Sonderabteilung Einsatz R

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Die Sonderabteilung Einsatz R (R steht für Reinhardt), auch als Einsatz R, Aktion R oder Abteilung R bezeichnet, war eine eigenständige Abteilung des SS- und Polizeiapparates in der Operationszone Adriatisches Küstenland. Sie unterstand dem „Höheren SS- und PolizeiführerOdilo Globocnik, der seinen Dienstsitz in Triest hatte.

Entstehung[Bearbeiten]

Im Zuge der Beendigung der „Aktion Reinhardt“ wurde Globocnik Mitte September 1943 nach Triest in den adriatischen Küstenraum versetzt. Mit ihm kam Personal aus seiner früheren Dienststelle als SS- und Polizeiführer in Lublin (16 SS-Männer) und seiner darauffolgenden Tätigkeit als Leiter der „Aktion Reinhardt“ (6 Personen). Nachdem die Vernichtungslager Sobibor und Treblinka der Aktion Reinhardt aufgelöst und abgewickelt waren (Belzec wurde schon im Frühjahr 1943 aufgelöst), kam Ende 1943 zudem der Großteil des Personals der „Aktion Reinhardt“ in den adriatischen Küstenraum. Die Sonderabteilung wurde, wie schon zuvor die „Aktion Reinhardt“, der Dienststelle des Höheren SS- und Polizeiführers angegliedert, von Globocnik geleitet und unterstand dem Befehl von Christian Wirth. Nach dem Tode Wirths im Mai 1944 leitete Gottlieb Hering kurzzeitig diese Sonderabteilung, bis er von Dietrich Allers abgelöst wurde.

Auftrag[Bearbeiten]

Analog zur „Aktion Reinhardt“ hatte diese Sonderabteilung, programmatisch als auch personell, die Aufgabe der „Judendeportation und –vernichtung“ sowie der Konfiszierung des jüdischen Vermögens. Weitere Aufgaben bestanden in der Verfolgung von politischen Gegnern und zunehmend in der Partisanenbekämpfung. Der Befehlshaber als auch die Kommandeure der Einheiten dieser Sonderabteilung waren alle Lagerkommandanten der Vernichtungslager der „Aktion Reinhardt“, so Wirth (Belzec), Hering (Belzec), Stangl (Treblinka) und Reichleitner (Sobibor). In dem Konzentrationslager Risiera di San Sabba bei Triest, einer ehemaligen Reismühle, wurden bis zu 5.000 jüdische Häftlinge und Partisanen ermordet. Allein aus Triest wurden 837 Juden mit mehreren Transporten in das KZ Auschwitz deportiert.

Organisation[Bearbeiten]

Einheit Kommandeur Personalwechsel Besonderheiten
R I Triest Gottlieb Hering Nach dem Tode Wirths zwischenzeitliche Vertretung von Hering von Frühjahr bis Juli 1944 Josef Oberhauser in den Zuständigkeitsbereich dieser Einheit fiel auch das Konzentrationslager Risiera di San Sabba bei Triest
R II Fiume Franz Reichleitner Nach dem Tode Reichleitners am 3. Januar 1944 Franz Stangl bis Mai/Juni 1944
R III Udine Franz Stangl nach dem Wechsel Stangls zur Einheit R II Fritz Küttner, danach ab Mitte 1944 Paul Arthur Walther, zuletzt Helmut Fischer mit Außenstelle Castelnuovo d‘Istria
R IV Mestre Franz Stangl seit Mitte 1944 – November 1944 mit Außenstelle Venedig

Kriegsende[Bearbeiten]

Im Zuge des nahenden Kriegsendes zogen sich Ende April 1945 die Einheiten der Sonderabteilung aus Norditalien nach Deutschland zurück.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Wedekind: Nationalsozialistische Besatzungs- und Annexionspolitik in Norditalien 1943 bis 1945. Die Operationszonen „Alpenvorland“ und „Adriatisches Küstenland“ (= Militärgeschichtliche Studien 38). Herausgegeben vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt. R. Oldenbourg Verlag, München 2003, ISBN 3-486-56650-4 (Zugleich: Münster, Univ., Diss., 1996).
  • Ernst Klee: Was sie taten – Was sie wurden. Ärzte, Juristen und andere Beteiligte am Kranken- oder Judenmord (= Fischer-Taschenbücher 4364). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-596-24364-5.
  • Franciszek Piper: Die Zahl der Opfer von Auschwitz. Aufgrund der Quellen und der Erträge der Forschung 1945 bis 1990. Verlag Staatliches Museum, Oświęcim 1993, ISBN 83-85047-17-4.