Steindamm (Hamburg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Der Steindamm ist eine bedeutende Hauptstraße im Hamburger Stadtteil St. Georg.

Der Steindamm von Westen gesehen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Steindamm war 1539[1] die erste gepflasterte Straße, die außerhalb der Hamburger Stadtmauern angelegt wurde. Er verband das Steintor der Hamburger Wallanlagen mit dem Lübecker Tor in der Befestigung der Vorstadt St. Georg. Als Teil der Verbindung der Städte Hamburg und Lübeck (später Bundesstraße 75) war es die meistbefahrene Straße der Stadt.

Nach der sogenannten Gründerzeit um 1880 bis 1890 wurde St. Georg durchweg mit vierstöckigen Mietshäusern besiedelt. Der Steindamm entwickelte sich zu einer Hauptgeschäftsstraße, die auch über den Stadtteil hinaus Bedeutung hatte. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde er von sieben Straßenbahnlinien durchfahren (1, 2, 3, 4, 5, 9, 20).

Der Abschnitt zwischen Steintorplatz und Stralsunder Straße ist auch heute noch von vierstöckigen Häusern gesäumt. Dieser Teil ist seit der Einstellung der Straßenbahn 1960 verkehrsberuhigt worden. Noch 1960 hatte dieser Teil des Steindammes durchaus „bürgerliches“ Gepräge, die Ausweitung des Vergnügungsbetriebes im Stadtteil St. Georg fand zunächst diskret statt. Seit Mitte der 1970er Jahre gibt es Bürgerinitiativen, den Wohnort St. Georg und damit auch den Steindamm wieder aufzuwerten und dies gegen eine einseitige Nutzung als Vergnügungsmeile zu behaupten.[2]

Das Hansatheater am Steindamm 2012

Der Bereich am Steindamm ist heute einerseits stark türkisch-muslimisch geprägt. Zahlreiche türkische und orientalische Restaurants, Geschäfte und Moscheen liegen am und um den Steindamm. Andererseits ist der Bereich zwischen Hauptbahnhof und Stralsunder Straße auch durch Sexshops und Prostitution gekennzeichnet. Diese sollen aber nach und nach verdrängt werden. Überregionale Bekanntheit erlangte der Steindamm durch das Hansa-Theater.

Der Steindamm ist zwischen Steintorplatz und Lohmühlenstraße 800 m lang.

Östlicher Teil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Zerstörungen von 1943 wurden im östlichen Teil vornehmlich Bürohäuser gebaut. Verkehrlich ist dieser Teil des Steindammes durch die Haltestelle Lohmühlenstraße der Hochbahnlinie U1 angeschlossen. Außerdem wurde dieser Teil der Straße ab Kreuzweg zu einer vierspurigen Durchgangsstraße ausgebaut.

Das sogenannte Horrorhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steindamm, Blick vom Berliner Tor Richtung Innenstadt, im Vordergrund das Horrorhaus

→ Hauptartikel: Horrorhaus

Ein Verwaltungsgebäude mit fünf Einzelkomplexen wurde in den Jahren 1958 bis 1969 für die DAK errichtet. 1989 wurde es an einen Investor verkauft und beherbergte bis 1993 die Deutsche Telekom. Seither stand das Gebäude leer. Es gab verschiedene Nutzungs- und Neubaukonzepte, von denen keines verwirklicht wurde. Im Laufe der Jahre zog das Objekt mit seinen 720 Büros immer mehr Obdachlose und Drogenabhängige aus der Umgebung an, die sich Zugang zum Haus verschafft hatten. Im Sommer 2001 brach ein kleines Feuer im Gebäude aus. Die Feuerwehr stieß bei den Löscharbeiten nicht nur auf jede Menge Unrat und Dreck, sondern fand im Erdgeschoss die Leiche einer jungen Frau, die hier von einem Freier erdrosselt worden war.[3] Nach dem Mord wurde das von der Presse als Horrorhaus titulierte Gebäude vernagelt, sodass niemand mehr eindringen konnte.

2006 wurde das Haus zwangsversteigert, im Oktober 2007 wurde mit dem Abbruch begonnen, im Juni 2008 der Grundstein für einen Neubau gelegt, der 2010 fertiggestellt wurde.[4] Es wurden Geschäfte, 63 Wohnungen, 24 000 m² Büros und ein Hotel mit 464 Zimmern, das Motel One, auf 20 Geschossen sowie 500 Tiefgaragenplätzen gebaut.[5][6]

Anton-Philips-Haus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einweihung des neuen Verwaltungsgebäudes der Allgemeinen Deutschen Philips Industrie, Steindamm 94, fand im März 1971 im Beisein von Bürgermeister Herbert Weichmann (SPD) statt. Auch Senator Hans Rau (FDP) nahm an der Veranstaltung teil. Nach dem Umzug an den Lübeckertordamm wurde das Haus renoviert und teilweise als Boarding-House umgebaut.[7]

Quellen / Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. St. Georg – Vorstadt oder Vorurteil? Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, 1978.
  2. St. Georg – Vorstadt oder Vorurteil? Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, 1978; sowie eigene Kenntnis
  3. http://www.abendblatt.de/daten/2005/12/28/517595.html
  4. http://www.architekturarchiv-web.de/news/2008_06_25.htm@1@2Vorlage:Toter Link/www.architekturarchiv-web.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. Horror-Haus wird Augenschmaus. In: bild.de, 25. Juni 2008, abgerufen am 11. August 2017.
  6. http://www.investment-on.com/component/content/article/34-investment-magazin/3027-motel-one-hamburg-alster-eroeffnet.html@1@2Vorlage:Toter Link/www.investment-on.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. http://www.abendblatt.de/daten/2006/02/22/536267.html

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Steindamm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien