Scholz & Friends

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Scholz & Friends Group GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1981
Sitz Berlin und Hamburg, Deutschland
Leitung

Frank-Michael Schmidt,
Vorsitzender

Mitarbeiterzahl

~700

Umsatz 93,12 Mio (2006) [1]
Branche Werbung
Website www.s-f.com

Die Scholz & Friends Group ist eine der führenden europäischen Werbeagenturen mit Sitz in Hamburg, Berlin und Düsseldorf. Weitere internationale Standorte sind Zürich, Brüssel, Rom, Prag, Bratislava, Belgrad, Skopje, Warschau, Sofia und Kiew. Die Agentur wurde 1981 von Jürgen Scholz, Uwe Lang und Michael Menzel in Hamburg gegründet. Seit April 2011 gehört Scholz & Friends zur WPP Group, einem britischen Marketing- und Medienkonzern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1981: Agenturgründung in Hamburg mit 48 Angestellten.[2]

1986: Die Agentur schließt sich der Agentur Bates an (später Cordiant Communications Group) an.

1990: Sebastian Turner, Thomas Heilmann und Olaf Schumann gründen die Delta Design Dresden oHG, aus der später Scholz & Friends Berlin hervorgeht. Firmensitz ist ein Kinderzimmer in der Wohnung der Familie Schumann in der Erich-Weinert-Straße.

1992: Firmengründer Jürgen Scholz scheidet aus dem aktiven Geschäft aus; die Leitung der Agentur übernimmt der langjährige Scholz & Friends-Partner Peter M. Schöning.[2]

2001: Sebastian Turner und Thomas Heilmann übernehmen die Leitung der Agenturgruppe. Ende November wird die Scholz & Friends AG erstmals an der Frankfurter Börse notiert.[3][4]

2003: Zusammen mit der Beteiligungsgesellschaft Electra (heute: Cognetas) gelingt der Führungsriege der Agentur die Abspaltung von Cordiant. Durch das Management-Buy-out mit anschließendem Squeeze-out wird Scholz & Friends das erste inhabergeführte Agenturnetzwerk Europas.[5][6][7][8] Frank-Michael Schmidt wird Deutschlandchef.[9]

2005: Scholz & Friends verlässt die Börse.[10]

2007: Scholz & Friends und Lowe Worldwide (heute MullenLowe Lintas Group) schließen eine strategische Allianz für alle internationalen Märkte, in denen die Agenturgruppe nicht vertreten ist.[11] Das Dach des gesamten Netzwerks, die Scholz & Friends Holding, firmiert seit Ende des Jahres als Commarco Holding.

2008: Frank-Michael Schmidt wird CEO der Scholz & Friends Group.

2011: Commarco wird Teil des Netzwerkes von WPP, die zu diesem Zeitpunkt größte Werbeholding der Welt.[12]

2012: In der Berliner Niederlassung der Agentur, Scholz & Friends Berlin GmbH wird erstmals ein Betriebsrat gewählt. Dies war offenbar eine Reaktion auf Kündigungen im Jahr 2011. [13]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bürogebäude Litfaß-Platz 1 ist der Berliner Sitz von Scholz & Friends

Die Scholz & Friends Group beschäftigt heute ca. 700 Angestellte an 13 Standorten in europäischen Großstädten. Das Unternehmen bietet Dienstleistungen in den Bereichen Content Marketing, Employer Branding, Digital Services, Digital Media, Public Relations, Corporate Design, Corporate Responsibility, Strategie, Produktion, Kampagne, Translation Management und Public Affairs an. 2016 wurde Scholz & Friends Trademarks als Spezialist für Handelsmarketing gegründet.[14]

Zu den aktuellen Kunden der Agentur gehören car2go, DekaBank, Deutsche Bahn, Frankfurter Allgemeine Zeitung, innogy, Montblanc, Nespresso, Opel, Siemens, Tchibo, Vodafone sowie zahlreiche Verbände und Bundesministerien.[15]

Partnerboard[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2015 übernahmen 14 Partner der Agentur und ein erweiterter Kreis aus Führungskräften von Scholz & Friends eine 25-prozentige Beteiligung an allen Gesellschaften der Scholz & Friends Gruppe in Deutschland und der Schweiz. Sie bilden seither das Partnerboard, das den Vorstand ersetzte und seither als höchstes Entscheidungsgremium fungiert.[16]

Bekannte Kampagnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Spruch der Werbe- und Sympathiekampagne des Landes Baden-Württemberg

1980er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Test the West (West/Zigarette) [2]
  • Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch (kitekat/Tiernahrung) [17]
  • Die Kraft der zwei Herzen (Doppelherz/Nahrungsergänzungsmittel) [18]

1990er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2000er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skulptur zur Initiative Land der Ideen

2010er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Umparken im Kopf (Opel) [15]
  • Von Experten versichert (VHV Versicherungen) [15]
  • Energie wird innogy (RWE/innogy) [15]
  • Respekt wer’s selber macht (toom/Baumarkt) [15]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scholz & Friends hat für seine Arbeit zahlreiche renommierte Designpreise erhalten, darunter mehrere Löwen von Cannes, den New Yorker Clio sowie mehrfach Nägel in Gold des Art Directors Club (ADC).[23] Im Jahr 2000 hatte die Agentur laut einer unabhängigen Befragung der Fachzeitschrift werben & verkaufen (w&v) die zufriedensten Kunden. Zwei Jahre später wurde Scholz & Friends von w&v zur kreativsten Agentur Deutschlands ernannt.

2014 wurde Scholz & Friends zur Red-Dot-Agency of the Year gewählt.[24] Die aktuelle Kampagne „Umparken im Kopf“ für Opel ist die erfolgreichste und am meisten ausgezeichnete Auto-Kampagne der vergangenen Jahre.[25] 2015 wurde sie mit dem GWA Effie in Gold in der Kategorie „Comeback“ prämiert. Hinzu kamen der Grand Prix beim Jahr der Werbung, bei dem Scholz & Friends auch zur Agentur des Jahres ernannt wurde.[26] Im Januar 2017 folgte die Auszeichnung als „Agentur des Jahrzehnts“ bei den Neptun Awards.[27]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik erntete die Agentur im März 2012, als über Twitter und Facebook eine nie veröffentlichte Steakhausketten-Reklame aus dem Jahre 2009 ihren Weg in die Öffentlichkeit fand. Slogans wie Tofu ist schwules Fleisch und Wenn man Tiere nicht essen soll, warum sind sie dann aus Fleisch? hatten der Agentur bei der jährlichen Preisverleihung des ADC 2009 eine Auszeichnung in Silber eingebracht, wurden jedoch als geschmacklos, homophob oder machohaft kritisiert.[28]

Im Auftrag des RWE-Tochterunternehmens innogy gestaltete die Agentur im Jahr 2016 eine Werbekampagne im Rheinland unter dem Motto „Rheinland wird Reinland“. Vor dem Hintergrund, dass RWE Braunkohle verstromt und zu den größten CO2-Emittenten zählt, wurde die Kampagne als zynisch kritisiert.[29][30][31]

Im Dezember 2016 stand das Unternehmen auf Grund der privaten Kampagne „#KeinGeldFürRechts“[32] des damaligen Strategy Directors von Scholz & Friends, Gerald Hensel, in der Kritik. Die Kampagne versuchte Werbetreibende zu beeinflussen, Werbebannerschaltungen auf Webseiten zu unterlassen, die Hensel als „rechts“ bewertete.[33] Nach diesem von einigen Beobachtern als Boykott eingestuften Aufruf, der sich in der ursprünglichen Fassung[34] unter anderem gegen Die Achse des Guten richtete, wurde dem Unternehmen von Achse-Autor Henryk M. Broder vorgeworfen, Hensel nutze seine Position dort aus, um Werbetreibende zu kontaktieren und damit die wirtschaftliche Grundlage journalistischer Angebote sowie mittelbar die Meinungs- und Pressefreiheit zu beschädigen.[35][36] Michael Hanfeld kommentierte in der FAZ: „Wer auf so etwas setzt, erst recht als Stratege einer Werbeagentur, bringt wirtschaftliche Macht gegen die Meinungsvielfalt und die Pressefreiheit in Stellung.“[37]

Es folgte ein Proteststurm mit persönlichen Anfeindungen gegen Hensel und seinen Arbeitgeber und einer vierstelligen Zahl von Negativbewertungen für Scholz & Friends auf Facebook.[38][39] Scholz & Friends distanzierte sich inhaltlich am 14. Dezember 2016 von der Kampagne[33] und sprach von unnötigen Provokationen und beleidigenden Reaktionen Hensels auf die ersten Anfeindungen,[39] stellte sich als Arbeitgeber aber hinter Hensel.[40] Dennoch entschloss sich Hensel nach eigenen Angaben, das Vertragsverhältnis mit Scholz & Friends zu beenden.[38]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elektronischer Bundesanzeiger, 5. November 2007, Konzernabschluss zum 31. Dezember 2007
  2. a b c d Scholz & Friends: Die Highlights aus 35 Jahren, 12. 7. 2016. In: Werben & Verkaufen
  3. Scholz & Friends mit erstem Börsentag zufrieden, 26. 11. 2001. Der Tagesspiegel
  4. Wir stehen wieder an der Spitze der Werbebranche, 5. 6. 2001. In: Die Welt
  5. Management-Buyout bei Scholz & Friends, 9. 5. 2003. In: Handelsblatt
  6. Cordiant verkauft Anteile, 10. 6. 2003. In: Manager Magazin
  7. Scholz & Friends soll in Hamburg wieder glänzen, 22. 9. 2003. In: Die Welt
  8. Scholz & Friends Holding schmiedet Börsenpläne, 3. 9. 2007. In: Werben & Verkaufen
  9. Wir haben den F.M. erobert, 3. 6. 2003. In: Handelsblatt
  10. Werbeagentur Scholz & Friends verlässt die Börse, 22. 11. 2005. In: Berliner Morgenpost
  11. Scholz & Friends und Lowe besiegeln Partnerschaft, 23. 3. 2007. In: Horizont
  12. Scholz & Friends wird verkauft, 19. 4. 2011. In: Der Tagesspiegel
  13. Mitarbeiter gründen Betriebsrat, W&V Februar 2012.
  14. Spezialagentur für Handelsmarken gegründet, 04.06.2016. In: Scholz & Friends, Pressemitteilung
  15. a b c d e f Aktuelle Arbeiten. In: Scholz & Friends, Offizielle Webseite
  16. Neue Ära bei Scholz & Friends: Partner-Beteiligung als Grundlage für neues Managementsystem, 1. 10. 2015. In: Presseportal
  17. Datenbank der Werbung [1], abgerufen 12. 5. 2017
  18. Datenbank der Werbung [2], abgerufen 12. 5. 2017
  19. Die politischen Strategien der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (PDF; 683 kB), Rudolf Speth, August 2004.
  20. Vom „FC Deutschland 06“ zum „Land der Ideen“, 2. 5. 2005. In Frankfurter Allgemeine Zeitung
  21. "Das neue Herz Europas" (Memento vom 18. Januar 2011 im Internet Archive), Stuttgarter Zeitung, März 2008.
  22. Scholz & Friends setzt „Runter vom Gas!“ fort, 26. 10. 2009. In: Horizont
  23. Mehr Sein als Schein, 15. 5. 2005. In: Die Welt
  24. Red Dot Award: Scholz & Friends ist Agentur des Jahres, 24. 10. 2014. In: Werben & Verkaufen
  25. Scholz und Friends als „Agentur des Jahrzehnts“ gewählt, 18. 11. 2015. In: GWA
  26. Scholz & Friends holt Grand Prix mit Opel und wird Agentur des Jahres, 30. 1. 2015. In: Horizont
  27. Neptun Award 2015: Grabarz & Partner, Hornbach und Scholz & Friends überzeugen die Jury, 31. 1. 2017. In: Red Box
  28. Geschmacklose Werbung sorgt nach Jahren für Ärger, Spiegel online, 21. März 2012.
  29. Handelsblatt, Grüne Tochter provoziert RWE, 15.09.2016
  30. Horizont, JvM/Brand Identity gestaltet Erscheinungsbild der neuen RWE-Marke, 28. Juli 2016
  31. Lügendetektor klimaretter.info, RWE Innogy: Da stutzt sogar das Handelsblatt, 15. September 2016
  32. Webseite von Gerald Hensel (Memento des Originals vom 10. Dezember 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.davaidavai.com, 10.12.2016 (mittlerweile passwortgeschützt)
  33. a b Michael Gassmann: Scholz & Friends geht auf Abstand zu #keingeldfürrechts. (welt.de [abgerufen am 15. Dezember 2016]).
  34. Gerald Hensel: Kein Geld für Rechts. Lasst uns rechtsradikalen Medien den Geldhahn zudrehen (via archive.org). Archiviert vom Original am 7. Dezember 2016; abgerufen im 18. Dezember 2016.
  35. Henryk M. Broder: Der schmutzige Erfolg der Denunzianten. (achgut.com [abgerufen am 12. Dezember 2016]).
  36. Denunzianten-Gate: Eine Chronik unheimlicher Zufälle. (achgut.com [abgerufen am 15. Dezember 2016]).
  37. Michael Hanfeld: Wirb nicht bei den Schmuddelkindern, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Dezember 2016.
  38. a b „Ein Angriff auf mein persönliches Leben und mein Arbeitsumfeld“ – Interview mit Gerald Hensel. (stern.de [abgerufen am 15. Dezember 2016]).
  39. a b Michael Gassmann: Scholz & Friends geht auf Abstand zu #keingeldfürrechts, WeltN24, 14. Dezember 2016.
  40. Stefan Wegener: Scholz & Friends: Jetzt spricht der Chef von Gerald Hensel. (wuv.de [abgerufen am 15. Dezember 2016]).