Kranenburg (Niederrhein)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Kranenburg
Kranenburg (Niederrhein)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Kranenburg hervorgehoben
Koordinaten: 51° 47′ N, 6° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Düsseldorf
Kreis: Kleve
Höhe: 21 m ü. NHN
Fläche: 76,89 km2
Einwohner: 10.648 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 138 Einwohner je km2
Postleitzahl: 47559
Vorwahl: 02826
Kfz-Kennzeichen: KLE, GEL
Gemeindeschlüssel: 05 1 54 040
Gemeindegliederung: 9 Ortschaften
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Klever Straße 4
47559 Kranenburg
Webpräsenz: www.kranenburg.de
Bürgermeister: Günter Steins (CDU)
Lage der Gemeinde Kranenburg im Kreis Kleve
Niederlande Krefeld Kreis Borken Kreis Viersen Kreis Wesel Bedburg-Hau Emmerich am Rhein Geldern Goch Issum Kalkar Kerken Kevelaer Kleve Kranenburg (Niederrhein) Rees Rheurdt Straelen Uedem Wachtendonk WeezeKarte
Über dieses Bild

Die Gemeinde Kranenburg (amtliche Schreibweise bis zum 9. Juni 1936: Cranenburg[2]) liegt am unteren Niederrhein im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen und ist eine kreisangehörige Gemeinde des Kreises Kleve im Regierungsbezirk Düsseldorf. Sie liegt an der niederländischen Grenze bei Nimwegen und ist Mitglied der Euregio Rhein-Waal.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindegebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Kranenburg gliedert sich in folgende Ortsteile (nach Einwohnerzahl):

Große Teile des Gemeindegebietes sind unbesiedelte Naturlandschaft, im Süden der Reichswald, im Norden die Rheinniederung der Düffel.

Nachbargemeinden/-städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Kranenburg grenzt im Osten an die Stadt Kleve, im Südosten an die Stadt Goch, im Südwesten an die Gemeinde Gennep (Provinz Limburg, NL), im Westen und im Norden an die Gemeinde Berg en Dal (Provinz Gelderland, NL).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kranenburg im Jahr 1563. Ansicht vom Hochaltar der katholischen Pfarrkirche
Stadtwall und Mühlenturm

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kranenburg entstand im 13. Jahrhundert als Gründung der Klever Grafen. Eine Burg Kranenburg ist erstmals 1270 belegt; bereits zu Lebzeiten Dietrichs Luf von Kleve († 1277) hat eine Kirche bestanden. 1294 besaß der Ort Stadtrecht. Durch die Auffindung des „Wundertätigen Kreuzes“ 1308 wurde Kranenburg zu einem bedeutenden Wallfahrtsort.[3]

Im 13. Jahrhundert verpfändeten die Grafen von Kleve Burg, Stadt und Land Kranenburg an Gerhard von Horn. Zwischen dessen Sohn und Erbe Dietrich von Horn und den Klever Grafen kam es zu Unstimmigkeiten wegen der Ablösung der Verpfändung. Diese Auseinandersetzung wurde durch einen Schiedsspruch der Herzogin Johanna von Brabant 1370 beendet und das Pfand von Graf Adolf I. von Kleve wieder abgelöst. Die laut Schiedsspruch zu zahlende Ablösesumme betrug 30.000 Goldschilde.[4]

Zu dieser Zeit besaß die Stadt Kranenburg eine erste Befestigung. Um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert wurden eine neue Burg und eine steinerne Befestigungsanlage mit zwei Toren und einer bislang ungeklärten Zahl von Türmen errichtet, der südlichste als Stadtwindmühle. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erlebte die Stadt eine Blütezeit, die ihren Ausdruck im Bau einer großen gotischen Kirche fand. 1436 wurde das Zyfflicher Martinsstift nach Kranenburg verlegt, 1445/46 ein Schwesternkonvent als Filiale des Klever Schwesternhauses vom Berg Sion in der Kranenburger Mühlenstraße eingerichtet. 1457 wurde in Kranenburg der Vertrag beschlossen, der die Münsterische Stiftsfehde beendete.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Stadtbrände und Hochwasserkatastrophen brachten den Ort seit dem Ausgang des Mittelalters um seinen früheren Wohlstand. Mit dem Aussterben des Jülich-Kleve-Bergischen Herzoghauses 1609 fiel Kranenburg mit dem Herzogtum Kleve an Brandenburg-Preußen. Der Große Kurfürst vergab Kranenburg 1675 an seinen Leibarzt Arnold Fey; nach dessen Tod 1678 fiel der Ort an Brandenburg zurück. Um 1650 wurde eine reformierte Gemeinde in Kranenburg gegründet, die 1723 eine kleine Kirche beziehen konnte. 1789 zerstörte ein Stadtbrand das historische Rathaus. Die baufälligen Stadttore wurden um 1800 abgebrochen.

19./20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Franzosenzeit war Kranenburg Kantonssitz im Département de la Roer und zeitweise nördlichster Punkt des französischen Staates, verlor aber seinen Status als Stadt. Das Martinsstift und der Katharinenkonvent wurden 1802 säkularisiert. Nach dem Wiener Kongress bildeten die Gemeinden Kranenburg, Nütterden und Frasselt-Schottheide die Bürgermeisterei Kranenburg. 1936 wurde Grafwegen, das vorher zu Kessel gehört hatte, Kranenburg zugeschlagen. Kranenburg blieb bis ins 20. Jahrhundert stark von der Landwirtschaft geprägt.

Abschuss einer amerikanischen Boeing B-17 über Kranenburg

Im Kriegswinter 1944/45 wurde der Ort schwer in Mitleidenschaft gezogen. Am 7. Februar 1945 begannen westalliierte Truppen die Schlacht im Reichswald. Kranenburg wurde am 10. Februar von ihnen besetzt.[5] Ende März 1945 schlugen sie bei Wesel einen Brückenkopf über den Rhein (Operation Plunder).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gemeinden Wyler und Zyfflich dem Amt Kranenburg hinzugefügt. Die Gemeinde Kranenburg in ihrer heutigen Form entstand am 1. Juli 1969 beim ersten kommunalen Neugliederungsprogramm in Nordrhein-Westfalen. Die Gemeinden Kranenburg (mit Nütterden, Frasselt, Schottheide und Grafwegen), Wyler und Zyfflich des Amtes Kranenburg sowie die Gemeinden Mehr und Niel des Amtes Rindern wurden zur neuen Gemeinde Kranenburg zusammengeschlossen.[6] Am 1. Januar 1975 wurde im Zuge des zweiten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen der Altkreis Kleve mit dem ehemaligen Kreis Geldern und Teilgebieten der Kreise Moers und Rees zum neuen niederrheinischen Großkreis Kleve zusammengefügt. In der Grenzgemeinde Kranenburg leben heute auch viele Niederländer.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Angaben beziehen sich auf das heutige Gebiet der Gemeinde Kranenburg.[7][8]

  • 1975: 07.860 Einwohner
  • 1980: 07.842 Einwohner
  • 1985: 07.882 Einwohner
  • 1990: 07.957 Einwohner
  • 1995: 08.526 Einwohner
  • 2000: 09.282 Einwohner
  • 2005: 09.845 Einwohner
  • 2010: 09.963 Einwohner
  • 2015: 10.648 Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
(in %) [9]
 %
50
40
30
20
10
0
48,3
31,4
11,4
9,0
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
-3,7
+2,1
+2,3
-0,7
Kommunalwahl 2014
    
Von 28 Sitzen entfallen auf:

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der letzten Kommunalwahl am 25. Mai 2014 sind im Gemeinderat CDU (48,3 %, 13 Sitze), SPD (31,4 %, 9 Sitze), Grüne (11,4 %, 3 Sitze) und FDP (9,0 %, 3 Sitze) vertreten. Die Wahlbeteiligung lag bei 47,61 %.[9]

Die nächste Kommunalwahl findet im Jahr 2020 statt.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister der Gemeinde Kranenburg ist seit 2009 Günter Steins (CDU). Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 13. September 2015 wurde er, unterstützt von CDU und FDP, mit 66,0 % der Stimmen wiedergewählt. Seine Gegenkandidatin war Tatjaana Kemper (SPD, 34,0 %). Die Wahlbeteiligung lag bei 44,91 %.[10]

Die nächste Bürgermeisterwahl findet im Jahr 2020 statt.

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinde Kranenburg ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten in Düsseldorf vom 28. Juli 1972 die Führung eines Wappens, eines Dienstsiegels und Banners genehmigt worden. Die Gemeinde führt außerdem ein Logo.

Blasonierung: „In Rot eine gezinnte goldene (gelbe) Stadtmauer mit einem goldenen (gelben) Torturm, auf der je ein silberner (weißer) Kranich, einander zugewendet und ein Bein gegen den Turm gestellt.“

Das Wappen ist "redend" und entstammt einem alten Stadt- und Schöffensiegel der ehemaligen mittelalterlichen Stadt im Kranichenbruch (Stadtrechte von ca. 1290–1800).

Beschreibung des Siegels: „Umschrift oben: “GEMEINDE KRANENBURG” - Umschrift unten: “KREIS KLEVE” - Siegelbild: In Umrißzeichnung ohne Schild das Wappen der Gemeinde.“

Beschreibung des Banners: „Rot-gelb im Verhältnis 1:1 längsgestreift mit dem Gemeindewappen ohne Schild im roten Bannerhaupt.“[11]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kranenburg unterhält seit 2001 gemeinsam mit seinen niederländischen Nachbargemeinden Groesbeek und Ubbergen eine Partnerschaft mit der Stadt Körmend in Ungarn.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Guck-Mal-Theater Kranenburg
  • Bühnenfreunde Mehr e. V.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Musikverein Kranenburg e. V.
  • Musikzug der Allgemeinen Schützengesellschaft Nütterden e. V.
  • Musikverein 1923 Zyfflich e. V.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche St. Peter und Paul in Kranenburg (15. Jahrhundert)
St. Martinskirche in Zyfflich (11. Jahrhundert)
Naturschutzgebiet Kranenburger Bruch
Die Große Straße während der Umgestaltung 2006

Kranenburg

Zyfflich

Niel

Mehr

Frasselt

Nütterden

Wyler

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die NABU-Naturschutzstation engagiert sich besonders für den Schutz der Graugans, die in großer Zahl in den Feuchtgebieten der Düffel bei Kranenburg leben oder überwintern.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flugverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nächstgelegenen Flughäfen sind der Flughafen Niederrhein in Weeze und der Flughafen Düsseldorf International.

Busverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im kommunalen Personennahverkehr verkehrt die Schnellbuslinie SB58 der VGN zwischen Emmerich und Nijmegen, die Linie 55 der VGN zwischen Kleve und Kranenburg sowie die Linie 57 der niederländischen Hermes (Breng) zwischen Kranenburg und Nijmegen.

Für den gesamten öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gilt der Tarif des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) und tarifraumüberschreitend der NRW-Tarif.

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1991 bestand SPNV auf der Linksniederrheinischen Strecke von Kleve über Kranenburg nach Nimwegen. Seit dem Frühjahr 2008 sind auf einem Teil dieses Abschnittes Draisinenfahrten für bis zu 14 Personen zwischen Kleve und Groesbeek möglich. Der ehemalige Kranenburger Bahnhof beherbergt heute das „Caféhaus Niederrhein“ sowie das „Besucherzentrum De Gelderse Poort Kranenburg“. Dies ist eine Informationsstelle der örtlichen Gemeindeverwaltung und des NABU.

Der Betrieb auf der 1912 eröffneten Straßenbahnstrecke Kleve-Kranenburg-Wyler war 1960 eingestellt worden.

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Fernstraßenbereich ist Kranenburg an die Bundesstraßen 9 und 504 angebunden. Nach der Umgestaltung der "Großen Straße" im Jahr 2006 wurde das Zentrum der Ortschaft als verkehrsberuhigte Zone umgestaltet. Der Verkehr zwischen Kleve und Nimwegen wird nun über eine Umgehungsstraße um den Ort herum geleitet.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Örtliche Presseberichterstattung erfolgt in der Rheinischen Post und der Neuen Ruhr Zeitung. Kostenlos verteilt werden das Klever Wochenblatt, die Niederrhein Nachrichten, der Kurier am Sonntag und die deutsch-niederländische Zeitung De Rozet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Scholten, Cranenburg und sein Stift, Kleve 1902.
  • Kirchbauverein Kranenburg (Hrsg.), Kranenburg. Ein altes Heiligtum des Niederrheins, Kranenburg 1950.
  • Friedrich Gorissen, Kranenburg. Ein Heiligtum des Niederrheins, Kranenburg 1953.
  • Verein für Heimatschutz (Hrsg.), Kranenburg. Ein Heimatbuch, Kranenburg 1984.
  • Verein für Heimatschutz (Hrsg.), Geschichte im Turm. Katalog zur ortsgeschichtlichen Ausstellung im Mühlenturm Kranenburg, Kranenburg 2006.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kranenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amtliche Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 18. Juli 2016. (Hilfe dazu)
  2. Statistik des Deutschen Reichs, Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I, Berlin 1939; Seite 267
  3. Heinrich Janssen: Wallfahrten am Niederrhein. In: Heinrich Janssen, Udo Grote (Hg:): Zwei Jahrtausende Geschichte der Kirche am Niederrhein. Dialogverlag, Münster 1998, ISBN 978-3-933144-02-7, S. 397–411, darin S. 402–403: Kranenburger Kreuz.
  4. Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Cöln, Urkunde 706, 1853, Teil 3, 1301–1400, S. [613]601
  5. Kevelaerer Enzyklopädie
  6. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 80.
  7. Bevölkerung aller Gemeinden in Nordrhein-Westfalen ab dem 31. Dezember 1962 jeweils am Jahresende nach dem jetzigen Gebietsstand
  8. Daten und Fakten | Gemeinde Kranenburg. In: www.kranenburg.de. Abgerufen am 21. Mai 2016 (deutsch).
  9. a b Wahlergebnisse Kommunalwahl 2014 Kommunales Rechenzentrum Niederrhein
  10. Wahlergebnisse Kommunalwahl 2015 Kommunales Rechenzentrum Niederrhein
  11. [1] (PDF; 32 kB) Hauptsatzung der Gemeinde Kranenburg, § 2