Landesmuseum Zürich

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Landesmuseum in Zürich
Erweiterungsbau

Das Landesmuseum Zürich (bis 2010: Schweizerisches Landesmuseum) ist das meistbesuchte historische Museum der Schweiz. Es wurde am 25. Juni 1898 eröffnet.[1] Seit Januar 2011 ist es Teil des Schweizerischen Nationalmuseums (SNM). Diese Institution umfasst drei kulturgeschichtliche Museen und ein Sammlungszentrum. Sie untersteht dem Eidgenössischen Departement des Innern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einweihungsschrift, Juni 1898

Das Landesmuseum wurde 1898 in einem neu erbauten burgähnlichen Gebäude von Gustav Gull nordwestlich der Haupthalle des Hauptbahnhofs beim heutigen Platzspitzpark in Zürich eröffnet. Eugène Ruffy leitete am 25. Juni 1898 die Festlichkeiten zur Einweihung des Landesmuseums: In 20 Bildern, vergleichbar mit den Zünften des heutigen Sechseläutens, wurden die Kantone dargestellt. Jeder Kanton führte einen «allegorischen Wagen» mit sich, durch den eine Besonderheit des Kantons dargestellt wurde. Angeführt wurde der Zug von einem «Prachtwagen der Helvetia», den Abschluss bildete ein Wagen mit «Turica, der Beschützerin der Kunst».[2] Zürich hatte mit dem Projekt «Märchenschloss» einen Wettbewerb gegen andere Schweizer Städte gewonnen. Das Gebäude kombiniert verschiedenste Architekturstile und ist daher seit seiner Entstehung umstritten.

Die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege äusserte sich jedoch in einem Gutachten vom 27. November 1897 mit folgenden Worten:

Flugaufnahme (1994)
«Mit dem Landesmuseum als Einzelbau reagiert Gustav Gull architektonisch genau auf die gestellte Aufgabe. Die gewählte Form einer «mittelalterlichen Schlossanlage» reflektiert Geschichte und macht den Komplex leicht als Museumsbau erkennbar. Der Bau für die nationale Geschichte bildet ein wesentliches Gegengewicht zum Hauptbahnhof, damals wie heute Knotenpunkt des fortschrittlichen, in die Zukunft weisenden öffentlichen Verkehrs. Mit ihrem Haupthof öffnet sich die Anlage zur Parkanlage des Platzspitz, die sie markant zur Stadt hin abschliesst. Mit konsequentem Aufbau um den Haupthof und den Eingangshof, mit einer straffen Grundrisskonzeption, welche bewusst Ausnahmesituationen einsetzt, und mit markanten vertikalen Akzenten wird das Museum kraftvoll verwirklicht, Ausdruck des selbstbewussten Bundesstaats.»[3] Der für den Bau verwendete Tuffstein stammt aus Libingen (SG).[4]

Das im Grundriss erkennbare G könnte sich auf den ersten Buchstaben des Namens des Architekten beziehen.[5]

Heinrich Angst war von 1892 bis 1903 der erste Direktor des Schweizerischen Landesmuseums. Sein Nachfolger wurde sein Vizedirektor Hans Lehmann. Dieser war von 1904 bis 1936 Direktor. Sein Vizedirektor wurde Josef Zemp.

Sanierung und Erweiterungsbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neu gestalteter Eingangsbereich des Museums anlässlich der Eröffnung 2016

Aufgrund zunehmender Platznot wurde das Landesmuseum Zürich nach mehreren vergeblichen Anläufen[6] von 2013 bis 2016 erstmals erweitert. Das Basler Architekturbüro Christ & Gantenbein wurde 2002 nach einem zweistufigen Architekturwettbewerb mit der Sanierung des bestehenden Gull-Baus sowie der Planung eines modern gestalteten Annexbaus, der in den Platzspitzpark hineinragt, beauftragt.[7] Die 2006 begonnenen Sanierungsarbeiten am Bahnhofflügel im Kostenumfang von 75 Mio. Franken wurden am 28. Juli 2009 abgeschlossen.[8] Weitere Sanierungsarbeiten im Altbau, inklusive Kunstgewerbeschulflügel, waren bis 2016 im Gange.

Für den Erweiterungsbau erteilte das Hochbaudepartement der Stadt Zürich am 9. Juni 2008 die Baugenehmigung.[9] Gegen die Abtretung des notwendigen Landes und die gesprochenen Gelder durch die Stadt Zürich wurde im Dezember 2009 das Referendum ergriffen. Die Abstimmung darüber fand am 13. Juni 2010 statt.[10] Das Stimmvolk bewilligte das Bauvorhaben. Über den geplanten Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich kam es zu einer kantonalen Abstimmung. Gegen den Kantonsratsbeschluss hatte das Komitee «Standpunkt Landesmuseum» im Juni 2010 das Referendum ergriffen.[11] Am 22. Februar 2011 votierte der Kanton Zürich für einen Kantonsbeitrag von 20 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds.[12]

Der Grundstein für den Erweiterungsbau wurde am 30. April 2013 gelegt. Am 31. Juli 2016 wurden die neuen Teile des Landesmuseums mit Platz für Ausstellungen, einer Bibliothek und einem Hörsaal eröffnet.[13] Die Gesamtkosten für den Erweiterungsbau und die Sanierung des Kunstgewerbeschulflügels belaufen sich auf 111 Millionen Franken. Davon zahlt der Bund 76 Millionen Franken. Die Stadt Zürich steuert 10, der Kanton 20 Millionen Franken bei.[14]

Ausstellungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dauerausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellung Archäologie
interaktives Panorama einer eiszeitlichen Landschaft

Das Museum beherbergt die grösste kulturgeschichtliche Sammlung der Schweiz und zeigt in den sechs permanenten Ausstellungen Schweizer Geschichte von den Anfängen bis heute:

  • «Geschichte Schweiz» beschreibt das Werden der Schweiz über einen Zeitraum von 550 Jahren und wagt den Blick auf die Geschichte der Gegenwart.
  • Mit über 7000 Exponaten fokussiert die Sammlungsausstellung im historischen Westflügel auf das handwerkliche und kunsthandwerkliche Schaffen der Schweiz.
  • In der Familienausstellung «Mit fliegendem Teppich durch die Geschichte» tauchen Kinder ab 5 Jahren spielerisch in die Themen Orient, Schifffahrt und Eisenbahn ein.
  • Welche Ideen die Willensnation Schweiz zusammenhalten, wird in «Ideen Schweiz» thematisiert.
  • «Einfach Zürich» rollt die vielfältige Vergangenheit von Kanton und Stadt Zürich wieder auf.
  • «Archäologie Schweiz» thematisiert die wichtigsten Etappen der Menschheitsgeschichte von der Urzeit bis zur Christianisierung im frühen Mittelalter. Rund 1400 Exponate aus dem archäologischen Kulturerbe der Schweiz führen chronologisch vom Mittelpaläolithikum (vor 100'000 Jahren) bis ins Frühmittelalter (um 800).

Die Ausstellung ist in die drei Kapitel "Terra", "Homo" und "Natura" unterteilt. Der erste Teil " Terra " ermöglicht einen Einstieg in die Ausstellung, indem er die Welt der Archäologie zeigt. Eine von der Decke hängende Karte führt die Besucher in das reiche kulturelle und historische Erbe der Schweiz ein. Die Überreste der Vergangenheit liegen also auf dem Grund von Seen, in Gletschern oder tief unter der Erde.

Der " Homo ", das Herzstück der Dauerausstellung, stellt die chronologischen Etappen in der Entwicklung des menschlichen Denkens dar. Meisterwerke der alten Goldschmiedekunst, Werkzeuge und Waffen aus Stein, Holz und Knochen sowie Gegenstände aus dem Alltag der Menschen der Vergangenheit sind im neuen Museumsgebäude zu sehen, ergänzt durch eine moderne und didaktische Szenografie. Alles, was die Menschen verloren, ihren Toten gegeben oder in der Erde begraben haben, ruft Leben in den vergangenen Jahrtausenden hervor. Formen und Materialien entwickeln sich im Laufe der Jahrhunderte allmählich. Jede dieser grossen Epochen illustriert somit den Fortschritt der Zivilisation auf dem Gebiet der heutigen Schweiz.

Der letzte Abschnitt " Natura " stellt die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Tier dar. Mit der sesshaften Lebensweise und der Domestizierung von Pflanzen und Tieren wird die Naturlandschaft allmählich zu der uns so vertrauten Kulturlandschaft. Animierte Projektionen und interaktive Forschungsterminals vervollständigen die Präsentation und laden Jung und Alt zu einer schönen Reise in die Vergangenheit ein, bei der sie in die Schuhe von Archäologen schlüpfen können.

Wechselausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrmals pro Jahr werden Wechselausstellungen zu kulturgeschichtlichen Themen gezeigt. Dazu gehört unter anderem die Ausstellungen der Gewinner des Journalistenpreises «Swiss Press Photo» und «World Press Photo».[15]

Weitere Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den weiteren Angeboten des Landesmuseums zählen seine Sammlungen, Publikationen, eine Fachbibliothek und ein Bildarchiv.

Im Sammlungszentrum in Affoltern am Albis sind die Sammlungen, Ateliers der Konservatoren und Restauratoren, das Laboratorium für Konservierungsforschung sowie die Objektlogistik, das Leihwesen, die Objektregistrierung, das Fotoatelier sowie eine Bibliothek, ein Seminarraum und Arbeitsplätze für Wissenschaftler und Gäste des Schweizerischen Nationalmuseums und anderer Institutionen vereint.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hanspeter Draeyer: Das Schweizerische Landesmuseum Zürich: Bau- und Entwicklungsgeschichte 1889–1998. Herausgegeben vom Schweizerischen Landesmuseum, Zürich 1999, ISBN 3-908025-26-5. (=Band 6 Bildband-Reihe)
  • Hans Lehmann: Aus der Gründungsgeschichte des Schweizerischen Landesmuseums, Teil 1, Teil 2. In: Schweizer Illustrierte. Band 2, 1898.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Landesmuseum Zürich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Einweihung des Schweizerischen Landesmuseums
  2. Programm der Eröffnung, Offizielle Ausgabe, Verlag des Organisations-Comités
  3. Standpunkt Landesmuseum (Memento vom 25. Mai 2010 im Internet Archive), abgerufen am 12. März 2008.
  4. F. de Quervain und M. Gschwind: Die nutzbaren Gesteine der Schweiz. Hrsg.: Geotechnische Kommission. Hans Huber, Bern 1934, S. 317 ff.
  5. G-rundriss des Schweizerischen Landesmuseum
  6. Frühere Ausbaupläne für das Landesmuseum
  7. Zürcher Architekten gewinnen Wettbewerb für Erweiterung. Ein neues Gesicht für das Landesmuseum. NZZ vom 17. Juli 2002, abgerufen am 9. Oktober 2015.
  8. NZZ Online (29. Juli 2009): Das Landesmuseum lebt, abgerufen am 13. Oktober 2009.
  9. landesmuseum.ch Landesmuseum Zürich: Planung des neuen Landesmuseums, abgerufen am 13. Oktober 2009.
  10. Archivierte Kopie (Memento vom 17. Mai 2010 im Internet Archive) Referendums-Komitee NEIN zur Zerstörung des Parks beim Landesmuseum
  11. nzz.ch, NZZ vom 22. Juni 2010.
  12. Landesmuseum in Zürich wird erweitert, blick.ch, 22. Februar 2011, abgerufen am 12. Oktober 2015.
  13. Landesmuseum Zahlen und Fakten zur Erweiterung in Neue Zürcher Zeitung vom 28. Juli 2016.
  14. Neubau Landesmuseum: Erster Stein gelegt, srf.ch, 30. April 2013, abgerufen am 12. Oktober 2015.
  15. Landesmuseum Zürich: Sonderausstellungen, abgerufen am 13. Oktober 2009.

Koordinaten: 47° 22′ 45″ N, 8° 32′ 23″ O; CH1903: 683151 / 248175