Schloss Dwasieden

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Schloss Dwasieden an der Ostsee auf einer Postkarte um 1900 (Photochromprint)
Frontalansicht von Schloss Dwasieden, 1879 im Architektonischen Skizzenbuch veröffentlicht
Grundriss des Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses
Der südliche Pavillon heute
Brücke in den Schlosspark
3D-Modell von Schloss Dwasieden

Das Schloss Dwasieden befand sich bei Sassnitz auf der Insel Rügen in unmittelbarer Nähe der Ostsee.

Es wurde in den Jahren 1873 bis 1877 im Auftrag von Adolph von Hansemann, Inhaber der Disconto-Gesellschaft in Berlin und einer der reichsten Männer der Bismarckzeit, erbaut. Architekt des imposanten Herrenhauses war Friedrich Hitzig, ein Schüler von Friedrich Schinkel. Die Architektur war angelehnt an die Bäderarchitektur, die für die Ostseeküste Vorpommerns prägend ist.

Von dem Prachtbau existieren aufgrund der Sprengung 1948 nur noch Ruinenreste sowie der 1997 ausgebrannte Marstall. Die Reste des Ensembles befinden sich auf einer Anhöhe oberhalb der Ostsee, die unmittelbar südwestlich an den Stadthafen von Sassnitz anschließt. Die Schlossallee zum Schloss Dwasieden zweigt von der Straße von Sassnitz nach Mukran ab.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau des Schlosses und die Gestaltung des 102 Hektar großen Parks kosteten vier Millionen Goldmark, damals eine enorme Summe. Das Schloss war das einzige Gebäude in Norddeutschland, das aus massivem Sandstein, Granit und echtem Marmor erbaut war.

Das Schloss war ein quadratischer, zweigeschossiger Bau, an dessen Seiten sich Säulengänge befanden, die in offenen, tempelartigen Pavillons endeten. Auffällig waren die beiden an den Eckseiten angeordneten Aussichtstürme mit pfeilerartig hervortretenden Wandstreifen, die das Gebäude überragten.

Nicht nur die für den Bau verwendeten hochwertigen Materialien machten es zu einem Prunkbau, sondern auch die wertvolle Innenausstattung:

„Die Zimmer, welche Fremde besehen dürfen, liegen im Parterre des Schlosses. Alle diese zahlreichen Salons und Boudoirs, diese Musik- und Bibliothekzimmer, wie auch die Gesellschaftssäle sind mit ebenso feinem Geschmack wie großem Luxus ausgestattet. Die Möbel sind zum größten Teil Gobelin und rühren noch von dem Vater des Herrn von Hansemann her. An den Wänden hängen prachtvolle Original-Ölgemälde – meistens Landschafts-, Genre- und Tierstücke unserer ersten Meister und auch die Plafonds sind mit Zeichnungen und Malereien namhafter Künstler geschmückt. Die alten venetianischen Spiegel und Kronleuchter ­(die letzteren sind beweglich und kann man jedes Stück herausnehmen), die wertvollen Ebenholzschnitzereien, die antiken Kamine aus weißem Marmor, die kostbaren Teppiche der Schmiedeberger Industrie, und all die zahlreichen Kunstgegenstände, die in Folge ihrer Seltenheit und ihrer Schönheit schon an und für sich ein großes Vermögen repräsentieren – all dies machte auf mich einen überwältigenden Eindruck.“

Adolph Kohut: Am Dünenstrand der Ostsee, 1887

Auch der Park von Dwasieden war eine sehr gepflegte Anlage und wurde schon bei seiner Fertigstellung als einer der schönsten Parks in Norddeutschland bezeichnet.

Gert von Oertzen, der Enkel und Erbe Hansemanns, verkaufte das Schloss in den 1930er Jahren an die Stadt Sassnitz, von der es 1935 die Kriegsmarine übernahm und zu einem Teil ihrer Schiffsartillerieschule (Entfernungsmeßschule) machte.

Von dem Schloss existieren heute nur noch die Pavillonreste und der Marstall. 1948 wurde das Schloss aufgrund des SMAD-Befehls Nr. 209 wie andere ehemalige Adelssitze im Zuge der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone gesprengt, wobei hier noch „erschwerend“ hinzukam, dass das Schloss militärisch genutzt worden war.

Wiederaufbaupläne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1993 gab es Pläne für ein „Kurgebiet Dwasieden“ unter Einbeziehung des historischen Schlosses. Dabei sollte die Fassade originalgetreu rekonstruiert und in einen modernen Kurbetrieb mit Hotel eingebunden werden. Diese Pläne kamen nicht zur Ausführung.[1]

Weitaus tiefgreifendere Pläne aus dem Jahr 2007 sahen die Errichtung einer „Kurstadt“ mit 3000 Betten vor, unter Einbeziehung der Überreste von Dwasieden. Ein originalgetreuer Wiederaufbau war dabei nicht vorgesehen; so sollten etwa 50 m hohe Schlosstürme entstehen. Bis zu 300 Millionen Euro wollten die dänischen Investoren Axel W. Lodberg und Steffen Flensborg im Süden von Sassnitz investieren. Auch diese Pläne scheiterten.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ralf Lindemann: Das weiße Schloss am Meer. Reprint-Verlag Rügen, Bergen auf Rügen 2003, ISBN 3935137052.
  • Ralf Lindemann: "Das weiße Schloss am Meer - Schloss Dwasieden in Sassnitz auf der Insel Rügen", 1. überarbeitete und erweiterte Neuauflage 2013, TENNEMANN Verlag Schwerin, ISBN 978-3-941452-11-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Dwasieden – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 1993: Kurgebiet Dwasieden - Rekonstruktionspläne
  2. Schloss Dwasieden auf Rügen soll neu errichtet werden (Die Welt)

Koordinaten: 54° 30′ 17″ N, 13° 37′ 30″ O