St. Martin (Amberg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Basilika St. Martin in Amberg
Innenraum mit Altar der St. Martinskirche
Glasfenster in der Südfassade des Kirchenschiffes
Basilika St. Martin von oben

Die Basilika St. Martin ist eine katholische Pfarrkirche in Amberg in der bayerischen Diözese Regensburg.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die an der Südseite des Marktplatzes gelegene Kirche wurde ab 1421 durch die Amberger Bürger im spätgotischen Stil errichtet. Bauform ist eine dreischiffige Hallenkirche mit einem gemeinsamen Dach. Die Kirche hat eine Länge von 72 Metern und eine Breite von 20,5 Metern. Der öffentlich zugängliche Turm hat eine Höhe von fast 92 Metern. Ein Kranz von 19 Kapellen umgibt die Kirche, welche durch eine gemeinsame Empore nach oben abgeschlossen werden. Von der Bauform her wurde St. Martin Vorbild für viele Kirchen im sächsischen Bergbaugebiet.

Wenige Jahrzehnte nach der Fertigstellung wurden im Zuge der Reformation ab 1544 protestantische Gottesdienste gehalten. Auf Anordnung des Kurfürsten Ottheinrich von der Pfalz erfolgte 1557 durch die Calvinisten ein reformatorischer Bildersturm, sie entfernten die Nebenaltäre und Bildwerke. Später wurde die Kirche vollständig ausgeräumt und die Fresken fielen der Zerstörung anheim.

Nach der Gegenreformation erhielt die Kirche einen neuen barocken Hochaltar mit einem Gemälde von Gaspar de Crayer, einem Schüler von Peter Paul Rubens. Nach Schäden durch Beschuss 1703 im Spanischen Erbfolgekrieg - dabei gingen auch die alten Glasfenster zu Bruch - erhielt die Kirche eine kostbare Barockausstattung. 1720 gab man dem Turm seine heutige Form.

Die heutigen Glasfenster sowie die neugotische Ausstattung stammen von einer Restaurierung Ende des 19. Jahrhunderts. Seit 2003 läuft eine umfassende Renovierung; diejenige des Dachstuhles und des Daches wurde 2009 erfolgreich abgeschlossen. Demnächst sollen das Fundament, der Turm und die Fenster saniert werden.

Basilica minor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das päpstliche Wappen (Joh. P. II) mit dem Tag der Basilikaerhebung über dem Hauptportal

Wegen ihrer Bedeutung für die Region erhob Papst Johannes Paul II. die Pfarrkirche St. Martin am 27. September 1980 mit dem Apostolischen Schreiben Inter templa zur Basilica minor.[1][2]

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Glockenbestand der Basilika ist sehr wertvoll: Neun Glocken aus der Zeit vom 14. bis zum 19. Jahrhundert hängen auf zwei Glockenstuben verteilt.

In der unteren Glockenstube hängt das Hauptgeläut. Die am 24. Juli 1318 gegossene Elferin ist die älteste Glocke an St. Martin. Sie bildet die Grundglocke für das Sonntagsgeläut; das Läuten der großen Unsres-Herrn-Glock ist den Hochfesten vorbehalten.[3] Die kleine Sperrglocke ist gesprungen. Sie läutete vor der allabendlichen Schließung der Stadttore.

In der oberen Glockenstube befinden sich noch zwei Glocken in einem eigenen Glockenstuhl: die Feuerglocke und die Armesünderglocke. Die Feuerglocke konnte mit Hämmern an der Außenseite angeschlagen werden. Bis zum Jahre 1921 wirkte der letzte Türmer an St. Martin, zu dessen Aufgaben es zählte, die Feuerglocke im Falle der Brand- oder Feindesgefahr anzuschlagen.[4] Die kleinere Armesünderglocke wurde bei Hinrichtungen geläutet.

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg, ca.)
Schlagton
(HT-1/16)
1 Unsres-Herrn-Glock 1537 Hans III. Glockengießer, Nürnberg 1.760 3.500 h0 −2
2 Elferin 1318 anonym (Nürnberger Schule) 1.398 2.200 dis1 +6
3 Zwölferin (Martinus) 1515 anonym (Nürnberger Schule) 1.162 900 fis1 +4
4 Vesperglocke 1399 Hans Bayr, Regensburg 1.148 900 gis1 +6
5 Sterbeglocke 1405 anonym 890 500 c2 −5
6 Messglocke (Martinus) 1521 Hans Stain, Amberg 660 200 fis2 −5
7 Sperrglocke unbekannt anonym 515 100 gesprungen
8 Feuerglocke 1519 Hans Stain, Amberg 1.010 800 g1 +2
9 Armesünderglocke 1897 Gebrüder Klaus, Heidingsfeld 755 290 c2 +4

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ioannes Paulus II.: Litt. Apost. Inter templa, in: AAS 72 (1980), n. 6, p. 802s.
  2. www.amberg-st-martin.de Amberger Zeitung, 23. September 1980 (Kath. Pfarramt St. Martin). Aufgerufen am 19. März 2011.
  3. Videoaufnahme vom Zusammenläuten der Glocken 6 bis 1 (YouTube, 5. Januar 2011, 22:23 Uhr)
  4. www.oberpfalznetz.de – Dem Galgenvogel zum Trost.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Martin (Amberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 26′ 41,8″ N, 11° 51′ 27,9″ O