Skagen-Maler

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P. S. Krøyer: Beim Essen, 1883. Die Skagen-Maler in geselliger Runde.
Brøndums Speisesaal mit den Künstlerporträts der „Tafelrunde“.
Wird er es schaffen?, um 1880 (Ausschnitt). Michael Anchers Durchbruchswerk.
Oscar Björck: Ein Notschuss, 1883.
P. S. Krøyer: Hip, Hip, Hurra!, 1888 (Göteborgs konstmuseum)
Michael Ancher: Der Ertrunkene, 1896.
Anna Ancher: Sonnenschein in der blauen Stube, 1891.
P. S. Krøyer: Sommerabend am Südstrand, 1893.
Laurits Tuxen: Spaziergänger am Strand von Skagen, 1922.

Die Skagen-Maler (dänisch Skagensmalerne) bildeten im Fischerort Skagen Dänemarks bekannteste Künstlerkolonie, die ihre Blütezeit in den 1880er Jahren erlebte. Die Künstler aus Dänemark, Norwegen und Schweden suchten Arbeitsbedingungen und Ausdrucksformen, die einen Bruch mit der akademischen Kunstauffassung bedeuteten. Ihre Kunst sollte realistischer, „wahrer“ sein als früher. Sie schätzten die Freiluftmalerei und orientierten sich am französischen Realismus und Naturalismus.

Skagens Natur bot ihnen völlig neue Motive. Statt wogender Weizenfelder, lieblicher Seen und majestätischer Buchenwälder, die die nationalromantische Schule zu einem Sinnbild dänischer Identität gemacht hatte, rückten nun karge Heideflächen, Dünen und stürmische Strandszenen ins Blickfeld. Die geografische Lage Skagens, hoch im Norden und umgeben vom Meer, sorgte in den Sommermonaten für ein besonderes Licht. Die Skagen-Maler schilderten das harte Leben der örtlichen Bevölkerung, der Fischer und Kleinbauern.

Das sommerliche Beisammensein der Künstler förderte die gegenseitige Inspiration, den Austausch, Freundschaften und einen gesunden Wettstreit. Ein formales Programm stellte die Gruppe allerdings nie auf. Einige Maler näherten sich dem Impressionismus an. Auf der Pariser Weltausstellung 1889 ernteten die Arbeiten aus Skagen internationale Anerkennung. Bereits in den 1890er Jahren geriet die Skagener Kunstauffassung jedoch in die Defensive, der Symbolismus forderte „seelische Tiefe“ ein, Phantastisches, Unerklärliches. In den 1930er Jahren verebbte der Einfluss Skagens auf die Malerei.

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Künstlern wurde Skagen bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgesucht. Steen Steensen Blicher (1839) und Hans Christian Andersen (1859) entdeckten den Ort literarisch. Der norwegisch-stämmige Maler Martinus Rørbye (1803–1848) kam hierher und zeigte 1834 eine erste Strandstudie in Kopenhagens Kunsthalle Charlottenborg. Erst 1847 sollte er nach Skagen zurückkehren. In den folgenden Jahren betätigten sich vor allem Marinemaler am Ort, sie blieben nur kurz, ohne sich fester an Skagen zu binden.

Blüte und Niedergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1874 kam der Bornholmer Michael Ancher, damals Schüler an der Kopenhagener Kunstakademie, auf Einladung von Karl Madsen (1855–1938) nach Skagen. Michael Ancher fand nicht nur die Motive, die er gesucht hatte, sondern verliebte sich auch in die Tochter seiner Gastwirte, Anna Brøndum. 1875 kehrten Madsen und Ancher in Begleitung von Viggo Johansen nach Skagen zurück. Alle drei verlobten sich: Michael mit Anna, Karl und Viggo mit zwei ihrer Cousinen. Auch Anna Ancher ließ sich zur Malerin ausbilden und wurde als gleichwertige Kollegin in der Männerrunde anerkannt.

Den Sammelpunkt der Künstlerkolonie bildete Brøndums Hotel im Ortsteil Østerby. Ane und Erik Brøndum betrieben den Gasthof mit Kaufmannsladen und Schankstube seit 1859. 1879 hatte sich Michael Ancher fest in Skagen niedergelassen, Karl Madsen kehrte stark beeindruckt aus dem französischen Barbizon zurück. Zu ihnen gesellten sich Christian Krohg, Frits Thaulow, Wilhelm von Gegerfelt (1844–1920), Holger Drachmann und der deutsche Landschaftsmaler Julius Runge (1843–1922).

1882 stieß Peder Severin Krøyer dazu, der die Künstlergruppe international berühmt machen sollte. Oscar Björck kam ebenfalls 1882. Das folgende Jahr 1883 wurde zum Kulminationspunkt der Künstlergemeinschaft, die in zahlreichen Bildern verewigt worden sind. Arbeiten wie Krøyers Hip, Hip, Hurra! (1884/88) und Michael Anchers Eine Kindertaufe (1883/88) hatten eine Entstehungszeit von mehreren Jahren, weil die porträtierten Freunde nur wenig Gelegenheit zum Modellsitzen hatten. 1884 war im Künstlerkreis auch der Kieler Marinemaler Fritz Stoltenberg zu finden.

In den 1890er Jahren nahm die Intimität des Freundeskreises ab, während Skagen von der Kopenhagener Gesellschaft, sogar der königlichen Familie, als Urlaubsort angenommen wurde. Der Fischerort veränderte sein Gesicht. In dieser Periode entstanden Krøyers Bilder, die heute – hunderttausendfach reproduziert – zu Ikonen der Skagen-Malerei geworden sind. 1895 bezog er mit seiner Frau Marie die alte Stadtvogt-Wohnung (heute Sitz von Naturstyrelsen Vendsyssel), doch die Ehe geriet zusehends in eine Krise. Peder Severin kämpfte ab 1900 gegen eine Psychose, Marie ließ sich 1905 scheiden und lebte mit dem schwedischen Komponisten Hugo Alfvén zusammen.

Künstler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorläufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die eigentlichen Skagen-Maler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nachwuchs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätere Maler in Skagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skagens Museum, 1996.
Das Haus von Michael und Anna Ancher, 2007.

Skagens Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skagens Museum wurde am 20. Oktober 1908 in Brøndums Speisesaal gegründet. Im Gründungsvorstand saßen der Apotheker Victor Christian Klæbel, Degn Brøndum (Anna Anchers Bruder) und die Maler Michael Ancher, P. S. Krøyer und Laurits Tuxen. Es sollten Kunstwerke der Skagen-Maler zusammengetragen und Spenden gesammelt werden, um ein Ausstellungsgebäude zu errichten. Drei Sommer lang stellten die Maler in Skagens Technikum aus, nach P. S. Krøyers Tod 1909 in dessen Haus im Skagener Wald. 1919 schenkte Degn Brøndum dem Museum seinen Hotelgarten, so dass 1926 nach Plänen des Architekten Ulrik Plesner ein Museum gebaut werden konnte. Neben Brøndum beteiligten sich Laurits Tuxen und die Stiftung Ny Carlsbergfondet finanziell. Am 22. September 1928 eröffnete die Ausstellung. Die Sammlung umfasste bereits über 300 Werke.

Das Museum wurde seitdem mehrfach erweitert, zuletzt 2014/15. Die Sammlung birgt heute über 1.900 Kunstwerke.

Michael & Anna Anchers Hus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Künstlerpaar erwarb das Haus 1884. 1913 ließen sie von Ulrik Plesner ein Atelier anbauen. Die Tochter und Malerin Helga Ancher überführte das Anwesen 1964 testamentarisch in eine Stiftung. Das Haus mit Gemälden und komplett erhaltenem Interieur wurde restauriert und 1967 als Museum eröffnet. Der Nachbarhof der Familie Saxild wurde hinzugekauft und für Ausstellungen umgebaut.

Drachmanns Hus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1902 ließ sich der weitgereiste Holger Drachmann in Skagen nieder und kaufte ein Haus nahe am Skagener Wald. Das Fachwerkhaus von 1828 wurde um einen großen Atelierraum vergrößert und „Pax“ getauft. Nach fast 30 Jahren als Dichter wandte sich Drachmann wieder der Malerei zu. Seine dritte Ehefrau Soffi Drewsen verkaufte das Haus 1910 an ein Komitee von Drachmann-Freunden. Seit 1911 sind Haus, Originalinventar und Gemälde für die Öffentlichkeit zugänglich.

Den Hirschsprungske Samling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sammlung Hirschsprung in Kopenhagen wurde 1911 als Dokumentationszentrum für die dänische Kunst des 19. Jahrhunderts gegründet. Neben wertvollen Gemälden verfügt sie über zahlreiche Studien und Skizzen von Skagen-Malern und einen umfangreichen Briefwechsel mit P. S. Krøyer.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elisabeth Fabritius: Das Dänemark der Künstlerkolonien. Die Skagen-Maler, die fünischen Maler, die Bornholmer Maler, die Odsherred-Maler. Kunstnerkoloniernes Danmark, o.O. 2007, ISBN 978-87-88686-42-5. S. 11-47.
  • Knud Voss: Maler des Lichts. Nordische Kunst auf Skagen. Kunstverlag, Weingarten 1987, ISBN 3-8170-2011-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Skagen-Maler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 57° 43′ 30″ N, 10° 35′ 54″ O