Unterlagsrebe

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Ober- und unterirdische Organe eines Rebstockes. Einflussfaktoren der Unterlagenwahl

Die Unterlage eines Rebstocks wird Unterlagsrebe genannt. Sie dient dazu, den Weinstock reblausfest zu machen und bildet seinen Wurzelstamm mit dem gesamten Wurzelsystem. Mit der Kombination von einer reblauswiderstandsfähigen Unterlagensorte mit einer Edelsorte wird die Wurzelreblaus biotechnisch bekämpft.[1] Die Herstellung der Pfropfreben (Veredelungen) für die Neuanlage eines Weingartens erfolgt in Rebschulen.

Die europäischen Kulturreben (Vitis vinifera), die früher auf eigener Wurzel standen (Direktträger, wurzelechte Rebstöcke), wurden ab Mitte des 19. Jahrhunderts von der aus Amerika eingeschleppten Reblaus befallen. Dieser Schädling kam zunächst nach Frankreich und breitete sich schnell in den europäischen Weinanbaugebieten aus. Dort richtete er verheerende Schäden an. Die Reblaus verursachte an den Wurzeln der Europäerreben Anschwellungen (Tuberositäten), die zu anschließendem Pilzbefall und in der Folge zum Absterben der Rebstöcke führten.

Um den europäischen Weinbau zu retten, benutzte man amerikanische Wildrebenarten als Unterlagsreben für die europäischen Edelreben. Die amerikanischen Reben sind gegen die Reblaus widerstandsfähiger oder sogar ganz resistent. Die Reblaustoleranz beruht auf der Bildung einer Korkschicht, welche die Ausbreitung der Tuberositäten eingrenzt, eine Vermehrung der Rebläuse wird dadurch aber nicht verhindert. Bei starkem Befallsdruck zeigen auch Pfropfreben Rückgangserscheinungen. Die meisten heute in Europa verwendeten Unterlagsreben sind Abkömmlinge der drei amerikanischen Wildarten Vitis riparia, Vitis rupestris und Vitis berlandieri, Kreuzungen derselben oder Hybriden amerikanischer Wildarten mit der Vitis vinifera.[2]

Auswahlkriterien: ausreichende Reblaustoleranz oder -resistenz, Wüchsigkeit, Kalkverträglichkeit, Trockentoleranz, Frosttoleranz.

Unterlagensorten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hybride aus Vitis berlandieri × Vitis riparia

Hybride aus Vitis berlandieri × Vitis rupestris

Hybride aus Vitis riparia × Vitis cinerea

Hybride aus Vitis riparia × Vitis rupestris

Hybride aus Vitis berlandieri × Vitis riparia × Vitis rupestris

Hybride aus amerikanischen und europäischen Vitisarten

Klassifizierung von Unterlagensorten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den europäischen Ländern sind in manchen Ländern wie z. B. Deutschland nur bestimmte Unterlagensorten zugelassen.

Derzeit sind für den Anbau in der Pfalz klassifiziert: Kober 5 BB, Kober 125 AA, Teleki 5 C, SO 4, Binova, Teleki 8 B, 3309 Couderc, Börner, Cina, Rici

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Bauer, Ferdinand Regner, Barbara Schildberger: Weinbau (= AV-Fachbuch.). 9., aktualisierte Auflage. Cadmos, Wien 2013, ISBN 978-3-7040-2284-4.
  • Erwin Kadisch (Begründer): Weinbau (= Der Winzer. Bd. 1). Herausgegeben von Edgar Müller. 3., vollständig neu bearbeitete Auflage. Eugen Ulmer, 2008, ISBN 978-3-8001-1241-8.
  • Karl Müller (Hrsg.): Weinbau-Lexikon. Für Winzer, Weinhändler, Küfer und Gastwirte. Verlagsbuchhandlung Paul Parey, Berlin 1930.
  • Jancis Robinson: Das Oxford-Weinlexikon. 3., vollständig überarbeitete Auflage. Hallwag, München 2007, ISBN 978-3-8338-0691-9.
  • Joachim Schmid, Frank Manty, Bettina Lindner: Geisenheimer Rebsorten und Klone (= Geisenheimer Berichte. 67). Forschungsanstalt Geisenheim – Fachgebiet Rebenzüchtung und Rebenveredlung, Geisenheim 2009, ISBN 978-3-934742-56-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Bauer, Ferdinand Regner, Barbara Schildberger: Weinbau. 9., aktualisierte Auflage. 2013, S. 406.
  2. Karl Bauer, Ferdinand Regner, Barbara Schildberger: Weinbau. 9., aktualisierte Auflage. 2013, S. 108.