St. Johannes (München)

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Die Evangelisch-Lutherische Pfarrkirche St. Johannes wurde 1889 als vierte evangelisch-lutherische Kirche in München errichtet. Der gegenwärtige Bau stammt aus den Jahren 1913–1916.

Die evangelische Pfarrkirche St. Johannes am Preysingplatz

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Industrialisierung wuchs im 19. Jahrhundert die Bevölkerung der Stadt München sprunghaft an. Vor den Toren der Altstadt wurden neue Stadtviertel gegründet. Teilweise wurden dabei frühere dörfliche Strukturen überbaut. Auch rechts der Isar, im früheren Haidhausen, setzte in der Zeit nach 1870 eine rege Bautätigkeit ein.

1875 wohnten rechts der Isar 1307 Protestanten, zehn Jahre später, 1885 waren es schon 2567.

Nach einem ersten evangelischen Gottesdienst in Haidhausen im Jahre 1887 bildeten evangelische Gläubige ein „Protestantencomité“, forderten einen eigenen Pfarrer für die Protestanten rechts der Isar und sammelten Geld für einen Kirchenbau. Als Geistlicher kam Vikar Georg Glungler im Jahre 1888. Zum Bauplatz wurde der Preysingplatz bestimmt. Zunächst behalf man sich auf diesem Grundstück mit einer rasch errichteten Notkirche. Von 1889 an feierten die Protestanten in Haidhausen dort ihre Gottesdienste.

Am 1. Januar 1900 wurde St. Johannes ein eigener Pfarrbezirk mit Georg Glungler als Pfarrer. Im selben Jahr eröffnete das Protestantencomité im Gebäude Wörthstraße 20 eine „Kinderbewahranstalt“, in der zeitweise bis zu 200 Kinder betreut wurden. 1906 konstituierte sich der „Protestantische Krankenpflegeverein München Ost e.V.“.

1912 beauftragte man das Büro von Albert Schmidt mit der Planung einer dauerhaften Kirche. Er hatte außer der Münchner Hauptsynagoge auch schon die Nachbarkirche St. Lukas geplant.

Blick auf die St.-Johannes-Kirche vom Pfarrhaus aus

Die St.-Johannes-Kirche wurde als Backsteinbau in neoromanischer Formensprache errichtet.

Am 29. Juni 1913 erfolgte die Grundsteinlegung. Besondere Schwierigkeiten bereitete die Fundamentierung der Kirche. Der Bauplatz war eine ehemalige Kiesgrube, ausgefüllt mit Schutt, der ausgegraben und fortgeschafft wurde. Die Grube wurde neu befüllt und anschließend mit Beton ausgegossen. Zusätzlich wurden mit Beton befüllte Eisenrohre von 20 cm Durchmesser und 3–5 m Länge zur Stabilisierung in den Boden gerammt. Allein das Turmfundament wird von 60 derartigen Pfählen gestützt.

Am 2. April 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, wurde die Kirche feierlich eingeweiht.

Ein prominentes Mitglied des Kirchenvorstands von St. Johannes war von 1920 an Wilhelm Freiherr von Pechmann.

Am 7. Januar 1945 riss eine Sprengbombe die Nordostseite der Kirche auf. Die Gottesdienste wurden bis zum Kriegsende ins Gemeindehaus Wörthstraße 20 verlegt. Einer Herausgabe der Kirchenbänke für Heizzwecke konnte sich der damalige Pfarrer Ziegler erfolgreich widersetzen.

Ab ca. 1948 war die Kirche wieder aufgebaut und benutzbar.

1982/1983 wurde die St.-Johannes-Kirche unter Leitung des Münchner Architekturbüros Steinhauser und Gräfe grundlegend renoviert und dabei auch umgebaut. Die Kirche sollte zugleich die Gemeinderäume in sich aufnehmen. Der Gottesdienstraum wurde dazu verkleinert, Nebenräume wurden durch Glaswände mit Schiebetüren abgetrennt. Die neugeschaffene „Wohnkirche“ fand überregional Beachtung.

Das Kircheninnere mit Blick nach Westen

Während der Renovierung der Heizung 1999 wurde in die Kirche ein Blockheizkraftwerk eingebaut.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel

Die ursprüngliche Orgel wurde von der Firma Maerz und Sohn (Inhaber Schönle) gebaut. Sie hatte 32 klingende Register. Nachträglich und aus praktischen Erwägungen wurde die Orgel mit einer elektro-pneumatischen Traktur ausgestattet und der Spieltisch ins Kirchenschiff verlagert, wo er sich heute noch befindet. Die Orgel wurde 1945 durch Fliegerbomben völlig zerstört. Das Nachfolgeinstrument wurde 1953/54 von der Firma Steinmeyer gebaut. Erst 1957 wurde die Orgel auf die heutige Größe ergänzt. Dem Spieltisch wurde ein 2. und 3. Manual hinzugefügt. Das Rückpositiv ist derzeit vakant.[1]

Pedal C–f1

1. Prinzipal 16′
2. Subbaß 16′
3. Rohrgedackt 16′
4. Oktav 8′
5. Holzflöte 8′
6. Choralbaß 4′
7. Pommer 2′
8. Rauschbaß 223
9. Posaune 16′
10. Oboe 8′
11. Clarine 4′
12. (vakant)
I Rückpositiv C–g3
(vakant)
13. Koppel 8′
14. Dulzgedackt 8′
15. Prinzipal 4′
16. Blockflöte 4′
17. Prinzipal 2′
18. Terz 135
19. Superquint 113
20. Cymbel 14
21. Krummhorn 8′
22. Tremulant
23. (vakant)
24. (vakant)
II Hauptwerk C–g3
25. Quintade 16′
26. Prinzipal 8′
27. Rohrflöte 8′
28. Octav 4′
29. Kleingedackt 4′
30. Flachflöte 2′
31. Sesquialter II 223
32. Sedecima 1′
33. Mixtur 113
34. Trompete 8′
35. Trompete 4′
36. (vakant)
III Schwellwerk C–g3
37. Rohrgedackt 16′
38. Salicional 8′
39. Liebl. Gedeckt 8′
40. Holzflöte 8′
41. Oktav 4′
42. Koppelflöte 4′
43. Ital. Prinzipal 2′
44. Kleincornett 223
45. Scharff 1′
46. Dulcian 16′
47. Oboe 8′
48. Tremulant
  • Koppeln: I/II, III/II, III/I, I/P, II/P, III/P
  • Spielhilfen: zwei freie Kombinationen, eine freie Pedalkombination, Tutti, Absteller für Handregister, Walze und Einzelzungen, Crescendowalze.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprünglichen Glocken wurden von der Firma Schilling in Apolda gegossen. Noch in der Kriegszeit musste die nagelneue größte Glocke für militärische Zwecke abgegeben werden. Nach dem Krieg wurde eine neue große Glocke gegossen. 1940 mussten alle vier Glocken abgeliefert werden. Sie konnten erst 1961 aus Spendenmitteln ersetzt werden. Das gegenwärtige Geläute stammt von der Firma Czudnochowsky in Erding und ist in E-Dur (e′ - fis′ - gis′ - h′) gestimmt. Am Heiligen Abend 1961 fand die Glockenweihe statt.

Der Turm der St.-Johannes-Kirche von Süden

Kirchliches Leben heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Schwerpunkte kennzeichnen das Gemeindeleben der St.-Johannes-Gemeinde:

  • In der Kirchenmusik war seit 1980 KMD Andreas Hantke tätig, der sich mit seiner Singschule und den Kinderchören einen Namen gemacht hatte. Er gründete den Kantatenchor München[2] und das Bläserensemble Preysing Brass.[3] Seit September 2009 ist er Kantor der Christuskirche in München-Neuhausen/Nymphenburg. Die Kirchenmusikstelle in St. Johannes hat seit 2013 Kantorin Marie Flessa inne.
  • Jeden Mittwoch ist Meditationstag in St. Johannes. Montags findet das Jesusgebet statt, Donnerstagnachmittags eine Übung in Stille. Es gibt Einkehrtage und Exerzitien. Der Meditationsraum der Kirche wird darüber hinaus von anderen Gruppen für Seminare und Kurse verwendet. Die Meditationsarbeit von St. Johannes ist traditionell mit dem Zentrum für Meditation in Schloss Altenburg verbunden.
  • Die St.-Johannes-Kirche ist mit zahlreichen sozialen Einrichtungen und Vereinen im Stadtteil vernetzt, vor allem in der Senioren- und Sozialarbeit. Der gemeindeeigene Diakonie- und Förderverein St. Johannes e.V. ist darüber hinaus seit seiner Gründung im Jahre 1906 auf vielfältige Weise gemeinnützig tätig.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Johannes (München) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. die Webseite der Kirchengemeinde
  2. Kantatenchor München
  3. Preysing Brass

Koordinaten: 48° 7′ 57,1″ N, 11° 35′ 39,1″ O