Siegfried Prütz

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Geländer an der Löwenbastion in Hannover
Geländer an der Löwenbastion in Hannover, Detail
Leuchten am Eingang der Handwerkskammer in Lüneburg (1932)
Sonnenuhr in Planten un Blomen, Hamburg (1935)

Siegfried Prütz (* 21. April 1900 in Kiel; † 7. Mai 1939 in Baden-Baden)[1][2] war ein deutscher Kunstschmied, Maler, Mitbegründer der Kunsthandwerkergenossenschaft Gildenhall bei Neuruppin und Professor an der Kunstgewerbeschule Hannover.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Alter von 23 Jahren war Siegfried Prütz Mitbegründer der Kunsthandwerkergenossenschaft Gildenhall. Die Weltwirtschaftskrise beendete das historische Projekt Gildenhall 1929. Im selben Jahr wurde er Professor für Metallgestaltung an der Kunstgewerbeschule in Hannover.

Zu seinen öffentlichen Schmiedearbeiten gehört das Bastionsgeländer mit verspielten Motiven an der sogenannten Löwenbastion am Maschsee in Hannover, das um 1934 bis 1936 errichtet wurde. Es steht im Gegensatz zu den Löwenskulpturen von Arno Breker, die 1938 aufgestellt wurden.[2][3] Die Schmiedearbeiten von Prütz genossen insbesondere bei den Machthabern des Nationalsozialismus hohes Ansehen, was zahlreiche staatliche und kommunale Aufträge zur Folge hatte.[4]

Als Siegfried Prütz mit 39 Jahren starb, hinterließ er seiner Familie ein Erbe, das aus zahlreichen Schmiedestücken und vielen Arbeitsentwürfen bestand. Im Nachlass seiner Frau fanden sich 2005 bisher unbekannte kleinformatige Bilder, einige nur wenig größer als 10 × 10 Zentimeter, mit Pastellkreide koloriert und zum Teil auf Butterbrotpapier gezeichnet, da die finanziellen Möglichkeiten damals beschränkt waren. Gezeichnet hat Siegfried Prütz Motive aus der Natur; sie ähneln im Stil den Kunstschmiedeobjekten. In einigen Bildern hat Prütz den Zug der Regenpfeifer von ihrem Winterquartier in Afrika bis zur Tundra nachempfunden. Sein Sohn Jobst-Hinrich Prütz vermutet, dass Bengt Berg, ein Pionier der Tierfotografie, seinen Vater inspiriert hat. Bergs Buch, Der Zug der Regenpfeifer, 1925 in deutscher Sprache erschienen, habe seine Eltern und auch ihn selbst begeistert.

Im September 2010 wurde das Buch mit dem Titel Es heißt, die Hummel kann nicht fliegen im Kulturbahnhof in Neuenkirchen-Vörden mit Bildern von Siegfried Prütz und Texten des Sohnes vorgestellt. Auch seine Originalbilder waren im Kulturbahnhof zu sehen.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aufbau durch Laienschaffen, Hrsg. von der Deutschen Arbeitsfront, NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“, Jänecke, Hannover, 1938.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Es heißt, die Hummel kann nicht fliegen. Bilder & Gedichte. Bilder von Siegried Prütz, Texte von Jobst-Hinrich Prütz. edition Moby, Neuenkirchen-Vörden 2010, ISBN 978-3-00-030982-3
  • Kristina Bake: Die Freiland-Siedlung Gildenhall. Kunsthandwerk, Lebensreform, Sozialutopie. Europäische Hochschulschriften, Kunstgeschichte, Bd. 384, Peter Lang Verlag, Frankfurt/M. 2001
  • Hellmut Mebes: Siegfried Prütz, der Schmiedemeister und Handwerkspfleger. Ulrich Riemerschmidt, Berlin 1940

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Siegfried Prütz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siegfried Prütz, www.alsatica.eu, abgerufen am 25. September 2011
  2. a b Siegfried Prütz bei schmiedeschatz.de
  3. Der Maschsee vor ca. 70 Jahren, www.myheimat.de, Abbildung des Geländers und der Löwen, abgerufen am 26. September 2011
  4. Alfred Rosenberg (Hrsg.): Nationalsozialistische Monatshefte, Band 13, Ausgabe 1, Zentralverlag der NSDAP, Berlin, 1942, S. 332.