Selbstkrönung

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Als Selbstkrönung wird eine Krönung eines in der Regel weltlichen Machthabers bezeichnet, wenn sie durch den zu Krönenden selbst und nicht zum Beispiel von einem kirchlichen Würdenträger durchgeführt wird.

Selbstkrönung Friedrichs I. in Königsberg 1701 (zeitgenössischer Kupferstich)

Die Krönung durch einen Bischof stellte in der Neuzeit nicht nur, aber vor allem bei protestantischen Herrschern in Europa ein Problem dar. Der Herrscher als Summus Episcopus, als Oberster Bischof seines Landes, der keine geistliche Autorität über sich anerkannte, konnte oder wollte er sich von einem "niederrangigen Bischof" nicht krönen lassen, da er sein Amt ausschließlich durch Gottes Gnade empfangen habe. Konsequenterweise verzichteten viele protestantischen Landesherren auf einen rituellen Krönungsakt und begnügten sich mit einer formellen Thronbesteigung, verbunden mit einer Akklamation oder Huldigung. Die demonstrative Selbstkrönung zweier preußischer Könige fand keine Nachahmer und blieb daher die Ausnahme.  

Fälle der Selbstkrönung in der Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

813: Ludwig der Fromme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. September 813 wurde Ludwig der Fromme in Aachen zum (Mit-)Kaiser gekrönt. Es gibt einen Bericht von Ludwigs Biograph Thegan, wonach sich Ludwig selbst die Krone aufgesetzt habe. Heutzutage hält man aber den Bericht der Reichsannalen für wahrscheinlicher, demzufolge Karl der Große persönlich seinem Sohn die Krone aufs Haupt gesetzt hat.

1229: Friedrich II. (HRR)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. hat sich während des Fünften Kreuzzugs am 18. März 1229 in der Grabeskirche die Krone des Königreichs Jerusalem auf das Haupt gesetzt, ohne jedoch von den lokalen Baronen als Herrscher anerkannt zu werden (siehe Lombardenkrieg). Erst 1245 erklärte der Papst Innozenz IV. Friedrich für abgesetzt.

1328: Alfons IV. von Aragón[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten direkten Vorgänger des Königs Alfons IV. wurden nach den Vorschriften des Pontifikale von Bischöfen als Beauftragte des Papstes gekrönt. Bei der Krönung im Jahr 1328 beschränkte sich die Tätigkeit der anwesenden Erzbischöfe von Saragossa, Toledo und Taragona sowie der Bischöfe von Valencia, Lérida und Huesca auf die Salbung des neuen Königs und auf die Segnung der Königsinsignien. Um klarzustellen, dass er die Krone nicht als Vasall von einem Vertreter des Heiligen Stuhls bekam, krönte Alfons IV. sich selbst. Im Königreich Aragón fanden weiterhin keine Krönungen durch Vertreter der Kirche mehr statt. Auch die Könige Peter IV. im Jahr 1336, Martin I. im Jahr 1399 und Ferdinand I. 1412 krönten sich jeweils selbst.[1]

1697: Karl XII. von Schweden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1697 setzte sich Karl XII. selbst die Krone aufs Haupt. Er war der einzige schwedische Monarch, der dies tat. Er wurde dann als Fünfzehnjähriger gekrönt, nachdem der schwedische Reichstag (die vier schwedischen Reichsstände) ihn für volljährig erklärte.

1701: Friedrich I. in Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. Januar 1701 setzte sich Friedrich I. in Königsberg die preußische Krone auf das Haupt. Sein Titel war jedoch "König in Preußen", nicht "König von Preußen".

1804: Napoleon I.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekanntester Fall ist die Selbstkrönung von Napoléon Bonaparte zum Kaiser der Franzosen. Bereits in einer Volksabstimmung zum Kaiser der Franzosen „gewählt“, empfing er am 2. Dezember 1804 in der Zeremonie die Krone aus den Händen des Papstes Pius VII. und setzte sie sich selbst auf das Haupt. Der Papst gab seinen Segen.

1861: Wilhelm I. von Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Inthronisierung in Königsberg (1861); gemalt von Menzel

Am 18. Oktober 1861 fand die prachtvolle Krönungsversammlung in Königsberg statt. Dort setzte sich Wilhelm I. die preußische Krone aufs Haupt.

1967: Mohammad Reza Pahlavi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Iran krönte sich Mohammad Reza Pahlavi am 26. Oktober 1967 zu seinem 48. Geburtstag selbst zum Schah des Iran. Anschließend krönte er seine Gemahlin Farah Pahlavi zur ersten Kaiserin des Iran.

1977: Jean-Bedel Bokassa aus Zentralafrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zentralafrikanischen Republik, einer früheren französischen Kolonie, krönte sich der Präsident Jean-Bédel Bokassa am 4. Dezember 1977 selbst zum „Empereur“ – in bewusster Anspielung an Napoleon I.; somit war diese Krönung auch eine Provokation Frankreichs. Das „Kaiserreich“ überdauerte aber nur zwei Jahre bis zum Sturz Bokassas am 21. September 1979.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Antonio Durán Gudiol: El rito de la coronación del rey en Aragón. In: Argensola: Revista de Ciencias Sociales del Instituto de Estudios Altoaragoneses, ISSN 0518-4088, Nº 103, 1989. S. 27 ff.; abgerufen am 17. Januar 2015 (spanisch).