Selektion Oppenheim 4

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SO4 ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum negativ geladenen Sulfat-Ion SO42− siehe Sulfate.
'Selektion Oppenheim 4'
Synonyme 'SO 4', 'Berlandieri x Riparia S.O.4', 'Berlandieri x Riparia selectia Oppenheim 4', 'Oppenheim 4', 'Oppenheim SO4'.
Zuchtnummer SO 4
'Selektion Oppenheim 4'
Art Gruppe: Berlandieri x Riparia Kreuzung
Verwendung
Herkunft Deutschland
bekannt seit 1933
Züchter Rességuier 1896[1] (F), Selektion Teleki (H), H. Fuhr, H. Rodrian Oppenheim am Rhein (heute Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum)
Züchtungsjahr ab 1920
Markteinführung 1933
VIVC-Nr. 11473
Abstammung

Hybride aus
Vitis berlandieri Planchon × Vitis riparia Michaux

Liste von Rebsorten

Die 'Selektion Oppenheim 4' (SO 4) ist eine Hybridrebe, die durch Kreuzung der Euvitis-Art Vitis berlandieri Planchon und Vitis riparia Michaux entstanden ist und als Unterlagsrebe zur biotechnischen Bekämpfung der Wurzelreblaus für reblausanfällige Rebsorten (Vitis vinifera) genutzt wird.[2]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1912 wurden an der Lehr- und Versuchsanstalt in Oppenheim am Rhein (heute Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum) vom damaligen Direktor Heinrich Fuhr (1870–1958) Abkömmlinge von verschiedenen Vitis berlandieri × Vitis riparia Sämlingen von Sigmund Teleki (1854–1910) aus Dvor nach Deutschland eingeführt. Ausgehend von diesem Material wurde beginnend in den 1920er Jahren mit der Selektion reblaustoleranter Unterlagen begonnen. Ein Zuchtstamm fiel durch viele positive Eigenschaften auf. Diese eigene Selektion stammt von der Telekischen Zuchtserie Nummer 4 ab und wurde daraufhin „Selektion Oppenheim 4“ (oder kurz 'SO 4') bezeichnet. 1933 erfolgte die Anerkennung durch den Reichsnährstand mit der Bezeichnung 'Berlandieri × Riparia Teleki 4 Selektion Oppenheim 4' ('SO 4'). 1956 erhielt die Unterlagssorte den Sortenschutz. Mit Ablauf des Sortenschutzes 1982 wurde sie in mehreren in- und ausländischen Instituten weiter züchterisch bearbeitet. Heute gibt es eine Vielzahl von virusgetesteten Klonen. Seit 1986 ist das Institut für Rebenzüchtung und Rebenvermehrung Fachgebiet Rebenzüchtung und Rebenveredlung der Forschungsanstalt Geisenheim der Erhaltungszüchter.[2]

Abstammung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vitis berlandieri × Vitis riparia Teleki 4, Selektion Oppenheim 4.

Ampelografische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Triebspitze: halboffen bis offen, bronziert bis rötlichbraungrün und häufig mit weißlichem Hauch.
  • Junges Blatt: Bronziert, seidig glänzend mit rötlichen Blattadern, Blattfläche spinnwebig behaart.
  • Ausgewachsenes Blatt: Stielbucht U- bis V-förmig, Blattspreite glänzend mit blasiger Oberseite, Blattunterseite kurzborstig behaart.
  • Triebe: Knoten purpurrot, leicht wollig behaart.
  • Ranken: sind überwiegend dreiteilig und leicht wollig behaart.
  • Blüte: männliche Scheinzwitter.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Veredlungsaffinität ist zu allen Edelreissorten gut und auch ihr Wurzelbildungsvermögen ist zufriedenstellend. Eine gute Kallusbildung bei den Veredlungspartnern tritt, im Vergleich zu Kober 5 BB, etwas später ein. Durchschnittlich erreichen Rebschulisten eine etwas geringere Ausbeute in der Rebschule. SO 4 toleriert bis zu 20 % Aktivkalk im Boden. Bei dieser Eigenschaft ist SO4 bei schwachwüchsigen Edelsorten und engen Standweiten der 5 BB überlegen. Auf weniger fruchtbaren, besonders trockenen Standorten, ist sie vor allen bei reichtragenden Sorten im vegetativen Wachstum zu schwach. Das gilt auch für Weingärten mit Dauerbegrünung und extensiver Bewirtschaftung. SO 4 ist ungeeignet für zur Trockenheit neigende Standorte. Bei blühempfindlichen Rebsorten verringert sie das Verrieselungsrisiko. Ihr Wachstum ist mittelstark und schließt die Vegetationszeit mittelfrüh. SO 4 fördert beinahe bei allen Rebsorten den Fruchtansatz bei gleichzeitig gezügeltem Wachstum. Eine hohe Stockbelastung und große Standweiten sollen vermieden werden. [2][3] [1]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

'SO4' ist die mit Abstand wichtigste Unterlagensorte in Deutschland. Eine gewisse Verbreitung hat sie in gemäßigten Klimazonen von Mitteleuropa und auch in den östlichen Staaten bis hin zum Balkan findet sie Verwendung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Ambrosi, Bernd H. E. Hill, Erika Maul, Ernst H. Rühl, Joachim Schmid, Fritz Schumann: Farbatlas Rebsorten. 300 Sorten und ihre Weine. 3., vollständig neu bearbeitete Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8001-5957-4.
  • Karl Bauer: Weinbau (= AV-Fachbuch.). 8., aktualisierte Auflage. Österreichischer Agrarverlag, Wien 2013, ISBN 978-3-7040-2284-4.
  • Erwin Kadisch (Begründer): Weinbau (= Der Winzer. Bd. 1). Herausgegeben von Edgar Müller. 3., vollständig neu bearbeitete Auflage. Eugen Ulmer, 2008, ISBN 978-3-8001-1241-8.
  • Jancis Robinson: Das Oxford-Weinlexikon. 3., vollständig überarbeitete Auflage. Hallwag, München 2007, ISBN 978-3-8338-0691-9.
  • Joachim Schmid, Frank Manty, Bettina Lindner: Geisenheimer Rebsorten und Klone (= Geisenheimer Berichte. 67). Forschungsanstalt Geisenheim – Fachgebiet Rebenzüchtung und Rebenveredlung, Geisenheim 2009, ISBN 978-3-934742-56-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hans Ambrosi, Bernd H. E. Hill, Erika Maul, Ernst H. Rühl, Joachim Schmid, Fritz Schumann: Farbatlas Rebsorten. 300 Sorten und ihre Weine. 3., vollständig neu bearbeitete Auflage. 2011, S. 53.
  2. a b c Joachim Schmid, Frank Manty, Bettina Lindner: Geisenheimer Rebsorten und Klone. 2009, S. 124–125.
  3. Karl Bauer: Weinbau. 8., aktualisierte Auflage. 2013, S. 97.