Sexploitationfilm

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Der Sexploitationfilm ist ein Subgenre des erotischen Exploitationfilms.

Dieser Filmtyp war in den 1960er Jahren in den Vereinigten Staaten populär; vorwiegend die sogenannten, auf B-Movies spezialisierten Grindhouses zeigten solche Filme. In Europa erreichte er in den 1970er Jahren seinen Höhepunkt. Die Lowbudget-Produktionen boten den Zuschauern Softcore-Unterhaltung (Softsex/Softporn in Abgrenzung zu den in dieser Zeit auch legalisierten Hardcore-Pornofilmen), die Erotikeffekte mit simulierten Sexszenen erzeugte.

Geschichte und Historie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge des Genres entwickelten sich in den USA bereits in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg; der Ausdruck als Bezeichnung des Filmtyps wurde aber erst Anfang der 1960er Jahre üblich.[1] Die Entwicklung ging mit der sexuellen Revolution einher, die die Darstellung von und Auseinandersetzung mit Nacktheit und Sex anstrebte.[2] Teil dieser Liberalisierung war das Aufweichen und schließliche Abschaffen des US-amerikanischen Hays Codes.[2] Die in Kinos gezeigten Sexploitationfilme wurden in den USA zu einer Konkurrenz zu billigen 16-mm-Filmen.[3]

Protagonisten und Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Edgar G. Ulmer gilt als der Pate des Genres.[1] Die Regisseure David F. Friedman, Joseph W. Sarno, Radley Metzger und Russ Meyer waren weitere bedeutende Protagonisten.[4] Der mehrfach kopierte Meyer-Film The Immoral Mr. Teas (1959) über einen Mann, der durch Frauenkleider hindurchsehen kann, gilt als wegweisend. Weitere bekannte Filme Meyers waren Lorna (1964, mit gewalttätigen Szenen) und Vixen (1968, in Deutschland unter dem Titel Ohne Gnade – Schätzchen). Das Genre entwickelte sich später zu Filmen, die bestimmte Sujets aufgriffen, wie den Aufenthalt von Frauen in Gefängnissen (Frauengefängnisfilme), oder Erlebnisse von Cheerleadern.[2] Ein weiteres Subgenre bedienten Sexploitationfilme mit Nazi-Themen, Naziploitation genannt, wie die Don Edmonds-Produktion Ilsa, She Wolf of the SS.[5]

Deutschland und weltweit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wurde der Sexploitationfilm ab Ende der 1960er Jahre eine wichtige Einnahmequelle in den Kinos. 1971 waren die ersten zwei Teile des Schulmädchen-Reports und der erste Teil des Hausfrauen-Reports (Genre: Report-Filme) die drei erfolgreichsten Kinofilme des Jahres.[6] Der Höhepunkt wurde Mitte der 1970er Jahre erreicht; zu dem Zeitpunkt fielen rund die Hälfte aller deutschen Filmproduktionen unter das Genre.[6] Eine besonders populäre Ausprägung des Sexploitationfilms in Deutschland waren die sogenannten Lederhosenfilme. Die in den 1970er Jahren in Europa beliebten Nudistenfilme gelten ebenfalls als Subgenre des Sexploitationfilms. In Frankreich und Italien entstanden Filme wie die Fortsetzungsreihe um Emmanuelle. In den 1990er Jahren waren in Japan auch Horrorfilme mit Sexszenen populär, die ebenfalls zu den Sexploitationfilmen gerechnet werden.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sexploitationfilm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Christopher Justice, Edgar J. Ulmer: The Godfather of Sexploitation, in: Gary Rhodes, Edgar G. Ulmer: Detour on Poverty Row, ISBN 978-0-7391-2568-7, Rowman & Littlefield, 2009, S. 25ff., in Englisch
  2. a b c Annette Kuhn und Guy Westwell, A Dictionary of Film Studies, ISBN 978-0-19-103465-7, S. 150, in Englisch
  3. Eric Schaefer, Gauging a Revolution: 16 mm Film and the Rise of the Pornographic feature, in: Linda Williams (Hrsg.), Porn Studies, ISBN 978-0-8223-3312-8, Duke University Press, 2004, S. 372, in Englisch
  4. David Chute, Wages of Sin (I), Film comment, 1986, in einer Fussnote bei: David K. Frasier, IX. Sexploitation, in: Russ Meyer, The Life and Films: A Biography and a Comprehensive, Illustrated and Annotated Filmography and Bibliography, McFarland, 1997, ISBN 978-0-7864-8063-0, S. 66
  5. Steffen Hantke, Caligari's Heirs: The German Cinema of Fear After 1945, ISBN 978-0-8108-5878-7, Scarecrow Press, 2007, in Englisch
  6. a b Harald Steinwender und Alexander Zahlten, Sexploitation films from West Germany, in: Terri Ginsberg und Andrea Mensch, A Companion to German Cinema, ISBN 978-1-4051-9436-5, John Wiley & Sons, 2012, S. 289, in Englisch
  7. Max Pechmann, J-Horror und K-Horror oder das Andere im asiatischen Horrorkino, in: Michael Dellwing und Martin Harbusch, Vergemeinschaftung in Zeiten der Zombie-Apokalypse: Gesellschaftskonstruktionen am fantastischen Anderen, ISBN 978-3-658-01722-4, Springer-Verlag, 2014, S. 316