Schloss Fasanerie (Eichenzell)

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Luftbild des Schlosskomplexes
Restaurierte Mittelpartie mit historisch korrekter Farbgebung (Juni 2012)

Schloss Fasanerie ist ein Schloss in Eichenzell bei Fulda. Das ursprünglich nach dem fuldischen Fürstabt Adolph von Dalberg als Schloss Adolphseck bezeichnete Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wird von der Museumsverwaltung als Hessens schönstes Barockschloss bezeichnet und ist für Besucher zugänglich.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Fasanerie, südlicher Seitenflügel

Um 1710 erfolgte die Erbauung eines bescheidenen Landschlösschens unter dem fuldischen Fürstabt Adalbert von Schleifras, vermutlich unter Johann Dientzenhofer. Ab 1730 erfolgte der Ausbau des Schlosses unter dem Fürstabt Adolph von Dalberg. Dieser Bau schließt mit seiner Torfahrt den zweiten Schlosshof heute noch im Osten ab. Bis 1757 wurde es unter Fürstbischof Amand von Buseck nach Plänen des fürstäbtlichen Hofbaumeisters Andrea Gallasini prächtig ausgebaut. Mit der Säkularisation des Hochstiftes Fulda durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 gelangten die fuldischen Besitzungen an Nassau-Oranien-Fulda, das wiederum 1806 von Napoleon I. annektiert und 1810 Teil des Großherzogtums Frankfurt wurde. Als Folge des Wiener Kongresses gelangte die Provinz Fulda 1816 an das Kurfürstentum Hessen. Das Schloss diente bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts als Sommerresidenz, nach der Annexion Kurhessens 1866 durch Preußen wurde der Besitz enteignet und schließlich 1878 an Landgraf Friedrich Wilhelm von Hessen-Kassel wieder als private Residenz übergeben. Seine Frau Prinzessin Maria Anna von Preußen bewohnte den Komplex bis 1918. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Schloss schwere Beschädigungen.

Schloss Fasanerie gehört heute der Hessischen Hausstiftung. Im Jahr 1951 konnten die ersten Schauräume eröffnet werden, das heutige Museum wurde 1972 eingerichtet. Im Schlossmuseum wird ein großer Teil der Kunstsammlung des Hauses Hessen ausgestellt, darunter befinden sich eine bedeutende Antikensammlung und eine umfangreiche Porzellan-Sammlung.[2][3]

Seit 2010 finden umfangreiche Sanierungs- und Renovierungsarbeiten statt, die nach vorsichtiger Schätzung voraussichtlich 7,5 Mio. Euro kosten werden. Hierbei erhält das Schloss auch wieder seine ursprüngliche Außenfarbe in einem gebrochenen Weiß. Das in älteren Aufnahmen ersichtliche Ockergelb war erst in den 1970er-Jahren erstmals aufgetragen worden.[4]

Baulichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das sogenannte Schlösschen, von Johann Dientzenhofer errichtet

Das Schloss ist ein Komplex von mehreren Gebäudeflügeln um eine Abfolge von Höfen. Den Ursprungsbau bildet das alte Schloss (sog. Schlösschen, erbaut durch den Fuldaer Dombaumeister Johann Dientzenhofer), das in der Mitte der Anlage gelegen nördlich und südlich von zwei Türmen flankiert wird. Östlich schließen sich dort zwei Wirtschaftshöfe mit einem bis in die Gegenwart betriebenen Gestüt an, westlich folgen der nahezu quadratische Innenhof, sowie der mittig vom Festsaalbau begrenzte Ehrenhof, der auf die Erweiterungen unter Gallasini zurückgeht.

Gartenfront

Das Schloss war einst von einem Barocken Garten umgeben, der heute nur noch in seiner Grundstruktur zu erkennen ist. Allerdings zeugt zum Beispiel das Japanische Teehaus noch von der glanzvollen Pracht des ausgehenden Barockzeitalters. Zum Anwesen gehört ein großer Park mit einer Vielzahl verschiedener Baumarten, an der Gestaltung wirkte der Naturforscher Carl von Linné mit. Umgeben ist dieser Park mit einer bis zu sechs Meter hohen Natursteinmauer.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss und Museum

  • Markus Miller, Andreas Dobler, Christine Klössel: Schloss Fasanerie – Museum und Kunstsammlung des Hauses Hessen. Schenck Verlag, Hamburg 2012, ISBN 978-3-9807134-9-8.
  • Rolf Müller (Hrsg.): Schlösser, Burgen, alte Mauern. Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0, S. 94–96.
  • Meinolf Siemer, Kornelia Wagner: Museum Schloss Fasanerie bei Fulda. Westermann, Braunschweig 1988

Parkanlage

  • Silke Altena, Wolfgang Wette: Parkanlagen Schloss Fasanerie / Fulda. In: Die Gartenkunst 25 (2/2013), Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2013, ISSN 0935-0519, S. 341–354.
  • Martin Engel: Ein floristisches und faunistisches Portrait der Parkanlagen (Schloss und Wildpark) von Schloss Fasanerie bei Eichenzell Kreis Fulda. (= Beiträge zur Naturkunde in Osthessen. Band 50). Michael Imhof Verlag, Petersberg 2013, ISSN 0342-5452, S. 6–192.

Ausstellungskataloge
(chronologisch geordnet)

  • Andreas Dobler u. a.: Die Mitgift einer Zarentochter – Meisterwerke russischer Kunst des Historismus aus dem Besitz der Hessischen Hausstiftung Museum Schloß Fasanerie. Edition Minerva, Eurasburg 1997, ISBN 3-932353-08-0.
  • Markus Miller, Andreas Dobler, Christine Klössel: Königliches Porzellan aus Frankreich – Sammlerstücke und Service der Manufaktur Vincennes/Sèvres. Museum Schloss Fasanerie, Eichenzell bei Fulda 1999.
  • Andreas Dobler u. a.: Interieurs der Biedermeierzeit – Zimmeraquarelle aus fürstlichen Schlössern im Besitz des Hauses Hessen. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2004, ISBN 978-3-937251-69-1.
  • Markus Miller, Andreas Dobler: Gehäuse der Zeit – Uhren aus fünf Jahrhunderten im Besitz der Hessischen Hausstiftung. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2002, ISBN 978-3-935590-35-8.
  • Ralf von den Hoff, Andreas Dobler (Hrsg.): Antike – Glanzpunkte der Sammlung griechischer und römischer Kunst aus dem Hause Hessen. Museum Schloss Fasanerie, Eichenzell bei Fulda 2005, ISBN 978-3-9807134-2-9.
  • Markus Miller, Andreas Dobler, Christine Klössel: „... im Interesse der Allgemeinheit ergänzen“ – Neuerwerbungen der Hessischen Hausstiftung in 25 Jahren (1981–2006). Museum Schloss Fasanerie, Eichenzell bei Fulda 2006, ISBN 978-3-9807134-4-3.
  • Markus Miller, Andreas Dobler, Hildegard Wiewelhove: Die Darmstädter Silberkammer – Werke alter Edelschmiedekunst. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2007, ISBN 978-3-86568-290-1.
  • Markus Miller, Andreas Dobler, Christine Klössel: Prinz Heinrich von Hessen – Enrico d'Assia (1927-1999), Maler und Sammler. Museum Schloss Fasanerie, Eichenzell bei Fulda 2009, ISBN 978-3-9807134-7-4.
  • Markus Miller, Andreas Dobler, Christine Klössel, Mikael Bøgh Rasmussen: Fürstenkinder – Porträts vom 16. bis 20. Jahrhundert im Hause Hessen. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-383-0.
  • Markus Miller, Andreas Dobler: Gedeckte Tafeln im Schloss Fasanerie. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2010, ISBN 978-3-9807134-8-1.
  • Markus Miller, Andreas Dobler: Orden auf königlichem Porzellan – Das Tafelservice vom Eisernen Helm und die Feldherrenporzellane der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2013, ISBN 978-3-86568-977-1.
  • Markus Miller, Andreas Dobler u. a.: Höfische Jagd in Hessen – Ereignis, Privileg, Vergnügen. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2017, ISBN 978-3-7319-0571-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Fasanerie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Offizielle Website von Schloss Fasanerie
  2. Die Antikensammlung. In: Schloss-Fasanerie.de. Abgerufen am 25. Juni 2019.
  3. Die Porzellansammlung. In: Schloss-Fasanerie.de. Abgerufen am 25. Juni 2019.
  4. Carla Ihle-Becker: "Nicht mehr so ein trauriges Gefühl" – Schloss Fasanerie macht sich. In: Osthessen-News.de. 19. August 2013, abgerufen am 25. Juni 2019.

Koordinaten: 50° 30′ 27,8″ N, 9° 42′ 28,5″ O