Siemens-Schuckert D.IV

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
f2
Siemens-Schuckert D.IV
Typ: Jagdflugzeug
Entwurfsland: Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich
Hersteller: Siemens-Schuckertwerke
Erstflug: Ende 1917
Indienststellung: August 1918
Produktionszeit: Mai 1918 – Sommer 1919
Stückzahl: 123[1]

Die Siemens-Schuckert D.IV war ein von den Siemens-Schuckertwerken konstruierter Jagdeinsitzer der deutschen Fliegertruppe aus der Endphase des Ersten Weltkrieges und galt als das beste Jagdflugzeug der deutschen Fliegertruppe.[2]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Prototypversion D.IIc und dem Vorläufermodell Siemens-Schuckert D.III entwickelte Diplom-Ingenieur Harald Wolff unter der Bezeichnung D.IV einen Höhenjäger mit großer Spannweite, von dem 280 Stück geordert wurden.

Als weitere Variante stellte Konstrukteur Wolff im Mai 1918 die Siemens-Schuckert D.V beim Vergleichsfliegen in Adlershof vor. 1919 wurden noch zwei Hochdecker Siemens-Schuckert D.VI getestet,[3] der Typ, erstmals mit abwerfbaren Zusatztanks ausgestattet, erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 220 km/h, erzielte eine Reichweite von 450 km, stieg in nur 8,3 Minuten auf 8.000 m Höhe und erhielt die Bezeichnung Siemens-Schuckert E.I. Parallel wurde ein Dreidecker Siemens-Schuckert Dr.I entwickelt, aber nicht mehr fertiggestellt.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Replikat einer Siemens-Schuckert D.IV im Luftwaffenmuseum der Bundeswehr auf dem Flugplatz Berlin-Gatow

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste D.IV gelangte im April 1918 beim Jagdgeschwader 2 zur Fronterprobung.[4] Die ersten Serienflugzeuge erreichten im August 1918 die Front, aber nur noch etwa 60 Flugzeuge kamen bis zum Kriegsende in den Jagdstaffeln (Jasta) 11, 14 und 22 zum Einsatz. Die Maschine war wegen des großen Propellers und des hohen Fahrgestells nicht leicht zu landen, brauchte jedoch nur eine kurze Startbahn und war gut zu steuern. Das Flugzeug verfügte insbesondere in Höhen über 4.000 m über hervorragende Flugeinschaften, die selbst denen der Fokker D.VII überlegen waren.[5]

Nach zahlreichen Vergleichstests wurde die Siemens-Schuckert D.IV im Oktober 1918 als das beste verfügbare Jagdflugzeug bezeichnet. Bis Kriegsende konnten nur noch 123 D.IV hergestellt werden.

Leistungsvergleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leistungsvergleich von Jagdeinsitzern im Fronteinsatz zum Ende des Ersten Weltkriegs:

Name Land Erstflug Motorstärke max. Geschwindigkeit Startgewicht Bewaffnung (MG) Gipfelhöhe Stückzahl
Albatros D.III Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1916-08-01 170 PS 165 km/h 886 kg 2 5.500 m 1352
S.E.5a Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich 1916-11-22 200 PS 222 km/h 880 kg 2 5.185 m 5205
Sopwith Camel Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich 1916-12-31 130 PS 185 km/h 659 kg 2 5.791 m 5490
Sopwith Dolphin Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich 1917-03-23 200 PS 211 km/h 890 kg 2 6.100 m 2072
Albatros D.Va Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1917-04-15 185 PS 187 km/h 937 kg 2 6.250 m 2562
SPAD S.XIII Dritte Französische RepublikDritte Französische Republik Frankreich 1917-04-30 220 PS 222 km/h 820 kg 2 6.650 m 8472
Nieuport 28 Dritte Französische RepublikDritte Französische Republik Frankreich 1917-06-14 160 PS 195 km/h 740 kg 2 5.200 m 300
Fokker Dr.I Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1917-07-05 130 PS 160 km/h 585 kg 2 6.500 m 420
Sopwith Snipe Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich 1917-10-31 230 PS 195 km/h 955 kg 2 6.100 m 497
Pfalz D.IIIa Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1917-11-15 180 PS 181 km/h 834 kg 2 6.000 m 750
L.F.G. Roland D.VIa Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1917-11-30 160 PS 190 km/h 820 kg 2 5.500 m 353
Siemens-Schuckert D.IV Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1917-12-31 160 PS 190 km/h 735 kg 2 8.000 m 123
Fokker D.VII Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1918-01-24 180 PS 189 km/h 910 kg 2 6.000 m 800
Fokker D.VIIF Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1918-01-24 226 PS 205 km/h 910 kg 2 7.000 m 200
Pfalz D.VIII Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1918-01-24 160 PS 190 km/h 740 kg 2 7.500 m 120
Pfalz D.XII Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1918-03-31 160 PS 180 km/h 902 kg 2 5.640 m 750
Fokker D.VIII Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1918-05-31 110 PS 204 km/h 605 kg 2 6.300 m 289

Nachkriegsnutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serienproduktion lief nach Kriegsende weiter und die nicht mehr vom Militär abgenommenen Maschinen wurden an private Abnehmer verkauft. Eine Reihe von Flugzeugen erwarb die Schweizer Flugwaffe, die sie bis Ende der 1920er Jahre einsetzte.

Als Replikat ist eine D.IV im Militärhistorisches Museum (früher Luftwaffenmuseum der Bundeswehr) auf dem Flugplatz Berlin-Gatow ausgestellt.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße Daten
Spannweite:  8,35 m
Länge:  5,70 m
Höhe:  2,70 m
Flügelfläche    15,12 m²
Leergewicht    540 kg
Startgewicht    735 kg
Motor    ein Elf-Zylinder-Umlaufmotor Siemens & Halske Sh.IIIa mit 210 PS
Flügelabstand:   m
Höchstgeschwindigkeit:  190 km/h
Steigzeit:  auf 1.000 m: 1,9 min
Steigzeit:  auf 3.000 m: 6,4 min
Steigzeit:  auf 5.000 m: 12,1 min
Steigzeit:  auf 6.000 m: 15,5 min
Steigzeit:  auf 8.100 m: 36 min
Dienstgipfelhöhe:  8.000 m
Reichweite:  380 km
Flugdauer:  2 h
Stückzahl   
Bewaffnung    zwei MG 08/15
Besatzung:    1 Pilot

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Enzo Angelucci/Paolo Matricardi: Die Flugzeuge. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Falken-Verlag, Wiesbaden 1976, ISBN 3-8068-0391-9, (Falken-Handbuch in Farbe).
  • Peter M. Grosz: SSW D.III – D.IV. Windsock Datafile 29, Albatros Productions Ltd. 1991, ISBN 0-948414-33-2.
  • Kenneth Munson: Kampfflugzeuge 1914–19. Zürich 1968.
  • Günter Kroschel/Helmut Stützer: Die deutschen Militärflugzeuge 1910–1918. Lohse-Eissing, Wilhelmshaven 1977, ISBN 3-920602-18-8.
  • Heinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914–1918. Lehmanns, München 1959.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Siemens-Schuckert D.IV – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise/Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. lt. Günter Kroschel, Helmut Stützer: Die deutschen Militärflugzeuge 1910–1918. Lohse-Eissing, Wilhelmshaven 1977, ISBN 3-920602-18-8 nur 119 Stück
  2. MilitaryFactory.com: Siemens-Schuckert D.IV Fighter – History, Specs and Pictures. Abgerufen am 17. Februar 2013.
  3. Karlheinz Kens, Hanns Müller: Die Flugzeuge des Ersten Weltkriegs 1914–1918. Heyne, München 1973, ISBN 3-453-00404-3.
  4. Bob Pearson: History in Illustration: Siemens Schuckert D.III. Abgerufen am 17. Februar 2013.
  5. Wolfgang Bredow: Siemens-Schuckert D-III – Jagdflugzeug von 1918. Abgerufen am 17. Februar 2013.