Steipe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Koordinaten: 49° 45′ 24″ N, 6° 38′ 27″ O

Steipe in Trier

Die Steipe ist ein gotisches Gebäude am Hauptmarkt in Trier.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wurde um 1430 als Fest- und Empfangsgebäude der Bürgerschaft an der Einmündung von Fleisch- und Dietrichstraße in den Hauptmarkt erbaut und bereits 1481–83 weitgehend umgebaut.[1] Es diente bis ins 18. Jahrhundert als Rathaus. In den 1930er Jahren restaurierte man das Gebäude, seither wurde es gastronomisch genutzt. Im Zweiten Weltkrieg, am 21. Dezember 1944, wurde die Steipe vollkommen zerstört. Nachdem die Trümmer beseitigt waren, wurde das Gelände die Terrasse eines Cafés. Von Mai 1968 bis Juli 1970 wurde der Gebäudekomplex originalgetreu wieder aufgebaut.[2][3] Vorausgegangen war dem Wiederaufbau eine breite Diskussion, in der auch über die Errichtung eines modernen Gebäudes an der Stelle des zerstörten Originals debattiert worden war. Der Wunsch der Bürgerschaft, das historische Wahrzeichen zurückzuerhalten und die Zweifel an der Verträglichkeit eines modernen Gebäudes im Stadtbild führten schließlich zur Rekonstruktion, zusammen mit der Steipe wurde auch das benachbarte barocke Rote Haus wiederhergestellt. Heute beherbergt die Steipe im Erdgeschoss ein Café und in den oberen Geschossen ein Spielzeugmuseum.

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bauwerk hat vier Geschosse und ist mit einem Zinnenkranz sowie einem steilen Walmdach bekrönt.[1] Im Erdgeschoss besitzt es offene Spitzbogenarkaden, deren Säulen (trierisch: „Steipen“= Stützen) dem Bau seinen Namen gaben.[1] Zwischen diesen Arkaden stehen Statuen der Trierer Stadtpatrone (von links) Jakobus der Ältere, Helena, Petrus und Paulus. Zwei weitere Statuen befinden sich auf Höhe des ersten Obergeschosses; es handelt sich um zwei Ritter in voller Rüstung. Der Symbolgehalt dieser Figuren ist kennzeichnend für den Bau: während die linke, der „Bürgerkirche“ St. Gangolf zugewandte Figur ihr Visier zur Kirche offen trägt, hat die rechte, dem Dom zugewandte Figur ihr Visier geschlossen. Jedoch hatte die rechte Figur Blick zum Klerus (der oberen Kategorie) einen Ausblick, deshalb ist sein Blick nach unten zugewandt. Bei den Skulpturen handelt es sich um Kopien, die originalen Figuren (die vor der Kriegszerstörung abgenommen worden waren) befinden sich im Stadtmuseum Simeonstift Trier. Die Farbfassung des wiederaufgebauten Gebäudes orientiert sich am Original, da kurz vor dem Krieg bei einer Restaurierung genaue Untersuchungen vorgenommen worden waren. Eine Reihe von späteren Veränderungen wurde beim Wiederaufbau zugunsten des (nicht immer ganz sicher nachweisbaren) ursprünglichen Zustandes weggelassen. Die Innenräume wurden entsprechend der modernen Nutzung neu aufgeteilt.

Im Nordwesten schließt sich an den Bau ein quadratischer Treppenturm an, der einzige Teil der Steipe, der im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Unsere Steipe. Verein Trierisch, Trier 1954.
  • Walter Queck (Hrsg.): Die Steipe, Trier. Kommissionsverl., Trier 1972.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Eintrag zu Steipe in der Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier; abgerufen am 11. März 2016.
  2. Roland Morgen: Seit genau 40 Jahren wieder da: „Ons Steip“. In: volksfreund.de. 28. Juli 2010, abgerufen am 6. September 2015.
  3. Herzstück der Stadt – Vor 40 Jahren begann der Wiederaufbau der Steipe. In: Rathaus Zeitung. Stadt Trier, 6. Mai 2008, abgerufen am 6. September 2015.