Nazareth

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Nazareth im Nordbezirk Israels. Für weitere Bedeutungen siehe Nazareth (Begriffsklärung).
Nazareth
Wappen von Nazareth
Blick auf die Stadt und die Verkündigungsbasilika
Blick auf die Stadt und die Verkündigungsbasilika
Basisdaten
hebräisch: נָצְרַת
arabisch: الناصرة
Staat: Israel Israel
Bezirk: Nord
Koordinaten: 32° 42′ N, 35° 18′ OKoordinaten: 32° 42′ 13″ N, 35° 17′ 48″ O
 
Einwohner: 75.726 (2015)
 
Zeitzone: UTC+2
 
Gemeindeart: Stadt
Nazareth (Israel)
Nazareth
Nazareth

Nazareth (ökumenische Schreibweise Nazaret; hebräisch נָצְרַת [naːts'raθ] – zur Schreibung siehe auch Schreibung biblischer Namen; aramäisch ܢܵܨܪܲܬ ['naːtsraθ]; arabisch الناصرة, DMG an-Nāṣira) ist eine Stadt im Nordbezirk Israels in der historischen Landschaft Galiläa. Bis zum 7. Jahrhundert n. Chr. lebten hier Juden. Die Kreuzfahrer errichteten an Stelle der von Konstantin erbauten byzantinischen Kirche eine große franziskanische Basilika. Seit dem Mittelalter war die Stadt vorwiegend von arabischen Christen bewohnt.

Zusammen mit ihrer Schwesterstadt Nazrat-Illit (נָצְרַת עִלִּית Natzrat Illit [nats'rat ʿi'lit] ‚Ober-Nazareth‘) kommen beide Städte auf etwa 115.000 Einwohner (Stand 2015); auf Nazrat-Illit entfallen davon 40.198 Einwohner, und auf Nazareth 75,726.[1] Nazareth ist eine sehr alte Stadt und wird heute in erster Linie von Muslimen und Christen bewohnt. Nazrat-Illit ist deutlich jünger und wird hauptsächlich von Juden bewohnt.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wird weder im Tanach noch im Talmud erwähnt. Seine besondere Bedeutung liegt bis heute darin, dass er für Christen als Heimatort und Vaterstadt Jesu gilt. Nach Darstellung der Evangelien lebten hier seine Eltern Maria und Josef. In Nazaret kam der Erzengel Gabriel zu Maria und kündigte ihr die Geburt des künftigen Erlösers an (Verkündigung des Herrn). Da zu dieser Zeit der Zensus des Römischen Reiches (...auf dass sich jeder schätzen ließe, jeder in seiner Stadt...) stattfand, mussten sich laut Lukas-Evangelium alle Familienoberhäupter in ihren Geburtsort begeben, weshalb Josef mit der hochschwangeren Maria nach Bethlehem zog, wo Jesus (Jeschua) geboren wurde. Nach den Evangelien wuchs er aber in Nazaret auf, wohin seine Familie zurückkehrte.(Mt 2,23 EU; Lk 2,39 EU) In den Evangelien und der christlichen Tradition wird Jesus selbst daher auch als „Nazarener“ bezeichnet (z. B. Mk 1,24 ELB), womit seine Herkunft „aus Nazaret“ (s. Lk 4,16-24 ELB) gemeint ist.

Die früheste außerchristliche Erwähnung Nazareths ist eine Inschrift aus Caesarea Maritima aus dem späten 3. bzw. frühen 4. Jahrhundert, in der der Ort als Sitz einer von 24 Priesterordnungen genannt wird. Heute gehört Nazareth zu den wichtigsten Pilgerstätten des Heiligen Landes. An der Stelle, wo nach der Überlieferung das Haus Marias stand und der Verkündigungsengel zu ihr kam, erhebt sich die 1969 geweihte römisch-katholische Verkündigungsbasilika. Sie trägt die Aufschrift Hic verbum caro factum est - „Hier ist das Wort Fleisch geworden“.

Topographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Altstadt von Nazareth liegt in einer Geländemulde. Die Mulde liegt knapp 100 m tiefer als der Hügelzug, der die Stadt hufeisenförmig umsäumt. Die Abhänge steigen mäßig steil an. Sie sind heute fast vollständig überbaut.

Nazareth in biblischer Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund des Fehlens jeglicher Erwähnung der Ortschaft Nazareth im Tanach, im Talmud oder in außerbiblischen Quellen aus dem ersten und zweiten Jahrhundert (wie etwa Flavius Josephus) wurde seit dem 19. Jahrhundert seine Existenz zur Zeit der Geburt Jesu selbst in Zweifel gezogen. Archäologische Grabungen haben eine Besiedlung der Areale um die heutige Stadt seit dem 2. Jahrtausend vor Chr. nachgewiesen: Auf diese Zeit geht ein Grabfeld zurück, das in dem Berghang gefunden worden ist, und auf das 13. Jahrhundert vor Chr. ein eisenzeitliches Dorf. Auch wurden die Überreste eines in späthellenistischer Zeit gegründeten kleinen Dorfes freigelegt.[2]

Nazareth (1842, David Roberts)

Die archäologischen Befunde legen nahe, dass die Gegend um das heutige Nazareth im 1. Jahrhundert sehr spärlich besiedelt war. Oben an einem der Abhänge konnten landwirtschaftlich genutzte Bauten aus jener Zeit entdeckt werden, wobei es sich um die Überreste von Terrassenmauern und die Fundamente von drei Türmen handelt. Zudem stieß man bei den Ausgrabungen durch Ross Voss und Stephen Pfann ab 1996 auf ein Grab.[3] Weitere zwanzig jüdische Gräber aus römischer Zeit sind ausgegraben worden. Diese Größenordnung kann auf ein Familiengrab hindeuten oder bestenfalls einem kleineren Familienclan zugeordnet werden. Die derzeitige Interpretation der University of the Holy Land lässt jedoch eine zugehörige Siedlung vermuteten, deren Einwohnerzahl sie auf 200 bis 500 Personen schätzt.[2] Im Jahr 2009 wurden bei Ausgrabungen der Israelischen Antikenverwaltung nahe der Verkündigungsbasilika erstmals Überreste eines Wohnhauses aus der frühen römischen Periode gefunden, die Rückschlüsse auf die Gegebenheiten zur Zeit Jesu zulassen. Es handelte sich um ein kleines, bescheidenes Haus mit zwei Zimmern. In dem zum Haus gehörenden Hof befand sich eine in den Felsen gehauene Zisterne. Die aufgefundenen Geschirrfragmente lassen auf die Nutzung durch jüdische Bewohner schließen.[4] Überreste einer Synagoge, von denen das Neue Testament berichtet (Lk 4,16 EU), wurden nicht gefunden.

Moderne Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nazareth ist heute die Stadt mit der größten Gemeinschaft arabischer Israelis in Israel. Die Stadt besteht im Altstadtbereich vor allem aus kleinen Gassen mit einem arabischen Markt. In unmittelbarer Nähe der Verkündigungsbasilika war der Bau einer großen Moschee geplant, so dass es in den zurückliegenden Jahren mehrfach zu teilweise gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen kam.

Nazrat-Illit ist im Gegensatz zu Nazareth eine junge Stadt; sie entstand wie viele andere Entwicklungsstädte als moderne Stadt nach der israelischen Staatsgründung 1948 und wurde 1957 gegründet. Mehr als die Hälfte ihrer Einwohner sind Einwanderer, vornehmlich aus der ehemaligen Sowjetunion. Der ehemalige Bürgermeister Menachem Ariav ist Ehrenbürger von Leverkusen.

Nazareth und Nazrat-Illit sind zwei selbständige Städte und haben getrennte Verwaltungen.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Liste enthält eine alphabetische Übersicht bedeutender, im heutigen Nazareth geborener oder aufgewachsener Persönlichkeiten. Ob die Personen ihren späteren Wirkungskreis in Nazareth hatten oder nicht, ist dabei unerheblich. Viele sind nach ihrer Geburt weggezogen und andernorts bekannt geworden. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Städtepartnerschaften und Städtefreundschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaft mit Nazareth[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flag of Germany.svg Neubrandenburg, Deutschland

Städtepartnerschaften mit Nazrat-Illit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flag of Austria.svg Klagenfurt, Österreich
Flag of Germany.svg Leverkusen, Deutschland (seit 1980)
Flag of Romania.svg Alba Iulia, Rumänien
Flag of Ukraine.svg Czernowitz, Ukraine
Flag of Hungary.svg Raab, Ungarn
Flag of Serbia.svg Kikinda, Serbien
Flag of Poland.svg Kolberg, Polen
Flag of France.svg Saint-Étienne, Frankreich
Flag of Argentina.svg Tucumán, Argentinien

Städtefreundschaften mit Nazareth[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flag of Poland.svg Tschenstochau, Polen
Flag of Italy.svg Loreto, Italien
Flag of Italy.svg Florenz, Italien
Flag of the Netherlands.svg Den Haag, Niederlande
Flag of France.svg Saint-Denis, Frankreich

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eusebius Pamphilius: Church History, Life of Constantine, Oration in Praise of Constantine. Hrsg.: Philip Schaff. Christian Literature Publishing, New York 1890 (online).
  • Flavius Josephus: The New Complete Works of Josephus. Übersetzt von William Whiston. Paperback, Kregel Publications, Grand Rapids (Michigan) 1999, ISBN 0-8254-2948-X (online).
  • Rainer Riesner: Nazaret. In: M. Görg, B. Lang (Hrsg.): Neues Bibel-Lexikon. Band 2: Haar-Nymphas. Benziger, Zürich u. a. 1995, ISBN 3-545-23075-9, S. 909–912.
  • Thomas K. Cheyne: Nazareth. In: Thomas K. Cheyne, John Sutherland Black: Encyclopædia Biblica: a critical dictionary of the literary, political and religious history, the archæology, geography and natural history of the Bible. Band 3: L to P. Adam & Charles Black, London 1901.
  • Robert Eisenman: James the Brother of Jesus: the key to unlocking the secrets of early Christianity and the Dead Sea Scrolls. Penguin Books, New York 1997, ISBN 0-670-86932-5, S. 952.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Nazareth – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Nazareth – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Nazareth – Reiseführer

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.cbs.gov.il/ishuvim/reshimalefishem.pdf abgerufen am 3. März 2017
  2. a b Vgl.: * Rainer Riesner: Nazaret. In: M. Görg, B. Lang (Hrsg.): Neues Bibel-Lexikon. Band 2: Haar-Nymphas. Benziger, Zürich u. a. 1995, ISBN 3-545-23075-9, S. 909–912
  3. Stephen Pfann, Ross Voss, Yehudah Rapuano: Surveys and Excavations at the Nazareth Village Farm (1997–2002): Final Report. In: Bulletin of the Anglo-Israel Archaeological Society. Volume 25, 2007, S. 19–79, (PDF online auf der Website der University of the Holy Land)
  4. For the Very First Time: A Residential Building from the Time of Jesus was Exposed in the Heart of Nazareth. Website der Israel Antiquities Authority, 21. Dezember 2009.