Schottenkloster St. Jakob (Regensburg)

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Portal der Schottenkirche St. Jakob

Das Schottenkloster St. Jakob ist ein ehemaliges Kloster der Benediktiner in Regensburg in Bayern in der Diözese Regensburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Regensburger Schottenkloster entstand im Zuge einer letzten Welle irischer Klostergründungen auf dem europäischen Kontinent am Ende des 11. Jahrhunderts. Auf der Pilgerfahrt nach Rom gründete der Ire Marianus Scottus mit seinen Begleitern um 1070 in Regensburg zunächst das Kloster Weih-Sankt-Peter. Da die Niederlassung schon bald für die stetig wachsende Gemeinschaft zu klein wurde, baute man um 1110 im Westen der Stadt ein neues Kloster. Das dem Apostel Jakobus dem Älteren und der hl. Gertrud geweihte Kloster wurde mit Hilfe des Burggrafen Otto von Regensburg und angesehener Bürger der Stadt gegründet.

Vom Regensburger Kloster ausgehend entwickelte sich ein Verband von Klöstern auf dem europäischen Kontinent, die ausschließlich von irischen Mönchen besiedelt waren, die nach der Benediktusregel lebten.

Der Verband dieser Klöster stand seit dem frühen 13. Jahrhundert unter der Leitung des Abtes des Regensburger Klosters Sankt Jakob. Nachdem in der Reformationszeit die Klöster dieses irischen Verbandes untergegangen waren, wurden ab 1515/16 die Klöster in Regensburg, Erfurt und Würzburg von schottischen Benediktinern neu besiedelt. Das Regensburger Kloster diente in den folgenden drei Jahrhunderten als Ausbildungsstätte für schottische Priester.

Anders als die Klöster in Erfurt und Würzburg, die im Zuge der Säkularisation 1803 aufgelöst wurden, blieb das Regensburger Kloster wegen seines exterritorialen Status nach dem Übergang Regensburgs an Bayern 1810 erhalten. Erst 1862 wurde das Kloster auf Drängen des Regensburger Bischofs Ignatius von Senestrey wegen Personalmangel von Papst Pius IX. aufgelöst und an das Bistum Regensburg übergeben. Nach Umbaumaßnahmen zwischen 1866 und 1872 bezog das Priesterseminar des Bistums die ehemaligen Klosterräume.

Äbte des Klosters St. Jakob (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ninian Winzet (1577–1592): Beichtvater der schottischen Königin Maria Stuart
  • Alexander Baillie (1646–1655): rettete das durch den Dreißigjährigen Krieg personell und wirtschaftlich geschwächte Kloster vor der drohenden Auflösung durch den Bischof von Regensburg
  • Bernhard Bailli († 26. April 1743): vor seiner Wahl Professor an der Universität Salzburg
  • Bernard Stuart, 1743–1755
  • Placidus Fleming (1672–1720): neue Blüte des Klosters; Einrichtung eines Seminars zur Ausbildung der schottischen Jugend
  • Maurus Stuart, Dr. theol. et phil, Professor in Erfurt († 13. Dezember 1720)
  • Gallus Leith († 18. Oktober 1775)
  • Benedikt Aburthnot (1737–1820): bedeutender Mathematiker und Philosoph; konnte das Kloster vor der drohenden Aufhebung bei der Säkularisation 1803 bewahren

Kirche und Klosterbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein erster Kirchenbau wurde bereits 1120 geweiht, musste wegen Baufälligkeit jedoch bald wieder bis auf die beiden Türme und die Nebenapsiden wieder abgebrochen und neu errichtet werden. Wann der in Quadermauertechnik aufgeführte Neubau fertiggestellt wurde, ist nicht bekannt. Diese bis heute nahezu unverändert erhaltene dreischiffige Basilika mit Westquerhaus gehört zu den bedeutendsten Bauten der Romanik in Süddeutschland. Bemerkenswert sind neben dem hohen technischen Niveau der Bauausführung vor allem die skulptierten Kapitelle der Rundpfeiler des Mittelschiffs und das reich mit figürlichen und ornamentalen Bildwerken geschmückte Hauptportal an der Nordseite der Kirche. Die barocke Neugestaltung der Kirche am Ende des 17. Jahrhunderts beschränkte sich auf die Einwölbung der Seitenschiffe und den Einbau einer barocken Kassettendecke im Mittelschiff. Nach dem Übergang des Klosters an das Bistum Regensburg wurde die Kirche im Sinne des Historismus reromanisiert. Diese Restaurierung bestimmt den Eindruck des Innenraums bis heute.

Näheres zur Klosterkirche und dem Schottenportal (Nordportal) im Artikel: St. Jakob (Regensburg).

Von den Klosterbauten aus der Zeit der Romanik hat sich nur der im Süden der Kirche liegende Kreuzgang in seinen Grundzügen erhalten. Spätere Umbauten aus der Zeit der Gotik, des Barock und des 19. Jahrhunderts lassen, bis auf wenige Reste, seine ursprüngliche Gestalt aber kaum mehr erkennen. Unter Abt Gallus wurde der an den heutigen Bismarckplatz grenzende Ostflügel mit der äußeren Pforte und der Westflügel zum ehemaligen Klostergarten errichtet. Die Klostergebäude wurden nach 1862 für die Bedürfnisse des Priesterseminars Regensburg grundlegend umgebaut und in den 1930er Jahren nochmals erweitert (Speisesaal, Hauskapelle und Südflügel).

Pflege der Wissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pflege der Wissenschaften, insbesondere der Naturwissenschaften, hatte im Regensburger Schottenkloster eine lange Tradition. Dies spiegelt sich auch darin, dass die Regensburger Schottenmönche das geistige Leben in Bayern im 18. Jahrhundert entscheidend mitbestimmten und auch an der Gründung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften beteiligt waren. Außerdem waren mehrmals Mönche des Klosters – so z. B. die bereits genannten Äbte Bernhard Bailli und Maurus Stuart – als Professoren an den Universitäten in Salzburg und Erfurt tätig.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert A. Bock: Die Entwicklung des Klosters St. Jakob in Regensburg seit seiner Gründung Ende des 11. Jahrhunderts bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts. Diplomarbeit, Universität Regensburg, 1972.
  • Helmut Flachenecker: Schottenklöster. Irische Benediktinerkonvente im hochmittelalterlichen Deutschland (= Quellen und Forschungen aus dem Gebiet der Geschichte N. S. 18). Paderborn u. a. 1995.
  • Helmut Flachenecker: Schottenklöster. In: Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Aufl., Bd. 9, 2000, Sp. 243.
  • Johann Gruber: Das Schottenkloster St. Jakob in Regensburg vom 16. Jahrhundert bis zu seiner Aufhebung 1862. In: Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg (2006) 133–188.
  • Ludwig Hammermayer: Deutsche Schottenklöster, schottische Reformation, katholische Reform und Gegenreformation in West- und Mitteleuropa (1560–1580). In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 26 (1963) 131–255.
  • Ludwig Hammermayer: Zur Geschichte der Schottenabtei St. Jakob in Regensburg. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 22 (1959) 42–76.
  • Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern V: Regensburg und die Oberpfalz. Bearbeitet von Jolanda Drexler und Achim Hubel unter Mitarbeit von Astrid Debold-Kritter u. a., München/Berlin 1991, 509–513.
  • Die Kunstdenkmäler von Bayern. Oberpfalz XXII: Stadt Regensburg. Bd. 2. Bearbeitet von Felix Mader, München 1933, 297–331.
  • Priesterseminar St. Wolfgang Regensburg (Hrsg.): Scoti peregrini in Sankt Jakob. 800 Jahre irisch-schottische Kultur in Regensburg. Ausstellung im Priesterseminar St. Wolfgang Regensburg, 16. November 2005 bis 2. Februar 2006. Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1775-9.
  • Hermann Reidel: Iroschottische Kunst und Kultur in Regensburg. Europäische Beziehungen und Einflüsse im Mittelalter. In: Das mittelalterliche Regensburg im Zentrum Europas. Regensburg 2006.
  • Stefan Weber: Iren auf dem Kontinent. Das Leben des Marianus Scottus von Regensburg und die Anfänge der irischen «Schottenklöster». Heidelberg 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schottenkirche, Regensburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 1′ 7″ N, 12° 5′ 18″ O