Schulgebäude

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts publizierte der Architekt Gustav Vorherr Musterblätter für Schulgebäude. Auf diese Art sollten bestimmte Standards auch in ländlichen Regionen flächendeckend eingeführt werden.
Bernhardinum in Meiningen
Erschließungstrakt des Gymnasiums in Lauf an der Pegnitz
Klassenzimmer in einem Schulmuseum mit Einrichtungsgegenständen aus der Zeit von 1900 bis 1985
Eingangsbereich mit Schulglocke, ein Beispiel anthroposophischer Schularchitektur

Als Schulgebäude wird ein Gebäude bezeichnet, das von einer Schule genutzt wird. Schulgebäude werden vom Schulträger unterhalten. Das kann eine Gemeinde oder ein Landkreis sein, aber auch ein Bundesland, oder, bei einer Privatschule, ein privater oder kirchlicher Träger.

Räume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die besondere Herausforderung beim Entwurf von Schulgebäuden liegt in der gemeinsamen Betrachtung von pädagogischen, funktionalen, ästhetischen und ökonomischen Überlegungen.

Die traditionelle Schularchitektur in Städten war oft streng gegliedert, massiv und repräsentativ angelegt. Der mit der damaligen autoritären Pädagogik verbundene „Kasernentyp“ ist bis heute zahlreich vorhanden. Auch die Geschlechtertrennung machte sich architektonisch bemerkbar („Doppelschulen“).

Alternativen wurden insbesondere ab der Zeit der Reformpädagogik zu Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt. Zu den bekannteren gehören die Waldorfschulen, Montessorischulen, die Landerziehungsheime usw.

In Bayern wurden „mit Einführung der Allgemeinen Schulpflicht ab 1. Januar 1803 zahlreiche Neubauten an Schulgebäuden nötig. Der oberste Architekt des Landes, Gustav von Vorherr, legte Musterblätter vor, die je nach Bedarf, Größe der Gemeinde und finanziellen Mitteln gestaffelt waren.“[1] Durch die Ausrichtung nach Süden wurde für Helligkeit in den Klassenräumen und der darüber liegenden Lehrerwohnung gesorgt.

Den hohen Anspruch an die neuen Schulgebäude im Königreich Bayern zu Beginn des 19. Jahrhunderts gibt folgender Text wieder:

„Schulen sind Lichtpunkte eines Landes; Schulgebäude ehrwürdige Bildungsorte der aufblühenden Generation. Deshalb sollen sie ihrem Zwecke gemäß unter den übrigen Wohnungen einer Gemeinde in Hinsicht auf Lage, Umgebung, Bau, Einrichtung sich auszeichnen. Denn die Stätte, wo wir zuerst gewisse Lehren faßten, äußert auf die Stimmung, mit der wir sie aufnahmen, und wieder den Werth, welchen sie für uns hatten, eben sowohl einen bedeutenden Einfluß, als auf die körperliche Gesundheit, und es kommt daher viel darauf an, ob diese Schulgebäude geräumige, helle und reinliche Häuser, oder kleine, dunkle, schmutzige Hütten sind, worin die Jugend in ihrer ersten Blüthe die schönsten Lebensjahre zubringen soll.“

Gustav Vorherr: Monatsblatt für Bauwesen und Landesverschönerung in Bayern[2]

Um die Heranwachsenden in die Geheimnisse des Obst- und Gemüseanbaues einzuführen, gab es häufig auch einen Schulgarten.

Typenschulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Typenschulbau der DDR

Insbesondere in den Wiederaufbaujahren nach dem 2. Weltkrieg wurden Typenbauten zur schnellen Errichtung von Schulen entworfen, die häufig aus Betonfertigteilen zusammengesetzt wurden.

Kasseler Modell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kasseler Modell ist eine in den 1960er und 1970er Jahren in Westdeutschland verbreitete Bauform von Schulgebäuden.

Es zeichnet sich dadurch aus, dass die Tragstruktur aus Stahlbetonskelett-Fertigteilen und die Decken aus Pi-Plattenbalken bestanden. Die Fassade wurde in der Regel als Aluminium-Pfosten-Riegel-Konstruktion ausgebildet, die mit Faserzementpaneelen mit 3 bis 4 cm Wärmedämmung geschlossen wurde.

Die Decken unterhalb der Pi-Platten sind in der Regel abgehängt. Der entstehende Hohlraum nimmt die Installationen der Gebäudetechnik auf. Die Trennwände sind lediglich in Leichtbauweise errichtet und somit flexibel für einen späteren Neuzuschnitt der Räume.

Die Bauform nach dem Kasseler Modell galt als besonders wirtschaftlich. Heute sind die Gebäude meist sanierungsbedürftig, da die Dämmung der Dächer und Fassaden ungenügend ist und diese Bauteile zu Undichtigkeiten neigen. Zudem sind häufig Nachbesserungen beim Brandschutz erforderlich.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft/Urbane Räume (Hrsg.): Schulen planen und bauen. Grundlagen und Prozesse. Jovis: Berlin, 2012.
  • R. B. Bechtel, A. Churchman: Handbook of Environmental Psychology. Wiley and Sons, New York 2002.
  • P. A. Bell, J. D. Fisher, R. J. Loomis: Environmental psychology. Saunders, Philadelphia 1978.
  • Anette Dreier, Diemut Kucharz, Jörg Ramseger, Bernd Sörensen: Grundschulen planen, bauen, neu gestalten. Empfehlungen für kindgerechte Lernumwelten. In: Vorstand des Grundschulverbandes Berlin (Hrsg.): Beiträge zur Reform der Grundschule - Sonderband 59. Grundschulverband. Arbeitskreis Grundschule e. V., Berlin 1999.
  • H. M. Göhlich: Die pädagogische Umgebung. Deutscher Studien Verlag, Weinheim 1993.
  • J. Kahlert, K. Nitsche, K. Zierer: Räume zum Lernen und Lehren – Perspektiven einer zeitgemäßen Schulraumgestaltung. Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2013.
  • Kähler in: Schulen in Deutschland. Neubau und Revitalisierung. Wüstenrot-Stiftung, Stuttgart 2004.
  • Hildegard Kasper: Vom Klassenzimmer zur Lernumgebung – Bausteine für eine fördernde Grundschule. Vaas Verlag, Ulm 1999.
  • Ludwig Klasen: Grundriss-Vorbilder von Gebäuden aller Art. Abth. III. Schulgebäude. Baumgartner, Leipzig 1884 (Digitalisat (benötigt Java-Plugin)).
  • Michael Luley: Eine kleine Geschichte des deutschen Schulbaus. Vom späten 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. (= Erziehungskonzeptionen und Praxis; Bd. 47). Lang, Frankfurt am Main u. a. 2000, ISBN 3-631-36830-5.
  • Marlene Noack: Der Schulraum als Pädagogikum. Zur Relevanz des Lernorts für das Lernen. Deutscher Studienverlag, Weinheim 1996.
  • Heinrich Wagner u. a.: Niedere und höhere Schulen. In: Handbuch der Architektur, Teil 4: Entwerfen, Anlage und Einrichtung der Gebäude, Bd. 6: Gebäude für Erziehung, Heft 1). Bergsträsser (Kröner), Stuttgart 1903 (Digitalisat OCR).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Doris Fuchsberger: Erste Dorfschulen in Bayern. In: Heimat Forstenried. Sammelheft Band 5, München 2011
  2. Gustav Vorherr: Monatsblatt für Bauwesen und Landesverschönerung in Bayern, München 1821

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schulen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Schulgebäude – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen