Hemd

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Ein Hemd (von ahd. hemidi, „Hemd, Gewand, Überwurf“) ist ein Kleidungsstück mit Hals- und Armöffnungen, das in verschiedenen Längen und mit verschiedenen Ärmel-, Ausschnitt- und Kragenformen auftreten kann. Hemden können an der Vorderseite geschlossen oder durchgehend offen sein.[1] Im engeren Sinne wird in der westlichen Welt heute unter dem Begriff Hemd das Herrenoberhemd verstanden. Im weiteren Sinne kommen sowohl Blusen für die Damen, als auch Unterwäsche wie das Unterhemd und Nachtwäsche wie das Nachthemd hinzu.

Businesshemd

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits um 925 v. Chr. trugen die Hebräerinnen ein bis auf den Boden reichendes, weißes Hemd aus Leinen. Bei den Völkern des Abendlandes wurde das Hemd mal als Unter-, mal als Oberkleid für Frau und Mann verwendet. Seit dem 16. Jahrhundert ist es in der heutigen Weise bekannt und wird als Tagesgewand gebraucht. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war der angeknöpfte hohe Stehkragen („Vatermörder“) zur formellen Kleidung üblich. 1863 wurde durch die Gebrüder Hönigsberg in Wien der halbsteife Hemdenkragen aus Doppelstoff erfunden, der nicht mehr angeknöpft werden musste, sondern fest mit dem Hemd verbunden war. Die durchgehende Knopfleiste wurde beim Hemd um 1900 eingeführt (Patent seit 1871), sodass das Hemd nicht mehr über den Kopf gezogen werden musste.[2]

Verwendete Materialien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis ins 19. Jahrhundert war Leinen und Hanf das übliche Material. Als im Zuge der industriellen Revolution Baumwolle billiger wurde, setzte sich diese immer mehr durch. Im 20. Jahrhundert kamen Seide und Kunstfasern hinzu. Spezielle chemische Ausrüstungen der Baumwolle mit Kunstharz führen zu bügelleichten oder bügelfreien Hemdenstoffen, was allerdings die Feuchtigkeitsaufnahme und Luftdurchlässigkeit vermindert.[3]

Besonders hochwertige Hemden bestehen aus Leinen, Hanf, Seide, Bambus oder auch Regeneratfasern, Baumwolle-Wolle (Viyella), sowie hauptsächlich aus reiner Baumwolle bester Qualität, meist Pima, Supima, Ägyptische Giza oder Sea Island (ELS, extra Langstapel) 35 bis 60 mm.[4] Die beste Qualität ist West-Indisch-Sea-Island-Baumwolle WISIC. Die Materialien sollten dem Oeko-Tex-Standard entsprechen. Sie sind meist aus zwei- oder dreifädigem Vollzwirngewebe („two ply“ oder „three ply“), aber auch „single ply“. Sie können gemischt werden, z. B. Leinen und Baumwolle 50:50, jedoch nicht mit Kunstfasern, dies wird nur bei billigen Stoffen gemacht. Unterteilt werden sie auch nach Fäden pro Inch (Thread Count), je mehr Fäden desto feiner der Stoff. Bezeichnungen sind z. B. 100/100, 120/120 bis 200/200 (two ply, Schuss, Weft/Kett, Warp). Sie werden in Hanks (840 Yards) pro Pfund angegeben; z. B. bedeutet 100, dass ein Pfund Baumwolle 84.000 Yards Faden ergibt. Je höher der Thread Count, desto knitteranfälliger wird das Hemd. Gute Hemdstoffproduzenten befinden sich in der Schweiz, Italien und England. Hemdstoffe werden pro Laufmeter gehandelt, gute Stoffe liegen um 15–90 Euro pro Meter.[5][6] Diese Stoffe sind oft nur von Maßschneidereien zu beziehen, im normalen Handel mit Konfektionshemden werden diese Stoffe eher nicht verwendet.[7] Die Preise der unteren Stoffkategorien liegen im Bereich von 20 Cent bis 3 Euro pro Meter, aus diesen Qualitäten werden die meisten Konfektionshemden hergestellt. Diese umfassen sowohl Kunstfasermischungen, als auch reine Baumwolle. Man sieht hier eine enorme Preisdifferenz, zur Herstellung eines Herrenhemdes wird etwa 2–3 m2 Stoff benötigt. Dies erklärt auch den hohen Preis der Vollmaßhemden, der bis zu 1000 Euro pro Hemd betragen kann.[8]

Hemdstoffe werden auch nach den verschiedenen Webarten unterschieden:[9]

  • In Leinwandbindung gewobene Stoffe:
    • Popeline, (engl. Poplin, Broadcloth, Plainweave)
    • Segeltuch (engl. Canvas, Duck)
    • Zephyr/Batist: feiner Popline, „End-on-End“/„Fil a fil“, Chambray ähnlich wie Fil-a-fil, aber immer mit weißem Kettfaden, hier wird das Gewebe zusätzlich kalandriert.
    • Voile: Die verwobenen, stark überdrehten und dadurch aufgerunzelten Fäden (Kreppgarne) ergeben kleinste Luftlöcher im Gewebe, was eine gute Luftzirkulation ergibt. Durch die Aufrunzelung der Fäden fühlt es sich leicht sandig an, das Gewebe ist dadurch auch leicht durchsichtig.
    • Chiffon (meistens für Damenblusen verwendet): Ähnlich wie Voile, es wird aber mit anderen, nicht so stark überdrehten Fäden gewoben, wodurch in den Fäden keine so starke Aufrunzelung wie beim Voile entsteht. Chiffon wird mit abwechselnd verdrehten Fäden (S-Twist, Z-Twist) gewoben, was einen leichten Stretch ergibt.
    • Zendaline: Mischung von Popeline und Voile (Halbkrepp).
  • Twill, hier werden viele Varianten unterschieden:
  • Satin, Atlas
  • Pinpoint: eine Mischung von Oxford und Popeline; es werden feinere Garne verwendet wie beim Oxfordgewebe.
  • Oxford (engl. Basket-, Panamaweave, Hopsack); auch gibt es „Royal Oxford“, dies sind aber andere komplexere Webkonstruktionen und es werden feinere Fäden verwendet.
  • Cord (engl. Corduroy)
  • Plissé
  • Jacquard; ähnlich ist Dobby, hier können aber nicht ganz so komplizierte Muster erzeugt werden.
  • Piqué (engl. Marcella): Gewebe mit waffelartiger Struktur, dadurch liegt der Stoff nicht vollflächig auf der Haut auf, woraus eine bessere Luftzirkulation resultiert.
  • Seersucker (Krepp Gewebe): Gewebe mit geraffter Oberfläche; man unterscheidet „echten“ (Garnkreppe) und „falschen“ (Ausrüstungskrepp) Seersucker, der Effekt ist gleich wie beim Pique, Seersucker muss zudem nicht gebügelt werden.
  • Slub Yarn[11]

Es werden auch die Muster der Stoffe unterschieden: Tartan, Vichy-Muster (Gingham), Melange, Mouline, sowie die Stoffausführung: Mercerisiert, Flanell (aufgeraut).

Bei bügelfrei produzierten Hemdstoffen, wird der Stoff durch einen Ausrüstungsprozess mit einem Kunstharz behandelt (Trockenvernetzung-Behandlung ohne Ammoniak[12], Nassvernetzung-Behandlung mit Ammoniak und einem Vernetzer (Kunstharz)).[13][14][15] Es wird jedoch nie eine volle Bügelfreiheit erreicht, es kann also eigentlich nur von bügelleicht gesprochen werden. Diese Eigenschaft nimmt mit jedem Waschvorgang immer mehr ab. Zudem nimmt eine so behandelte Baumwolle den Schweiß nicht richtig auf, auch fühlt sich der Stoff aufgrund des Harzüberzugs etwas rau an. Die Bügelleicht-Ausrüstung wird bei besonders hochwertigen Stoffen nicht angewandt.

Bei Hemdstoffen ist die Endausrüstung zu beachten, gute Qualitätsstoffe werden nach dem Oeko-Tex-Standard verarbeitet.

Modeeinflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lange Zeit galt ein reinweißes Hemd als Statussymbol des Herrn, da es anzeigte, dass sich sein Träger nicht mit körperlich anstrengender oder gar schmutziger Arbeit befasste und er sich täglich ein frisch gewaschenes Hemd leisten konnte. Zum Schutz der Ärmel insbesondere bei Schreibarbeiten mit der Feder oder später dem Füllfederhalter wurden früher im Büro Ärmelschoner getragen, die über die Hemdenärmel gezogen wurden. Ärmelhalter sind heute kaum noch gebräuchliche, verstellbare Gummibänder, die die Ärmel am Oberarm halten und so für die richtige Ärmellänge sorgen sollen. Erst im 20. Jahrhundert konnten sich farbige Hemden und gestreifte Hemden (Candy-, Bengal-, Hairline-Streifen) durchsetzen. Hier gilt, je breiter die Streifen, desto legerer der Anlass, zu dem das Oberhemd getragen wird.

Kragenhöhe und Länge der Kragenschenkel werden durch die Mode bestimmt. Bei besonders hohen Kragen werden zwei vordere Schließknöpfe verwendet. Sofern überhaupt vorhanden, wird bei der Rückenfalte zwischen der Kellerfalte, Charachellefalte, offener Rückenfalte und links/rechts getrennten Bewegungsfalten unterschieden. Neben der Manschette wird der Ärmelschlitz bisweilen mit einem kleinen zusätzlichen Knopf geschlossen. Elegante Hemden verzichten häufig auf die Brusttasche(n).

Hemdenformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heutzutage wird zwischen dem Herrenhemd und der Bluse der Frau unterschieden.

Bei den Herrenhemden gibt es das Businesshemd, das meist einfarbig weiß oder blau ist oder feine Streifen aufweist und i. d. R. zu Anzug und Krawatte getragen wird, und das Casualhemd für die Freizeit.

Zur Gesellschaftskleidung gehört das Frack- und Smokinghemd. Das Aussehen ist streng geregelt, wie z. B. weiße Farbe, verstärkte Hemdbrust und Verwendung von Manschetten- und Frackknöpfen (beim Smoking auch verdeckte Knopfleiste möglich).

Aus der Sportbekleidung kommt das kurzärmelige Polohemd, das mittlerweile in der Freizeitmode weit verbreitet ist. Eine nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa aufgekommene Mode war das Hawaiihemd. Als ursprüngliche Arbeitshemden werden Flanellhemden (auch „Karohemden“) heute noch als Freizeitkleidung getragen.

Beim Militär ist das Feldhemd, ein jackenähnliches, robustes, längeres Hemd, üblich.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das sogenannte Schlupfhemd getragen, welches vorn nicht vollständig offen war. In diese Hemden musste man – ähnlich wie beim Polohemd – hineinschlüpfen. Bekannt und genutzt wird diese Hemdform heute noch als das sogenannte Fischerhemd.

Bestandteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hemd mit Haifischkragen

Zuerst wird Kragenform und Größe, dann das Kragenfutter bestimmt. Das Kragenfutter kann in unterschiedlicher Stärke bemessen werden, bei Damenblusen wird normalerweise kein Futter verwendet, es kann eingenäht (in England bevorzugt) oder normalerweise geklebt werden. Die Kragen mit dem eingenähten Futter sind sehr schwer glatt zu bügeln, denn nach dem Waschen knittert der Kragen, anders bei geklebten Kragen, weil hier durch die Klebung der Kragen formbeständig bleibt. Aufgrund der hohen Bedeutung des Kragens richtet sich die Konfektionsgröße bei Hemden nach dem Halsumfang und nicht nach dem Brustumfang wie bei der restlichen Oberbekleidung.

Grundsätzlich gibt es bei Hemdenkragen zwei Kategorien: Umlegekragen und Stehkragen. Umlegekragen verlaufen bis etwa zur Hälfte des Halses und werden dann nach unten umgeklappt. Sie sind heutzutage die am häufigsten verwendete Art und es gibt sie in vielen verschiedenen Formen:

  • Der Kentkragen ist die heute meistverbreitete Form und nur mäßig gespreizt.
  • Der Cutaway-Kragen (Haifischkragen beziehungsweise Haikragen) ist ein modisch hoher Kragen, breit gespreizt (bis zu 160°-Winkel) und daher gut für besonders große Krawattenknoten (Windsorknoten) geeignet. Im Allgemeinen ist er mit Kragenstäbchen versehen.
  • Der Windsorkragen bzw. New-Kent-Kragen ist eine Variation aus Kentkragen und Cutaway-Kragen und ist ungefähr im 120-140°-Winkel gespreizt.[16] In Amerika benutzt man den Begriff Keaton collar, also Keaton-Kragen.
  • Der Button-Down-Kragen ist ein weicher Knöpfkragen ohne Kragenstäbchen, dessen Spitzen an die Hemdbrust angeknöpft werden. Aufgrund seiner sportlichen Natur trägt man ihn in der Regel nicht zum Anzug oder zweireihigen Sakko. Während der Button-Down-Kragen in den USA auch mit Krawatte getragen wird, ist dies in Europa nicht üblich, wenngleich Gianni Agnelli die Kombination mit Krawatte tragbar werden ließ.[17][18][19]
  • Der Tabkragen hat eine enge Spreizung und wird immer mit Krawatte getragen. Die weichen Kragenenden ohne Kragenstäbchen werden mit knöpfbarem oder Druckknopfverschluss unter dem dazu passenden schmalen Krawattenknoten zusammengehalten.
  • Der Nadel-Kragen (auch Piccadilly-Kragen, englisch pin collar) ist heute nur noch wenig verbreitet. Die Kragenecken werden bei dieser Form mit einer speziellen Kragennadel zusammengehalten. Seltener wird er auch mit abgerundeten Kragenenden (sogenannter „Clubkragen“) angetroffen.
  • Der Spitzkragen ist eine seit längerer Zeit nicht mehr gebräuchliche Kragenart mit sehr enger Spreizung (spitzer 45°-Winkel). Er wurde mit schmalem Krawattenknoten oder Fliege getragen und mittlerweile vom Cutaway-Kragen abgelöst. Der Kragen kann durch Umnähen der Kragenenden gespreizt und so zu einem Haifischkragen umgearbeitet werden.
  • Der Winchesterkragen (auch „Kontrastkragen“) ist ein weißer Kragen, der zu Hemden mit farbigem, häufig gestreiftem Körper, getragen wird. In der Regel sind auch die Manschetten weiß. In der Populärliteratur ist diese Form auch als Gordon-Gekko-Shirt bekannt.

Der Stehkragen ist die ältere Form und ist ein steifer Kragen, der aufrecht um den Hals steht. Bekanntester Vertreter ist der Kläppchenkragen (englisch wing tips), welcher nur noch zu festlichen Anlässen mit Frack oder Smoking getragen wird.

Manchmal finden sich an Hemden kurze Stehkragen nach chinesischem Vorbild, sogenannte Mandarinkragen. Diese sind jedoch nur bei moderneren Schnitten vorzufinden.

Früher wurden Kragen mit Wäschestärke behandelt, um ihre Form aufrechtzuerhalten. Dazu trug man Hemden mit abnehmbaren Kragen. Diese hatten den Vorteil, dass sie separat gewaschen werden konnten, da Kragen schneller verschmutzen als das restliche Hemd. Außerdem konnten sie so auch einfacher gestärkt werden. Heutzutage stellt das Reinigen eines Hemdes keinen großen Aufwand dar, weswegen Kragen mit dem Hemd vernäht sind. Einlagen halten die Form stabil, so dass das umständliche Stärken auch unnötig ist.

Kragenstäbchen aus Silber

Zusätzliche in die Kragenenden gesteckte Kragenstäbchen (englisch collar stay) verstärken die Flügel. Diese sind gewöhnlich aus Kunststoff und in die Kragen geklebt oder selten eingenäht. Hochwertige Hemden besitzen, je nach Kundenwunsch, auch herausnehmbare Stäbchen aus Kunststoff oder Metallen wie Weißblech oder Messing. Sehr edle Ausführungen können hingegen auch aus Horn, Perlmutt, edlem Holz, Silber oder fossilem Mammutelfenbein gefertigt sein. Die Kragenstäbchen werden dabei vor der Wäsche entnommen. So werden die Kragenspitzen geschont und die Kragenstäbchen gehen nicht im Inneren der Waschmaschine verloren. Sie werden üblicherweise nach dem Bügeln wieder eingesetzt.

Umschlagmanschette

Manschetten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Manschette (englisch cuff) ist ein handbreiter Stoffstreifen, der den Ärmelabschluss bildet. Neben dem Kragen gehört sie zu den am stärksten beanspruchten Komponenten des Hemdes und ist durch Einlagen verstärkt. Sie umschließt das Handgelenk und ist mit Knöpfen verschließbar.

Neapolitanische Manschette

Heutige Hemden weisen zwei grundsätzliche Formen auf: die einfache und die doppelte Manschette. Am gebräuchlichsten ist die Sportmanschette, eine Einfachmanschette mit angenähtem Knopf. Hemden von der Stange haben häufig zwei nebeneinander liegende Knöpfe, so dass der Träger die Weite auf sein Handgelenk einstellen kann. Gelegentlich haben Sportmanschetten auch zwei übereinander liegende Knöpfe, die gleichzeitig geschlossen werden.

Eine weitere Variante der einfachen Manschette ist die Kombimanschette. Diese hat einen angenähten Knopf sowie gegenüber liegende Knopflöcher, so dass sie auch mit Manschettenknöpfen geschlossen werden kann.

Während Einfachmanschetten ihre Steifheit nur durch die Einlagen erhalten, werden Doppelmanschetten dafür umgeschlagen. Die Umschlagmanschette (auch Umlegemanschette oder französische Manschette) ist doppelt so lang und wird vor dem Zuknöpfen einmal zurückgefaltet. Zum Schließen werden Manschettenknöpfe verwendet.

Die neapolitanische Manschette ist eine Doppelmanschette mit zwei übereinander liegenden angenähten Knöpfen. Der umgeschlagene Teil geht allerdings nicht komplett um die Manschette, sondern lässt die Knöpfe frei.

Frackhemden besitzen einfache Manschetten ohne angenähte Knöpfe und müssen mit Manschettenknöpfen verschlossen werden.

Yoke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Yoke, auch Göller,[20] bezeichnet das Teil zwischen den Schultern und kann ein- oder zweiteilig ausgeführt werden. Er hat auf die Passform des Hemds großen Einfluss, z. B. bei hängenden Schultern. Teilweise wird die Meinung vertreten, dass der zweiteilige Yoke den besseren Sitz ergibt. Für den Schneider ist es der vorteilhaftere, denn so kann er die Stoffstücke zum Schneiden besser verteilen und spart damit Stoff.

Knopfleiste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Knopfleisten (von links nach rechts): glatte Leiste, aufgesetzte Leiste, verdeckte Leiste

Bei Hemden für den täglichen Gebrauch gibt es zwei Arten von Knopfleisten: die aufgesetzte und die glatte Leiste.[21] Die aufgesetzte Leiste (englisch placket front) besitzt eine gut sichtbare Stoffbahn bei den Knopflöchern. Sie ist die meist verbreitete Form, da die zusätzliche Stoffbahn den Löchern mehr Festigkeit verleiht und dem gesamten Hemd mehr Stabilität bietet. Gelegentlich setzen Modedesigner hier einen auffälligen Kontraststoff ein, um sie als Designelement zu verwenden.

Bei der glatten Leiste (englisch French front) sind die Löcher direkt im linken Vorderteil eingesetzt. Diese dezente und somit elegantere Version ist häufig ein Merkmal hochwertiger Hemden. Denn ohne die zusätzliche Bahn, welche die Formstabilität erhöht, muss das gesamte Hemd handwerklich besser gearbeitet sein. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Pflege, gerade beim Bügeln, erleichtert wird.

Klassische Hemden für Frack und Smoking haben Leisten nur mit Knopflöchern und besitzen keine angenähten Knöpfe. Stattdessen schließen separat anzubringende Frackknöpfe das Hemd. Moderne Hemden für festliche Anlässe können auch eine verdeckte Leiste (englisch fly front) besitzen. Hierbei sind Knöpfe und Knopflöcher vollständig verborgen. Dazu wird auf der Unterseite des Vorderteils eine Stoffbahn für die Knopflöcher angebracht. Nach dem Schließen liegt das Vorderteil dann auf der Bahn auf.

Die zum Schließen der Leiste verwendeten Knöpfe gibt es in verschiedenen Formen und Farben. Die Wahl des Fadens ermöglicht auch viele Gestaltungsmöglichkeiten. Heutzutage verwendet man zumeist Knöpfe aus Kunststoff. Klassische oder hochwertige Hemden dagegen haben häufig Knöpfe aus Perlmutt.

Bei der Knopfleiste gibt es einen augenfälligen Unterschied zwischen Hemden für Herren und Damen. Bei Herrenhemden sind die Knöpfe auf dem rechten Vorderteil angenäht. Im Gegensatz dazu tragen Blusen die Knöpfe auf der linken Seite.[22]

Ärmel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ärmel ist derjenige Teil des Hemdes, der den Arm bedeckt. Es gibt ihn als kurze oder lange Version. Kurze Ärmel gehen bis etwa zur Hälfte des Oberarmes und enden mit einem eingeschlagenen Saum. Beim langärmeligen Hemd reicht er von der Schulter bis zum Handgelenk und endet mit der Manschette. Zusätzlich hat der lange Ärmel einen Ärmelschlitz (Sleeveplacket), der von der Manschette bis etwa der Hälfte des Unterarmes geht. Bei höherwertigen Hemden ist der Schlitz knöpfbar, den Knopf dort bezeichnet man als Placket-[20], Gauntletbutton.

Krempelärmel bezeichnen solche Ärmel, die hochgeschlagen getragen werden. Dazu besitzen sie häufig einen Riegel (Ärmelriegel, englisch sleeve tab), der um den Aufschlag geknöpft wird und das Herunterrutschen verhindert.[23]

Weitere Komponenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häufig haben Hemden eine oder zwei Brusttaschen. Diese können komplett offen oder mit knöpfbaren Patten verschließbar sein. Gelegentlich wird die Patte nicht komplett durchgenäht, sondern es wird ein kleiner Schlitz offen gelassen, durch den man einen Stift oder Brille stecken kann, ohne die Patte zu öffnen.

Der Rücken eines Herrenhemdes ist meist zweigeteilt. Ein großes Stoffstück deckt den unteren Rücken ab. Falls das Hemd taillierter gemacht werden soll, werden hier Abnäher angebracht. Eine kleinere Passe, der so genannte Sattel, verbindet Rückenteil mit dem Vorderteil und bedeckt die Schulter.

Hemdengrößen bei Konfektionshemden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum wird bei der Größe nur die Kragenweite in Zentimetern angegeben. Diese entspricht dem mit einem Maßband „locker“ gemessenen Halsumfang.[24] Bei Herrenhemden werden meist zwei aufeinanderfolgende Kragenweiten zu einer Größe zusammengefasst, zum Beispiel 39/40 oder 41/42, die den US-amerikanischen Konfektionsgrößen S, M, L, XL etc. entsprechen. Bei der Ärmellänge wird im Handel in Kurzarm (bis Ellenbogen) und Langarm unterschieden. Im angelsächsischen Bereich wird die Hemdengröße durch die Kombination zweier Zahlen in Zoll (englisch: Inch) definiert. Die erste Zahl gibt die Kragenweite, die zweite die Armlänge an. Der Schnitt des Hemdes wird in Bezeichnungen wie tailliert – untailliert oder slim – regular – comfort fit angegeben.[25]

Maßhemd[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Kauf konfektionierter Hemden „von der Stange“, bieten Hersteller auch die Möglichkeit maßkonfektionierte (englisch made to measure) oder maßgeschneiderte (englisch custom made oder bespoke) Hemden in Auftrag zu geben. Meist nimmt dazu ein Verkäufer oder Maßschneider die Körpermaße des Kunden mittels eines Maßbandes auf. Für Hemden relevante Größen sind Kragenweite, Schulterbreite, Armlänge, Brust-, Taillen-, Hüft- und Armumfang, sowie die Länge des Hemdes.

Bei der Maßkonfektion kann der Kunde anschließend ein Modell auswählen, welches dann seinen Maßen entsprechend angefertigt wird. Oft sind im Geschäft verschiedene Konfektionen des Modells vorhanden, die er vorher anprobieren kann. Dieser Schritt ersetzt allerdings nicht die Anprobe nach Fertigstellung seines Exemplars. Mitunter bekommt der Kunde auch Optionen zu einigen wenigen individuellen Anpassungen. Je nach Anbieter können dies eine kleine Auswahl an Stoffen, Knöpfen und Nähten oder die Form des Kragens oder Brusttasche sein.

Ein Maßschneider dagegen bietet dem Kunden eine umfassende Auswahl. Jedes Hemd wird dabei nach dem Wunsch des Kunden neu entworfen. Gute Schneider geben dem Kunden eine umfangreiche Beratung und legen Augenmerk auch auf kleine Details, wie z. B. auf welcher Höhe der erste Knopf unterhalb des Kragens liegen soll. Anschließend wird das Hemd gefertigt und nach der Anprobe gegebenenfalls korrigiert.

Wichtigstes Kriterium für ein passendes Hemd ist die Kragenweite. Er sollte so weit sein, dass gerade noch ein oder zwei Finger zwischen Hals und Stoff hineinpassen. Der Ärmel sollte so lang sein, dass er auch bei gebeugtem Arm bis zum Handknöchel reicht. Der Hemdärmel sollte mindestens ein bis zwei Zentimeter aus dem Sakkoärmel herausschauen. Die Länge des Hemdes richtet sich danach, ob das Hemd in die Hose gesteckt wird oder nicht.

Einige Hersteller bieten auch die Aufarbeitung ihrer Hemden an, bei der die besonders verschleißintensiven Manschetten sowie der Hemdkragen ausgetauscht werden.

Accessoires[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hemden werden oft mit Accessoires versehen, zum Beispiel Halstuch, Krawatte, Krawattennadel, -klammer oder -ring (selten), Kragenklammer, Schleife, Krawattenschleife, Bolotie und Manschettenknöpfe.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hemden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Hemd – Zitate
 Wiktionary: Hemd – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christian F. Feest, Alfred Janata: Technologie und Ergologie in der Völkerkunde. Band 2, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1989, S. 176–185.
  2. Die Geschichte des Hemdes. Eterna, abgerufen am 24. März 2016.
  3. Stiftung Herrenhemden: Testsieger für 20 Euro Stiftung Warentest, 27. Oktober 2006, abgerufen am 1. Februar 2013.
  4. Julian Roche: The International Cotton Trade. Woodhead Publishing, 1. Januar 1994, S. 54.
  5. Beispiel Stoffpreise auf acornfabrics.com, abgerufen am 23. März 2016.
  6. Beispiel Hemdpreise auf elegant-lifestyle.com, abgerufen am 23. März 2016.
  7. Definitionen auf sites.google.com, abgerufen am 23. März 2016.
  8. Vergleich Hemdhersteller auf clothingmadeinusablog.wordpress.com, abgerufen am 23. März 2016.
  9. Hemdstoffe / Webarten auf customshirt1.com, abgerufen am 23. März 2016.
  10. Stoffmuster auf attireclub.org, abgerufen am 23. März 2016.
  11. Alois Kiessling, Max Matthes: Textil-Fachwörterbuch. Fachverlag Schiele & Schoen, 1993, S. 348.
  12. Ammoniak in der Garnveredelung (PDF; 982 kB) abgerufen am 23. März 2016.
  13. Römpp Lexikon Chemie. 10. Auflage, 1996–1999, Band 6: T–Z. Georg Thieme Verlag, 16. Juli 2014.
  14. Vernetzung auf test.de, abgerufen am 23. März 2016.
  15. Bügelfreie Warum tragen nicht alle bügelfreie Hemden? auf buegelrevolution.de, abgerufen am 23. März 2016.
  16. Der Hemdkragen - ein Überblick auf frag-vati.de, abgerufen am 16. Februar 2015.
  17. Can I Wear a Tie and a Button-Down Collar? 28. November 2011, abgerufen am 15. Juni 2015.
  18. Understanding the Men’s Button Down Collar. Abgerufen am 15. Juni 2015.
  19. GQ’s Style Treason: Buttondown „Not A Dress Shirt“. 10. November 2013, abgerufen am 15. Juni 2015.
  20. a b David Page Coffin: Shirtmaking: Developing Skills for Fine Sewing. Taunton Press, 1998, S. 20,21.
  21. Glatte Knopfleiste. La Chemiserie Traditionnelle, abgerufen am 13. Februar 2015.
  22. Bügeln eines Herrenoberhemdes. Abgerufen am 30. Januar 2015.
  23. Modelexikon. In: Anson’s. Abgerufen am 23. März 2016.
  24. Kragenweite messen – so gehen Sie vor auf helpster.de, abgerufen am 16. Februar 2015.
  25. Hemdenschnitte auf 8select.de, abgerufen am 16. Februar 2015.