Hemd

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Ein Hemd (von ahd. hemidi, „Hemd, Gewand, Überwurf“) ist ein Kleidungsstück mit Hals- und Armöffnungen, das in verschiedenen Längen und mit verschiedenen Ärmel-, Ausschnitt- und Kragenformen auftreten kann. Hemden können an der Vorderseite geschlossen oder durchgehend offen sein.[1] Im engeren Sinne wird in der westlichen Welt heute unter dem Begriff Hemd das Herrenoberhemd verstanden. Im weiteren Sinne kommen sowohl Blusen für die Damen, als auch Unterwäsche wie das Unterhemd und Nachtwäsche wie das Nachthemd hinzu.

Businesshemd

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits um 925 v. Chr. trugen die Hebräerinnen ein bis auf den Boden reichendes, weißes Hemd aus Leinen. Bei den Völkern des Abendlandes wurde das Hemd mal als Unter-, mal als Oberkleid für Frau und Mann verwendet. Seit dem 16. Jahrhundert ist es in der heutigen Weise bekannt und wird als Tagesgewand gebraucht. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war der angeknöpfte hohe Stehkragen („Vatermörder“) zur formellen Kleidung üblich. 1863 wurde durch die Gebrüder Hönigsberg in Wien der halbsteife Hemdenkragen aus Doppelstoff erfunden, der nicht mehr angeknöpft werden musste, sondern fest mit dem Hemd verbunden war. Die durchgehende Knopfleiste wurde beim Hemd um 1900 eingeführt (Patent seit 1871), sodass das Hemd nicht mehr über den Kopf gezogen werden musste.[2]

Verwendete Materialien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis ins 19. Jahrhundert war Leinen und Hanf das übliche Material. Als im Zuge der industriellen Revolution Baumwolle billiger wurde, setzte sich diese immer mehr durch. Im 20. Jahrhundert kamen Seide und Kunstfasern hinzu. Spezielle chemische Ausrüstungen der Baumwolle mit Kunstharz führen zu bügelleichten oder bügelfreien Hemdenstoffen, was allerdings die Feuchtigkeitsaufnahme und Luftdurchlässigkeit vermindert.[3]

Besonders hochwertige Hemden bestehen aus Leinen, Hanf, Seide, Bambus oder auch Regeneratfasern, Baumwolle-Wolle (Viyella), sowie hauptsächlich aus reiner Baumwolle bester Qualität, meist Pima, Supima, Ägyptische Giza oder Sea Island (ELS, extra Langstapel) 35 bis 60 mm.[4] Die beste Qualität ist West-Indisch-Sea-Island-Baumwolle WISIC. Die Materialien sollten dem Oeko-Tex-Standard entsprechen. Sie sind meist aus zwei- oder dreifädigem Vollzwirngewebe („two ply“ oder „three ply“), aber auch „single ply“. Sie können gemischt werden, z. B. Leinen und Baumwolle 50:50, jedoch nicht mit Kunstfasern, dies wird nur bei billigen Stoffen gemacht. Unterteilt werden sie auch nach Fäden pro Inch (Thread Count), je mehr Fäden desto feiner der Stoff. Bezeichnungen sind z. B. 100/100, 120/120 bis 200/200 (two ply, Schuss, Weft/Kett, Warp). Sie werden in Hanks (840 Yards) pro Pfund angegeben; z. B. bedeutet 100, dass ein Pfund Baumwolle 84.000 Yards Faden ergibt. Je höher der Thread Count, desto knitteranfälliger wird das Hemd. Gute Hemdstoffproduzenten befinden sich in der Schweiz, Italien und England. Hemdstoffe werden pro Laufmeter gehandelt, gute Stoffe liegen um 15–90 Euro pro Meter.[5][6] Diese Stoffe sind oft nur von Maßschneidereien zu beziehen, im normalen Handel mit Konfektionshemden werden diese Stoffe eher nicht verwendet.[7] Die Preise der unteren Stoffkategorien liegen im Bereich von 20 Cent bis 3 Euro pro Meter, aus diesen Qualitäten werden die meisten Konfektionshemden hergestellt. Diese umfassen sowohl Kunstfasermischungen, als auch reine Baumwolle. Man sieht hier eine enorme Preisdifferenz, zur Herstellung eines Herrenhemdes wird etwa 2–3 m2 Stoff benötigt. Dies erklärt auch den hohen Preis der Vollmaßhemden, der bis zu 1000 Euro pro Hemd betragen kann.[8]

Hemdstoffe werden auch nach den verschiedenen Webarten unterschieden:[9]

  • In Leinwandbindung gewobene Stoffe:
    • Popeline, (engl. Poplin, Broadcloth, Plainweave)
    • Segeltuch (engl. Canvas, Duck)
    • Zephyr/Batist: feiner Popline, „End-on-End“/„Fil a fil“, Chambray ähnlich wie Fil-a-fil, aber immer mit weißem Kettfaden, hier wird das Gewebe zusätzlich kalandriert.
    • Voile: Die verwobenen, stark überdrehten und dadurch gekräuselten Fäden (Kreppgarne) ergeben kleinste Luftlöcher im Gewebe, was eine gute Luftzirkulation ergibt. Durch die Kräuselung der Fäden fühlt es sich leicht sandig an, das Gewebe ist dadurch auch leicht durchsichtig.
    • Chiffon (meistens für Damenblusen verwendet): Ähnlich wie Voile, es wird aber mit anderen, nicht so stark überdrehten Fäden gewoben, wodurch in den Fäden keine so starke Kräuselung wie beim Voile entsteht. Chiffon wird mit abwechselnd verdrehten Fäden (S-Twist, Z-Twist) gewoben, was einen leichten Stretch ergibt.
    • Zendaline: Mischung von Popeline und Voile (Halbkrepp).
  • Twill, hier werden viele Varianten unterschieden:
  • Satin, Atlas
  • Pinpoint: eine Mischung von Oxford und Popeline; es werden feinere Garne verwendet wie beim Oxfordgewebe.
  • Oxford (engl. Basket-, Panamaweave, Hopsack); auch gibt es „Royal Oxford“, dies sind aber andere komplexere Webkonstruktionen und es werden feinere Fäden verwendet.
  • Cord (engl. Corduroy)
  • Plissé
  • Jacquard; ähnlich ist Dobby, hier können aber nicht ganz so komplizierte Muster erzeugt werden.
  • Piqué (engl. Marcella): Gewebe mit waffelartiger Struktur, dadurch liegt der Stoff nicht vollflächig auf der Haut auf, woraus eine bessere Luftzirkulation resultiert.
  • Seersucker (Krepp Gewebe): Gewebe mit geraffter Oberfläche; man unterscheidet „echten“ (Garnkreppe) und „falschen“ (Ausrüstungskrepp) Seersucker, der Effekt ist gleich wie beim Pique, Seersucker muss zudem nicht gebügelt werden.
  • Slub Yarn[11]

Es werden auch die Muster der Stoffe unterschieden: Tartan, Vichy-Muster (Gingham), Melange, Mouline, sowie die Stoffausführung: Mercerisiert, Flanell (aufgeraut).

Bei bügelfrei produzierten Hemdstoffen, wird der Stoff durch einen Ausrüstungsprozess mit einem Kunstharz behandelt (Trockenvernetzung-Behandlung ohne Ammoniak[12], Nassvernetzung-Behandlung mit Ammoniak und einem Vernetzer (Kunstharz)).[13][14][15] Es wird jedoch nie eine volle Bügelfreiheit erreicht, es kann also eigentlich nur von bügelleicht gesprochen werden. Diese Eigenschaft nimmt mit jedem Waschvorgang immer mehr ab. Zudem nimmt eine so behandelte Baumwolle den Schweiß nicht richtig auf, auch fühlt sich der Stoff aufgrund des Harzüberzugs etwas rau an. Die Bügelleicht-Ausrüstung wird bei besonders hochwertigen Stoffen nicht angewandt.

Bei Hemdstoffen ist die Endausrüstung zu beachten, gute Qualitätsstoffe werden nach dem Oeko-Tex-Standard verarbeitet.

Modeeinflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ärmelhalter

Lange Zeit galt ein reinweißes Hemd als Statussymbol des Herrn, da es anzeigte, dass sich sein Träger nicht mit körperlich anstrengender oder gar schmutziger Arbeit befasste und er sich täglich ein frisch gewaschenes Hemd leisten konnte. Zum Schutz der Ärmel insbesondere bei Schreibarbeiten mit der Feder oder später dem Füllfederhalter wurden früher im Büro Ärmelschoner getragen, die über die Hemdenärmel gezogen wurden. Ärmelhalter sind heute kaum noch gebräuchliche, verstellbare Gummibänder, die die Ärmel am Oberarm halten und so für die richtige Ärmellänge sorgen sollen. Erst im 20. Jahrhundert konnten sich farbige Hemden und gestreifte Hemden (Candy-, Bengal-, Hairline-Streifen) durchsetzen. Hier gilt, je breiter die Streifen, desto legerer der Anlass, zu dem das Oberhemd getragen wird.

Kragenhöhe und Länge der Kragenschenkel werden durch die Mode bestimmt. Bei besonders hohen Kragen werden zwei vordere Schließknöpfe verwendet. Sofern überhaupt vorhanden, wird bei der Rückenfalte zwischen der Kellerfalte, Charachellefalte, offener Rückenfalte und links/rechts getrennten Bewegungsfalten unterschieden. Neben der Manschette wird der Ärmelschlitz bisweilen mit einem kleinen zusätzlichen Knopf geschlossen. Bei manchen Hemden wird auf auf die Brusttasche(n) verzichtet.

Hemdenformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heutzutage wird zwischen dem Herrenhemd und der Bluse der Frau unterschieden.

Bei den Herrenhemden gibt es das Businesshemd, das meist einfarbig weiß oder blau ist oder feine Streifen aufweist und i. d. R. zu Anzug und Krawatte getragen wird, und das Casualhemd für die Freizeit.

Zur Gesellschaftskleidung gehört das Frack- und Smokinghemd. Das Aussehen ist streng geregelt, wie z. B. weiße Farbe, verstärkte Hemdbrust und Verwendung von Manschetten- und Frackknöpfen (beim Smoking auch verdeckte Knopfleiste möglich).

Aus der Sportbekleidung kommt das kurzärmelige Polohemd, das mittlerweile in der Freizeitmode weit verbreitet ist. Eine nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa aufgekommene Mode war das Hawaiihemd. Als ursprüngliche Arbeitshemden werden Flanellhemden (auch „Karohemden“) heute noch als Freizeitkleidung getragen.

Beim Militär ist das Feldhemd, ein jackenähnliches, robustes, längeres Hemd, üblich.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann sich das heute übliche durchgeknöpfte Hemd durchzusetzen. Davor war das Hemd nur etwa bis zur Brusthöhe geschlitzt und musste beim Anziehen über den Kopf gezogen werden. Diese Form des sogenannten Schlupfhemdes hat sich bis heute in verschiedenen traditionellen Bereichen gehalten, wie zum Beispiel beim Fischerhemd, beim österreichischen und bayerischen Trachtenhemd oder beim Frackhemd.

Bestandteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hemd mit Haifischkragen

Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien von Kragenformen: Umlegekragen und Stehkragen.

Der Stehkragen ist die ältere Form und ist ein steifer Kragen, der aufrecht um den Hals steht. Bekanntester Vertreter ist der Kläppchenkragen (englisch wing tips), welcher nur noch zu festlichen Anlässen mit Frack oder Smoking getragen wird. Eine weitere Art ist sogenannte Mandarinkragen, ein kurzer Stehkragen nach chinesischem Vorbild.

Der Umlegekragen besteht aus dem Kragensteg bzw. Kragenfuß und dem Oberkragen, der beim Tragen nach unten geklappt wird. Diese Teile können separat geschnitten sein, oder in einem Stück zugeschnitten werden. Der Umlegekragen ist die geläufigste Kragenart und es gibt ihn in vielen verschiedenen Formen:

  • Der Kentkragen ist die heute meistverbreitete Form und nur mäßig gespreizt.
  • Der Cutaway-Kragen (Haifischkragen beziehungsweise Haikragen) ist ein modisch hoher Kragen, breit gespreizt (bis zu 160°-Winkel) und daher gut für besonders große Krawattenknoten (Windsorknoten) geeignet. Im Allgemeinen ist er mit Kragenstäbchen versehen.
  • Der Windsorkragen bzw. New-Kent-Kragen ist eine Variation aus Kentkragen und Cutaway-Kragen und ist ungefähr im 120-140°-Winkel gespreizt.[16] In Amerika benutzt man den Begriff Keaton collar, also Keaton-Kragen.
  • Der Button-Down-Kragen ist ein weicher Knöpfkragen ohne Kragenstäbchen, dessen Spitzen an die Hemdbrust angeknöpft werden. Aufgrund seiner sportlichen Natur trägt man ihn in der Regel nicht zum Anzug oder zweireihigen Sakko. Während der Button-Down-Kragen in den USA auch mit Krawatte getragen wird, ist dies in Europa nicht üblich, wenngleich Gianni Agnelli die Kombination mit Krawatte tragbar werden ließ.[17][18][19]
  • Der Tabkragen hat eine enge Spreizung und wird immer mit Krawatte getragen. Die weichen Kragenenden ohne Kragenstäbchen werden mit knöpfbarem oder Druckknopfverschluss unter dem dazu passenden schmalen Krawattenknoten zusammengehalten.
  • Der Nadel-Kragen (auch Piccadilly-Kragen, englisch pin collar) ist heute nur noch wenig verbreitet. Die Kragenecken werden bei dieser Form mit einer speziellen Kragennadel zusammengehalten. Seltener wird er auch mit abgerundeten Kragenenden (sogenannter „Clubkragen“) angetroffen.
  • Der Spitzkragen ist eine seit längerer Zeit nicht mehr gebräuchliche Kragenart mit sehr enger Spreizung (spitzer 45°-Winkel). Er wurde mit schmalem Krawattenknoten oder Fliege getragen und mittlerweile vom Cutaway-Kragen abgelöst. Der Kragen kann durch Umnähen der Kragenenden gespreizt und so zu einem Haifischkragen umgearbeitet werden.
  • Der Winchesterkragen (auch „Kontrastkragen“) ist ein weißer Kragen, der zu Hemden mit farbigem, häufig gestreiftem Körper, getragen wird. In der Regel sind auch die Manschetten weiß. In der Populärliteratur ist diese Form auch als Gordon-Gekko-Shirt bekannt.

Früher wurden Krägen mit Wäschestärke behandelt, um ihre Form aufrechtzuerhalten. Dazu trug man Hemden mit abnehmbaren Kragen. Diese hatten den Vorteil, dass sie separat gewaschen werden konnten, da Kragen schneller verschmutzen als das restliche Hemd. Außerdem konnten sie so auch einfacher gestärkt werden. Heutzutage stellt das Reinigen eines Hemdes keinen großen Aufwand dar, weswegen Kragen und Hemd miteinander vernäht sind.

Heute hält die Krageneinlage die Form stabil, sodass das umständliche Stärken entfällt. Sie kann in unterschiedlicher Stärke bemessen werden, man unterscheidet „very soft, soft, medium, hard, very hard“. Bei Damenblusen wird normalerweise keine Einlage verwendet („very soft“). Die Einlage wird normalerweise geklebt, kann aber auch eingenäht werden (in England bevorzugt). Krägen mit geklebter Einlage sind formbeständiger, Krägen mit eingenähter Einlage müssen sorgfältiger gebügelt werden, gelten aber als eleganter, weil der Stoff durch eine Klebung an seiner natürlichen Bewegung gehindert wird.

Kragenstäbchen aus Silber

Zusätzliche in die Kragenenden gesteckte Kragenstäbchen (englisch collar stay) verstärken die Flügel. Diese sind gewöhnlich aus Kunststoff und in die Kragen geklebt oder selten eingenäht. Hochwertige Hemden besitzen, je nach Kundenwunsch, auch herausnehmbare Stäbchen aus Kunststoff oder Metallen wie Weißblech oder Messing. Sehr edle Ausführungen können hingegen auch aus Horn, Perlmutt, edlem Holz, Silber oder fossilem Mammutelfenbein gefertigt sein. Die Kragenstäbchen werden dabei vor der Wäsche entnommen. So werden die Kragenspitzen geschont und die Kragenstäbchen gehen nicht im Inneren der Waschmaschine verloren. Sie werden üblicherweise nach dem Bügeln wieder eingesetzt.

Umschlagmanschette

Manschetten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Manschette (englisch cuff) ist ein handbreiter Stoffstreifen, der den Ärmelabschluss bildet. Neben dem Kragen gehört sie zu den am stärksten beanspruchten Komponenten des Hemdes und ist durch Einlagen verstärkt. Sie umschließt das Handgelenk und ist mit Knöpfen verschließbar.

Neapolitanische Manschette

Heutige Hemden weisen zwei grundsätzliche Formen auf: die einfache und die doppelte Manschette. Am gebräuchlichsten ist die Sportmanschette, eine Einfachmanschette mit angenähtem Knopf. Hemden von der Stange haben häufig zwei nebeneinander liegende Knöpfe, so dass der Träger die Weite auf sein Handgelenk einstellen kann. Gelegentlich haben Sportmanschetten auch zwei übereinander liegende Knöpfe, die gleichzeitig geschlossen werden.

Eine weitere Variante der einfachen Manschette ist die Kombimanschette. Diese hat einen angenähten Knopf sowie gegenüber liegende Knopflöcher, so dass sie auch mit Manschettenknöpfen geschlossen werden kann.

Während Einfachmanschetten ihre Steifheit nur durch die Einlagen erhalten, werden Doppelmanschetten dafür umgeschlagen. Die Umschlagmanschette (auch Umlegemanschette oder französische Manschette) ist doppelt so lang und wird vor dem Zuknöpfen einmal zurückgefaltet. Zum Schließen werden Manschettenknöpfe verwendet.

Die neapolitanische Manschette ist eine Doppelmanschette mit zwei übereinander liegenden angenähten Knöpfen. Der umgeschlagene Teil geht allerdings nicht komplett um die Manschette, sondern lässt die Knöpfe frei.

Frackhemden besitzen einfache Manschetten ohne angenähte Knöpfe und müssen mit Manschettenknöpfen verschlossen werden.

Sattel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sattel (englisch yoke)[20], auch als Schulter[21]-, Rückenpasse, Schulterteil, manchmal auch Göller[22], Goller oder Koller bezeichnet, ist der im oberen Teil des Rückens angesetzte Stoffteil. Er hat auf die Passform des Hemdes großen Einfluss, z. B. bei hängenden Schultern. Er kann ein- oder zweiteilig mit einer Mittelnaht (englisch split yoke) ausgeführt werden. Teilweise wird die Meinung vertreten, dass der zweiteilige Sattel einen stoffsparenderen Zuschnitt erlaube und durch die zusätzliche Naht Vorteile beim Anpassen eines Maßhemdes biete.

Rückenteil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rückenteile kann flach No Pleats oder mit verschiedenen Falten ausgeführt werden. Häufig sind Seitenfalten Sidepleats, Mittelfalten Boxpleats, Inverted-Pleats um etwas mehr Beweglichkeit zu ermöglichen. Bei einem taillierten Schnitt werden im unteren Rückenteil Abnäher Darts angebracht, damit das Hemd eng anliegt. Auch ist es möglich eine Kleiderhaken-Schlaufe anzunähen.

Knopfleiste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Knopfleisten (von links nach rechts): glatte Leiste, aufgesetzte Leiste, verdeckte Leiste

Bei einem Herrenhemd sind die Knopflöcher am linken Vorderteil angebracht (wie in der Schneiderei üblich vom Träger aus gesehen). Je nach Ausführung unterscheidet man:

Die aufgesetzte Knopfleiste (englisch placket front): Hier sind die Knopflöcher in einer durch eine Absteppung und eine kleine Falte abgesetzten senkrechten Stoffbahn eingearbeitet. Dieser Streifen wirkt wie aufgesetzt und gliedert das Hemd optisch. Es ist die meist verbreitete aber auch legerste Form.[23] Gelegentlich setzen Modedesigner hier einen auffälligen Kontraststoff ein, um sie als Designelement zu verwenden.

Die glatte Leiste (englisch French front): Hier sind die Knopflöcher direkt im linken Vorderteil eingesetzt, ohne dass eine separate Leiste zu erkennen ist. Diese Version gilt als eleganter und stellt höhere Anforderungen beim Zuschnitt, da der Musterverlauf von der Stoffkante nicht unterbrochen werden darf.

Eine weitere Spielart ist die verdeckte Leiste (englisch fly front): Hier wird auf der Unterseite des Vorderteils eine Stoffleiste für die Knopflöcher angebracht oder das linke Vorderteil so umgefaltet, dass die Knopflöcher verdeckt sind. Die Knöpfe und Knopflöcher sind dadurch nach dem Schließen nicht mehr sichtbar. Diese Version wird gerne für festliche Hemden wie Frack- und Smokinghemden verwendet.

Klassische Hemden für Frack und Smoking haben keine angenähten Knöpfe sondern auf beiden Seiten Knopflöcher. Sie werden mit separat anzubringenden Frackknöpfen geschlossen.

Die zum Schließen der Leiste verwendeten Knöpfe gibt es in verschiedenen Formen und Farben. Die Wahl des Fadens ermöglicht auch viele Gestaltungsmöglichkeiten. Heutzutage verwendet man zumeist Knöpfe aus Kunststoff. Klassische oder hochwertige Hemden dagegen haben häufig Knöpfe aus Perlmutt.

Bei der Knopfleiste gibt es einen augenfälligen Unterschied zwischen Hemden für Herren und Damen. Bei Herrenhemden sind die Knöpfe auf dem rechten Vorderteil angenäht. Im Gegensatz dazu tragen Blusen die Knöpfe auf der linken Seite.[24]

Ärmel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ärmel ist derjenige Teil des Hemdes, der den Arm bedeckt. Es gibt ihn als kurze oder lange Version. Kurze Ärmel gehen bis etwa zur Hälfte des Oberarmes und enden mit einem eingeschlagenen Saum. Beim langärmeligen Hemd reicht er von der Schulter bis zum Handgelenk und endet mit der Manschette. Um ein Aufkrempeln zu ermöglichen hat der lange Ärmel einen Ärmelschlitz, der von der Manschette bis etwa zur Hälfte des Unterarmes geht. Bei längeren Schlitzen ist oft ein kleiner Knopf (englisch Placket-[20] oder Gauntletbutton) angebracht, um ein Aufklaffen zu vermeiden.

Krempelärmel bezeichnen solche Ärmel, die hochgeschlagen getragen werden. Dazu besitzen sie häufig einen Riegel (Ärmelriegel, englisch sleeve tab), der um den Aufschlag geknöpft wird und das Herunterrutschen verhindert.[25]

Brusttaschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häufig haben Hemden eine oder zwei Brusttaschen. Diese können komplett offen oder mit knöpfbaren Patten verschließbar sein. Gelegentlich wird die Patte nicht komplett durchgenäht, sondern es wird ein kleiner Schlitz offen gelassen, durch den man einen Stift oder Brille stecken kann, ohne die Patte zu öffnen. Die Hemdtasche hat sich erst durchgesetzt, nachdem die Weste als alltägliches Kleidungsstück aufgegeben wurde.

Schulterklappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Uniformhemden sind oft Schulterklappen mit Rangabzeichen angebracht. Sie haben auch als modisches Detail in die zivile Mode Eingang gefunden.

Hemdengrößen bei Konfektionshemden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum wird bei der Größe nur die Kragenweite in Zentimetern angegeben. Diese entspricht dem mit einem Maßband „locker“ gemessenen Halsumfang.[26] Bei Herrenhemden werden meist zwei aufeinanderfolgende Kragenweiten zu einer Größe zusammengefasst, zum Beispiel 39/40 oder 41/42, die den US-amerikanischen Konfektionsgrößen S, M, L, XL etc. entsprechen. Bei der Ärmellänge wird im Handel in Kurzarm (bis Ellenbogen) und Langarm unterschieden. Im angelsächsischen Bereich wird die Hemdengröße durch die Kombination zweier Zahlen in Zoll (englisch: Inch) definiert. Die erste Zahl gibt die Kragenweite, die zweite die Armlänge an. Der Schnitt des Hemdes wird in Bezeichnungen wie tailliert – untailliert oder slim – regular – comfort fit angegeben.[27]

Maßhemd[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Kauf konfektionierter Hemden „von der Stange“, bieten Hersteller auch die Möglichkeit maßkonfektionierte (englisch made to measure) oder maßgeschneiderte (englisch custom made oder bespoke) Hemden in Auftrag zu geben. Meist nimmt dazu ein Verkäufer oder Maßschneider die Körpermaße des Kunden mittels eines Maßbandes auf. Für Hemden relevante Größen sind Kragenweite, Schulterbreite, Armlänge, Brust-, Taillen-, Hüft- und Armumfang, sowie die Länge des Hemdes.

Bei der Maßkonfektion kann der Kunde anschließend ein Modell auswählen, welches dann seinen Maßen entsprechend angefertigt wird. Oft sind im Geschäft verschiedene Konfektionen des Modells vorhanden, die er vorher anprobieren kann. Dieser Schritt ersetzt allerdings nicht die Anprobe nach Fertigstellung seines Exemplars. Mitunter bekommt der Kunde auch Optionen zu einigen wenigen individuellen Anpassungen. Je nach Anbieter können dies eine kleine Auswahl an Stoffen, Knöpfen und Nähten oder die Form des Kragens oder Brusttasche sein.

Ein Maßschneider dagegen bietet dem Kunden eine umfassende Auswahl. Jedes Hemd wird dabei nach dem Wunsch des Kunden neu entworfen. Gute Schneider geben dem Kunden eine umfangreiche Beratung und legen Augenmerk auch auf kleine Details, wie z. B. auf welcher Höhe der erste Knopf unterhalb des Kragens liegen soll. Anschließend wird das Hemd gefertigt und nach der Anprobe gegebenenfalls korrigiert.

Wichtigstes Kriterium für ein passendes Hemd ist die Kragenweite. Er sollte so weit sein, dass gerade noch ein oder zwei Finger zwischen Hals und Stoff hineinpassen. Der Ärmel sollte so lang sein, dass er auch bei gebeugtem Arm bis zum Handknöchel reicht. Der Hemdärmel sollte mindestens ein bis zwei Zentimeter aus dem Sakkoärmel herausschauen. Die Länge des Hemdes ist normalerweise vom Kragenansatz bis zum Ende des Gesäßes, die Gesäßweite des Hemdes richtet sich danach ob es in die Hose gesteckt oder über der Hose getragen wird.

Einige Hersteller bieten auch die Aufarbeitung ihrer Hemden an, bei der die besonders verschleißintensiven Manschetten sowie der Hemdkragen ausgetauscht werden.

Accessoires[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hemden werden oft mit Accessoires versehen, zum Beispiel Halstuch, Krawatte, Krawattennadel, -klammer oder -ring (selten), Kragenklammer, Schleife, Krawattenschleife, Bolotie und Manschettenknöpfe.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hemden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Hemd – Zitate
 Wiktionary: Hemd – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christian F. Feest, Alfred Janata: Technologie und Ergologie in der Völkerkunde. Band 2, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-496-00127-5, S. 176–185.
  2. Die Geschichte des Hemdes. Eterna, abgerufen am 24. März 2016.
  3. Stiftung Herrenhemden: Testsieger für 20 Euro Stiftung Warentest, 27. Oktober 2006, abgerufen am 1. Februar 2013.
  4. Julian Roche: The International Cotton Trade. Woodhead Publishing, 1994, ISBN 978-1-84569-281-0, S. 54.
  5. Beispiel Stoffpreise auf acornfabrics.com, abgerufen am 23. März 2016.
  6. Beispiel Hemdpreise auf elegant-lifestyle.com, abgerufen am 23. März 2016.
  7. Definitionen auf sites.google.com, abgerufen am 23. März 2016.
  8. Vergleich Hemdhersteller auf clothingmadeinusablog.wordpress.com, abgerufen am 23. März 2016.
  9. Hemdstoffe / Webarten auf customshirt1.com, abgerufen am 23. März 2016.
  10. Stoffmuster auf attireclub.org, abgerufen am 23. März 2016.
  11. Alois Kiessling, Max Matthes: Textil-Fachwörterbuch. Fachverlag Schiele & Schoen, 1993, ISBN 978-3-7949-0546-1, S. 348.
  12. Ammoniak in der Garnveredelung (PDF; 982 kB) abgerufen am 23. März 2016.
  13. Römpp Lexikon Chemie. Band 6: T–Z, 10. Auflage, Georg Thieme Verlag, 1999, ISBN 3-13-735110-3.
  14. Vernetzung auf test.de, abgerufen am 23. März 2016.
  15. Bügelfreie Warum tragen nicht alle bügelfreie Hemden? auf buegelrevolution.de, abgerufen am 23. März 2016.
  16. Der Hemdkragen - ein Überblick auf frag-vati.de, abgerufen am 16. Februar 2015.
  17. Can I Wear a Tie and a Button-Down Collar? 28. November 2011, abgerufen am 15. Juni 2015.
  18. Understanding the Men’s Button Down Collar. Abgerufen am 15. Juni 2015.
  19. GQ’s Style Treason: Buttondown „Not A Dress Shirt“. 10. November 2013, abgerufen am 15. Juni 2015.
  20. a b David Page Coffin: Shirtmaking: Developing Skills for Fine Sewing. Taunton Press, 1998, ISBN 978-1-56158-264-8, S. 20–21.
  21. Schulterpasse auf duden.de.
  22. Göller auf duden.de.
  23. Glatte Knopfleiste. La Chemiserie Traditionnelle, abgerufen am 13. Februar 2015.
  24. Bügeln eines Herrenoberhemdes. Abgerufen am 10. August 2016.
  25. Modelexikon. In: Anson’s. Abgerufen am 23. März 2016.
  26. Kragenweite messen – so gehen Sie vor auf helpster.de, abgerufen am 16. Februar 2015.
  27. Hemdenschnitte auf 8select.de, abgerufen am 16. Februar 2015.