St. Cyriakus (Duderstadt)

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St. Cyriakus
Blick von der Marktstraße auf die  Basilika St. Cyriakus

Blick von der Marktstraße auf die Basilika St. Cyriakus

Daten
Ort Duderstadt
Baustil Gotik
Baujahr 1240–1490
Höhe 65 m

[[Datei:|miniatur|260x260px|]] Die römisch-katholische Basilika St. Cyriakus (auch Propsteikirche) ist die Hauptkirche von Duderstadt und des Untereichsfelds. In der Stadt wird sie auch Oberkirche, in der Region „Eichsfelder Dom“ genannt. Nach einer Entscheidung des Vatikans vom 17. Juni 2015 wurde die Kirche am 3. Oktober 2015 mit einem Pontifikalamt zur Basilica minor erhoben.[1]

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild
Südansicht der Anlage mit dem Pfarrhaus und der Stadtmauer im Vordergrund

Die Kirche steht an der Stelle einer Handwerker- und Kaufmannssiedlung, die zusammen mit dem Königshof bei St. Servatius zum Kern der späteren Stadt wurde. Der älteste bekannte Bau an dieser Stelle war eine kleinere romanische Kirche. Über weitere Vorgängerbauten der heutigen Kirche ist nichts bekannt; das Cyriakus-Patrozinium reicht jedoch sicher in die Entstehungszeit der Ansiedlung um 950 zurück.

Die weitere Baugeschichte spiegelt den wachsenden Wohlstand und das Selbstbewusstsein der Duderstädter Bürger. Trotz der langen Entstehungszeit wirkt das Gesamtbild der Kirche als geschlossenes Ganzes.

Die Errichtung des heutigen Gotteshauses begann gegen 1240 mit dem Bau des monumentalen frühgotischen Westwerks, das dem romanischen Kirchenschiff vorgesetzt wurde. Jedoch wurde nur der nördliche der beiden geplanten achteckigen Türme errichtet. In diesem lebte und arbeitete lange Zeit ein Türmer, der sog. Tornemann, der die Stadt vor Feind und Feuer zu warnen hatte. Das repräsentative Portal hat wohl im Hauptportal der Elisabethkirche in Marburg sein Vorbild. Das Tympanon zeigt eine Mondsichelmadonna (im Barock ersetzt), die von zwei Weihrauchfässer schwingenden Engeln verehrt wird. Im Innenraum des Westbaus finden sich mehrere mit Motiven aus Pflanzen- und Tierwelt verzierte Pfeilerkapitelle.

1394 ersetzte man den romanischen durch den hochgotischen dreijochigen Chor mit einer fünfseitigen Apsis. Der in die Außenwand eingemauerte Grundstein nennt einen Wilhelm Knoke als leitenden Baumeister.

Schließlich wurde das romanische durch ein gotisches Langhaus in Form einer dreischiffigen Staffelhalle mit sechs Jochen ersetzt. Beim Erbauen errichtete man zunächst die neuen Außenmauern um das alte Kirchenschiff herum, um darin weiter ungestört Gottesdienst feiern zu können. Im Jahr 1490 vollendete der Göttinger Baumeister Heinrich Hellmold die Einwölbung der Kirche, wie ein Schlussstein mit seinem Wappen im nördlichen Seitenschiff beurkundet. Damit war der Bau vorerst fertiggestellt.

1852 fielen große Teile der Stadt einem verheerenden Brand zum Opfer, dabei auch die Dächer von Nordturm und Kirchenschiff. Im Zuge der von Conrad Wilhelm Hase geleiteten Wiederaufbaumaßnahmen, bei denen auch das um 1700 barockisierte Kircheninnere regotisiert wurde, errichtete man nun, nach dem Vorbild des Nordturms, auch den Südturm. Beide Türme erreichen eine Höhe von ca. 65 Metern.

Nach Pfingsten 2016 wurde mit einer Innenrenovierung begonnen, die durch neue Ausmalung und Beleuchtungskonzepte das Gotteshaus heller und freundlicher erscheinen lassen soll. Sie fand im November des gleichen Jahres ihren Abschluss.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inneres mit Blick in Richtung Hochchor
Innenraum vor der Renovierung 2016

St. Cyriakus ist reich an Kunstwerken, die vor allem den Epochen der Gotik und des Barock entstammen.

Der Hochaltar, ein spätgotischer Flügelaltar, entstammt der Zeit um 1510. 1685 musste er seinem barocken Nachfolger weichen. Nach einer Restaurierung durch Richard Moest aus Köln, der dem Altar u. a. einen neuen Rahmen gab, kehrte er 1877 an seinen alten Platz zurück. Ist er geöffnet, werden Reliefs sichtbar, die durch gotisches Maßwerk gerahmt sind und Szenen aus dem Leben Christi zeigen: Der linke Flügel widmet sich mit den Szenen der Verkündigung, der Geburt, der Beschneidung und der Anbetung der Könige der Kindheit Jesu. Der rechte Flügel zeigt Jesu Gebet im Ölgarten, seine Festnahme, Geißelung und Verspottung. Den Schrein dominiert eine große Kalvarienbergdarstellung, die Links durch die Szenen der Verurteilung Jesu und der Kreuztragung, rechts durch die Szenen der Grablegung und Auferstehung Christi gerahmt wird. In der Advents- und in der Fastenzeit ist der Altar geschlossen, sodass man ein von dem Duderstädter Kaplan Otto von dem Hagen 1879 nach italienischen Vorbildern gemaltes Bild der Verkündigung an Maria sehen kann.

Neben dem Altar befinden sich zwei Sakramentshäuser aus dem 15. Jahrhundert.

Die Fenster über dem Hochaltar entstanden 1876. Sie sind einem Flügelaltar ähnlich gegliedert und dem Stil des Nazarener zuzuordnen.

Im Chor steht zudem das barocke Chorgestühl, wo einst beim Gottesdienst Mitglieder des Stadtrates Platz fanden.

Aus der Spätgotik stammt die historische Kanzel mit Schalldeckel, die sich noch an ihrem ursprünglichen Standort in der Mitte des Kirchenschiffs befindet. Dieser Standort wurde im Mittelalter aus akustischen Gründen gewählt, da man von dort den Prediger am besten hören konnte.

Hauptschiff und Chor prägen auch die an den Pfeilern stehenden, lebensgroßen Skulpturen der zwölf Apostel, die der Barockkünstler Andreas Kersten von 1678 bis 1687 schuf. Vom gleichen Künstler stammen auch die Figuren des Guten Hirten und der Gottesmutter als apokalyptisches Weib, die sich auf jeweils einer Seite am Eingang des Chores befinden. Sie standen wohl früher im Zentrum der barocken Seitenaltäre. Im nördlichen Seitenschiff finden sich die Figuren der hll. Nikolaus von Myra und Johannes Nepomuk, die ebenso wie eine Skulpturengruppe der Flucht nach Ägypten von Kersten stammen.

Im nördlichen Seitenchor, dem sog. Johannischor, findet sich ein gotisches Relief der Beweinung Christi von 1490, das wohl einmal Teil eines Altars war.

Hier steht auch der um 1470 entstandene Gottvater- oder Gnadenstuhlaltar. Er stammt eigentlich aus dem Spital St. Martini und kam erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts hierher. Bei dem Altar handelte es sich ursprünglich um einen kleinen Flügelaltar, der in der Zeit des Historismus seine heutige, feste Gestalt erhielt. Dabei ist das mittelalterliche Bildprogramm vollständig erhalten geblieben: Der linke Flügel zeigt die hl. Maria Magdalena, wie sie Jesus die Füße wäscht. Der rechte Flügel zeigt den hl. Martin von Tours, wie er, auf einem Pferd sitzend, einem leprakranken Bettler die Hälfte seines Mantels überreicht. Im Schrein umgeben (von links nach rechts) die hll. Barbara, Andreas, Jakobus der Ältere und Katharina von Alexandrien die zentrale Darstellung des Gnadenstuhls. Die Flügelaußenseiten zieren die beschädigten Bilder einer Dreifaltigkeitsdarstellung, der sog. „Not Gottes“, und eine weitere Darstellung der hl. Maria Magdalena.

Barocker Taufstein (vor der Sanierung 2016)

Im südlichen Seitenschiff befindet sich der reich verzierte barocke marmorne Taufstein aus dem Jahr 1694. Der Deckel zeigt die Taufe Jesu im Jordan. Daran ist ein Seil befestigt, das mit den Figuren der Heiliggeisttaube und Gottvater verziert ist und das Anheben des Deckels erleichtert.

In der Nähe dazu findet sich das figurenreiche Relief der heiligen Sippe, das Anfang des 16. Jahrhunderts entstand und wohl zu einem Altarretabel gehörte.

Die Kreuzwegstationen sind ein Werk Otto von dem Hagens von 1882.

Bemerkenswert sind auch die barocken Gildeleuchter, die an den mittleren Wangen des Kirchengestühls stehen. Sie zeigen die Schutzpatrone der jeweiligen Gilde und werden bei Prozessionen mitgeführt.

Das Gotteshaus beherbergt zudem eine Vielzahl von weiteren Figuren, Gemälden und Epitaphien, unter denen eine barocke Madonna und eine Pietà von 1870 herausstechen.

Im 15. und frühen 16. Jahrhundert gab es in der Kirche zudem einen Jakobusaltar und eine Statue des Apostels Jakobus des Älteren. Die Jakobusverehrung und praktische Hilfe für Jakobspilger (wallende Brüder) waren besondere Anliegen der Duderstädter Jakobsbruderschaft, die vor der Stadtmauer am Steintor ein eigenes Hospital unterhielt.[2]

Eine Besonderheit sind auch die 80 figürlichen und gefassten Schlusssteine in den Gewölben, die Christus sowie zahlreiche Heilige zeigen. Im westlichen Teil des Hauptschiffgewölbes finden sich zudem Teile einer mittelalterlichen Ausmalung, die jedoch nicht fertiggestellt wurde.

Das kostbarste Stück des Kirchenschatzes von St. Cyriakus ist das Nordhäuser Kreuz, ein frühgotisches Vortragekreuz, das Partikel des heiligen Kreuzes und weitere Reliquien enthalten soll und mit Halb- und Edelsteinen besetzt ist. Es wurde 1672 dem Kanonikerstift in Nordhausen abgekauft.

Im Zuge der 2016 erfolgten Sanierung wurden einige neue Ausstattungsstücke, wie ein Osterleuchter und ein ewiges Licht angeschafft.

Creutzburg-Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Creutzburg-Orgel (1735)

Am 23. April 1733 begann der Orgelbauer Johannes Creutzburg mit den Arbeiten an der große[n] Orgel in Duderstadt, wie er es in seinem heute noch existierenden Werkstatt- und Tagebuch vermerkt hat. An anderer Stelle notiert er: Ao 1735 ist die Orgel in Duderstadt ferdig worden. Creutzburg hat in Duderstadt, von seinen insgesamt 14 nachweisbaren Orgelbauten, sein größtes und bedeutendstes Werk geschaffen.

Die Orgel gehörte wegen ihrer großzügigen Ausstattung mit 41 Registern auf drei Manualen und Pedal zu den herausragenden Werken in Thüringen und dem Harz. Sie stand ebenbürtig neben den Instrumenten von Heinrich Gottfried Trost, Johann Friedrich Wender, Johann Christian Dauphin und Christoph Treutmann.[2] Im Laufe der Zeit erfuhr sie fünf wesentliche Eingriffe, die dem jeweiligen Zeitgeschmack unterlagen. Nicht alle davon erfolgten in der gewünschten Qualität. Nach einer langjährigen Vorbereitungsphase führt die Orgelbaufirma Eule aus Bautzen in den Jahren 2005/2006 eine Restaurierung durch, die sich weitgehend an Creutzburgs Original orientiert. Einige wenige Register aus späteren Erweiterungen bleiben ebenfalls erhalten, ein neues wird der Disposition hinzugefügt (Unda maris 8'). Die Registerbeschriftung am Spieltisch lässt diese späteren Zutaten an einer Schriftart aus der jeweiligen Entstehungszeit erkennen.

Bei der letzten Restaurierung konnte auch die berühmte und oft zitierte Vox humana (Menschenstimme) wieder vollständig rekonstruiert werden. Im oben genannten Werkstattbuch Creutzburgs finden sich u. a. genaue Anleitungen zum Bau dieser Stimme. Zudem überlebten einige Schallbecher die verschiedenen Umbauten. Joseph Maria Homeyer, 1867–1894 Organist an St. Cyriakus und bekannter Konzertvirtuose, berichtet von diesem Register, dass er bei seinen zahlreichen Konzertreisen nur in Haarlem (Niederlande) und in Freiburg (Schweiz) ähnliche Voces humanae vorgefunden habe.[3]

Die farbliche Fassung des reichen Prospektes befindet sich trotz leichter späterer Ergänzungen im Originalzustand der Entstehungszeit. An den Gehäusearbeiten waren der Bildhauer E. Merten, der Maler D. Contzen und der Drechsler J. C. Riepenhausen beteiligt.[4] Die Pedaltürme werden im 19. Jahrhundert um knapp zwei Meter nach vorn verlegt, um Raum für weitere Register zu schaffen. Bei der letzten Restaurierung beschränkt sich der Restaurator Reinhold Gonschior auf eine behutsame Reinigung, einige Retuschen und farbliche Angleichungen.

Die heutige Disposition[5][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(in originaler Schreibweise)

I Manualwerk C,D-d3
1. Principal 8′
2. Unda maris 8′ (ab c1)
3. Bordun 16′
4. Viola di gamba 8'
5. Gemshorn 8′
6. Gedackt 8′
7. Octav 4′
8. Spitzflöte 4′
9. Quinta 3′
10. Super octav 2′
11. Tertia 13/5
12. Cornett 4f.
13. Mixtur 6f.
14. Trompeta 8′
II Oberpositiv C,D-d3
15. Principal 4′
16. Quintadehna 8′
17. Spitzflöta 8′
18. Gedackt 4′
19. Quintflöta 3′
20. Octav 2′
21. Nachtflöta 2′
22. Sexquialtera 2f.
23. Scharff 4f.
24. Vox humana 8′
Tremulant
III Brustwerk C,D-d3
25. Gedackt 8′
26. Rohrflöta 4′
27. Principal 2′
28. Flageolet 2′
29. Quinta 11/2
30. Cymbal 2f.
31. Fagott 8′
Tremulant
Pedal C, D-d1
32. Untersatz 32′
33. Principal 16′
34. Sub Bas 16′
35. Octav 8′
36. Gedackt 8′
37. Octav 4'
38. Mixtur 6f.
39. Posaunen Bas 16′
40. Trompeta 8′
Brustpedal (Seitenbässe)
41. Principal 2′
42. Waldflöta 1′
43. Cornet 4′
  • Koppeln: II/I (Schiebekoppel), I/P; Cammerthon Coppel in III (2 x 1 HT)
  • Nebenregister: 2 Zymbelsterne (auf C und G), Vogelgeßang (mehrere Pfeifen in einem Wasserbecken)
  • Technische Daten
    • Stimmtonhöhe 471,2 Hz bei 15°
    • Stimmung: Neidhardt II (1724)
    • Windversorgung durch sechs Keilbälge (Kalkantenbetrieb möglich)
    • Winddruck: Manual 80 mm WS, Pedal 88 mm WS

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glockenfenster (19. Jhd.) an der Emporentreppe im Südturm

Historisches Geläut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom historischen Geläut ist bekannt, dass es aus fünf Glocken bestand. Dazu schreibt Johann Wolf: Dem ansehnlichen Bau ist das ganz vortreffliche Geläute, dergleichen man in einer andern gleich großen Stadt nicht leicht antreffen wird, vollkommen angemessen. Dazu werden zwei große Glocken (u. a. die sog. Vesperglocke mit dem Schlagton b/h0)[6], zwei mittelmäßige und eine kleine gebraucht, die ungemein gut zusammen stimmen. Eine der größeren hat 1367 ein Bürger von Erfurt gegossen, nach der daran befindlichen Schrift: IN CRASTINO CORPORIS Xpi. ME. FECIT. IOHES D. VSLEVE. CIVIS ERFORDIE ANNO DNI MCCCLXVII. (Anm.: […] Johannes von Uslar aus Erfurt, 1367).[7]

Geläut nach dem Stadtbrand 1852[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem großen Stadtbrand im September 1852 wurden auch die Dächer und Türme der St. Cyriakus-Kirche zerstört, ebenso das historische Geläut. Im Januar 1853 konnte zunächst eine neue Evangelienglocke im wiedererrichteten Dachreiter aufgehängt werden.[8] Nach der Vollendung des Südturms, der seit dem Mittelalter fehlte, folgte 1861 ein neues Hauptgeläut, das in den noch heute vorhandenen beiden Glockenstühlen aufgehängt wurde. 1865 wurden zwei neue Uhrschlagglocken aus Stahl beschafft,[9] die jeweils in einer offenen Gaube in den Spitzen der Haupttürme der Marktstraße zugewandt hängen.

Nr.
 
Name[10]
 
Gussjahr
 
Gießer
 

(mm)[11]
Gewicht
(kg)[12]
Nominal
(16tel)[13]
Anmerkung
1 Maria 1861 Jauck, Leipzig ca. 2200 ca. 5095 fis0 Südturm
2 Laurentius ca. 1760 ca. 2840 a0 Nordturm
3 Cyriakus ca. 1400 ca. 1460 cis1
4 Christus ca. 1050 ca. 614 fis1 Südturm
5 Evangelienglocke 1853 Stützer, Benneckenstein ca. 600 ca. 139 e2 Dachreiter (1873 umgegossen)
I Große Uhrglocke 1865 Bochumer Verein ca. 800 ? cis2 1/1-Stunden-Schlag
II Kleine Uhrglocke ca. 570 ? fis2 1/4-Stunden-Schlag

Im Sommer 1917 wurden die drei großen Jauck-Glocken und die 1873 umgegossene Evangelienglocke für Kriegszwecke abgeliefert. Die fis1-Glocke blieb zunächst erhalten[11] und wurde 1923 von der Glockengießerei Otto aus Hemelingen für das neue sechsstimmige Geläut in Zahlung genommen.[14] Otto goss zunächst im selben Jahr die vier kleinen, 1931 dann die beiden großen Glocken. Die angestrebte Disposition lautete: as0 c1 es1 f1 g1 as1. Die Schlagtonlinie wurde allerdings nicht sauber getroffen. Im Zweiten Weltkrieg gingen auch diese Glocken verloren. Erhalten blieb lediglich die Evangelienglocke (Otto, 1922) im Dachreiter. Sie ist ein Geschenk der Gießerei,[15] deren Gründer, Karl und Franz Otto, 1833 in Duderstadt geboren wurden.[16]

Heutiger Bestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marienglocke (Otto, 1950) im Nordturm. Sie hängt am historischen Holzjoch von Jauck, 1861.

In den Jahren 1950/51 wurde mit dem Neuguss des im August 1942 enteigneten Otto-Geläuts begonnen. Zunächst wurden aber nur die vier kleineren Glocken ersetzt. 2011 schließlich wurden die noch fehlenden Grundglocken ergänzt. Am 11. November 2011, dem Martinstag, erklang erstmals das vollständige Geläut. Der hl. Martin ist der Schutzpatron des Eichsfelds. Die Evangelienglocke (Otto, 1922) im Dachreiter ist seit April 2011 erstmals mit einem elektrischen Antrieb ausgestattet und läutet seit Ostern 2011 wieder zum Evangelium im Hauptgottesdienst sowie zum Taufritus. Das Glockenzeichen zur Verkündigung des Evangeliums ist ein alter christlicher Brauch, der für Duderstadt und das Eichsfeld seit dem Mittelalter nachweisbar ist.

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer
 

(mm)[17]
Gewicht
(kg)[18]
Nominal
(16tel)[19]
Anmerkung
1 Gloriosa (Christusglocke) 2011 Bachert, Karlsruhe 2090 ca. 5800 as0 Hauptgeläut/Südturm
2 Dominika (Ökumeneglocke) 1670 ca. 2900 c1 Hauptgeläut/Nordturm
3 Maria 1951 Otto, Hemelingen 1391 ca. 1650 es1
4 Cäcilia 1238 ca. 1150 f1 Hauptgeläut/Südturm
5 Joseph 1106 ca. 800 g1
6 Franciscus (Franz Xaver) 1040 ca. 700 as1
7 Evangelienglocke (Johannes Baptist) 1922 589 ca. 150 f2 Chordachreiter
I Große Uhrglocke 1865 ca. 800 ? cis2 1/1-Stunden-Schlag/Südturmspitze
II Kleine Uhrglocke Bochumer Verein ca. 570 ? fis2 1/4-Stunden-Schlag/Nordturmspitze

Pfarrei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pfarrei St. Cyriakus gehört zum Dekanat Untereichsfeld im Bistum Hildesheim. Am 1. März 2004 wurde das Dekanat Untereichsfeld errichtet, es entstand durch Auflösung und Zusammenlegung der Dekanate Duderstadt und Gieboldehausen-Lindau.[20] Seit dem 1. November 2014 gehören zur Pfarrei St. Cyriakus außer der St.-Cyriakus-Kirche auch die Kirchen Mariä Verkündigung in Breitenberg, St. Mariä Geburt in Gerblingerode, St. Andreas in Mingerode, St. Nikolaus in Tiftlingerode und St. Johannes Baptist in Westerode. Im Gebiet der Pfarrei befinden sich auch die Liebfrauenkirche (Kirche des Ursulinenklosters), das St.-Martini-Krankenhaus (Krankenhaus der Hildesheimer Vinzentinerinnen) mit der Hauskapelle St. Martin und das „Ferienparadies Pferdeberg“ (eine Ferienstätte des Kolpingwerkes, ebenfalls mit Hauskapelle).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maria Kapp, in: Die Kirchen im Eichsfeld. Kirchen- und Kunstführer. Verein für Eichsfeldische Heimatkunde […] e. V. (Hrsg.), Duderstadt 2005, S. 60ff. ISBN 3-936617-41-4
  • Karl Kollmann, in: Schönes altes Duderstadt. Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 1982, S. 49ff. ISBN 3-923453-00-0
  • Die Duderstädter Pfarrkirchen. Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 1988.
  • Wulf Schadendorf: St. Cyriakus zu Duderstadt (Kleine Kunstführer für Niedersachsen, Heft 13). Göttingen 1955
  • Matthias Nolte: Die Propsteikirche St. Cyriakus in Duderstadt und die Filialkirchen. Mecke Druck und Verag, Duderstadt 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Cyriakus (Duderstadt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Göttinger Tageblatt, 5. Oktober 2015.
  2. R. Menger, in: Die Orgel des Johannes Creutzburg zu Duderstadt. Festschrift zur Wiedereinweihung. Verein zur Förderung der Restaurierung der Creutzburg-Orgel e. V. (Hrsg.), 2006, S. 13
  3. K. Kollmann, in: Schönes altes Duderstadt. Duderstadt 1982, S. 64
  4. P. Heggemann, in: Ars Organi. 55. Jhg., Heft 3, September 2008, S. 182
  5. P. Heggemann, in: Die Orgel des Johannes Creutzburg zu Duderstadt. Festschrift zur Wiedereinweihung. Verein zur Förderung der Restaurierung der Creutzburg-Orgel e. V. (Hrsg.), 2006, S. 24ff. Die hier wiedergegebene Schreibweise entspricht der originalen Registerbeschriftung am Orgelspieltisch.
  6. Bischöfl. Kommissariatsarchiv Duderstadt, Akte Nr. 1078, Notiz H.(vermtl. Homeyer)
  7. J. Wolf: Geschichte und Beschreibung der Stadt Duderstadt. Göttingen 1803, S. 250 (Inschrift nicht vollständig, siehe Anmerkung bei J. Wolf, S. 250)
  8. C. Lerch: Duderstädter Chronik. Duderstadt 1979, S. 154ff.
  9. Stadtarchiv Duderstadt: Sign Dud 2, Nr. 10202
  10. Stadtarchiv Duderstadt: Sign Dud 2, Nr. 10195, S. 115ff.
  11. a b Stadtarchiv Duderstadt: Sign Dud 2, Nr. 15439
  12. Stadtarchiv Duderstadt: Sign Dud 2, Nr. 10195, S. 7
  13. Stadtarchiv Duderstadt: Sign Dud 2, Nr. 4280a
  14. Bischöfl. Kommissar. Archiv Duderstadt, Akte 16, Bericht Propst Stübe
  15. C. Lerch: Duderstädter Chronik. Duderstadt 1979, S. 183ff.
  16. B. Opfermann: Gestalten des Eichsfeldes. Heiligenstadt 1999, S. 266
  17. A. Philipp, Glockensachverständiger (Hauptgeläut u. Chorglocke) / Stadtarchiv Duderstadt: Sign Dud 2, Nr. 10202 (Uhrschlagglocken)
  18. C. Lerch: Duderstädter Chronik. Duderstadt 1979, S. 184/201, ungefähre Gewichtsangaben
  19. A. Philipp, Glockensachverständiger (Chorglocke) / Stadtarchiv Duderstadt: Sign Dud 2, Nr. 10202 (Uhrschlagglocken)
  20. Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.): Kirchlicher Anzeiger. Nr. 2 /2004, Hildesheim 2004, S. 35

Koordinaten: 51° 30′ 45″ N, 10° 15′ 50″ O