Seeon (Seeon-Seebruck)

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47.97527777777812.460277777778534Koordinaten: 47° 58′ 31″ N, 12° 27′ 37″ O

Seeon
Wappen von Seeon
Höhe: 534 m
Einwohner: 1000
Eingemeindung: 1. Januar 1980
Postleitzahl: 83370
Vorwahl: 08667

Seeon ist ein Ort und ein ehemaliges Kloster der Benediktiner im Norden des Landkreises Traunstein, heute Teil der Gemeinde Seeon-Seebruck.

Geschichte[Bearbeiten]

Kloster Seeon, Ansicht von Westen

In Seeon finden sich einige Spuren römischer Besiedlung. Der Ortsteil Bräuhausen war lange vor der Klostergründung der Platz gewesen, auf dem ein Marstempel der römischen Besatzung stand. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 924. Das Kloster Seeon wurde im Jahre 994 vom Pfalzgrafen Aribo I. und seiner Ehefrau Adala gegründet. Benediktiner von St. Emmeram aus Regensburg bezogen es. Auch die erste Zelle für die Benediktinerklosterkirche St. Lambert wurde in diesem Jahr gebaut. Das Kloster befindet sich auf einer Insel im Klostersee, an dem auch der Ort Seeon liegt. Die Benediktiner entwickelten eine bedeutsame Schreibschule, in der nicht nur Handschriften für den eigenen Bedarf, sondern auch für andere Klöster und Kirchen angefertigt wurden. Bedeutendster Auftraggeber war Kaiser Heinrich II., der einen Teil der Bücher dem von ihm gegründeten Bistum Bamberg schenkte.

Gegen Ende des 11. Jahrhunderts entstand ein Neubau des Klosters im romanischen Stil. Dieser Bau stand jedoch nur ein knappes Jahrhundert; um 1180 errichtete man die im Wesentlichen noch heute bestehende Kirche mit einer Apsis als Abschluss im Osten.

Kupferstich in der „Topographia Germaniae“ des Matthaeus Merian, um 1644

Erneut umgebaut wurde die Kirche dann 1428/33 von dem Burghauser Konrad Pürkhel im Stile der späten Gotik. Die romanische Säulenbasilika wurde gewölbt und erhielt einen neuen Chor. Einzigartig ist die Ausmalung der Kirche mit den Renaissancefresken von 1579. Sie zeigen neben Szenen aus dem Leben Christi und Mariae unter anderem auch die Schutzpatrone Benedikt und Lambert sowie die Klostergründer Aribo und Adala. Sehenswert ist auch der Grabstein aus Rotmarmor von Abt Honorat Kolb, der das Kloster von 1634 bis 1652 leitete, sowie die in der Burgkapelle an den Wänden aufgereihten Grabsteine der Äbte aus dem 15. u. 16. Jahrhundert. In der Mitte des Raumes steht das Stifterhochgrab des Pfalzgrafen Aribo I., gefertigt von Hans Heider um 1400. Zu besichtigen ist auch der renovierte Klosterkreuzgang.

Die Seeoner Muttergottes

Das Original der Madonna mit Kind (die Seeoner Muttergottes) – 1433 von dem sog. „Meister von Seeon“ geschaffen – gilt als eine der schönsten Darstellungen Mariens mit dem Kind. Sie steht seit 1855 im Bayerischen Nationalmuseum in München, eine Kopie steht aber seit 1947 im Hochaltar der jetzigen Pfarrkirche Seeons. Die Sakristei der Seeoner Kirche besitzt allerdings eine viel ältere Madonna von 1380.

Kloster und Schloss Seeon

Die Kirche besaß ursprünglich nur einen, nämlich den Nordturm, der sich den von Frauenchiemsee zum Vorbild genommen hat. Ende des 12. Jahrhunderts kam der zweite Turm hinzu. Die romanischen Türme erinnern an den Freisinger Dom und besitzen wie die Münchner Frauenkirche Welsche Hauben (kupferne Zwiebeltürme), die erst nach einem Brand im Jahre 1561 hinzukamen. In den Jahren 1657–1670 wurde die Kirche um eine Sakristei in der Marienkapelle, den Betchor und eine Gruft unter der Barbarakapelle erweitert.

Bis zur Säkularisation war das Benediktinerkloster Seeon auch ein Ort der Gelehrsamkeit und der Kultur: Haydn war zu Gast und Mozart wirkte hier zwischen 1767 und 1769. Noch 1771 wurden von ihm Offertorien aufgeführt. Mozart schrieb speziell für das Kloster Seeon zwei Offertorien: „Scande coeli limina“ (KV 34; 1769) und „Internatos Mulierum“ (KV 72; 1771). Die sog. Mozarteiche, unter der er der Überlieferung nach gerne gesessen haben soll, wächst bis heute am Seeoner See.

Nach der Säkularisation 1803 wurde das Inselkloster in ein Schloss umgewandelt und diente dem europäischen Hochadel und Geschäftsleuten als Unterkunft. Es wurde als Heilbad, Erholungsheim und Kaserne genutzt. Das Spital und die Bibliothek wurden abgebrochen und ein Damm zum Festland angelegt.

In der Zeit zwischen 1852 und 1934 war die Familie der Herzöge von Leuchtenberg im Besitz der ehemaligen Klostergebäude. Im Jahr 1989 wurde der Gebäudekomplex schließlich vom Bezirk Oberbayern erworben und konnte 1993 nach längerer Renovierungszeit als Kultur- und Bildungszentrum wieder eröffnet werden. Heute werden hier Konzerte, Ausstellungen sowie Seminare, Tagungen und Workshops abgehalten.

Am 1. Januar 1980 wurde die neue Gemeinde Seeon-Seebruck durch den Zusammenschluss der ehemals selbständigen Gemeinden Seebruck, Seeon und Truchtlaching neu gebildet.[1] Die Großgemeinde hat insgesamt etwa 4.000 Einwohner. Der Ort Seeon (früher: Niederseeon) ist am Ostufer des Seeoner Sees gelegen. Er hat etwa 1.000 Einwohner. Neben dem Kultur- und Bildungszentrum des Bezirkes Oberbayern haben sich in Seeon klein- und mittelständische Betriebe angesiedelt. Der Tourismus spielt in Seeon – abgesehen vom Bildungszentrum - nur eine untergeordnete Rolle, dieser ist eher in Seebruck zu finden.

Liste der Äbte von Kloster Seeon[Bearbeiten]

  • Simon Farcher (Abt 1385-1412)
  • Erhard I. Farcher (Abt 1412-1438, erhielt im Jahr 1412 das Recht, die Pontifikalien zu tragen)
  • Johann Heuppel (Abt 1442-1476)
  • Balthasar (Abt 1476-1480)
  • Erhard Manseer (Abt 1480-1489)
  • Franz (Franziskus) Wider (Abt 1492-1521)
  • Hieronymus (Abt 1521-1529)
  • Georg Neunhauser (Abt 1529-1533)
  • Martin (Abt 1533-1549)
  • Heinrich Hunger (Abt 1549-1569)
  • Wolfgang Finauer (Abt 1569-1575, führte das Kloster vollends in den Ruin, resignierte 1575)
  • Martin II. Kötterlein (lebte bis 1590, Abt 1576-28. Februar 1590, externer Reform-Abt, aus Nürnberg stammend, zuvor Konventuale im Kloster Tegernsee, auf Initiative von Herzog Albrecht V. von Erzbischof Johann Jakob von Salzburg ernannt, da das Kloster in geistlichen wie weltlichen Belangen unter dem Vorgänger großen Schaden genommen hatte, dieser Abt gilt wegen seiner umfassenden geistlichen und wirtschaftlichen Reformen als zweiter Gründer des Klosters)
  • Paul Manazeder (lebte bis 1602, Abt 1590-16. Oktober 1602, von Erzbischof Wolf Dietrich von Salzburg bestätigt, zuvor Konventuale und Priester)
  • Benedikt Fischer (Piscator) (lebte bis 1609, Abt 1602-1609, 1603 von Erzbischof Wolf Dietrich von Salzburg investiert, zuvor Priester und Konventuale)
  • Sigmund (Sigismund) Dullinger (lebte bis 1634, Abt 1609-1634, am 24. Juni 1609 von Erzbischof Wolf Dietrich von Salzburg bestätigt, zuvor Priester, Konventuale und Prior)
  • Honoratus Kolb (lebte 16. Jänner 1603-13. Mai 1670, Abt 1634-1653, zuvor Prior, am 13. Jänner 1635 von Erzbischof Paris von Salzburg bestätigt, dieser Abt öffnete das Kloster der Barockkunst und legte den Grundstock für die kulturelle Bedeutung Seeons in Literatur und Musikpflege, resignierte 1653)
  • Columban I. Freitlsperger (Abt 1653-1665, am 16. August 1653 von Erzbischof Paris von Salzburg bestätigt, zuvor Prior)
  • Romanus Müller (Abt 1665-1671, am 10. November 1665 von Erzbischof Guidobald von Salzburg bestätigt, zuvor Priester und Konventuale)
  • Adalbert II. Gruber (lebte bis 1694, Abt 1671-1694)
  • Marian Berger (lebte bis 1701, Abt 1694-1701, am 27. Oktober 1694 von Erzbischof Johann Ernst von Salzburg bestätigt, zuvor Prior)
  • Columban II. Freitlsperger (lebte bis 1727, Abt 1701-1727, am 2. Juli 1701 von Erzbischof Johann Ernst von Salzburg bestätigt)
  • Rufin bzw. Rufinus Mayr (lebte bis 1753, Abt 1727-1753, am 26. April 1727 von Erzbischof Franz Anton von Salzburg bestätigt)
  • Benedikt II. Reicherseder (lebte bis 1760, Abt 1753-1760, am 29. Dezember 1753 von Erzbischof Sigismund Christoph von Salzburg bestätigt)
  • Augustin Sedlmayr (lebte 28. August 1712-6. Dezember 1794, Abt 1760-1793, am 20. Juli 1760 von Erzbischof Sigismund Christoph von Salzburg bestätigt)
  • Lambert Neusser (Abt 1793-1803)

Natur[Bearbeiten]

Teile des Klostersees und die umliegenden Wälder und Moore mit weiteren Seen bilden das Naturschutzgebiet Seeoner Seen[2].

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Die Urfassung des Liedes Dunkle Wolken aus dem 16. Jahrhundert stammt vom Benediktinerpater Johannes Werlin aus dem Kloster Seeon.
  • In der Oberen Pfarre zu Bamberg befindet sich das Epitaph zweier Äbte des Klosters Seeon. Dieses Grabdenkmal für den Reformabt des Klosters Seeon Martin II Kötterlein (+ 28. Februar 1590) und dessen Nachfolger Paul Manezeder (+16. Oktober 1602) ist aus Solnhofener Stein und kam zu unbekannter Zeit in diese Pfarrkirche. Es ist 1887 bereits vorhanden. Links vom Beschauer aus das Wappen und wohl auch Bildnis des Abtes Martin und rechts Wappen und wohl auch wieder dessen Darstellung von Abt Paul Manezeder.
  • 1984 wurde auf dem Friedhof der Kirche St. Walburg in Seeon die Urne mit der Asche von Anna Anderson beigesetzt, die internationale Bekanntheit erlangte, weil sie ihr Leben lang behauptete, die Großfürstin Anastasia und damit einzig überlebende Tochter des letzten russischen Zaren zu sein.

Quellen[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 593.
  2. Kartenansicht und Daten des Schutzgebiets Seeoner Seen. Geodienste des Bundesamts für Naturschutz. Abgerufen am 9. Mai 2014.

Literatur[Bearbeiten]

  • Susanne Schubert (Hrsg.): Das Kloster Seeon und sein Skriptorium. Katalog zur Ausstellung im Kloster Seeon 2010. Lindenberg 2010.
  • Josef Kirmeier, Alois Schütz, Evamaria Brockhoff (Hrsg.): Schreibkunst. Mittelalterliche Buchmalerei aus dem Kloster Seeon. Katalog zur Ausstellung im Kloster Seeon, 28. Juni bis 3. Oktober 1994. Augsburg 1994.
  • 1000 Jahre Seeon. Sewa – Seeon. 994–1994. ein Heimatbuch. Beiträge zur Kloster-, Pfarr- und Ortsgeschichte. Hrsg. vom Festausschuß Seeon; Schriftleitung und Gestaltung Meinrad Schroll, 432 S., zahlr. Ill., mediform-Verl., Seebruck 1994 ISBN 3-9803622-1-3.
  • Hans von Malottki (Hrsg.): Kloster Seeon. Beiträge zu Geschichte, Kunst und Kultur der ehemaligen Benediktinerabtei. Weissenhorn 1993.
  • Rainer Alexander Gimmel: Meisterwerke spätgotischer Sepulkralskulptur. Studien zu den Tumbengrabmälern für Herzog Albrecht II. von Straubing-Holland in der Karmelitenkirche in Straubing und für Pfalzgraf Aribo I. von Bayern in der ehemaligen Benediktinerklosterkirche Seeon. In: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung 106 (2005), S. 55-378.
  • Vincent Mayr: Das Grabmal des Stifters von Kloster Seeon. In: Alte und moderne Kunst, 22 (1977),S. 15-18.
  • Urkunden zu Seeon: http://www.gda-old.bayern.de/findmittel/ead/findbuch.php?fb=619&lft=56&rgt=35363&id=51

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Seeon-Seebruck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Seeon – Reiseführer