Seppelfricke

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Seppelfricke ist eine deutsche Unternehmerfamilie. Die geschäftlichen Aktivitäten umspannten die Produktion von Herden und Öfen, Armaturen sowie Keramik. Nach einer Untersuchung von Netstudien gehört die Familie Seppelfricke zu den 4000 reichsten Familien Deutschlands.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1920 gegründete Firma Seppelfricke nimmt im Wirtschaftsleben der Stadt Gelsenkirchen einen wichtigen Platz ein. Zum 90-jährigen Jubiläum im Jahre 2010 sagte der damalige Gelsenkirchener Oberbürgermeister Frank Baranowski, „die Firma gehört zu Gelsenkirchen wie Schalke 04.“[2]

Die Metallwerke Gebr. Seppelfricke entwickelte sich aus kleinsten Anfängen heraus. Als im Jahre 1908 der Schachthauer Johann Seppelfricke sen. durch Absturz im Schacht den Bergmannstod fand, hinterließ er seine Frau Wilhelmine, zwei Töchter und fünf Söhne. Während Johann, der älteste der Söhne, 16 Jahre alt war, kam der jüngste, Otto, erst 4 Monate nach dem Tode des Vaters zur Welt.

Wilhelmine Seppelfricke

Es ist das Verdienst der Mutter, dass sie nicht vor der Schwere ihrer nunmehrigen Aufgaben kapitulierte. Alle Söhne erlernten einen handwerklichen Beruf; dabei wurde die Berufswahl so abgestimmt, dass eine spätere Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Unternehmen möglich war. Im Jahre 1913 wurde der Schlosser Johann Seppelfricke zum Militärdienst einberufen. Zu Beginn des 1. Weltkrieges meldete er sich freiwillig zu der damals noch jungen Fliegerei, erhielt eine Ausbildung als Flugzeugführer und wurde aufgrund guter Leistungen bereits 1916 als Fluglehrer eingesetzt. Auch Wilhelm, der zweitälteste der Brüder, wurde 1917 als Monteur zu den Fliegern eingezogen.

Nach Kriegsende kehrten Johann und Wilhelm Seppelfricke mit der festen Absicht nach Gelsenkirchen zurück, alsbald ein eigenes Unternehmen zu gründen. Am 19. März 1920 – Johann war damals 28 Jahre, sein Bruder Wilhelm 21 Jahre alt – wurde das Gewerbe als „Schlosserei und Metallgießerei Johann Seppelfricke“ in die Stammrolle der Stadt Gelsenkirchen eingetragen. Mit großem Kapital konnte das junge Unternehmen nicht ausgestattet werden; die jungen Inhaber besaßen jedoch großes Vertrauen zu ihren handwerklichen Fähigkeiten: Johann erwarb den Meisterbrief des Schlossers bzw. Wilhelm den Brief des Metallformers. So begann man im März 1920 in einer ehemaligen Bäckerei an der Schalker Straße mit der Herstellung von Armaturen und Lagerschalen. Durch den in der Nachkriegszeit stark einsetzenden Wohnungsbau war eine hinreichende Nachfrage gesichert.

Die am 11. Januar 1923 in Gelsenkirchen einmarschierenden französischen Truppen und der durch die Ruhrbesetzung aufflammende passive Widerstand, der viele Zechen und Industrieunternehmen fast zum Erliegen brachte, konnten dem jungen Unternehmen nichts anhaben. Es musste vielmehr eine Ausdehnung der Betriebe geplant werden, da die Räume an der Schalker Straße bald zu klein waren. Man baute auf dem elterlichen Grundstück an der Schlosserstraße eine neue, für die damalige Zeit außerordentlich modern eingerichtete Metallgießerei auf. Dieses Werk florierte, so dass man sich bald nach einem anderen Standort umsehen musste, da an Ort und Stelle keine Erweiterung möglich war. Eine stillgelegte Möbelfabrik in Heßler bot sich als Ansiedlungsgelände an. Die Produktion wurde 1925 zur Haldenstraße verlagert, wo heute noch das Stammwerk samt Verwaltung zu finden ist. Hiermit war in Gelsenkirchen die erste Armaturenfabrik des Ruhrgebietes entstanden. Bald war zu erkennen, dass die Metallwerke die einseitig auf Kohle und Schwerindustrie ausgerichtete Monostruktur der Stadt vorteilhaft auflockerten. Im Zuge des Ausbaues traten auch die jüngeren Brüder Alois, Heinrich und Otto Sen. als Mitarbeiter in den Betrieb ein. An dem Unternehmenskapital wurden alle fünf Brüder zu gleichen Anteilen beteiligt.

Auftrieb erhielt das Werk durch die Herstellung von Armaturen aus Pressmessing.[3] Diese neue Fabrikationsmethode bedeutete eine erhebliche Qualitätsverbesserung. 1929 war die Firma noch einmal von einem Rückschlag bedroht, der dem Unternehmen den Todesstoß hätte versetzen können — das Fabrikgebäude wurde durch ein Großfeuer vernichtet. Doch stand den Firmenchefs eine im Bau befindliche Fabrikhalle zur Verfügung, in der nach kurzer Zeit die Fabrikation wieder anlief. Anschließend entwickelte sich die Verkaufslage so gut, dass die Firma Seppelfricke die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise ohne nennenswerte Beeinträchtigung der Geschäfte überstand. während in Gelsenkirchen ein Drittel der Bevölkerung keine Arbeit hatte. Schon zu Beginn der dreißiger Jahre gehörte das Unternehmen zu den führenden Armaturenfabriken Deutschlands. Die Belegschaft war inzwischen auf 800 Mann angewachsen.

Nachdem der Betrieb an der Haldenstraße keine Erweiterung mehr zuließ, erwarb man Grundstücke und Fabrikgebäude der stillgelegten Blechwarenfabrik Hermann Franken AG in der Nähe des Stadthafens an der jetzigen Kurt-Schumacher-Straße. Der neue Großbetrieb setzte die Erfolge früherer Unternehmungen fort. 1000 Menschen arbeiteten bei Seppelfricke, als durch die Bombardierungen des Zweiten Weltkrieges die Fertigung zum Erliegen kam. Die beiden Anlagen in Schalke und Heßler wurden fast auf ihren Ausgangspunkt zurückgeworfen.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde in den stark zerstörten Werksanlagen mit zunächst 140 Mitarbeitern die Arbeit wieder aufgenommen. Die Ankurbelung des Wohnungsmarktes und der Nachholbedarf nach der Mangelsituation im Kriege führten bald wieder zu einer guten Konjunktur bei Seppelfricke.

Neben der Weiterführung der bewährten Pressmessingarmaturen wurden neue Fertigungsbereiche erschlossen. Während das Werk I in Heßler weiter Armaturen und Metallguss herstellte, spezialisierte sich das Werk II am Stadthafen ab 1946 auf die Fertigung von Heiz- und Kochgeräten. Aufgrund der hohen Qualität der eingebauten Armaturen und der guten Technik fanden diese Erzeugnisse beim Handel und Verbraucher eine günstige Aufnahme. So konnte Seppelfricke vor allem auf dem Gasgerätesektor (Gasherde, Gasheizöfen, Gaskocher) einen hohen Marktanteil erringen. Da sich diese Produkte an Endkunden wandten, konnte der Bekanntheitsgrad der Marke Seppelfricke deutlich gesteigert werden. Mit der Errichtung des Werkes III im Jahre 1949, des Keramikwerkes, wurden die Aktivitäten zusätzlich diversifiziert. In fünf modernen Tunnelöfen von je 110 m Länge wurden Spülsteine, Spültische, Fußwannen, Brausewannen, Urinalanlagen und andere sanitär-keramische Erzeugnisse aus Edelfeuerton und Porzellan gebrannt.

Zu Beginn des Jahres 1955 wurde die Nienborger Metallgießerei GmbH in Nienborg (Kreis Ahaus) als Werk IV in den Firmenverband eingegliedert. Das Werk IV beschäftigt sich mit Gießereierzeugnissen und der Produktion und Bearbeitung von Armaturen. Im Jahre 1970 zählt die Unternehmensgruppe insgesamt 2300 Mitarbeiter. Der Unternehmensgründer Johann Seppelfricke starb schon in den ersten Nachkriegsjahren, als sich das Werk noch mitten im Aufbau befand. Die Geschicke des Unternehmens wurden deshalb in den Folgejahren auf die Generation der Söhne verlagert. So waren im Werk I Hans-Wilhelm Seppelfricke für die Metallgussabteilung, Otto Seppelfricke jun. für die Armaturenherstellung verantwortlich, die Leitung des Herd- und Ofenwerkes lag in den Händen von Aloys Seppelfricke und Werner Seppelfricke. Aloys Seppelfricke erhielt 1988 für sein gesellschaftliches Engagement das Bundesverdienstkreuz. Für das Keramikwerk zeichnete Klaus Seppelfricke verantwortlich.

Gasofen von Seppelfricke

Im Jahr 1994 wurde die Firma Seppelfricke in die drei Geschäftsfelder Armaturen, Metallguss und Heiz- und Küchentechnik aufgegliedert. 1995 übernahm die niederländische Atag Holding N.V. die Sparte Heiz- und Küchentechnik. Gleichzeitig erfolgte damit die Umfirmierung in Seppelfricke Haus- und Küchentechnik GmbH. 1996 wurde die Sparte Armaturen an die Aalberts Industries N.V. verkauft.

2001 wurden die Marke und der Vertrieb von Seppelfricke Haus- und Küchentechnik von der italienischen Antonio Merloni S.p.A. gekauft und in die deutschen Tochtergesellschaften EBD und Foron Hausgeräte GmbH eingegliedert. Daraus entstand im September 2001 die EFS Hausgeräte GmbH mit Sitz in Duisburg (das Kürzel EFS verweist auf die Firmennamen der Stammunternehmen EBD, Foron und Seppelfricke). Im Dezember 2009 meldete die EFS Hausgeräte Insolvenz an.[4] Bis zur Insolvenz von EFS wurden folgende Produkte angeboten: Herde und Backöfen als Einbau- und Standgeräte für Strom und Gas, mit Edelstahl- und Glaskeramikmulden; Dunstabzugshauben; Spülmaschinen und Kühl- und Gefrierschränke (z. T. einbaufähig), Kühl-Gefrierkombinationen. Nachdem zum Ende des Jahres 2020 die Produktion aus Gelsenkirchen verlagert wurde, ist es stiller um die Unternehmerfamilie geworden. Umso erfreulicher ist es, dass die Tradition des Unternehmertums fortgesetzt wird: Der Urenkel der Gründerin, Christian Seppelfricke, führt im Bereich neue Technologien und Märkte in Nürnberg als Gründer und geschäftsführender Gesellschafter die dort ansässigen Seppelfricke GmbH. Sie bedient deutschlandweit Kundenunternehmen in allen Fragen der IT und Telekommunikation. Besonderen Fokus legt man hier auf IT-Sicherheit.

Verbleibende Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bereich Metallguss wird auch heute noch von der Familie Seppelfricke in den beiden Unternehmen Seppelfricke GmbH und Seppelfricke Gießereitechnik GmbH & Co. KG weitergeführt. Die Armaturensparte existiert auch heute noch und stellt Gas-, Heiz- und Trinkwasserarmaturen her. Sie firmiert unter dem Namen Seppelfricke Armaturen GmbH in Gelsenkirchen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.netstudien.de/reichsten-vermoegen-deutschland.htm#.Xh2rLi1oRBw
  2. https://www.waz.de/staedte/gelsenkirchen/vom-hinterhof-auf-den-weltmarkt-id3701934.html
  3. Der Werkstoff Pressmessing, 2013.
  4. Marita Jüngst: EFS meldet Insolvenz an. In: Rheinische Post, 23. Dezember 2009 (kostenpflichtig online).