Schwarzkronen-Seidenäffchen

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Schwarzkronen-Seidenäffchen
Systematik
Unterordnung: Trockennasenprimaten (Haplorrhini)
Teilordnung: Affen (Anthropoidea)
ohne Rang: Neuweltaffen (Platyrrhini)
Familie: Krallenaffen (Callitrichidae)
Gattung: Seidenäffchen (Mico)
Art: Schwarzkronen-Seidenäffchen
Wissenschaftlicher Name
Mico humilis
(M. van Roosmalen, T. van Roosmalen, Mittermeier & da Fonseca, 1998)

Das Schwarzkronen-Seidenäffchen (Mico humilis) ist eine Primatenart aus der Familie der Krallenaffen (Callitrichidae).

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarzkronen-Seidenäffchen erreichen eine Kopfrumpflänge von 16 bis 17 Zentimetern, eine Schwanzlänge von 22 bis 24 Zentimetern und ein Gewicht von 150 bis 185 Gramm. Sie sind damit nach den Zwergseidenäffchen die zweitkleinsten Krallenaffen und somit die zweitkleinsten Affen. Ihr Fell ist am Rücken olivbraun gefärbt, der Bauch ist goldgelb bis graugelb, die Hände und Außenseiten der Beine sind orange und der lange Schwanz schwarz gefärbt. Namensgebendes Merkmal ist ein schwarzer Haarschopf am Kopf, die Ohren und das Gesicht sind größtenteils unbehaart. Über den Augen befinden sich weiße Augenbrauen.[1]

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarzkronen-Seidenäffchen bewohnen ein kleines Gebiet im brasilianischen Bundesstaat Amazonas zwischen dem Rio Madeira und dem Unterlauf des Rio Aripuanã. Ihr Lebensraum sind Regenwälder, häufig sind sie in Sekundärwäldern und am Waldrand zu finden, sie können auch auf Plantagen und in Gärten vorkommen.[1]

Lebensweise und Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelbe Mombinpflaume

Diese Primaten sind wie alle Krallenaffen tagaktiv und verbringen den größten Teil ihres Lebens auf den Bäumen. Sie leben in Gruppen von sechs bis acht Tieren, manchmal schließen sie sich auch zu größeren Verbänden von bis zu 30 Tieren zusammen. Im Gegensatz zu anderen Krallenaffen sind sie nicht territorial.

Wie alle Marmosetten sind sie dank der spezialisierten Zähne im Unterkiefer in der Lage, Löcher in die Baumrinde zu nagen, um so an die Baumsäfte, eine ihrer Hauptnahrungsquellen, zu gelangen. Daneben fressen sie auch Insekten und andere Kleintiere und je nach Jahreszeit auch Früchte. Eine wichtige Quelle für Baumsäfte ist der Baum Schefflera morototoni, Früchte, die gerne gefressen werden, stammen unter anderem von der Gelben Mombinpflaume (Spondias mombin) und von Tapirira guianensis beide aus der Familie der Sumachgewächse, außerdem von Annona mucosa, von Inga edulis und Inga ingoides, vom Jackfruchtbaum, von der Palme Astrocaryum vulgare und vom Kakaobaum Theobroma speciosum.[1]

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu den anderen Marmosetten pflanzen sich bei den Schwarzkronen-Seidenäffchen mehrere Weibchen einer Gruppe und nicht nur das dominante fort. Auch überwiegen Einlingsgeburten, und die von anderen Marmosetten bekannte gemeinsame Fürsorge für die Jungtiere wurde bei ihnen nicht beobachtet – nur die Mutter trägt es.

Bedrohung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund ihres kleinen Verbreitungsgebietes, das nicht geschützt ist, wird die Art von der IUCN als „gefährdet“ (vulnerable) gelistet. Allerdings ist die Art sehr anpassungsfähig, und es sind keine akuten Bedrohungen bekannt. Die Gesamtpopulation wurde 2003 auf rund 10.000 Tiere geschätzt.[2]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schwarzkronen-Seidenäffchen wurde im Jahr 1998 unter dem wissenschaftlichen Namen Callithrix humilis erstbeschrieben.[3] Im Jahr 2003 führten der niederländische Primatologe Marc van Roosmalen und sein Sohn Tomas van Roosmalen für das Äffchen die monotypische Gattung Callibella ein und begründeten dies vor allem mit einer phylogenetischen Analyse beruhend auf einem Vergleich von Teilen der mitochondrialen DNA, außerdem mit einer abweichenden Schädel- und Skelettanatomie und der unterschiedlichen Lebensweise.[4] Neuere molekularbiologische Untersuchungen zeigen jedoch, dass das Schwarzkronen-Seidenäffchen in die Gattung Mico gestellt werden muss und sich auch morphologisch kaum von anderen Mico-Arten unterscheidet.[5][6] Sowohl bei der IUCN als auch bei ITIS wird es inzwischen als Mico humilis gelistet.[2][7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Russell A. Mittermeier, Anthony B. Rylands & Don E. Wilson: Handbook of the Mammals of the World: Primates: 3. 2013, ISBN 978-8496553897
  • Marc van Roosmalen, Tomas van Roosmalen: The Description of a New Marmoset Genus, Callibella (Callitrichinae, Primates), Including Its Molecular Phylogenetic Status. PDF.
  • Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c A. B. Rylands & R. A. Mittermeier: Family Callitrichidae (Marmosets and Tamarins). Seiten 308 in Russell A. Mittermeier, Anthony B. Rylands & Don E. Wilson: Handbook of the Mammals of the World: Primates: 3. (2013) ISBN 978-8496553897
  2. a b IUCN-Eintrag
  3. M. G. M. van Roosmalen, T. van Roosmalen, R. A. Mittermeier, & G. A. B. Da Fonseca (1998). A new and distinctive species of marmoset (Callitrichidae, Primates) from the lower Rio Aripuanã, state of Amazonas, central Brazilian Amazonia. Goeldiana Zoologia, 22, 1–27.
  4. M. G. M. van Roosmalen & T. van Roosmalen (2003). The description of a new marmoset genus, Callibella (Callitrichinae, primates), including its molecular phylogenetic status. Neotropical Primates, 11, 1–12.
  5. Horacio Schneider, Jose Antonio R. Bernardi, Divino B. Da Cunha, Claudia H. Tagliaro, Marcelo Vallinoto, Steve F. Ferrari, Iracilda Sampaio:A molecular analysis of the evolutionary relationships in the Callitrichinae, with emphasis on the position of the dwarf marmoset. Zoologica Scripta, November 2011, DOI: 10.1111/j.1463-6409.2011.00502.x
  6. Guilherme S. T. Garbino: How many marmoset (Primates: Cebidae: Callitrichinae) genera are there? A phylogenetic analysis based on multiple morphological systems. Cladistics, Januar 2015, DOI: 10.1111/cla.12106
  7. Eintrag im Integrated Taxonomic Information System (ITIS)