St. Remigius (Königswinter)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eingangsseite von St. Remigius (2013)

Die katholische Pfarrkirche St. Remigius in Königswinter, einer Stadt im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis, wurde 1779/80 errichtet. Sie liegt in der Altstadt an der Hauptstraße (Hausnummer 410) Ecke Drachenfelsstraße. Das Kirchengebäude steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Remigius um 1850

Ein Sakralbau ist in Königswinter spätestens in einer Besitzurkunde aus dem Mai 1144 belegt, in der Konrad III. eine Kapelle in Königswinter erwähnte, die zum Stift Vilich gehörte. Ein mittelalterlicher romanischer Kirchbau mit Chorturm[2], vermutlich aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, wurde im Mai 1779 abgerissen. Weitere ehemals zum Stift Vilich gehörende Pfarrkirchen mit erhaltenen Chorturmanlagen finden sich noch in den Königswinterer Stadtteilen Niederdollendorf und Oberdollendorf. Neubaupläne für die Kirche St. Remigius kamen ab Mitte des 18. Jahrhunderts auf. Bereits 1731 war ein Pfarrhaus errichtet worden. Mit dem Bau der Kirche am Übergang vom Spätbarock zum Klassizismus wurde 1779 begonnen, ihre Segnung erfolgte nach einjähriger Bauzeit im August 1780. Finanziert wurde das Schiff des neuen Gotteshauses aus dem Nachlass des 1754 verstorbenen Statthalters der Burggrafschaft Drachenfels, die Kosten des Kirchturms wurden aus Spenden und Darlehen der zivilen Gemeinde bestritten. Als Architekt stand Johann Georg Leydel zur Verfügung, was durch stilistische Kriterien und Hinweise allgemeiner Art untermauert werden kann.[3]

Das Kircheninventar wurde Anfang des 19. Jahrhunderts durch Vermächtnisse zweier Kölner Ordensgeistlicher zu Bebenhausen bereichert, die in Königswinter ihre Privatkapelle einrichteten. Im Kulturkampf war die Pfarrkirche ab 1874 für Jahre verwaist.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Remigiuskirche, ein verputzter Bruchsteinbau aus Latit von der Wolkenburg[4], ist eine dreischiffige von Osten nach Westen ausgerichtete Hallenkirche mit einem vier Geschosse umfassenden und fensterarmen, von einer geschweiften Haube gekrönten Westturm. Die Kirche, deren dreiachsige Hauptfassade durch massive Pilaster gegliedert wird, besitzt ein Walmdach. Dem klassizistischen Hauptportal ist ein Dreiecksgiebel aufgesetzt, oberhalb dessen sich eine Chronogramm-Inschrift, ein längsovales Fenster und schließlich ein Rundbogengiebel befinden. In das Langhaus sind pro Seite jeweils drei große Rundbogenfenster eingebaut, gegliedert werden sie durch Strebepfeiler. Trachytpfeiler sowie schmiedeeiserne Gitter grenzen die Kirche an einem Vorplatz von der Straße ab.[5]

Hinter dem Kirchturm erstreckt sich eine kleine gestaltete Kirchhofanlage mit Grabkreuzen aus Trachyt aus dem 17. und 18. Jahrhundert. In der Mitte des Platzes befindet sich das „Sebastianus-Kreuz“ der Schützenbruderschaft von 1695, das 1840 erneuert und 1938 vom Marktplatz hierher versetzt wurde. Es ist von einer quadratischen Anlage mit Pfeilern umgeben.[5]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1972 beherbergt die Remigius-Kirche eine Orgel der Firma Georg Stahlhuth, Aachen. Der Prospekt gliedert sich in das historische Gehäuse ein.

I Hinterwerk C–g3
Metallgedackt 8'
Quintade 8'
Prinzipal 4'
Rohrflöte 4'
Oktave 2'
Terzglockenton 13/5
Scharf IV-VI 2/3
Holzdulcian 8'
Schalmey 4'
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
Gedacktpommer 16'
Prästant 8'
Spitzgedackt 8'
Oktave 4'
Querflöte (überbl.) 2'
Sesquialter I-III 22/3
Mixtur IV-VI 11/3
Trompete 8'
Doppelkegelregal 8'
Pedal C–f1
Subbass 16'
Prinzipalbass 8'
Gemshorn 8'
Oktavbaß 4'
Rauschpfeife III
Posaune 16'
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P
  • Spielhilfen Handregister, 3 Setzerkombinationen (mech./el.), 6 Tritte zum Einrichten der Setzer, Auslöser (Tritt), 6 Einzelabsteller (Gedacktpommer 16' und alle Zungen), Schwelltritt

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die drei ursprünglichen 1781 angefertigten Glocken der Kirche stammen von der Glockengießerei Mabilon in Saarburg. Eine fünfte und bisher größte Glocke kam 1967 hinzu.[6]

Nr.
 
Name
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT-1/16)
Gussjahr
 
Glockengießer
 
1 Jakobus 1440 1850 d1 –8 1967 Glockengießerei Mabilon, Saarburg
2  ? 1298 1450 e1 -6 1791 Urban Mabilot aus Saarburg
3  ? 1183 950 f1 –8 1781 Urban Mabilot aus Saarburg
4  ? 1065 790 g1 -5 1781 Urban Mabilot aus Saarburg
5  ? 408 45 h2 +2 1862 unbekannter Gießer

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Remigius (Königswinter) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Stadt Königswinter, Nummer A 77
  2. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen I. Rheinland, bearb. und erw. Auflage, Deutscher Kunstverlag, Berlin und München 2005, S. 844.
  3. Hermann J. Mahlberg: Der Architekt und Bildhauer Johann Georg Leydel. Ein Beitrag zur rheinischen Architekturgeschichte des 18. Jahrhunderts, Köln 1973, S. 119 ff.
  4. Verschönerungsverein für das Siebengebirge (Hrsg.): Naturpark-Echo des VVS, 13. Jg., Nr. 1, April 2013, S. 6.
  5. a b Angelika Schyma: Stadt Königswinter. (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmäler im Rheinland, Band 23.5.)
  6. Gerhard Hoffs: Glocken im Dekanat Königswinter. PDF; S. 44–48.

Koordinaten: 50° 40′ 26″ N, 7° 11′ 38″ O