Sophie Lazarsfeld

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Sofie (Sophie) Lazarsfeld (geb. Munk; * 26. Mai 1882 in Troppau/Schlesien; † 24. September 1976 in New York City, USA) war eine österreichische Individualpsychologin. Sie war Schülerin von Alfred Adler, später selber in der individualpsychologischen Praxis und Ausbildung tätig und veröffentlichte zahlreiche Schriften zu Ehe, Familie, Erziehung und Sexualität. Sophie Lazarsfeld ist die Mutter des Soziologen Paul Felix Lazarsfeld.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sophie Lazarsfeld war mit dem Anwalt Robert Lazarsfeld verheiratet. Ihr Sohn Paul Felix kam im Jahr 1901 zur Welt, im Jahr 1903 die Tochter Elizabeth Henriette. Sie war sozial engagiert und setzte sich vor allem für Frauenfragen ein. In ihrem Salon trafen sich die führenden Intellektuellen der österreichischen Sozialdemokratie.

In den 1920er Jahren lernte sie den Kreis von Alfred Adler kennen und machte dort eine Ausbildung in Individualpsychologie. Sie arbeitete danach als individualpsychologische Erziehungsberaterin und Eheberaterin und hielt Vorträge und Seminare. Sie führte eine private Praxis für Ehe-, Familien- und Sexualberatungen. Ab 1926 publizierte sie die Buchreihe Richtige Lebensführung, in der Erziehungsfragen aus individualpsychologischer Sicht allgemein verständlich dargestellt wurden. Sie engagierte sich im Verein für Individualpsychologie und hielt Vorträge.

1926/27 wurde sie Leiterin einer individualpsychologischen Ehe- und Sexualberatungsstelle. Von 1932 bis 1934 leitete sie Ausbildungs- u. Einführungskurse in Individualpsychologie und hielt Vorträge im In- und Ausland (Berlin, Zürich, Magdeburg, Brünn und Pressburg). 1932 organisierte sie eine individualpsychologische Sommerschule auf dem Semmering. 1934 kam es zu einer Verhaftung als angebliche politische Aktivistin. 1937 gründete sie mit den in Österreich verbliebenen Individualpsychologen den Klub der Freunde der Individualpsychologie. Sie betätigte sich auch als Referentin der sozialdemokratischen Kunststelle.

1938 war sie zur Emigration nach Frankreich gezwungen. In Paris nahm sie mit der Auslandsvertretung der Sozialdemokraten Kontakt auf. 1941 emigrierte sie in die USA. In New York engagierte sie sich in der Individual Psychology Association und war zeitweise deren Vizepräsidentin. Sie führte weiterhin psychologische Beratungen durch, hielt Vorträge und publizierte in Fachzeitschriften.

Erinnerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2011 wurde in Wien Simmering (11. Bezirk) die Sofie-Lazarsfeld-Straße nach ihr benannt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elternbuch. 1927.
  • Sexuelle Erziehung. 1931.
  • Die Menschheit im Spiegel der Dichtung. 1950.
  • Erotisches Gedächtnis und erotische Träume. Neue Betätigungsziele der Individualpsychologie. In: Internationale Zeitschrift für Individualpsychologie. (im Folgenden: IZI) 3, 1924, S. 31–33.
  • Mut zur Unvollkommenheit. In: IZI. 4, 1926, S. 375–381.
  • Vom häuslichen Frieden. In: Sophie Lazarsfeld (Hrsg.): Richtige Lebensführung. Wien/ Leipzig 1926.
  • Familien- oder Gemeinschaftserziehung. In: Erwin Wexberg (Hrsg.): Handbuch der Individualpsychologie. Bd. 1, München 1926. (Nachdruck: E.J. Bonset, Amsterdam 1966, S. 323–335)
  • Kleists Penthesilea. In: IZI. 5, 1927, 450-457.
  • Kleist im Lichte der Individualpsychologie. In: Jahrbuch der Kleistgesellschaft. Berlin 1927.
  • Das lügenhafte Kind. Dresden 1927.
  • Die Ehe von heute und morgen. München 1928.
  • Erziehung zur Ehe. Wien 1928.
  • Technik der Erziehung. Leipzig 1928.
  • Sexuelle Fälle in der Erziehungsberatung. In: IZI. 7, 1929, S. 220–224.
  • Über Eheberatung. Beratungstechnik und Selbsterziehung. In: IZI. 8, 1930, S. 160–164.
  • Wie die Frau den Mann erlebt. Leipzig 1931.
  • Zehn Jahre Wiener Beratungsstellenarbeit. In: Z. Kinderforsch. 39, 1931, S. 68–80.
  • Sexual cases of child guidance clinics. In: International Journal of Individual Psychology. (im Folgenden: IJIP) 1/4, 1935, S. 40–46.
  • Jarl Skules Weg zu Gott. Ibsens Kronprätendenten. In: IZI. 14, 1936, S. 176–191.
  • Dare to be less than perfect. In: IJIP. 2/2, 1936, S. 76–82.
  • Did Oedipus have an Oedipus complex? In: K.A. Adler, Danica Deutsch (Hrsg.): Essays in Individual Psychology. New York 1995, S. 118–125.
  • Organ inferiority and criminology. In: Individual Psychology Bulletin. (im Folgenden: IPB) 4, 1944-45, S. 88–90.
  • The use of fiction in psychotherapy. In: Amer. J. Psychother. 3, 1949, S. 26–33.
  • Le rhythme de l´amour. Paris 1950.
  • Le coin de rire. In: Individual Psychology News Letter (IPNL) 17, 1966, S. 6.
  • The courage for imperfection. In: JIP. 22, 1966, S. 163–165.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Clara Kenner: Sofie Lazarsfeld. In: Brigitta Keintzel, Ilse Korotin (Hrsg.): Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben Werk, Wirken. Verlag Böhlau, Wien/ Köln 2002, ISBN 3-205-99467-1.
  • Clara Kenner: Sophie Lazarsfeld. In: Clara Kenner: Der zerrissene Himmel - Emigration und Exil der Wiener Individualpsychologie. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-45320-9.
  • Susanne Blumesberger, Michael Doppelhofer, Gabriele Mauthe: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft. 18. bis 20. Jahrhundert. Hg. Österreichische Nationalbibliothek, Verlag K. G. Saur, München 2002, ISBN 3-598-11545-8.
  • Bernhard Handlbauer: Psychoanalytikerinnen und Individualpsychologinnen im Roten Wien. In: Doris Ingrisch, Ilse Korotin, Charlotte Zwiauer (Hrsg.): Die Revolutionierung des Alltags. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-631-39796-8.
  • Martina Siems: Sofie Lazarsfeld - Die Wiederentdeckung einer individualpsychologischen Pionierin. V&R Unipress, Göttingen 2015, ISBN 978-3-8471-0360-8. E-Book: ISBN 978-3-8470-0360-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]