Stadtkirche Winterthur

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Stadtkirche Winterthur

Die Stadtkirche mit Fahne anlässlich des 1. August

Basisdaten
Konfession evangelisch-reformiert
Ort Winterthur, Schweiz
Landeskirche Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich
Widmung Laurentius von Rom, St. Alban, St. Pankratius
Baugeschichte
Baujahr 1244 (Chor), 1180–1362 (Nordturm), 1486 bis 1490 (Südturm), 1508–1538 (Schiff)
Baubeschreibung
Baustil Gotik
Bautyp Basilika
Koordinaten 697201 / 261714Koordinaten: 47° 29′ 56,4″ N, 8° 43′ 43,3″ O; CH1903: 697201 / 261714
Vorlage:Infobox Kirchengebäude/Wartung/Funktion und Titel fehltEvangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich

Die Stadtkirche Winterthur ist die evangelisch-reformierte Stadtkirche von Winterthur und als solches eines der Wahrzeichen von Winterthur. Die Stadtkirche wird vom Bund in der Liste der Kulturgüter von nationaler Bedeutung im Kanton Zürich geführt.[1]

Die Kirche ist den drei Stadtheiligen St. Laurentius, St. Alban und St. Pankratius gewidmet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Stadtkirche geht bis ins 7./8. Jahrhundert zurück, als auf dem Platz der Stadtkirche ein einfacher hölzerner Saalbau entstand, der im 9. Jahrhundert durch einen Massivbau ersetzt wurde. Im frühen Mittelalter fiel die Kirche mehrmals Stadtbränden zum Opfer und musste wieder aufgebaut werden. Der älteste, heute noch bestehende Teil, ist der romanisch-frühgotische Chor von 1244. Das Langschiff entstand 1508 bis 1538, die Fenster des Schiffs wurden 1853–1856 nochmals durch neugotische Fenster von Max Aumüller ersetzt. Ein zur Kirche gehörender Friedhof wurde 1826 aufgehoben.

Türme, Uhren und Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältesten Spuren des Nordturms, der damals noch alleine stand, sind von 1180 bis 1362 nachweisbar. 1486 bis 1490 gesellte sich dann der Südturm dazu, der 1490/1494 zwei Glocken erhielt, die heute nicht mehr erhalten sind. Seine heutige Form erhielt der Nordturm im 16. Jahrhundert, die älteren Turmmauern sind noch im Fundament erhalten. 1630 erhielt der kleinere Südturm eine erste Sonnenuhr, 1659 wurde er auf 55 m aufgestockt (wobei er nun grösser war), der bisherige Käsbissenturm wurde durch die heutige barocke Haube ersetzt. Zudem erhielt der Turm an den Ecken Drachen-Wasserspeier und eine Uhr des Winterthurer Uhrmachers Tobias Liechti. Die Uhr erhielt 1842 ein Münchner Uhrwerk, das 1853 wieder ersetzt wurde um schliesslich 1923 durch das heutige elektrische Uhrwerk ersetzt zu werden. Knapp hundert Jahre nach der Aufstockung des Südturms wurde der Nordturm 1794 auf Höhe des Südturms angepasst und auch ihm eine barocke Haube aufgesetzt, womit die Türme ihr heutiges Aussehen erreichten. 1823 erhielt der Südturm seine zweite, untere Sonnenuhr. 1868 bis 1881 erhielt der Südturm ein fünfstimmiges Geläut von Johann Jakob Keller, der Nordturm erhielt 1868 ebenfalls drei Glocken aus Kellers Werkstatt.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Langschiff enthielt ursprünglich eine reiche Ausstattung, die im Laufe der Reformation zusammen mit der damaligen Orgel entfernt wurde. 1644 wurde die ursprünglich in der Mitte eines Lettners stehende Kanzel an den ersten Südpfeiler versetzt. Die heutige Kanzel stammt von Ferdinand Stadler und wurde 1854 von einem Bildhauer namens Egger aus Konstanz hergestellt. Eines der ältesten Relikte in der Kirche ist der Taufstein von Hans Conrad Frei aus dem Jahr 1656. 1712 wurde eine mit Flachschnitzereien verzierte Holzdecke durch eine Gipsdecke ersetzt, die 1913 wiederum durch eine Kassettendecke ersetzt wurde. Die romanische Innenausmalung der Kirche von Paul Zehnder entstand in den Jahren 1923 bis 1930 und gilt als die bedeutende kirchliche Malerei des 20. Jahrhunderts in der Schweiz.

Aus vorreformationistischer Zeit erhalten ist eine Grabplatte von Elisabeth von Bach († 1519), einer süddeutschen Adeligen und Gönnerin der Stadt. Eine weitere Grabplatte von Magdalena von Fulach (1587–1650), die bei der Renovation 1923 entdeckt wurde, gilt als verschollen. Bei Besichtigungen kann man heute noch konservierte Überreste der Überbauungen seit dem 9. Jahrhundert besuchen sowie die Wappenmalerei Hans Haggenbergs von 1493.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die historische Hauptorgel
Die Chororgel mit den Kirchenfenstern im Hintergrund

Hauptorgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erste Kirche im Kanton Zürich erhielt die Stadtkirche 1809 wieder eine Orgel. Diese wurde der Kirche vom Musikkollegium geschenkt und stammt ursprünglich aus dem Kloster Salem und wurde 1766 bis 1768 von Karl Joseph Riepp gebaut. Der Prospekt hierzu stammt von Joseph Anton Feuchtmayer. Seit 1888 steht im Gehäuse der originalen Orgel eine Walckerorgel mit 56 Registern, 3 Manualen und Pedalklaviatur, in dem Register aus dem Vorgängerinstrument wiederverwendet wurden.[2]

I Hauptwerk C–g3
Principal 16′
Bourdon 16′
Principal 8′
Bourdon 8′
Viola di Gamba 8′
Hohlflöte 8′
Dolce 8′
Quinte 513
Octav 4′
Rohrflöte 4′
Gemshorn 4′
Quinte IV
Octave 2′
Mixtur V 223
Cornett III–V 8′
Trompete 8′
II Positiv C–g3
Bourdon 16′
Principal 8′
Bourdon 8′
Doppelflöte 8′
Salicional 8′
Aeoline 8′
Voix céleste 8′
Principal 4′
Traversflöte 4′
Flute d’amour 4′
Waldflöte 2′
Mixtur IV 223
Clarinette 8′
Trompete 8′
III Schwellwerk C–g3
Lieblich Gedeckt 16′
Principal 8′
Viola 8′
Lieblich Gedeckt 8′
Spitzflöte 8′
Harmonika 8′
Fugara 4′
Dolceflöte 4′
Harmonia aetherea IV 4′
Trompette harmonique 8′
Basson-Hautbois 8′
Clairon 4′

Echowerk C–g3
Bourdon d’écho 8′
Vox humana 8′
Tremolo
Pedal C–f1
Principal-Bass 32′
Principal-Bass 16′
Violon-Bass 16′
Subbass 16′
Gedeckt-Bass 16′
Floeten-Bass 8′
Violoncello 8′
Octav 4′
Posaune 16′
Trompete 8′
Clairon 4′

Chororgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chororgel wurde 1983 von dem Orgelbauer Metzler (Dietikon) erbaut und hat 18 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind mechanisch.

I Hauptwerk C–f3
1. Bourdon 16′
2. Principal 8′
3. Hohlflöte 8′
4. Oktave 4′
5. Quinte 223
6. Superoctave 2′
7. Mixtur III
8. Cornet III D
9. Dulcian 8′
II Brustwerk C–f3
10. Gedackt 8′
11. Rohrflöte 4′
12. Principal 2′
13. Sesquialtera II
14. Sifflöte 113
15. Vox humana 8′
Pedalwerk C–d1
16. Subbass (= Nr. 1) 16′
17. Octave (= Nr. 2) 8′
18. Trompete 8′

Als opus 135 von Orgelbau Armin Hauser (Kleindöttingen) gibt es überdies ein 2012 gebautes Orgelpositiv mit neun Registern.[3]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Keller: Stadtkirche Winterthur. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 1988, S. 27.
  • Martin Illi, Renata Windler: Stadtkirche Winterthur. Archäologie und Geschichte. Chronos Verlag, Zürich 1994, ISBN 3-905311-43-7, S. 95.
  • Carola Jäggi (Hrsg.): Die Stadtkirche St. Laurentius in Winterthur. Ergebnisse der archäologischen und historischen Forschungen. Fotorotar AG, Druck-Kommunikation-Verlag, Zürich 1993, ISBN 3-905647-59-1, S. 318.
  • Alfred Ziegler: Geschichte der Laurenzen- oder Stadtkirche Winterthur. Nr. 1. bis 3 (1934–1951). Winterthur.
  • Hermann Walser: Geschichte der Stadtkirche Winterthur. Winterthur 1951.
  • Sibyl Kraft: Die Stadtkirche Winterthur. (= Schweizerische Kunstführer. Nr. 924, Serie 93). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2013, ISBN 978-3-03797-089-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stadtkirche Winterthur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A–Objekte ZH 2018. Schweizerisches Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung. In: babs.admin.ch / kulturgueterschutz.ch. Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS – Fachbereich Kulturgüterschutz, 1. Januar 2018, abgerufen am 26. Dezember 2017 (PDF; 163 KB, 32 S., wird jährlich erneuert, keine Änderungen für 2018).
  2. Nähere Informationen zur Orgel
  3. Konzertorgel für die Stadtkirche in Winterthur. auf der Website des Erbauers, abgerufen am 5. Januar 2014.