalisat http://ub-goobi-pr2.ub.uni-greifswald.de/viewer/image/PPN559838239_NF_9/193/]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Olle (ed) Larsson: Stormaktens sista krig (Swedish). Historiska Media, 2009, ISBN 978-91-85873, S. 270.
  2. a b c d e Curt Jany: Geschichte der Preußischen Armee – Vom 15. Jahrhundert bis 1914, Bd. 1, Biblio Verlag, P 640.
  3. a b Sundine, S. 163
  4. Freiherr von Zedlitz und Neukirch, S. 53
  5. a b Nürnberger Zeitung, Bände 7–12 vom 25. Oktober 1841
  6. a b Freiherr von Zedlitz und Neukirch, S. 54
  7. Dresdner Steinbildhauer bei den Stars zu Hause
  8. Groß Stresow feiert sanierte Preußensäule (Memento vom 17. November 2015 im Internet Archive), NDR vom 15. November 2015, abgerufen am 16. November 2015
  9. Gieraths S. 9
  10. Gieraths S.42
  11. Gieraths S. 53
  12. Gieraths S. 205
  13. Gieraths S. 136
  14. Larraß S. 40

Koordinaten: 54° 21′ 10″ N, 13° 34′ 24″ O