Sopwith Dolphin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Sopwith Dolphin
Sopwith F.1 Camel
Sopwith 5F.1 „Dolphin“
Typ: Jagdflugzeug
Entwurfsland:

Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich

Hersteller:

Sopwith Aviation Company

Erstflug:

23. Mai 1917

Indienststellung:

Februar 1918

Stückzahl:

2072[1]

Die Sopwith 5F.1 Dolphin war ein einsitziges Doppeldecker-Jagdflugzeug des britischen Herstellers Sopwith im Ersten Weltkrieg.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 1917 begann Herbert Smith, Chefingenieur bei der Sopwith Aviation Co., unter der Bezeichnung 5F.1 einen einsitzigen Kampfdoppeldecker mit dem 200 PS Hispano-Suiza 8B.[2] zu entwickeln. Da die obere Tragfläche geteilt ausgeführt war, und die beiden Teile seitlich an einer Stahlverstrebung aufgehängt waren, bekam der Pilot eine ausgezeichnete Sicht nach oben. Um den Schwerpunkt auszubalancieren waren die Tragflächen rückwärts gestaffelt. Die Rohrleitungen zum Motorkühler verliefen seitlich am Piloten vorbei und beheizten dadurch das Cockpit.

Der Prototyp erhielt einen 150 PS Hispano-Suiza 8V-Motor mit Untersetzungsgetriebe und einen automobilähnlichen Kühler. Er absolvierte am 23. Mai 1917 den Erstflug.[3][4] Anfang Juni wurde das Flugzeug zur offiziellen Erprobung nach Martlesham Heath überführt und flog von dort am 13. Juni nach St. Omer. Piloten der No. 60 Squadron flogen den Prototyp und gaben ihm ein gutes Zeugnis. Darauf bestellte das Kriegsministerium 500 Flugzeuge bei Sopwith und weitere 200 bei der Darracq Motor Engineering Co.[5]

Beim zweiten Prototyp wurde ein Tragflächenkühler angebracht und die untere Tragfläche erhielt lange Ausschnitte, um die Sicht des Piloten auch nach unten zu verbessern. Bei den späteren Serienflugzeugen wurden diese Modifikationen wieder weggelassen.

Dafür wurden zahlreiche kleinere Änderungen an den beiden nächsten Prototypen vorgenommen; sie betrafen den Kühler, die Rumpfabdeckung, die Stabilisierung der Tragflächen und das Seitenruder.[6][7] Der vierte Prototyp wurde das Muster für die im Oktober 1917 begonnene Serienproduktion.[7][8] Ende des Jahres waren bereits 121 Dolphins geliefert.[1][9]

Probleme bereiteten die von der französischen Firma Brasier gelieferten unzuverlässigen Hispano-Suiza 8B-Motoren mit Untersetzungsgetriebe.[10] Hinzu verzögerten Lieferengpässe die Fertigstellung der Dolphins, was sich erst Anfang 1918 besserte, als der französische Lieferant Émile Mayen hinzugezogen wurde.

Sopwith, Darracq und Hooper & Co lieferten 2.072 Dolphin Mk I, 1.500 Zellen wurden nach Eintreten des Waffenstillstands verschrottet.[11]

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die französische Firma SACA (Société Anonyme des Constructions Aéronautiques) nahm die Lizenzproduktion der Dolphin Mk II mit 300 PS (224 kW) Hispano-Suiza 8F-Motor 1918 auf, es wurden jedoch vor Kriegsende nur wenige Exemplare ausgeliefert.

Der Prototyp der Dolphin Mk III mit 200 PS (149 kW) Hispano-Suiza 8B ohne Umsetzungsgetriebe flog erstmals im Oktober 1918 und ging kurz vor Kriegsende in Produktion.[12]

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Dolphins wurden an die No. 19 und No. 79 Squadrons der Royal Air Force geliefert, im März folgten No. 87 und No. 23. Das Flugzeug zog wegen seines ungewöhnlichen Aussehens öfters eigenes Abwehrfeuer auf sich und wurde sogar einige Male irrtümlich von britischen und belgischen Kampffliegern angegriffen.[13]

Das Flugzeug war für Anfänger wenig geeignet: Es bereitete Schwierigkeiten, das Flugzeug zu steuern, da man vom Cockpit aus die Flugzeugnase nicht einsehen konnte. Einige Piloten fassten kein Vertrauen in die Anbringung der Tragflächen und sahen die Gefahr schwerer Kopfverletzungen bei Bruchlandungen.[14] Einige der ersten Maschinen erhielten behelfsmäßige Überrollbügel über dem Cockpit, die aber bald wieder entfielen, nachdem sich die Besorgnisse im Einsatz gelegt hatten und die Maschine immer größere Beliebtheit bei den Piloten gewann: Sie war schnell, wendig, leicht zu fliegen und blieb auch in großer Höhe manövrierfähig, so dass sie es auch mit dem hervorragenden deutschen Höhenaufklärer Rumpler C.VII aufnehmen konnte. Die Piloten der Squadron 87 experimentierten dazu mit dem Einsatz von Sauerstoffmasken, gaben den Versuch jedoch bald wieder auf, da diese bei Beschuss zu explodieren drohten.[14] Außerdem bauten sie zusätzliche Lewis-MGs ein, die über den Propeller nach oben schossen. Deren Handhabung war jedoch problematisch und ein Nachladen unmöglich, so dass diese Bewaffnung sich nicht durchsetzte.

Neben den Squadrons 19, 23, 56, 79, 85, 87, 90, 91 und 141 der Royal Air Force und der No. 1 (Fighter) Squadron der Canadian Air Force flogen auch die 19. Eskadra Myśliwska der polnischen Fliegertruppe, die 1. Zaporoska Eskadra Ukraińska der ukrainischen Armee und der US-Army Air Service Sopwith Dolphins. Dieser kaufte im Oktober 1918 fünf Dolphin Mk I und überführte sie zur Erprobung in die USA.[15]

Leistungsvergleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leistungsvergleich von Jagdeinsitzern im Fronteinsatz zum Ende des Ersten Weltkriegs:

Name Staat Erstflug Indienst­stellung Motor­leistung max. Ge­schwin­digkeit Start­masse Be­waff­nung (MG) Gipfel­höhe Stück­zahl
Albatros D.III Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1916-08-01 1917-01-15 170 PS 165 km/h 886 kg 2 5.500 m 1352
S.E.5a Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich 1916-11-22 1917-03-15 200 PS 222 km/h 880 kg 2 5.185 m 5205
Sopwith Camel Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich 1916-12-31 1917-06-15 130 PS 185 km/h 659 kg 2 5.791 m 5490
Sopwith Dolphin Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich 1917-03-23 1918-02-15 200 PS 211 km/h 890 kg 2 6.100 m 2072
Albatros D.Va Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1917-04-15 1917-07-15 185 PS 187 km/h 937 kg 2 6.250 m 2562
Pfalz D.IIIa Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1917-04-15 1917-08-15 180 PS 181 km/h 834 kg 2 6.000 m 750
SPAD S.XIII Dritte Französische RepublikDritte Französische Republik Frankreich 1917-04-30 1917-05-31 220 PS 222 km/h 820 kg 2 6.650 m 8472
Nieuport 28 Dritte Französische RepublikDritte Französische Republik Frankreich 1917-06-14 1918-03-15 160 PS 195 km/h 740 kg 2 5.200 m 300
Fokker Dr.I Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1917-07-05 1917-09-01 130 PS 160 km/h 585 kg 2 6.500 m 420
Sopwith Snipe Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich 1917-10-31 1918-08-30 230 PS 195 km/h 955 kg 2 6.100 m 497
L.F.G. Roland D.VIa Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1917-11-30 1918-05-15 160 PS 190 km/h 820 kg 2 5.500 m 353
Siemens-Schuckert D.IV Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1917-12-31 1918-08-15 160 PS 190 km/h 735 kg 2 8.000 m 123
Fokker D.VII Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1918-01-24 1918-04-15 180 PS 189 km/h 910 kg 2 6.000 m 800
Fokker D.VIIF Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1918-01-24 1918-04-15 226 PS 205 km/h 910 kg 2 7.000 m 200
Pfalz D.VIII Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1918-01-24 1918-09-15 160 PS 190 km/h 740 kg 2 7.500 m 120
Pfalz D.XII Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1918-03-31 1918-07-15 160 PS 180 km/h 902 kg 2 5.640 m 750
Fokker D.VIII Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1918-05-31 1918-07-31 110 PS 204 km/h 605 kg 2 6.300 m 289

Nachkriegseinsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Waffenstillstand wurden die Dolphins rasch ausgemustert. Die kanadische 1. (Fighter) Squadron flog Dolphins zusammen mit S.E.5as, Sopwith Snipes und erbeuteten Fokker D.VIIs[16] bis 1920.[17] Einige Dolphins wurden noch nach Kanada überführt.[18]

Nur eine Dolphin (D5369) wurde für den zivilen Einsatz umgebaut, nachdem Handley Page sie 1920 erworben und unter der Zulassungsnummer G-EATC.[15][18] bis zu ihrem Verkauf 1923 für Schauflüge einsetze.

10 Dolphins wurden von der polnischen Fliegertruppe im Polnisch-Russischen Krieg eingesetzt. Sie flogen unter anderem Tiefangriffe bei der Schlacht um Warschau im August 1920, mussten aber aufgrund Ersatzteilmangel bald stillgelegt werden.[19] Zwei dieser Flugzeuge wurden von Oktober 1920 bis Februar 1921 an die 1. Zaporoska Eskadra Ukraińska der ukrainischen Armee ausgeliehen.[20]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße Daten
Länge 6,78 m
Spannweite 9,91 m
Höhe 2,59 m
Flügelfläche 24,4 m²
Leergewicht 641 kg
Startgewicht 890 kg
Motor Hispano-Suiza 8B-V8-Motor
Leistung 200 PS (149 kW)
Höchstgeschwindigkeit 211 km/h in NN
Steigleistung 12 Min 5 Sek auf 3.048 m Höhe
Dienstgipfelhöhe 6.100 m
Reichweite 315 km
Tragflächenlast 36,5 kg/m²
Leistung/Masse 0.232 kW/kg
Bewaffnung 2 Vickers-MGs Kal. 7,7 mm,
nach vorne feuernd, synchronisiert; 1-2× 0.303 in (7.7 mm) Lewis MGs, 4 12 kg Bomben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sopwith Dolphin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Enzo Antolucci, Paolo Matricardi: Flugzeuge von den Anfängen bis zum 1. Weltkrieg. Falken-Verlag, Wiesbaden 1975, ISBN 3-8068-0391-9.
  • J. M. Bruce: The Sopwith Dolphin. In: Aircraft in Profile. Volume 8, Doubleday & Company, New York 1970, ISBN 0-85383-016-9.
  • J. M. Bruce: The Sopwith 5F.1 Dolphin. In: Air Pictorial. Vol. 23, No. 5, Mai 1961.
  • J. M. Bruce: War Planes of the First World War. Volume 3: Fighters. Macdonald, London 1969, ISBN 0-356-01490-8.
  • John F. Connors: The 11th Hour Sopwiths. In: Wings. Volume 6, No. 1, Februar 1976.
  • Peter Cooksley: Sopwith Fighters in Action. (= Aircraft. No. 110). Squadron/Signal Publications, Carrollton, Texas 1991, ISBN 0-89747-256-X.
  • Mick Davis: Sopwith Aircraft. Crowood Press, Ramsbury, Marlborough, Wiltshire 1999, ISBN 1-86126-217-5.
  • Norman Franks: Dolphin and Snipe Aces of World War I. (= Aircraft of the Aces. No. 48). Osprey Publishing, Oxford 2002, ISBN 1-84176-317-9.
  • William Green, Gordon Swanborough: The Complete Book of Fighters. Salamander Books, London 1994, ISBN 0-8317-3939-8.
  • Tomasz Jan Kopañski: Samoloty brytyjskie w lotnictwie polskim 1918–1930 (British Aircraft in the Polish Air Force 1918–1930). Bellona, Warsaw 2001, ISBN 83-11-09315-6. (polnisch)
  • W. M. Lamberton, E. F. Cheesman: Fighter Aircraft of the 1914–1918 War. Harleyford, Letchworth, UK 1960, ISBN 0-900435-01-1.
  • Francis K Mason: The British Fighter Since 1912. Naval Institute Press, Annapolis, Maryland 1992, ISBN 1-55750-082-7.
  • Larry Milberry: Aviation in Canada: The Pioneer Decades. CANAV Books, Toronto 2008, ISBN 978-0-921022-19-0.
  • Larry Milberry: Sixty Years: The RCAF and Air Command 1924–1984. CANAV Books, Toronto 1984, ISBN 0-9690703-4-9.
  • Kenneth Munson: Kampfflugzeuge 1914–1919. Orell Füssli-Verlag, Zürich 1968.
  • Heinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914–1918. München 1958.
  • Stephen Payne (Hrsg.): Canadian Wings: A Remarkable Century of Flight. Douglas & McIntyre, Vancouver 2006, ISBN 1-55365-167-7.
  • Bruce Robertson: Sopwith – The Man and His Aircraft. Harleyford, London 1970, ISBN 0-900435-15-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Francis K Mason: The British Fighter Since 1912. Naval Institute Press, Annapolis, Maryland 1992, S. 105.
  2. Norman Franks: Dolphin and Snipe Aces of World War I. (= Aircraft of the Aces. No. 48). Osprey Publishing, Oxford 2002, S. 7.
  3. Norman Franks: Dolphin and Snipe Aces of World War I. (= Aircraft of the Aces. No. 48). Osprey Publishing, Oxford 2002, S. 8.
  4. Bruce Robertson: Sopwith – The Man and His Aircraft. Harleyford, London 1970, S. 102.
  5. Mick Davis: Sopwith Aircraft. Crowood Press, Ramsbury, Marlborough, Wiltshire 1999, S. 127.
  6. Norman Franks: Dolphin and Snipe Aces of World War I. (= Aircraft of the Aces. No. 48). Osprey Publishing, Oxford 2002, S. 8.
  7. a b Mick Davis: Sopwith Aircraft. Crowood Press, Ramsbury, Marlborough, Wiltshire 1999, S. 128.
  8. J. M. Bruce: The Sopwith 5F.1 Dolphin. In: Air Pictorial. Vol. 23, No. 5, Mai 1961, S. 134.
  9. J. M. Bruce: War Planes of the First World War. Volume 3: Fighters. Macdonald, London 1969, S. 15.
  10. Francis K Mason: The British Fighter Since 1912. Naval Institute Press, Annapolis, Maryland 1992, S. 105, 125, 129.
  11. Francis K Mason: The British Fighter Since 1912. Naval Institute Press, Annapolis, Maryland 1992, S. 106.
  12. Peter Cooksley: Sopwith Fighters in Action. (= Aircraft. No. 110). Squadron/Signal Publications, Carrollton, Texas 1991, S. 34.
  13. Norman Franks: Dolphin and Snipe Aces of World War I. (= Aircraft of the Aces. No. 48). Osprey Publishing, Oxford 2002, S. 11.
  14. a b Norman Franks: Dolphin and Snipe Aces of World War I. (= Aircraft of the Aces. No. 48). Osprey Publishing, Oxford 2002, S. 21.
  15. a b J. M. Bruce: The Sopwith 5F.1 Dolphin. In: Air Pictorial. Vol. 23, No. 5, Mai 1961, S. 150.
  16. Larry Milberry: Aviation in Canada: The Pioneer Decades. CANAV Books, Toronto 2008, S. 160.
  17. Stephen Payne (Hrsg.): Canadian Wings: A Remarkable Century of Flight. Douglas & McIntyre, Vancouver 2006, S. 47.
  18. a b John F Connors: The 11th Hour Sopwiths. In: Wings. Volume 6, No. 1, Februar 1976, S. 12.
  19. Mick Davis: Sopwith Aircraft. Crowood Press, Ramsbury, Marlborough, Wiltshire 1999, S. 135.
  20. Tomasz Jan Kopañski: Samoloty brytyjskie w lotnictwie polskim 1918–1930 (British Aircraft in the Polish Air Force 1918–1930). Bellona, Warsaw 2001, S. 11–40. (polnisch)