Stigmatisierung psychisch Kranker

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Das Wort Stigma kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt Wundmal. Häufig fällt der psychisch kranke Mensch durch eine krankheitsbedingte Normabweichung auf und zeigt gemessen an dem allgemeingültigen gesellschaftlichen Rahmen ein verändertes Verhalten. Normabweichungen können einen Prozess der Stigmatisierung in Gang setzen. Psychiatriepatienten sind häufig stigmatisiert und verschiedenen Formen der Diskriminierung ausgesetzt. Dabei kann die Stigmatisierung in öffentlicher, in Selbststigmatisierung oder in struktureller Diskriminierung bestehen.[1]

Öffentliche Stigmatisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine öffentliche Stigmatisierung kann im Bereich der interpersonellen Interaktion[2] am Arbeitsplatz oder bei der Wohnungssuche erfolgen. Die individuelle Stigmatisierung äußert sich dergestalt, dass im direkten Kontakt mit anderen Menschen eine soziale Distanz ihnen gegenüber aufrechterhalten wird. Mobbing, Ausgrenzung, persönliche Angriffe und Entmündigung sind aufgrund des Stigmas in vielen Ländern keine Seltenheit. Die bestätigt auch eine große Kohortenstudie, laut der psychisch Kranke häufiger Opfer von Gewalttaten sind als psychisch Gesunde. So konnte in einer schwedischen Studie festgestellt werden, dass 22 % aller Opfer von Tötungsdelikten vorher aufgrund psychischer Störungen ambulant oder stationär behandelt wurden.[3] Benachteiligung bis hin zum vollständiger Ausschluss bei der Arbeitsplatz- und Wohnungssuche können bei einem Bekanntwerden erschwerend hinzukommen. Der Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben muss nicht durch eigenes Fehlverhalten oder Verschulden verursacht sein, sondern kann auch allein aufgrund von gesellschaftlichen Vorurteilen und Vorstellungen gegenüber psychisch Kranken geschehen.

Selbststigmatisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Diskriminierung aufgrund von Selbststigmatisierung geht von den psychisch Kranken selbst aus. Sie machen sich Stereotype die in der Gesellschaft über psychisch Kranke vorherrschen zu eigen.[4] Dies ist in der Regel bei dauerhaft auf psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe angewiesenen Betroffenen zu beobachten, die aus Resignation, Existenzängsten oder Verunsicherung zu dieser Selbststigmatisierung greifen.

Strukturelle Diskriminierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit struktureller Diskriminierung wird die praktische Handhabung der öffentlichen und privaten Einrichtungen im Zusammenhang mit psychisch kranken Menschen bezeichnet (z. B. Ungleichstellung mit somatisch Erkrankten, Ungleichverteilung der Ressourcen der Krankenkassen).[5]

Die strukturelle Stigmatisierung äußert sich in Deutschland vor allem durch Sondergesetze gegenüber psychisch kranken Menschen, den so genannten Psychisch-Kranken-Gesetzen (PsychKGs), die je nach Bundesland unterschiedliche Fassungen haben. Auch die längere oder dauerhafte Speicherung psychiatrischer Diagnosen von Seiten der Krankenkassen wird von Betroffenenverbänden als Stigmatisierung aufgefasst. Zwangsmaßnahmen (z.B. Zwangsbehandlung in der Psychiatrie), gerichtliche Entmündigung und Sterilisation der Betroffenen sind heute noch in vielen Ländern der Erde Praxis.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. N. Rüsch, M. Berger, A. Finzen, Angermeyer: Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie, elektronisches Zusatzkapitel Stigma. Seite 1
  2. Dissertation Die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen durch einen stationären Aufenthalt aus Sicht der Betroffenen Uni Freiburg, Jahr 2011, Katarina Miller, Seite 49
  3. C. Crump, K. Sundquist, M. A. Winkleby, J. Sundquist: Mental disorders and vulnerability to homicidal death: Swedish nationwide cohort study. In: BMJ (Clinical research ed.). Band 346, 2013, S. 557 f., ISSN 1756-1833. PMID 23462204.
  4. N. Rüsch, M. Berger, A. Finzen, Angermeyer: Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie, elektronisches Zusatzkapitel Stigma. Seite 4
  5. N. Rüsch, M. Berger, A. Finzen, Angermeyer: Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie, elektronisches Zusatzkapitel Stigma. Seite 5