Schuldbekenntnis

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Dieser Artikel erläutert das Schuldbekenntnis in der Religion. Zur Anerkennung eines Schuldverhältnisses im Zivilrecht siehe Schuldanerkenntnis.

Ein Schuldbekenntnis ist das Eingeständnis der persönlichen oder kollektiven Schuld vor Gott im Christentum. Es zielt auf die Bitte um Vergebung, etwa im Zentralgebet der Christen, dem Vaterunser:

„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern [denen, die an uns schuldig wurden].“

Das christliche Schuldbekenntnis ist primär Antwort der Gemeinde Jesu Christi auf Gottes Schuldübernahme, die in der Kreuzigung seines Sohnes offenbar geworden ist. Im Unterschied zur individuellen Beichte hat das Schuldbekenntnis daher einen öffentlichen, gemeinschaftlichen Charakter.

Schuldbekenntnis im Gottesdienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Tradition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das allgemeine Schuldbekenntnis (Confiteor) ist ein in der Liturgie verwendetes Gebet. Es wird in der Heiligen Messe nach der Eröffnung gesprochen[1]. Für die Feier der Komplet wird es sehr empfohlen[2]. Der Wortlaut des allgemeinen Schuldbekenntnisses (in eckigen Klammern der Wortlaut in der längeren Fassung):

Fassung bis 1970 (lateinisch)[3] Fassung bis 1970 (deutsch) Fassung seit 1970 (lateinisch)[4] Fassung seit 1970 (deutsch)

Confíteor Deo omnipoténti,
beátae Maríæ semper Vírgini,
beáto Michaéli Archángelo,
beáto Ioánni Baptístæ,
sanctis Apóstolis Petro et Paulo,
ómnibus Sanctis,
et vóbis, fratres / et tíbi, pater,
quia peccávi nimis
cogitatióne, verbo et ópere:
mea culpa, mea culpa,
mea máxima culpa.

Ideo precor beátam Maríam semper Virginem,
beátum Michaélem Archángelum,
beátum Ioánnem Baptístam,
sanctos Apóstolos Petrum et Paulum,
omnes Sanctos,
et vós, fratres / et te, pater,
oráre pro me ad Dóminum Deum nostrum.

Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen,
der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria,
dem heiligen Erzengel Michael,
dem heiligen Johannes dem Täufer,
den heiligen Aposteln Petrus und Paulus,
allen Heiligen,
und euch, Brüder / und dir, Vater
dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe.
Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken
durch meine Schuld, durch meine Schuld,
durch meine große Schuld.

Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria,
den heiligen. Erzengel Michael,
den heiligen Johannes den Täufer,
die heiligen Apostel Petrus und Paulus,
alle Engel und Heiligen,
und euch, Brüder und Schwestern,
für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn.

Confíteor Deo omnipoténti
et vobis, fratres,
quia peccávi nimis
cogitatióne, verbo, ópere et omissióne:
mea culpa, mea culpa, mea máxima culpa.
Ideo precor beátam Maríam semper Vírginem,
omnes Angelos et Sanctos,
et vos, fratres,
oráre pro me ad Dóminum Deum nostrum.

Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen,
und allen Brüdern und Schwestern,
dass Gutes nunterlassen und Böses getan habe –
ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken –
durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld.
Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria,
alle Engel und Heiligen
und euch, Brüder und Schwestern,
für mich zu beten beim Herrn, unserem Gott, unserm Herrn.

Schuldbekenntnis, hier in deutscher Sprache gesprochen von Erzbischof Thumma Bala mit der Gemeinde in der Recker Pfarrkirche St. Dionysius.

Bei den Worten mea culpa bzw. meine Schuld ist es Brauch, sich an die Brust zu schlagen.

oder:

V: Erbarme Dich, Herr, unser Gott, erbarme Dich.
A: Denn wir haben vor Dir gesündigt.
V: Erweise, Herr uns Deine Huld.
A: Und schenke uns Dein Heil.

Statt des Schuldbekenntnisses kann eine erweiterte Form des Kyrie gebetet werden. Anschließend folgt die Vergebungsbitte durch den Zelebranten. An Sonntagen kann der Bußritus durch das sonntägliche Taufgedächtnis ersetzt werden.

Vor der Liturgiereform infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde ausschließlich die längere Fassung in Latein gebetet, deren Verwendung vorgeschrieben war. Das Gebet war Bestandteil des Stufengebetes, das der Priester im Wechsel mit dem Ministranten oder der Gemeinde vor dem Hinzutreten zum Altar am Beginn der Heiligen Messe betete. Beteten Priester und Ministranten im Wechsel, antworteten die Ministranten statt et vobis fratres: et tibi pater und statt et vos fratres: et te pater. Dabei war das Schuldbekenntnis, obwohl sich das Volk natürlich daran beteiligen konnte, eigentlich ein Vorbereitungsgebet des Klerus auf die Heilige Messe. Die Kommunikanten beteten nach der Kommunion des Priesters ein weiteres Schuldbekenntnis zur Vorbereitung auf ihre eigene Kommunion. Dieses wurde in der Liturgie von 1962 abgeschafft, in den deutschen Gemeinden, die die Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus feiern, wird es aber als lokale Tradition weitergeführt.

Das Schuldbekenntnis ist nicht mit dem „Herr, erbarme dich“ des Kyrie zu verwechseln, das einen Huldigungsruf darstellt und nach Schuldbekenntnis und Vergebungsbitte gesprochen wird.

Protestantischer Gebrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im protestantischen Bereich kommt das Schuldbekenntnis in drei liturgischen Hauptformen vor:

  • als Bußgebet (Confiteor) zu Beginn eines Bußgottesdientes
  • als Antwort der Gemeinde auf die Predigt
  • als Vorbereitung der Gemeinde auf die Abendmahlsfeier.

Seit der Reformation gehört die sogenannte „Offene Schuld“ zur Liturgie eines gewöhnlichen Predigtgottesdienstes. Im 19. und 20. Jahrhundert formulierten Theologen und Liturgiekommissionen zahlreiche verschiedene Sündenbekenntnisse. Seit 1960 wurde die Kombination von Schuldbekenntnissen mit Gesellschaftskritik beliebt, etwa im Politischen Nachtgebet auf evangelischen Kirchentagen. Damit wurde die Individualisierung von Schuld auf die Selbsterkenntnis des Sünders vor Gott abgewehrt und auf den sozialen und politischen Bereich ausgedehnt.

In der Zürcher Gottesdienstreform der 1960er Jahre wurde ein Schuldbekenntnisses in den ordentlichen Sonntags- und Festgottesdienst als freiwilliges, nicht verpflichtendes liturgisches Angebot aufgenommen.

Im Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche (Ausgabe 2002) findet sich ein eigenes Formular mit dem Titel: Die Feier zur Erneuerung des Bundes mit Gott. Diese Feier ist eine liturgisch ausführliche Form eines Sündenbekenntnisses, das mehrere Beicht- und Bußgebete miteinander verknüpft und in der Selbstverpflichtung mündet, den vollkommenen Willen Christi „zu suchen und zu tun“.[5]

Kirchliche Schuldbekenntnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das christliche Schuldbekenntnis ist nicht nur ein zentraler Glaubensakt des einzelnen Christen, sondern auch ein Akt der Gesamtkirche, die sich als Gemeinschaft der Gläubigen versteht und sich mit selbstkritischer Benennung ihres konkreten Versagens zu ihrer weltweiten Verantwortung für das Heil aller Menschen bekennt. Darum haben Kirchen in bestimmten historischen Situationen immer wieder als Ganze ein konkretes Schuldbekenntnis ausgesprochen. Auch einzelne Christen haben die Schuld der Gesamtkirche an ihrer Statt ausgesprochen.

Ein berühmtes, in seiner Radikalität unerreichtes Schuldbekenntnis stammt von dem lutherischen Theologen Dietrich Bonhoeffer aus dem Jahr 1940. Auf dem Höhepunkt des Triumphs Adolf Hitlers nach dem Sieg über Frankreich, der die Niederlage und Kriegsschuld Deutschlands im Ersten Weltkrieg vergessen machen sollte, sprach Bonhoeffer von der Schuld der Kirche an den „schwächsten Brüdern und Schwestern Jesu Christi“: den Juden. Sie habe diese dem Unrecht des totalen Staates ausgeliefert und die Herrschenden ermutigt, dieses Unrecht mit Berufung auf den Segen der Kirche zu begehen.

Nach Kriegsende war das Stuttgarter Schuldbekenntnis vom Oktober 1945 der Ausgangspunkt einer jahrzehntelangen Neubesinnung der EKD im Blick auf das Versagen des Protestantismus gegenüber dem Nationalsozialismus. Dem folgte 1947 ein nur von Teilen der EKD angenommenes Bekenntnis konkreter evangelischer „Irrwege“ im Darmstädter Wort. Die Evangelische Kirche A. u. H. B. in Österreich leistete ein vergleichbares Schuldbekenntnis erst 1998.

Ein historisches Schuldbekenntnis im Bereich des Katholizismus war das Mea culpa („meine Schuld“) des Papstes Johannes Paul II. vom 12. März 2000, in dem er kirchliche Verfehlungen im Zusammenhang von Glaubenskriegen, Judenverfolgungen und Inquisition eingestand. Bereits am 16. März 1998 hatte der Vatikan in dem Dokument Nachdenken über die Shoa die Mitschuld von Christen am Holocaust bekannt. Dem folgte am 20. März 1998 eine Pilgerreise des Papstes nach Israel, Jordanien und in die Palästinensergebiete, bei der er an der Klagemauer betete und in Betlehem und Nazaret Eucharistie feierte.

Andere Schuldbekenntnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine von den Kirchen bisher nicht übernommene Erklärung zum Versagen gegenüber dem Leiden der Tiere als empfindungsfähigen Mitgeschöpfen ist das Glauberger Schuldbekenntnis von 1988, verfasst vom Pfarrerehepaar Michael und Christa Blanke, das auf Tierversuche in der chemischen Industrie und Pharmazeutik reagierte.[6][7]

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Allgemeine Einführung in das römische Meßbuch, 51
  2. Allgemeine Einführung ins Stundengebet, 86
  3. Anselm Schott OSB: Das vollständige Römische Meßbuch lateinisch und deutsch. Freiburg-Basel-Wien 1983, S. 438f.
  4. Gotteslob (2013) Nr. 582.4.
  5. Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche, Ausgabe 2002, S. 1367
  6. Glauberger Schuldbekenntnis. Aktion Kirche und Tiere e.V., abgerufen am 16. November 2014.
  7. Egon Spiegel: "Praedicate Evangelium omni creaturae" (Mk 16,15), die Herausforderung des Glauberger Schuldbekenntnisses. In: Gottes Volk, Bibel und Liturgie im Leben der Gemeinde, Lesejahr B. Hubert Ritt, abgerufen am 22. Januar 2015.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]