Toilettenspülung

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Toilettenpapier wird hinuntergespült (Tiefspüler mit angeschlossenem Spülkasten)
Spülvorgang einer Toilette mit Hochspülkasten

Eine Toilettenspülung ist die Vorrichtung, die bei Wasserklosetts dafür sorgt, dass die Schüssel zu gewünschter Zeit mit Wasser durchspült wird, was Urin, Exkremente und das Toilettenpapier in die Kanalisation befördert.

Das bislang übliche Spülvolumen von 9 Litern kann bei modernen Toilettenbecken oft auf unter 6 Liter reduziert werden. Das Volumen für Teilspülungen beträgt typischerweise 3 bis 4 Liter.[1]

In Gebieten, in denen das Trinkwasser aufwendig aufbereitet werden muss, erfolgt die Toilettenspülung vorzugsweise durch Brunnen-, Regen-, Grau- oder sonstiges Brauchwasser statt durch gewöhnliches Leitungswasser.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Engländer John Harington baute bereits im Jahr 1596 eine Wasserspülung im Auftrag von Queen Elisabeth I. Beachtung fand allerdings erst 1775 Alexander Cumming, der als Erfinder des modernen WCs gilt.

Spülsysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Wesentlichen wird zwischen zwei Spülsystemen unterschieden, den Druckspülern und den Kastenspülern. Die Vakuumspülung ist eine Sonderform, die hauptsächlich in Bordtoiletten von Verkehrsmitteln zur Anwendung kommt.

Druckspüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Betrieb eines Druckspüler ist eine Wasserleitung mit größerer Nennweite erforderlich, um einen ausreichend großen Volumenstrom zu erreichen. Die Auslösung erfolgt durch Druck auf einen Hebel, der ein Servoventil freigibt. Das Abstellen erfolgt hydraulisch zeitverzögert und sanft, um Schäden an der Wasserinstallation durch Wasserschläge zu vermeiden. Diese Ausführung war bis in die frühen 1970er Jahre verbreitet. Nachteilig kann die Geräuschentwicklung sein, wenn keine Schalldämmung der Rohrleitung vorgenommen wurde. Bei unzureichend dimensionierter Hauptleitung kann zudem der Leitungsdruck bei Betätigung der Spülung abfallen. Da Druckspüler robuster als die meistens freihängenden Spülkästen sind, werden sie für Vorwandinstallationen in öffentlichen Toiletten auch heute noch verwendet.

Kastenspüler (Spülkasten)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Toilette mit klassischem Aufputz-Spülkasten
Das Innere eines Spülkastens

Im privaten wie im öffentlichen Bereich ist der Kastenspüler heute die üblichere Variante. Dabei befindet sich ein Spülkasten oberhalb der Toilettenschüssel. Der Spülkasten wird über ein Füllventil innerhalb weniger Minuten mit fünf bis zehn Litern Wasser gefüllt.

Das im Spülkasten gesammelte Wasser wird nach dem Auslösen der Spülung freigegeben und ergießt sich durch das Spülrohr mit meist 32 bis 40 mm Nennweite in die Toilettenschüssel.

Heute befindet sich der Wasserspiegel des Spülwassers meist nur etwa einen halben Meter oberhalb der Schüssel. Man unterscheidet zwischen Aufputz-Spülkästen, die sichtbar oberhalb der Toilettenschüssel angebracht sind und Unterputz (UP)-Spülkästen, die entweder eingemauert (Nassbauweise) oder durch eine leichte Vorwand (Trockenbauweise) verdeckt werden. Durch die Vorwandtechnik verringern sich Aufwand und Kosten. Die Spülkästen sind heute in der Regel innenseitig mit einer dünnen Styroporschicht ausgestattet, um die Geräuschbildung sowie Kondensatbildung an der Außenseite des Kastens zu verringern.

Traditionell wurde der Spülkasten im Toilettenraum etwa in Kopfhöhe angebracht, um über die Fallhöhe Durchfluss und Spülwirkung zu erhöhen. Hochhängende Spülkästen wurden durch den Zug an einer Schnur oder Kette betätigt. Heute werden im Allgemeinen größere Spülrohrdurchmesser gewählt, so dass der Spülkasten unmittelbar über der Toilettenschüssel angebracht werden kann. Die Auslösung erfolgt dann meist durch Druck auf die Betätigungsplatte.

Um aus Gründen der Trinkwasserhygiene ein Rücksaugen des Spülkasteninhaltes durch die Befüllleitung in die Trinkwasserleitung (zum Beispiel beim Entleeren der Hauptleitungen) zu verhindern, muss die Befüllung des Spülkastens im freien Auslauf erfolgen. Durch die Positionierung des Füllventils oberhalb des höchsten Wasserspiegels könnte lediglich Luft angesaugt werden, da keine Heberwirkung eintritt.

Mit 44 Litern pro Person und Tag wird in Privathaushalten mehr Trinkwasser für die Toilettenspülung verbraucht, als für alle anderen Zwecke.[2] Um den Trinkwasserverbrauch zu reduzieren, sind moderne Spülkästen entweder mit einer Zwei-Mengen-Spültechnik oder mit einer Spül-Stopp-Funktion ausgestattet. Bei der Zwei-Mengen-Spültechnik werden bei der kleinen Spülung nur ca. drei Liter verbraucht. Je nach Spülkasten stehen bis zu sechs Liter zum Nachspülen bereit. Eine Vollspülung verbraucht je nach Spülkasten und Einstellung vier bis neun Liter. Bei der Spül-Stopp-Funktion kann die Spülung durch das Vor- und Zurückkippen der Betätigung jederzeit ausgelöst und wieder gestoppt werden. Durch die Verringerung des durchschnittlichen Wasserverbrauchs kann es jedoch durch die ungenügende Durchspülung der Kanalisation heute wiederum zu Problemen kommen.[3]

Gravity toilet valves at rest.svg Gravity toilet valves handle down.svg Gravity toilet valves handle released.svg
Funktionsprinzip eines Spülkastens amerikanischer Bauart: Durch Betätigung des Auslösehebels (8) wird der Verschluss (6) geöffnet und das Wasser strömt durch das Rohr (12). Mit dem Wasserspiegel sinkt der Schwimmer (1) und betätigt das Ventil (11). Durch die Düse (4) wird der Kasten mit Wasser gefüllt, bis der mit dem Wasserspiegel ansteigende Schwimmer das Ventil schließt. Die Düse (5) dient, falls vorhanden, dazu, den Siphon (und damit verbunden teilweise die Toilettenschüssel) mit Wasser zu füllen, da durch das sehr schnell abfließende Spülwasser nicht genügend Sperrwasser im Geruchsverschluss verbleibt. Das Rohr (7) wirkt auch als Schutz gegen Überlaufen, falls der Schwimmer das Ventil nicht korrekt schließen lässt.

Auslösung der Spülung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spülkasten mit Kette zur Auslösung
Ein Urinal mit infrarotgesteuerter Spülung

Manuelle Spülung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In privaten Haushalten werden die Spülsysteme in der Regel manuell über Tastendruck oder den Zug an einer Kette ausgelöst. Spezielle elektronische und pneumatische Auslösevorrichtungen sind auch für behinderte Menschen geeignet. Pneumatische Spülauslösungen ermöglichen die Fernauslösung, indem die Betätigungskraft über einen Luftschlauch zwischen Bedientaste und dem Auslösemechanismus übertragen wird.

Selbsttätige Spülung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Automatische Spülsysteme sind in öffentlichen Gebäuden und Gasthäusern verbreitet. Sie sind besonders hygienisch, da keine Berührung von Bedienelementen erforderlich ist und die Spülung zuverlässig nach jeder Benutzung erfolgt.

Sensorgesteuerte Systeme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Urinalen und Pinkelrinnen wird oft eine Lichtschranke verwendet Bei Urinalen und Toiletten wird z. B. ein Reflex-Lichttaster genutzt. Es gibt auch Urinale, in denen ein Wärmesensor auf den körperwarmen Urin anspricht und die Spülung auslöst.

Bei Anlagen mit Radarsensor werden von dessen Sender Zentimeterwellen ausgesendet, deren Reflexionen vom herantretenden Benutzer verändert werden, was vom Empfangssensor erkannt wird. Der Sensor kann unsichtbar unter den Fliesen angebracht werden.

Beim konduktiven Prinzip wird die Veränderung der Leitfähigkeit der Flüssigkeit im Siphon erfasst, die sich durch Erhöhung des Salzgehaltes beim Urinieren ergibt. Alternativ kann der pH-Wert im Siphon gemessen werden.

Kapazitive Systeme messen die Annäherung einer Person mit einem speziellen kapazitiven Sensor.[4]

Zeitgesteuerte Spülung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Urinalen und Pinkelrinnen in öffentlichen Einrichtungen werden auch zeitgesteuerte Spülungen jeweils nach einem festen Intervall vorgenommen. Bei häufiger Benutzung kann dadurch Spülwasser eingespart werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Toilettenspülung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Toilettenspülung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Spülkästen, in: Ryter-Hermann.de
  2. Netzeitung: Täglich 44 Liter Wasser ins Klo (Memento vom 27. September 2013 im Internet Archive)
  3. https://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/wasser-sparen-umwelt100.html
  4. https://patentscope.wipo.int/search/en/detail.jsf?docId=WO2008017314 Patent kapazitiver Sensor für Urinale