St. Peter und Paul (Kranenburg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
St. Peter und Paul in Kranenburg
Mittelschiff
Chorraum
Kreuzaltar
Marienaltar und Orgel
Ambo

Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul in Kranenburg ist zugleich Wallfahrtskirche zum Wundertätigen Kreuz und war von 1436 bis 1802 Stiftskirche unter dem Patrozinium des heiligen Martin.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste Kirche bestand in Kranenburg spätestens 1277. Nach der Auffindung des Kranenburger Kreuzes 1308 und der einsetzenden Wallfahrt wurde vermutlich bereits im 14. Jahrhundert ein Neubau fertiggestellt, der durch die von 1409 bis 1436 gebaute, noch heute bestehende spätgotische Pseudobasilika ersetzt wurde.[1] Sie war vor allem von dem Baumeister Gisbert Schairt von Zaltbommel entworfen worden, der auch an der Stevenskerk in Nijmegen und der Xantener Viktorskirche mitwirkte.

Der allmähliche Rückgang der Wallfahrt verhinderte die Vollendung des Baues nach den ursprünglichen Plänen. Ein großzügig geplanter Chorumgang wurde nicht errichtet, und auch der Turm blieb als unvollendeter Stumpf liegen, der erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg durch eine Schieferhaube aufgestockt wurde.

Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Kirche nach jahrhundertelanger Vernachlässigung gründlich saniert, im Kriegswinter 1944/45 aber stark zerstört (Verlust sämtlicher Langhausdächer und der darunter liegenden Gewölbe, Mauerausbrüche, Einschüsse). Der weitgehend originalgetreue Wiederaufbau wurde 1949 in Angriff genommen und war 1970 abgeschlossen.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz erheblicher Verluste infolge von Säkularisation, Verkäufen und Kriegszerstörungen hat die Kirche eine reiche Ausstattung bewahrt.

Altäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreuzaltar ist ein Antwerpener Retabel aus dem 16. Jahrhundert. Im Zweiten Weltkrieg wurden der Schrein und die bemalten Flügel zerstört. Da die Figuren aber bis auf wenige Ausnahmen erhalten blieben, konnte der Altaraufsatz rekonstruiert und wiederaufgestellt werden.

Der Hochaltar stammt in seiner heutigen Konzeption aus der Zeit um 1900. Die großen oberen Altarflügel stammen von 1563, die kleinen unteren wurden um die Jahrhundertwende neu geschaffen. Der neugotische Schrein beherbergt einige Figuren aus dem 15. Jahrhundert.

Der Marienaltar ist eine Arbeit aus der Werkstatt von Ferdinand Langenberg und stammt vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

Figuren und Gemälde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem alten Stiftsbesitz hat sich eine Vielzahl von Skulpturen und Bildwerken erhalten. Besonders erwähnenswert sind der Christophorus aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und eine Altartafel mit der Darstellung des Kalvarienbergs von etwa 1430.

Steinmetzarbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im westlichen Joch des Marienschiffs steht der sechseckige Taufstein von 1448, ein maßwerkverziertes Meisterstück der Spätgotik. Im Chor des südlichen Seitenschiffes befindet sich ein derzeit noch kriegszerstörtes Türmchen in Form eines Sakramentshauses, in dem das Kranenburger Kreuzheiligtum aufbewahrt wird (Rekonstruktion seit 2008). Hinter dem Kreuzaltar sind die Reste des nach 1802 abgebrochenen Lettners aufgestellt worden; die (heute kopflosen) Figuren auf den Konsolen zeigen den Heiligen Martin, Petrus und eine nicht identifizierbare Person. Vor einigen Jahren wurden die alten Grabplatten, die jahrelang auf dem Kirchhof aufgestellt waren, wieder in den Innenraum der Kirche verlegt.

Fenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als einziges Fenster mit Originalteilen aus dem Mittelalter hat sich eine Kreuzigungsgruppe erhalten, die heute im Chor des südlichen Seitenschiffes eingebaut ist. Ein Fragment einer Darstellung der Gottesmutter mit dem Jesuskind befindet sich im Museum Katharinenhof. Die modernen Fenster im Chorraum von Johannes Beeck thematisieren die Sakramente, das große Westfenster von Vincenz Pieper unter dem Turm stellt die Apokalypse dar. Ein kleines Fenster an der Orgelempore stammt von dem Kranenburger Künstler Johann Peter Heek.

Elfenbeinschnitzereien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wertvollen Elfenbeinarbeiten aus dem Zyfflicher Stiftsbesitz gelangten zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Verkauf nach New York und Münster.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1958 von der Firma Speith-Orgelbau aus Rietberg installierte Orgel wurde 2004 umgebaut und erweitert.

Pedal C–f1
1. Subbass 16′
2. Sanftbass 16′
3. Prinzipalbass 8′
4. Gedecktbass 8′
5. Choralbass 4′
6. Flachflöte 2′
7. Hintersatz 3fach 223
8. Fagott 16′
I Hauptwerk C–g3
9. Pommer 16′
10. Prinzipal 8′
11. Gemsflöte 8′
12. Oktave 4′
13. Flöte 4′
14. Nachthorn 2′
15. Mixtur V 113
16. Trompete 8′
II Schwellwerk C–g3
17. Rohrflöte 8′
18. Salicional 8′
19. Vox Coelestis 8′
20. Prinzipal 4′
21. Blockflöte 4′
22. Schwiegel 2′
23. Septim-Sesquialter III
24. Scharff IV 1′
25. Dulcian 16′
III Rückpositiv C–g3
26. Flötenprinzipal 8′
27. Bordun 8′
28. Duesflöte 4′
29. Prinzipal 2′
30. Larigot 113
31. Zimbel III 12
32. Musette 8′
  • Koppeln: II/I, III/I, I/P, II/P, III/P.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Turm befindet sich ein dreiteiliges Geläut. Herausragend ist vor allem die im Jahre 1474 von Gerhardus van Wou gegossene Petrusglocke. Die barocke Marienglocke wurde 1644 von Johann van Trier gegossen. Die Van Triers waren über die Grenzen Aachens hinaus bekannt. Die Michaelsglocke wurde 1959 von der Fa. Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen und ersetzt eine im Zweiten Weltkrieg verlorengegangene Vorgängerglocke.

Name Petrusglocke Michaelsglocke Marienglocke
Gießer Gerhardus van Wou Petit & Gebr. Edelbrock Johann IV. von Trier
Gussjahr 1474 1959 1644
Durchmesser 1442 mm 1115 mm 1004 mm
Gewicht (ca.) 2100 kg 850 720 kg
Schlagton es'+8 ges'+8 as'+3

Pfarrer seit der Säkularisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pilgerpforte (Westportal) von innen
  • 1802–1835 Johannes Everhard Neuy
  • 1835–1857 Anton Theodor Joseph Georgi
  • 1858–1889 Anton Kleuter
  • 1889–1894 Hermann Wesselmann
  • 1894–1920 August Fugmann
  • 1920–1938 Theodor Schmitz
  • 1938–1946 Paul Höynck
  • 1946–1954 Franz Demers
  • 1954–1974 Heinrich Brey
  • 1974–2008 Franz Günter Aengenheyster
  • seit 2008 Christoph Scholten

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Peter und Paul (Kranenburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Scholten: Cranenburg und sein Stift, Kleve 1902.
  • Heinrich M. Schwarz: Die kirchliche Baukunst der Spätgotik am Niederrhein, Bonn 1938.
  • Kirchbauverein Kranenburg (Hg.): Kranenburg. Ein altes Heiligtum des Niederrheins, Kranenburg 1950.
  • Friedrich Gorissen: Kranenburg. Ein Heiligtum des Niederrheins, Kranenburg 1953.
  • Hans-Peter Hilger: Kreis Kleve, Bd. 5: Kranenburg – Zyfflich (= Die Denkmäler des Rheinlandes, Bd. 7). Rheinland-Verlag Schwann, Düsseldorf 1970.
  • Manuel Hagemann: Zerstörung und Wiederaufbau der Kranenburger Pfarrkirche St. Peter und Paul. Ein Überblick. In: Van toen naar nu. Driemaandelijks tijdschrift van de Heemkundekring „De Duffelt“, ISSN 0166-6428, Jg. 36 (2006), Heft 2, S. 6–12.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich Janssen: Wallfahrten am Niederrhein. In: Heinrich Janssen, Udo Grote (Hg:): Zwei Jahrtausende Geschichte der Kirche am Niederrhein. Dialogverlag, Münster 1998, ISBN 978-3-933144-02-7, S. 397–411, darin S. 402–403: Kranenburger Kreuz.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 51° 47′ 23″ N, 6° 0′ 21″ O