Seidensticker (Unternehmen)

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Textilkontor Walter Seidensticker

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Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1919
Sitz Bielefeld, Deutschland
Leitung
  • Frank Seidensticker
  • Gerd Oliver Seidensticker
  • Silvia Bentzinger
  • Dr. Marc Barrantes
Mitarbeiterzahl 2443[1]
Umsatz 178,7 Mio. €[1]
Branche Bekleidungsindustrie
Website www.seidensticker.com
Stand: 30. April 2019

Die Textilkontor Walter Seidensticker GmbH & Co. KG ist ein Unternehmen mit Sitz in Bielefeld. Es ist auf die Produktion von Herrenhemden und Damenblusen spezialisiert, die weltweit vertrieben werden. Seidensticker gilt als die bekannteste Hemdenmarke Deutschlands.[2][3][4]

Der Firmengründer Walter Seidensticker sen. im Jahr 1919

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründerjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1919 begann der damals 23-jährige Walter Seidensticker sen. im elterlichen Wohnhaus in Bielefeld mit 5.000 geliehenen Goldmark seine erste Hemdenproduktion und erzielte in diesem Jahr einen Umsatz von 70.000 Mark. 1922 beschäftigte er im ersten gewerblichen Nähsaal 150 Näherinnen. 1930 führte er die ersten Taktfließbänder in der Produktion von Bekleidung ein und gehört damit zu den Pionieren der arbeitsteiligen Fertigung. 1938 wurden erstmals über eine Million Hemden pro Jahr gefertigt.[5]

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1934 bezogene Hauptsitz an der Herforder Straße in Bielefeld wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe schwer getroffen. Nach dem Wiederaufbau erwarb das Unternehmen 1956 die Lizenz „Toplin“ und brachte darunter das erste bügelfreie Baumwollhemd auf dem Markt, das als erstes deutsches Markenhemd galt. Vier Jahre später kam das Nylonhemd „Matchtown“ auf den Markt, wodurch der Jahresumsatz die 100-Millionen-DM-Grenze überschritt. 1962 wurde erfolgreich die Eigenkreation „Londoner Kragen“ eingeführt, der etwas höher war als der übliche Kentkragen. 1968 wurde die Hemdenmarke „Schwarze Rose“ eingeführt, die erstmals aus dem Polyester-Mischgewebe „Diolen Star“ gefertigt wurde.[5]

Seidensticker-Hemd mit dem Markenzeichen "Schwarze Rose"

Generationenwechsel Ende der sechziger Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1969 starb Walter Seidensticker sen., und seine beiden Söhne Gerd († 26. Juni 2017) und Walter Seidensticker jun. († 6. April 2015)[6] übernahmen die Leitung des Unternehmens.[3] Im gleichen Jahr wurde die Marke „Jacques Britt“ eingeführt.[7] Gerd Seidensticker widmete sich vorrangig dem Marketing.[4][5] Die Produktion wurde ins Ausland verlagert: Seit 1964 bestanden erste Kontakte nach Hongkong, und in den Folgejahren wurde der Aufbau von Produktionsstandorten in Asien vorangetrieben. 1974 wurde die Seidensticker Overseas Ltd. gegründet.[8]

2000–2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2002 hält die Seidensticker-Gruppe die Lizenzrechte an der Bekleidungs- und Lifestylemarke „Camel active“.[7] Im Jahr 2004 übertrugen Gerd und Walter Seidensticker die Unternehmensleitung auf ihre Söhne Frank und Gerd Oliver Seidensticker. 2006 wurde ein Herrenhemd der Marke in einem Test der Stiftung Warentest als „mangelhaft“ bewertet.[9]

2007 wurde eine Produktionsstätte in Vietnam eröffnet, in der heute ein Großteil der Hemden hergestellt wird. Außerdem wurde die vertikale Integration des Unternehmens vorangetrieben: Seit 2007 ist das Unternehmen im Einzelhandel mit eigenen Läden im In- und Ausland vertreten und deckt in der Wertschöpfungskette die Arbeitsbereiche Entwicklung und Design, Rohstoffbeschaffung, Produktion, Logistik und Handel ab.[10]

2010 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2012 platzierte das Unternehmen eine Anleihe mit einem Volumen von 30 Millionen Euro an der Börse Düsseldorf. Im selben Jahr erwarb die Unternehmensgruppe die Lizenz für die amerikanische Marke „Arrow“.[7] 2014 eröffnete Seidensticker eine weitere Fertigungsstätte in Indonesien: In Semarang produzieren 400 Mitarbeiter Businesshemden für den internationalen Markt.[11][7] Anfang 2017 stellte das Unternehmen die Marken „Uno Super Slim“, „Schwarze Rose“ und „Splendesto“ ein. Die Marke tritt seitdem ausschließlich unter dem Eigennamen auf.[12]

Im Februar 2019 wurde bekannt, dass Seidensticker 120 Arbeitsplätze in der Unternehmenszentrale in Bielefeld abbauen und die Logistik auslagern will. Außerdem sollten 4 Ladengeschäfte der Firma in Deutschland geschlossen werden.[13]

Produkte und Marken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geführt werden die folgenden Marken:[14]

Außerdem hält Seidensticker die folgenden Lizenzen:

  • „Camel active“ für Sportbekleidung, Leder, Taschen, Schuhe, Sonnenbrillen, Uhren, Tagwäsche und Accessoires.[7] Anfang 2020 soll diese Lizenz vollständig an die Bültel-Gruppe mit Sitz in Salzbergen übergeben werden.[21]
  • „Arrow“

Unternehmensdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmensleitung seit 2014: Frank Seidensticker, Martin Friedrich, Silvia Bentzinger und Gerd Oliver Seidensticker (v. l.)

Seidensticker erzielte im Geschäftsjahr 2015/2016 Gesamterlöse von 203 Mio. Euro (Vorjahr: 205 Mio. Euro). Mit 2.600 Mitarbeitern an 15 Standorten produziert das Unternehmen jährlich über 13 Mio. Teile, die in über 80 Länder weltweit vertrieben werden. Dies entspricht einer Exportquote von 43 %.[22][23][24]

Die Seidensticker-Gruppe vertreibt ihre Produkte über Handelspartner sowie im eigenen Einzelhandel. Derzeit führt die Gruppe 44 Ladengeschäfte im In- und Ausland.[25]

Bis heute befindet sich das Bielefelder Unternehmen zu 100 % in Familienbesitz. Die geschäftsführenden Gesellschafter Frank und Gerd Oliver Seidensticker leiten die Gruppe seit 2014 gemeinsam mit Silvia Bentzinger und Martin Friedrich.[26]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Konzernjahresabschluss per 30. April 2019, bundesanzeiger.de, abgerufen am 17. August 2020
  2. Andreas Beaugrand (Hrsg.): Bielefelder Wirtschafts- und Unternehmenschroniken: Stadtbuch Bielefeld. 2013, ISBN 978-3-87073-610-1, S. 958–961. Florian Langenscheidt, Peter May (Hrsg.): Lexikon der deutschen Familienunternehmen. 2014, ISBN 978-3-86936-530-5, S. 921.
  3. a b Bielefelder Unternehmer baute Hemdenmarke aus – Gerd Seidensticker gestorben
  4. a b Der Herr über die feinen Hemden.
  5. a b c Andreas Beaugrand (Hrsg.): Bielefelder Wirtschafts- und Unternehmenschroniken: Stadtbuch Bielefeld. 2013, ISBN 978-3-87073-610-1, S. 958–961.
  6. Unternehmer Walter Seidensticker ist tot. In: Neue Westfälische, 11. April 2015, abgerufen am 17. August 2017.
  7. a b c d e Seidensticker – Geschichte
  8. Florian Langenscheidt, Peter May (Hrsg.): Lexikon der deutschen Familienunternehmen. 2014, ISBN 978-3-86936-530-5, S. 921.
  9. Um Knopf und Kragen. In: test.de. Stiftung Warentest, 27. Oktober 2006, abgerufen am 14. März 2019.
  10. Lieferkette
  11. Seidensticker erzielt nach drei Verlustjahren wieder einen Gewinn – Sanierung geglückt.
  12. Seidensticker lanciert Markenoffensive.
  13. Weixin Zha: Seidensticker baut 120 Stellen ab, schließt vier Filialen in Deutschland. fashionunited.de, 21. Februar 2019, abgerufen am 12. März 2019 (deutsch).
  14. Unternehmensprofil Primärmarkt. Abgerufen am 21. September 2015.
  15. Seidensticker
  16. Seidensticker bestätigt Wachstumskurs.
  17. Die Rose wird zentrales Markenzeichen bei Seidensticker.
  18. Jacques Britt Herren
  19. Jacques Britt Damen
  20. Jacques Britt Accessoires@1@2Vorlage:Toter Link/www.jacques-britt.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  21. Neuer Lizenz-Master für Camel active. In: schuhmarkt-news.de. 30. November 2018, abgerufen am 12. März 2019 (deutsch).
  22. Hemdenhersteller Seidensticker verlässt Verlustzone
  23. Seidensticker – Fakten
  24. Seidensticker – Produktion
  25. Seidensticker durch Erfolg bestärkt.
  26. Corporate News Primärmarkt. Abgerufen am 21. September 2015

Koordinaten: 52° 2′ 10,1″ N, 8° 33′ 26,4″ O