Siegfried de Rachewiltz

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Siegfried de Rachewiltz (* 8. April 1947 in Meran) ist ein Ethnologe, Kulturhistoriker und Schriftsteller aus Südtirol.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn von Boris und Mary de Rachewiltz wuchs auf der Brunnenburg auf und besuchte das Humanistische Gymnasium „Beda Weber“ in Meran. Nach dem Erwerb eines Bachelor of Arts an der Rutgers University absolvierte er ein Studium der Sprach- und Literaturwissenschaften (laurea in Lingue e Letterature Straniere) an der Universität Urbino, das er 1973 mit einer Arbeit über die „Cantos“ seines Großvaters Ezra Pound zum Abschluss brachte. 1974 gründete de Rachewiltz mit Peter Lloyd und Franz Haller das Landwirtschaftsmuseum Brunnenburg. 1983 reichte er an der Harvard University eine komparatistische Dissertation über den Mythos der Sirenen ein, mit der er zum Ph.D. avancierte.

Ab 1981 arbeitete er im Auftrag des Landesdenkmalamtes an der Inventarisierung und Unterschutzstellung der bäuerlichen Baudenkmäler Südtirols. Mit Leander Petzoldt rief er 1984 die Brunnenburger Symposien zur Volkserzählung ins Leben. Von 1991 bis 2014 war er Direktor des Südtiroler Landesmuseums für Kultur- und Landesgeschichte auf Schloss Tirol.[1][2] In den 1990er Jahren war de Rachewiltz Kulturreferent des Südtiroler Schützenbundes.[3] 2002 erlangte er an der Universität Innsbruck seine Habilitation in Europäischer Ethnologie.

De Rachewiltz ist Autor zahlreicher Publikationen zu Volkskunde und Kulturgeschichte und veröffentlichte eigene Lyrik. Er ist Besitzer der Burg Tschenglsberg.

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Glossar der Tiroler Bauerngeräte, hrsg. mit Peter Lloyd et al., Meran, 1972.
  • Brot im südlichen Tirol. Arunda 8, Schlanders 1980
  • De Sirenibus. An Inquiry into Sirens from Homer to Shakespeare. Harvard Dissertations in Comparative Literature, Garland Press, New York/London 1987, ISBN 0-8240-8426-8.
  • Kastanien im südlichen Tirol. Arunda 33, Schlanders 1992.
  • Transumanza. Weideplätze wechseln, hrsg. mit Roberto Togni, Bozen 1994, ISBN 3-900521-39-5
  • Speck aus Südtirol. Ein Beitrag zur Nahrungsgeschichte Tirols. Bozen 1995.
  • Kommunikation und Mobilität im Mittelalter: Begegnungen zwischen dem Süden und der Mitte Europas (11.–14. Jahrhundert). Hrsg. mit Josef Riedmann. Verlag Jan Thorbecke, Sigmaringen 1995. ISBN 3-7995-5480-7
  • Joseph Ennemoser. Leben und Werk des Freiheitskämpfers, Mediziners und Magnetiseurs (1787–1854). Innsbruck-Wien 2010, ISBN 978-3-85218-606-1
  • Trank, essen, wein und brot… (Kl 14,1-2). Zur Ess- und Trinkkultur auf Hauenstein. In: Oswald von Wolkenstein. Leben-Werk-Rezeption, hrsg. von Ulrich Müller und Margarete Springeth, Berlin/New York 2011. ISBN 978-3-11-020782-8, S. 51–63.
  • Der Kampf um die Emanzipation in den Besucherbüchern Schloss Tirols. In: „Zachor – vergiss nicht“. Jüdische Lebensbilder in Tirol im 19. und 20. Jahrhundert, Schloss Tirol 2012, ISBN 978-88-7073-708-0
  • www.flick-werk.net. Flicken und Wiederverwerten im historischen Tirol, hrsg. gem. mit A. Rauchegger, Meran 2014, ISBN 978-88-940258-1-1
  • Papaver. Mohn. Der Mohn in Mythologie, Volksmedizin, Speise- und Sachkultur Tirols, hrsg. mit A. Rauchegger und Christiane Ganner, Meran 2015, ISBN 978-88-940258-2-8
  • Auf den Spuren der Sirenen in Südtirol. In: Leander Moroder, Hannes Obermair, Patrick Rina (Hrsg.): Lektüren und Relektüren – Leggere, riflettere e rileggere – Nrescides letereres y letures critiches. Studia Prof. Ulrike Kindl septuagenariae die XVI mensis Oct. anni MMXXI dicata. Istitut Ladin Micurá de Rü, San Martin de Tor 2021. ISBN 978-88-8171-141-3, S. 179–200.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eugen Thurnher (Hrsg.): Südtirol im deutschen Gedicht. Landschaft und Schicksal. Bozen: Athesia 2003, S. 161.
  • Paul Wimmer: Wegweiser durch die Literatur Tirols seit 1945. Darmstadt: Bläschke 1978, S. 183–185.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siegfried de Rachewiltz, Eintrag im Lexikon Literatur in Tirol des Forschungsinstituts Brenner-Archiv, abgerufen am 30. Januar 2016
  2. Spielwiese für den Geist, Bericht der Südtiroler Tourismus Information (Memento des Originals vom 30. Januar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.suedtirol.info, abgerufen am 30. Januar 2016
  3. S. de Rachewiltz: „Wir müssen unsere geistigen Sensen dengeln…“, 24. Nov. 2015