Stepin Fetchit

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Stepin Fetchit (* 30. Mai 1902 in Key West, Florida als Lincoln Theodore Monroe Andrew Perry; † 19. November 1985 in Woodland Hills, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Komiker, Schauspieler und Sänger. Der Afroamerikaner erreichte in den 1930er-Jahren Berühmtheit mit der Darstellung von teilweise rassistisch verzeichneten Figuren, weshalb er als kontroverse Figur der amerikanischen Filmgeschichte gilt.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stepin Fetchit wurde 1902 als Lincoln Theodore Monroe Andrew Perry in Florida geboren. Sein Vater war ein Zigarettenmacher aus Jamaika, seine Mutter eine Kleidermacherin aus Nassau. Beide waren in den 1890er-Jahren nach Amerika eingewandert und heirateten dort. Zunächst wollte seine Mutter, dass er Zahnarzt wird, doch mit zwölf Jahren rannte er davon und schloss sich einem Zirkus an. In den folgenden Jahren trat Perry als Sänger und Tänzer auf, meist in Vaudevilles oder Zirkussen.[1] Seinen Künstlername Stepin Fetchit nahm er in den 1920er-Jahren an, er kam wahrscheinlich von einer Verkürzung der Redewendung "step and fetch it". Sein Filmdebüt machte er 1925 mit einer kleinen Rolle in The Mysterious Stranger. Den Durchbruch erreichte er 1927 mit einer Nebenrolle im Stummfilmdrama In Old Kentucky (1927). Es folgte die Hauptrolle in Hearts in Dixie (1929), einem der ersten Filme mit hauptsächlich afroamerikanischer Besetzung. Ebenfalls 1929 spielte er die Rolle des Joe in der ersten Verfilmung des Musicals Show Boat.

Ab Ende der 1920er-Jahre konnte sich Fetchit im Tonfilm als Darsteller von afroamerikanischen Comic Reliefs einen Namen machen. Seine Figuren waren zwar liebenswert, zeichneten sich aber auch durch große Faulheit, häufige Verschrecktheit und Unterwürfigkeit sowie nicht selten auch Einfältigkeit aus. Als Beispiel kann man Fetchits vier Auftritte an der Seite von Komikerstar Will Rogers sehen: Obwohl beide privat befreundet waren, wurde er regelmäßig von Rogers auf der Leinwand gedemütigt und missbraucht. In David Harum (1934) verkaufte Rogers sogar Fetchit gemeinsam mit einem Pferd in einer komisch gemeinten Szene.[2] Weitere afroamerikanische Schauspieler wie Willie Best und Mantan Moreland imitierten Fetchits Leinwandfigur in anderen Filmen. Fetchit wird daher heute häufig zur Last gelegt, mit seinen Darstellungen die Klischees über Afroamerikaner noch verstärkt zu haben. Der Schauspieler – der selbst durchaus als gebildet galt – wehrte sich gegen diese Kritik und als eine Fernsehdokumentation 1968 ein negatives Bild von ihm zeichnete, verklagte er die Produzenten in Millionenhöhe. Fetchit verteidigte sich mit dem Hinweis, dass er der erste afroamerikanische Hollywood-Star gewesen wäre und damit Türen für spätere Darsteller geöffnet hätte.[3]

„Fetchit treibt mit der ihm eigenen Bravour das Klischee vom faulen Schwarzen auf die Spitze. Er gibt stets den Sklaven ohne Arg, höchstens mit einiger List, einen schwarzen Schwejk. Als solcher treibt er sein Spiel mit dem Herrn. Sein Biograf Mel Watkins nennt es »putting on old massa« – sich möglichst ungeschickt und dumm anstellen, um Arbeit und Ausbeutung auf ein Minimum zu reduzieren.“

Tatsächlich war er der populärste afroamerikanische Filmstar der 1930er-Jahre und soll durch seine Darstellungen sogar eine Million Dollar verdient haben. Ende der 1940er-Jahre musste Fetchit allerdings Insolvenz anmelden, nachdem er das Geld verschwendet hatte (er hatte zeitweise ein Dutzend Diener und noch mehr Autos). Zu Fetchits weiteren Filmen gehörten Auftritte bei den Kleinen Strolchen sowie der Charlie-Chan-Film Charlie Chan in Ägypten (1936) mit Warner Oland. Auch renommierte Regisseure wie John Ford bei Judge Priest (1934) verpflichteten Fetchit für bedeutende Nebenrollen. In Hal Roachs Komödie Zenobia, der Jahrmarktselefant spielte er 1939 neben den Komikern Oliver Hardy und Harry Langdon. Mit Beginn der 1940er-Jahre drehte er weniger Filme, auch weil seine Leinwandfigur in der Öffentlichkeit inzwischen kritischer gesehen wurde und Produzenten davor zurückschreckten, ihn zu besetzen.[4] Er kehrte nur noch für unregelmäßige Film- und Fernsehauftritte auf die Leinwand zurück, etwa neben James Stewart im Western Meuterei am Schlangenfluß oder in Wem die Sonne lacht von John Ford. Seine letzte Rolle spielte er 1976.

Stepin Fetchit war dreimal verheiratet, mit seiner letzten Frau Bernice bis zu ihrem Tod im Jahre 1984. Er hatte zwei Söhne, wobei sein jüngerer Sohn 1969 bei einem Amoklauf drei Menschen und dann sich selbst tötete.[5] In den 1970er-Jahren wurde Fetchit, der auch mit Muhammad Ali befreundet war[6], für seine Pionierleistungen mit einem NAACP Image Award sowie einer Einführung in die Black Filmmakers Hall of Fame geehrt. Außerdem erhielt er einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. Stepin Fetchit verstarb 1985 im Alter von 83 Jahren an Herzversagen in Verbindung mit einer Lungenentzündung.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lamparski, Richard (1982). Whatever Became Of …? Eighth Series. New York: Crown Publishers. S. 106–7. ISBN 0-517-54855-0.
  2. Stepin Fetchit beim Jim Crow Museum
  3. Stepin Fetchit beim Jim Crow Museum
  4. a b Kritik von Stefan Ripplinger bei Jungle-World
  5. Bericht über den Amoklauf
  6. Stepin Fetchit bei Allmovie