Simon Oberdorfer

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Gedenktafel für Oberdorfer an der Gaststätte Kneitinger, in unmittelbarer Nachbarschaft des Velodroms
Tafel über Oberdorfer und die Geschichte des Gebäudes am Velodrom
Stolpersteine für das Ehepaar Oberdorfer und den Schwager Julius Springer

Simon Oberdorfer (* 9. März 1872 in Regensburg; † 30. April 1943 in Sobibor) war ein Regensburger jüdischer Kaufmann und Kunstradfahrer, der von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Oberdorfer war der Erbauer und Impresario des Regensburger "Velodroms", das nach seiner Zweitnutzung als Kino und jahrelangem Leerstand durch Bürgerengagement vor dem Abriss gerettet, von 1990 bis 1996 saniert wurde und seitdem als Spielstätte des Theaters Regensburg genutzt wird.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberdorfer eröffnete 1898 am Regensburger Arnulfsplatz einen innovativen Stahlträger-Saalbau mit stützenloser Dachkonstruktion und umlaufenden, von kannelierten Säulen getragenen Balkonen namens "Velodrom", mit 25 x 35 m seinerzeit der größte Saalbau in Regensburg. Oberdorfer war selbst Kunstradfahrer und führte im Velodrom selbst damals sehr beliebte Rad-Kunststücke vor. Bald wurde der Saal auch als Bühne und Versammlungsort beliebt, wo sich auch Sozialdemokraten versammeln konnten, denen sonst in der klerikal-konservativen Stadt kein Saal zur Verfügung gestellt wurde. 1904 hielt hier Georg von Vollmar vor 1300 Zuhörern eine viel beachtete Rede.[1] 1929 baute Oberdorfer das Velodrom zum "Capitol-Kino" um. Oberdorfer, umgangssprachlich "Simmerl" genannt, war zu seiner Zeit ein "hochgeachteter und populärer" Geschäftsmann; er war Gründer des "Radlervereins Wanderer" und gewann Preise als Kunstradfahrer. Neben dem Betrieb des Velodroms handelte er mit Fahrrädern.

Flucht und Ermordung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1939 floh er gemeinsam mit seiner Frau Hedwig Oberdorfer (* 1878, geborene Springer) und seinem Schwager Julius Springer zunächst auf dem Flüchtlingsschiff St. Louis, dessen Flüchtlinge in Havanna nicht von Bord gelassen wurden. Schließlich gelangten sie in die Niederlande und lebten bis 1943 in Naarden bei Amsterdam. Im April 1943 wurde Oberdorfer gemeinsam mit seinen Verwandten in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort am 30. April 1943 ermordet.

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Regensburg erinnern heute zwei Gedenktafeln an Oberdorfer, eine direkt am Velodrom, das heute ein Teil des Theaters ist, eine an der Gaststätte Kneitinger, hinter der das Velodrom liegt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Schießl: Simon Oberdorfers Velodrom : Auf den Spuren eines Regensburger Bürgers. 2. Auflage. 1998, ISBN 3-9807028-4-7.
  • Christiane Bartosch: Das Velodrom : die Geschichte eines Regensburger Gebäudes. (Hrsg. vom Planungs- und Baureferat der Stadt Regensburg), Stadt Regensburg, Planungs- und Baureferat, Regensburg 2000, DNB 959253645.
  • Susanne Hansch: Varieté-Tänzerinnen, Salon-Humoristen und Excentric-Radfahrer. das Regensburger Varieté-Theater Velodrom. Edition Vulpes, Regensburg 2000, ISBN 3-9807028-1-2. (Studien zur Regensburger Stadtkultur, Band 1, zugleich: Regensburg, Univ., Magisterarbeit, 1993)
  • Joseph Berlinger: Hoffnung Havanna. Die Odysse des Regensburger Kunstradfahrers Simon Oberdorfer. LOhrBär-Verlag, Regensburg 2007, ISBN 978-3-939529-02-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Bauer: Regensburg Kunst- Kultur- und Alltagsgeschichte. 6. Auflage. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 411.