Stammersdorf

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Stammersdorf
Wappen Karte
Wappen von Stammersdorf
Stammersdorf karte.png
Luftbild des alten Ortskernes von Stammersdorf Richtung Osten

Stammersdorf ist der letzte Bezirksteil des 21. Wiener Gemeindebezirks Floridsdorf, der im Jahre 1938 nach Wien eingemeindet wurde. Heute ist Stammersdorf eine der 89 Wiener Katastralgemeinden.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Freiheitsplatz in Stammersdorf

Stammersdorf liegt am Südosthang des Bisambergs und wird vom 1992 eröffneten Marchfeldkanal durchquert. Es grenzt im Norden an Niederösterreich, im Westen an Strebersdorf, im Süden an Großjedlersdorf und im Osten an Leopoldau und gliedert sich mittlerweile in Oberort, Unterort und Neu-Stammersdorf. Der Oberort ist der älteste Teil der Siedlung mit ersten Siedlungsspuren um 2000 v. Chr. Der Unterort entstand mit der wachsenden Bedeutung der Verkehrsachse Wien – Brünn, der Brünner Straße, und entwickelte sich ostwärts zur Brünner Straße. Neu-Stammersdorf ist der neueste Teil und wurde erst in den 1990er Jahren erbaut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die am Hang des Bisambergs gegen das Marchfeld zu gelegene Ortschaft wird 1150 erstmals urkundlich erwähnt, dürfte aber bereits um 1100 entstanden sein; sie hieß ursprünglich Stenmarsdorf oder Stamleinsdorf, 1203 Stoumarsdorf. Die Ortsbezeichnung leitet sich vom slawischen Personennamen Stojmir ab.[1]

Zwischen dem am Hang liegenden Oberort und dem Unterort erstreckt sich der Dorfanger, an dem die den Ober- und Unterort verbindende Hauptstraße entlangführt. Stammersdorf ist demnach ein so genanntes Linsenangerdorf. Die vom Anger durch eine schmale Gasse erreichbare Dorfkirche, die Pfarrkirche Stammersdorf, gehört zu den alten niederösterreichischen Wehrkirchen; der Ort war verteidigungsfähig, da der Anger, auf dem notfalls das Vieh weiden konnte, von geschlossenen Häuserzeilen umgeben war. Dennoch verwüsteten nacheinander Ungarn, Türken, Schweden, nochmals Türken und schließlich Franzosen den Ort.

Stammersdorf 1822

Stammersdorf war auch ein beliebtes Feldlager: Hier ließen sich 1619 die Böhmen unter Graf Thurn nieder, 1645 wählte der schwedische Feldherr Torstensson die Gegend zu seinem Hauptquartier. 1805 bezogen die Österreicher hier ihr Feldlager und 1866 projektierte man eine Verteidigungslinie bei Stammersdorf gegen die Preußen. In den Pestjahren 1679 und 1713 kamen viele Einwohner um; materiell größten Schaden hingegen richtete – neben kriegerischen Zerstörungen – der Brand im Jahr 1850 an: ihm fielen die Kirche, 52 Häuser und 38 Scheunen zum Opfer. Trotz allem hat die im Laufe der Jahrhunderte gewachsene Siedlung bis heute den Dorfcharakter bewahren können.

In das Fernverkehrsnetz wurde sie unter Kaiser Karl VI. nicht eingebunden: Die Brünner Straße führt östlich am Ort vorbei. Die Verbindung nach Wien wurde 1886 durch die von der Augartenbrücke herausgeführte Dampftramway verbessert, die Strecke wurde 1912 elektrifiziert. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die „Freiwillige Rettungsgesellschaft Stammersdorf“ gegründet, der Gründer war Theodor Schimanek. Die Gesellschaft wurde über Spenden finanziert. 1928 wurde Stammersdorf zur Marktgemeinde erhoben, im selben Jahr wurden die Straßen benannt. Erst seit 1938 ist Stammersdorf Bestandteil des 21. Wiener Gemeindebezirks.

Im Zweiten Weltkrieg waren am nahegelegenen Bisamberg viele Flak-Geschütze stationiert, um Wien vor Luftangriffen zu schützen. Vier sind noch in den Grundrissen erhalten - zu finden An den alten Schanzen. In dieser geschützten Zone wurde am Rande des Bisamberges eine Flugzeugfabrik errichtet, deren Reste man noch heute besichtigen kann. Weiters wurde zwischen 1939 und 1940 die heutige Van-Swieten-Kaserne an der Brünner Straße erbaut. Es wurde eine zweite Kaserne - eine Panzerwerkstatt - in der Gerasdorferstraße errichtet. Einige Jahre war die ÖMV auf diesem Gelände. Diese wurde aber 2012 fast völlig zerstört. Es wurde eine große Wohnhaussiedlung errichtet.

Aufbahrungshalle des Stammersdorfer Zentralfriedhofes mit über 20.000 Grabstellen

Der neue Stammersdorfer Zentralfriedhof wurde ab 1902 nach den Plänen des Ingenieurs Oskar Mratschek und Baumeisters Alois Frömmel gebaut und am 27. Mai 1903 durch Dechant Ludwig Hüttner von Pillichsdorf geweiht. Von 1964 bis 1966 errichtete man dort das zweite Wiener Krematorium. Dies wurde allerdings ab dem 7. September 1981 wieder geschlossen und nur während des von 1984 bis 1986 erfolgten Umbaues der Feuerhalle Simmering vorübergehend wieder in Betrieb genommen wurde.[2]

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nördlich des Ortes befinden sich die Alten Schanzen, ehemalige Verteidigungsbauwerke und heute bemerkenswerte Naturdenkmäler.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kellergasse in Stammersdorf

An den Hängen des Bisambergs wird Wein angebaut. Mit rund 267 Hektar Rebflächen gehört Stammersdorf zu den bedeutendsten Wiener Weinbaugebieten.[3] Die im Ort vorhandenen Heurigen sind ein beliebtes Ausflugsziel der Wiener und ihrer Gäste.

In Stammersdorf befindet sich die Van Swieten-Kaserne mit dem Heeresspital und der Sanitätsschule des Bundesheeres.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Friedl (1884–1955), Fleischhauer, Gastwirt und ÖVP-Politiker
  • Hermann Reschny (1898–1971), NSDAP-Politiker und SA-Führer

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Felix Czeike: Wien XXI. Floridsdorf. Wiener Bezirksführer. J&V, Wien 1979, ISBN 3-7141-6221-6.
  • Raimund Hinkel: Wien XXI. Floridsdorf. Das Heimat-Buch. Jedlsee, Schwarzlackenau, Strebersdorf, Jedlersdorf, Leopoldau, Stammersdorf, Zwischenbrücken, Donaufeld, Floridsdorf, Jedlersdorf am Spitz. Wien 1994. ISBN 3-85447-528-4.
  • Günter Weber (Hrsg.): Stammersdorf – Strebersdorf 1890 – 1960. Album Verlag für Photographie, Wien 2000, ISBN 3-85164-092-6.
  • Peter Diem, Michael Göbl, Eva Saibel: Die Wiener Bezirke. 2. Auflage 2003, Deuticke, ISBN 3-85223-463-8.
  • Franz Polly: Heimatkunde Stammersdorf. Wien 1979.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stammersdorf – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Band 5 R-Z (Wien 2004), S. 312.
  2. Friedhöfe Wien GmbH – Geschichte des Stammersdorfer Zentralfriedhofs.
  3. Rebflächen in Wien nach Katastralgemeinden 2010. Website der Stadt Wien, abgerufen am 21. Juni 2012.

Koordinaten: 48° 18′ N, 16° 26′ O